Die geschichte der abgerissenen und geschliffenen Dörfer im Grenzgebiet der DDR

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10.02.2021 09:53
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#1
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Die Geschichte der abgerissenen und geschliffenen Dörfer im Grenzgebiet der DDR

Zur Erinnerung an das unsägliche begangene Unrecht das den vertriebenen Bewohnern der geschliffenen Dörfern im Grenzgebiet von Seiten der DDR Staatsorgane angetan wurde, wird mit diesem Thread an die betroffenen Dörfer und Weiler erinnert. Von den Maßnahmenwaren insgesamt mehr als 10.000 Personen betroffen incl. der "Ausgesiedelten" aus dem Grenzgebiet im Rahmen der Aktionen "Ungeziefer " und "Kornblume". Die Liste der Dörfer und Weiler ist nicht vollständig und kann durch User erweitert werden.
Die namentliche Nennung der geschliffenen Dörfer erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.

Billmuthausen – ehemals Kreis Hildburghausen

Billmuthausen wird erstmals urkundlich im Jahre 1340 erwähnt. Das Dorf bestand über Jahrhunderte aus 13 Wohnhäusern und einem Gutshof. Im Dorf wohnten ca. 65 bis 70 Einwohner. Billmuthausen war unmittelbar an der innerdeutschen Grenze im Grenzgebiet und Schutzstreifen belegen. Aus dem Dorf flohen im Jahr 1952 insgesamt 7 Familien mit 34 Personen nach Bayern. Die verbliebenen Einwohner unterlagen ständigen Schikanen der Staatsorgane und der Grenztruppen. 1962 wurden 2 Familien im Rahmen der Aktion „Ungeziefer“ zwangsausgesiedelt. Auch in den folgenden Jahren wurde die systematische Zerstörung des Dorfes weiter fortgesetzt. Dies wurde unter dem zynischen Begriff „der weiteren Erhöhung der Ordnung und Sicherheit an der Staatsgrenze zur BRD“ betrieben. Trotz des heftigen Protestes der verbliebenen Einwohner und der evangelischen Landeskirche erfolgte die Vertreibung der letzten Einwohner. Das Dorf wurde 1978 zerstört und dem Erdboden gleich gemacht. Heute erinnert eine Gedenktafel an das begangene Unrecht, welches den Einwohnern von Billmuthausen zu DDR Zeiten widerfahren ist. Als Quellen zur Geschichte von Billmuthausen können Wikipedia und der sehr ausführliche Beitrag von Schätzlein und Albert in ihrem Buch „Grenzerfahrungen Bezirk Suhl-Bayern/Hessen 1972 bis 1988" Band 2 dort auf den Seiten 508-513 genannt werden.


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10.02.2021 10:16
avatar  Gert
#2
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Zitat von birx20 im Beitrag #1

Die Geschichte der abgerissenen und geschliffenen Dörfer im Grenzgebiet der DDR

Zur Erinnerung an das unsägliche begangene Unrecht das den vertriebenen Bewohnern der geschliffenen Dörfern im Grenzgebiet von Seiten der DDR Staatsorgane angetan wurde, wird mit diesem Thread an die betroffenen Dörfer und Weiler erinnert. Von den Maßnahmenwaren insgesamt mehr als 10.000 Personen betroffen incl. der "Ausgesiedelten" aus dem Grenzgebiet im Rahmen der Aktionen "Ungeziefer " und "Kornblume". Die Liste der Dörfer und Weiler ist nicht vollständig und kann durch User erweitert werden.
Die namentliche Nennung der geschliffenen Dörfer erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.

Billmuthausen – ehemals Kreis Hildburghausen

Billmuthausen wird erstmals urkundlich im Jahre 1340 erwähnt. Das Dorf bestand über Jahrhunderte aus 13 Wohnhäusern und einem Gutshof. Im Dorf wohnten ca. 65 bis 70 Einwohner. Billmuthausen war unmittelbar an der innerdeutschen Grenze im Grenzgebiet und Schutzstreifen belegen. Aus dem Dorf flohen im Jahr 1952 insgesamt 7 Familien mit 34 Personen nach Bayern. Die verbliebenen Einwohner unterlagen ständigen Schikanen der Staatsorgane und der Grenztruppen. 1962 wurden 2 Familien im Rahmen der Aktion „Ungeziefer“ zwangsausgesiedelt. Auch in den folgenden Jahren wurde die systematische Zerstörung des Dorfes weiter fortgesetzt. Dies wurde unter dem zynischen Begriff „der weiteren Erhöhung der Ordnung und Sicherheit an der Staatsgrenze zur BRD“ betrieben. Trotz des heftigen Protestes der verbliebenen Einwohner und der evangelischen Landeskirche erfolgte die Vertreibung der letzten Einwohner. Das Dorf wurde 1978 zerstört und dem Erdboden gleich gemacht. Heute erinnert eine Gedenktafel an das begangene Unrecht, welches den Einwohnern von Billmuthausen zu DDR Zeiten widerfahren ist. Als Quellen zur Geschichte von Billmuthausen können Wikipedia und der sehr ausführliche Beitrag von Schätzlein und Albert in ihrem Buch „Grenzerfahrungen Bezirk Suhl-Bayern/Hessen 1972 bis 1988" Band 2 dort auf den Seiten 508-513 genannt werden.



ganz schlimme Verbrechen die da passiert sind. Sie sind auch durch nichts zu entschuldigen. Ich stelle mir da immer vor, heute kommt jemand zu mir und sagt mir und Fam. raus aus dem Haus, sie werden umgezogen und das Haus wird abgerissen. Etwas wofür ich mir und meine Fam. den Ar.. aufgerissen haben, um ein Dach über den Kopf zu bekommen , um ein Heimatgefühl zu habe , nämlich , hier bin ich zu Hause das ist meine Heimat. der blanke Horror, was die Genossen da veranstaltet haben


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10.02.2021 10:38
avatar  birx20
#3
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zu#1
In der Überschrift muss es richtig heißen: Die Geschichte der abgerissenen und geschleiften Dörfer im Grenzgebiet der DDR.

Geschliffen werden Messer. Zerstörte Dörfer wurden geschleift, also dem Erdboden gleich gemacht.


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10.02.2021 12:47 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2021 12:50)
#4
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Ein gutes Beispiel dafür ist auch das Dorf Stresow in der Altmark in der Nähe von Aulosen (GR 24, 1.GK) gelegen dort errinert auch eine gedenk Tafel daran.

Auch in meinem Heimat Dorf was im Speergebiet lag wurde dafür gesorgt das lehr gezogene Häuser bzw. gehöfte nicht neu bezogen wurden und später wegen baufälligkeit abgerissen.


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10.02.2021 13:22
avatar  birx20
#5
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GMN Fuchs,

Ich habe mal durchgeführt.
Allein im ehemaligen Bezirk Suhl waren es insgesamt 51 Dörfer, Weiler Gehöft und Häuser die abgerissen wurden.
Ich schätze an der gesamten innerdeutschen Grenze ca. 300 Dörfer, Weiler, Gehöfte und Häuser.
Ein Verbrechen ohne Ende.


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10.02.2021 17:06 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2021 17:08)
#6
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Da stimm ich dir zu hier bei mir in der Nähe gab es auch einen Ortsteil da ging die Grenze quer durch die Häuser und heute steht dort ein Gewerbe Gebiet.... man muss auch dazu sagen das die leute da auch teilweise von selbst weck gezogen sind weil nicht jeder wollte im Speergebiet bzw. schutzstreifen wohnen.



Der Ort hieß Neu Gallin


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10.02.2021 17:17
avatar  birx20
#7
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Nur in den aller wenigsten Fällen wie zum Beispiel im nunmehr fast weltbekannten ehemaligen Grenzdorf Mödlareuth an der heute bayrisch-thüringischen Grenze, durften Dörfer die auf DDR Seite direkt an der Grenze lagen fortbestehen. Mödlareuth ist durch den mehrteiligen Fernsehfilm "Tannbach" über Deutschlands Grenzen hinaus, für sein geteiltes Schicksal und die "Mauer" im Dorf bekannt geworden.
In den nächsten Tagen werde ich am Beispiel einiger ausgewählter Dörfer, Weiler oder Gehöfte im Schutzstreifen der DDR, auf dieses sehr traurige Schicksal aufmerksam machen.


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10.02.2021 17:31 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2021 17:33)
#8
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Auch in der Altmark und hier in Meckpomm gibt es solche Ort schau mal nach Rüterberg da weiß Fred sicher auch was zu oder auch Hanum

Die wurden zwar nicht Geschliffen aber da war die Grenze vor der Tür


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10.02.2021 18:24
avatar  ( gelöscht )
#9
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( gelöscht )

In Hanum gingen die Hausgrundstücke teilweise bis an den GSZ.
Wo die Bebauung nahe an die Grenze ging, war halt eine Mauer anstatt Grenzzaun1, denke als eine Art Sichtblende.


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10.02.2021 18:51 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2021 16:06)
avatar  Mike59
#10
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.


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10.02.2021 19:13
avatar  icke46
#11
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Zitat von GMN Fuchs im Beitrag #8
Auch in der Altmark und hier in Meckpomm gibt es solche Ort schau mal nach Rüterberg da weiß Fred sicher auch was zu oder auch Hanum

Die wurden zwar nicht Geschliffen aber da war die Grenze vor der Tür


Ja, die Geschichte von Rüterberg ist interessant. Bis 2002 hieß der Ortsteil von Dömitz offiziell Rüterberg Dorfrepublik. Vielleicht kann ja Fred was dazu schreiben. Ich selber kenne Rüterberg nur vom Wasser aus, als ich vor einigen Jahren eine Elbrundfahrt von Dömitz aus gemacht habe. Da stehen die Häuser wirklich dicht am Fluß, also an der Grenze damals.


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10.02.2021 20:20 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2021 20:21)
avatar  Fred.S.
#12
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zu 11
Da muss ich, icke, passen.
Außer einmal im Winter vor dem Zaun gelegen, kann ich zu den Ort auch nichts sagen.
Wie Du, aber fast täglich auf der Elbe da vorbei gefahren.

Wer sich für Rüterberg aber interessiert, der soll mal " Rüterberg " eingeben und bekommt Angaben und Video davon.

Zu den geschliffenen Dörfern, da kannte ich nur eine Stelle, wo ein Gehöft vernichtet wurde und nur die Obstbäume noch standen. Bei Boizenburg, unterhalb des Hang bei EKM 562 - 563. Ein breites Elbvorgelände und am Hang waren die Reste des Gehöft noch zu erkennen. Oben war wohl eine Hundetrasse. Fred
Bild: in dem genannten Bereich befanden sich die Reste.


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10.02.2021 20:53 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2021 20:55)
#13
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"Mobility, Vigilance, Justice"

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10.02.2021 21:05
avatar  mibau83
#14
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Zitat

Billmuthausen – ehemals Kreis Hildburghausen




im film kommt der sohn des letzten gutsbesitzers, der mittlerweile verstorbene dieter ludloff, so ab minute 7:20 zu wort.

https://www.ardmediathek.de/br/video/unt...NTc5NDc4NTU5NA/


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11.02.2021 08:22
avatar  birx20
#15
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Zur Erinnerung an das unsägliche begangene Unrecht und Leid das den vertriebenen Bewohnern der abgerissenen Dörfer im Grenzgebiet von Seiten der DDR Staatsorgane angetan wurde, wird mit diesem Thread an die betroffenen Dörfer und Weiler erinnert. Die Liste ist nicht vollständig und kann durch User erweitert werden.
Insgesamt wurden nach Schätzungen an der innerdeutschen Grenze auf Seiten der DDR ca. 300 Dörfer, Weiler, Gehöfte und einzelne Häuser im Grenzgebiet und Schutzstreifen abgerissen und geschleift.
Mit den Zwangsausgesiedelten der Aktionen „Ungeziefer“ und „Kornblume“ dürften fast 20.000 Personen aus dem Grenzgebiet der DDR unrechtmäßig und gegen ihren Willen aus dem Grenzgebiet zwangsumgesiedelt worden sein
In dem Beitrag werden davon nur einzelne Orte beispielhaft für andere Orte genannt

Korberoth – Kreis Sonneberg

Das kleine Dorf Korberoth wurde erstmals 1334 urkundlich als Curbenrode erwähnt.
Die eigenständige Gemeinde hatte 21 Einwohner im Jahr 1910 und wurde 1923 ein Ortsteil von Effelder.
Zwischen 1972 und 1984 wurden die Bewohner im Zuge der „der weiteren Erhöhung der Ordnung und Sicherheit an der Staatsgrenze zur BRD“ von 1972 bis 1980 zwangsweise ausgesiedelt. Nach Zwangsaussiedlung der letzten Einwohner von Korberoth wurde das kleine Dorf an der innerdeutschen Grenze dem Erdboden gleich gemacht. Geblieben ist von Korberoth einzig der Dorfteich.
Auch an diese Schandtat der Staatsorgane der DDR erinnert heute ein Gedenkstein.

Quellen: Wikipedia und Schätzlein /Albert „Grenzerfahrungen……1972 bis 1988“ Band 2 Seiten 518 bis 521


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