NVA-Militärpolizei / BW-Feldjägertruppe

  • Seite 1 von 5
14.02.2021 10:11
#1
avatar

Die Bundeswehr hat seit ihrer Gründungszeit Mitte der 50er Jahre als eigenständige Truppengattung eine Militärpolizei: die Feldjägertruppe. 1982 bis 1987 war ich selbst dort aktiv, aber nicht freiwillig, sondern als Grundwehrdienstleistender bzw. wehrübender Reservist: Zugbegleitungen (vor allem an Wochenenden und an Entlassungstagen), Marschbegleitungen (bei mir vor allem Führung von deutschen, britischen und amerikanischen Panzerverbänden oder Sanitätsbataillonen von A nach B), Geldtransporte von Landeszentralbanken in Kasernen (die Wehrpflichtigen wurden damals bar bezahlt), Nachforschungen (Aufsuchen und Abholung/Festnahme von eigenmächtig abwesenden Bundeswehrsoldaten), Absicherung von öffentlichen Gelöbnissen/Vereidigungen und - vor allem bei sogenannten Ostermärschen - Absicherung von Waffen- und Munitionsdepots usw. Alles in allem recht interessante Abwechslungen in meinem Studentenalltag. Einige Fotos habe ich in meinem Album g1223-Feldjaegertruppe.html eingestellt.

Hierzu zwei Fragen bzgl. der NVA:

1. Gab es eine vergleichbare Truppe auch bei der NVA?

2. Gab es NVA-Soldaten/Grenztruppenangehörige, die nach dem DDR-Beitritt zur BRD in die Feldjägertruppe der Bundeswehr wechselten?


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 10:26
avatar  R-363
#2
avatar

Zu 1.) Da kommt am ehesten der Kommandantendienst (KD) in Betracht, der aber weitem nicht so breit aufgestellt war wie die FJgTr der Bw. Bei einigen Wehrbezirkskommandos (nicht bei allen) gab es KD-Züge. Ob es die bei den Kommandos der Teilstreitkräfte und der beiden Militärbezirke gab kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich nehme es an.

Zu 2.) Ja, die gab es. Mir sind mehrere Kameraden bekannt, die in der FJgKp in Hagenow Dienst geleistet haben. Die kamen aber aus unterschiedlichen Waffengattungen und Diensten der NVA, nicht nur aus dem KD.

Soldat vom 01.11.1971 bis 30.06.2006 StOFä (NVA) a.D.; StFw a.D.

 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 10:45
avatar  SCORN
#3
avatar

Einige Aufgaben welche heute die Feldjäger der Bundeswehr ausführen waren in der NVA den Standortstreifen zugedacht. Vor allem waren sie für das Auftreten und die Unterbindung und Ahndung von Disziplinarverstößen von Armeeangehörigen in der Öffentlichkeit verantwortlich. Sie wurden aus den Einheiten am Standort gebildet, eingewiesen und vergattert, mit weißen Koppelzeug ausgerüstet und bewaffnet, in die Spur geschickt. Im Bereich der 4.Flottile in W`münde war ein Wachlokal gleich unterhalb des Teepotts, da dieser gerne von den Mollies frequentiert wurde. Auch gab es eine spezielle Streife für den Zeltplatz Markgrafenheide, dessen betreten für Angehörige der Flottille strikt untersagt war, dies aber dennoch aus alkoholischen und hormonellen Gründen sehr oft geschah.


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 10:46
#4
avatar

reine Feldjäger gabs es zu meiner Zeit nicht.Nur den KD, weisses Koppelzeug und weissen Mützenring. ist lange her und ich war bis 70 in Schildow ,GR38


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 11:01
#5
avatar

Zitat von Westfale63 im Beitrag #1
Zugbegleitungen (vor allem an Wochenenden und an Entlassungstagen)


Ist das ein Gerücht oder waren die /ihr auch in zivil als Zugbegleitung unterwegs? Uns wurde damals von den Vorgesetzten versucht sowas glaubhaft zu machen.

Démerde-toi !


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 11:57
#6
avatar

Zugbegleitungen in zivil: Ich kann nur für die 80er Jahre sprechen: Nie erlebt, auch nie von gehört. Wohl nur ein Gerücht. Bei solchen Einsätzen galt meist Dienstanzug, also diese Bekleidung: Je nach Wetter/Jahreszeit mal Schirmmütze, mal Barett:
https://files.homepagemodules.de/b150225...0580/c179cb.jpg

Wenn keine Zeit war, um sich umziehen, ging es aber auch mal in Grünzeug in die Züge:
https://files.homepagemodules.de/b150225...0580/2a2b06.jpg

Meistens gab es bei den Zugbegleitungseinsätzen (Ruhrgebiet - Bremen oder Münster - Hamburg) keine Vorkommnisse. Aber es gab Ausnahmen. So brauchten U-Boot-Jungs schon mal etwas Betreuung, wenn sie bereits vormittags schnapsfrühstückend irgendwo zwischen Stuttgart und Köln in die Züge gestiegen waren. Auch Fallschirmjäger bekamen bei Bedarf unsere Zuwendung, wenn weibliche Reisende an ihrer Toleranzgrenze angekommen waren.

PS: Einsätze in ziviler Kleidung hatte ich nur bei den Nachforschungen (hierfür benutzten wir zivile BW-Fahrzeuge und kleinere Pistolen im Schulterhalfter). Deshalb galt die normale Kurzhaarvorschrift für Feldjäger nicht.


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 12:52
#7
avatar

Zitat von Trikerhanning im Beitrag #4
reine Feldjäger gabs es zu meiner Zeit nicht.Nur den KD, weisses Koppelzeug und weissen Mützenring. ist lange her und ich war bis 70 in Schildow ,GR38



Mal ´ne Frage nebenbei. Warst Du im Rahmen der Kompaniesicherung auch im Grenzbereich Niederneuendorf, also der 1.GK des GR 38 ?
Dort war ich 67/68.


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 13:49 (zuletzt bearbeitet: 14.02.2021 13:49)
#8
avatar

Zitat von Westfale63 im Beitrag #6
Zugbegleitungen in zivil: Ich kann nur für die 80er Jahre sprechen: Nie erlebt, auch nie von gehört. Wohl nur ein Gerücht. Bei solchen Einsätzen galt meist Dienstanzug, also diese Bekleidung: Je nach Wetter/Jahreszeit mal Schirmmütze, mal Barett:
https://files.homepagemodules.de/b150225...0580/c179cb.jpg

Wenn keine Zeit war, um sich umziehen, ging es aber auch mal in Grünzeug in die Züge:
https://files.homepagemodules.de/b150225...0580/2a2b06.jpg

Meistens gab es bei den Zugbegleitungseinsätzen (Ruhrgebiet - Bremen oder Münster - Hamburg) keine Vorkommnisse. Aber es gab Ausnahmen. So brauchten U-Boot-Jungs schon mal etwas Betreuung, wenn sie bereits vormittags schnapsfrühstückend irgendwo zwischen Stuttgart und Köln in die Züge gestiegen waren. Auch Fallschirmjäger bekamen bei Bedarf unsere Zuwendung, wenn weibliche Reisende an ihrer Toleranzgrenze angekommen waren.

PS: Einsätze in ziviler Kleidung hatte ich nur bei den Nachforschungen (hierfür benutzten wir zivile BW-Fahrzeuge und kleinere Pistolen im Schulterhalfter). Deshalb galt die normale Kurzhaarvorschrift für Feldjäger nicht.


Kann mich an die achtziger Jahre erinnern.
Da wurden die Züge von Frankfurt in Richtung Kassel, immer sonntags von Feldjäger begleitet.
Gleichzeitig war auch oft amerikanische MP in den Zügen, da es ja in Friedberg, Butzbach und Gießen US Kasernen gab.
Die MP griff manchmal ziemlich robust zu, wenn ein GI über die Strenge schlug.


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 14:10 (zuletzt bearbeitet: 14.02.2021 20:48)
avatar  Fall 80
#9
avatar

Zitat von SCORN im Beitrag #3
Einige Aufgaben welche heute die Feldjäger der Bundeswehr ausführen waren in der NVA den Standortstreifen zugedacht. Vor allem waren sie für das Auftreten und die Unterbindung und Ahndung von Disziplinarverstößen von Armeeangehörigen in der Öffentlichkeit verantwortlich. Sie wurden aus den Einheiten am Standort gebildet, eingewiesen und vergattert, mit weißen Koppelzeug ausgerüstet und bewaffnet, in die Spur geschickt. Im Bereich der 4.Flottile in W`münde war ein Wachlokal gleich unterhalb des Teepotts, da dieser gerne von den Mollies frequentiert wurde. Auch gab es eine spezielle Streife für den Zeltplatz Markgrafenheide, dessen betreten für Angehörige der Flottille strikt untersagt war, dies aber dennoch aus alkoholischen und hormonellen Gründen sehr oft geschah.


@SCORN

Als Resi habe ich einmal die Standortstreife gefahren mit dem Stoffhund. Sowas hatte ich mir nicht vorgestellt. Da ein bestimmter Fähnrich Streifenführer war bekam ich gleich den Auftrag Bier mitzubringen. Beim Rausfahren aus dem Objekt fragte er mich wieso denn keine Flaschen klappern. Ich antwortete, dass geht auch ohne Klappern. fast alle Kneipen waren dicht nur eine hinter dem Objekt nicht. Die Kneipe war voll mit regulären Ausgängern, Zaunhüpfern in Schwarzkombi, BU in Zivil. Da wir Hunger hatten sind wir da rein und bekamen einen Tisch in der Nähe des Ausganges. Außer mir haben alle drei ein Bier getrunken zum Essen. Dann wurde die Luft aus den Flaschen gelassen, noch eine runde durch die Stadt gedreht und gegen 24 Uhr ins Objekt gefahren, an der Kompanie die Teil I Taschen mit den Flaschen ausgeladen und das wars. Klingt etwas abenteuerlich, ist aber genau so abgelaufen. Habe den Wirt (ehemaliger Soldat des Objektes, der die Kneipertochter geangelt hatte) dann im Ausgang mal gefragt, wieviel Flaschen Bier er so am Tag in das Objekt verkaufe. Er lachte nur und sagte manchmal bis zu 20 Kästen.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 20:04
avatar  Hans55
#10
avatar

Ob KD oder Feldjäger,der Soldat hat sie wohl am liebsten von hinten gesehen


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 20:47
avatar  B Man
#11
avatar

Zitat von Hans55 im Beitrag #10
der Soldat hat sie wohl am liebsten von hinten gesehen


Im Dienstalltag hat man die bei der BW kaum mitbekommen.

In Kassel waren die Feldjäger mit dem Heeresmusikkorps in einer Kaserne aus der Kaiserzeit mitten in der Stadt untergebracht.
Die anderen Kassler Kasernen haben sich da immer mit der Wache abgewechselt.
Das war immer 24 Stunden in einer anderen Welt
Da hat keiner so Soldaten Sachen gemacht wie man das sonst kannte.
Die Feldjäger haben wir nur gesehen wenn sie zu ihren Streifenfahrten los oder zurück gekommen sind oder eben in der Kantine.

Die waren irgendwie immer da, aber immer dezent im Hintergrund.

Gruss Andreas


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 21:16
avatar  icke46
#12
avatar

Was mich mal interessieren würde: Wurden in der Bundeswehr die Feldjäger auch als Kettenhunde bezeichnet, so wie im Vorgängerverein?

Die namensgebende Kette trugen sie ja nicht mehr.


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 21:30
avatar  R-363
#13
avatar

Genauso könnte man fragen, ob die Angehörigen des KD der NVA so tituliert wurden Im Bezug auf die FJg habe ich das jedenfalls nicht gehört, nur die Bezeichnung „bewaffnete Schülerlotsen“.

Soldat vom 01.11.1971 bis 30.06.2006 StOFä (NVA) a.D.; StFw a.D.

 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 21:39
avatar  polsam
#14
avatar

Zitat von Westfale63 im Beitrag #1
2. Gab es NVA-Soldaten/Grenztruppenangehörige, die nach dem DDR-Beitritt zur BRD in die Feldjägertruppe der Bundeswehr wechselten?

@Westfale63 , deine Frage kann ich mit ja beantworten. Jemand aus meinem Freundeskreis war Fähnrich im Verpflegungsdienst der NVA. Er wurde von der BW übernommen und war nach entsprechender Ausbildung ein paar Jahre als Feldjäger tätig.


 Antworten

 Beitrag melden
14.02.2021 22:02 (zuletzt bearbeitet: 14.02.2021 22:10)
#15
avatar

Kettenhund, Schülerlotse, Militärbulle, Nazi - Ja, derartige Nettigkeiten wurden einem auf Bahnhöfen schon mal aus abfahrenden Zügen hinterhergerufen, auch von Zivilisten/Frauen.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!