Die geschichte der abgerissenen und geschliffenen Dörfer im Grenzgebiet der DDR

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11.02.2021 08:29 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2021 08:33)
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#16
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Ich vermute mal die Schleifpraxis war auch an der Einwohnerzahl orientiert, Hanum hatte 1981 ca. 250 und durfte wohl deshalb weiter existieren.
Ganz so übertreiben wie sie es gerne gewollt hätten, konnten es die Sozialisten scheinbar auch nicht.
Der Abriss von Gebäuden in Größenordnungen band ja auch ökonomische Mittel und in dem Bezug ging ja die DDR bekanntermaßen am Stock.


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11.02.2021 08:39
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#17
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Bei einzeln stehenden Gehöften, Gütern, Mühlen oder Gastwirtschaften war man ganz schnell bei der Sache und die Abrisskolonne folgte ganz schnell.

Begründet wurde das dann oft mit dem Schutz der Bewohner.

Meines Erachtens ging es eher darum Exempel zu statuieren und regimekritische Bürger zu kujonieren.

Gleichzeitig erhoffte man sich Stützpunkte für Schmuggel und Flüchtlinge zu vernichten. Die Besitzer dieser Objekte kannten sich ja meist besser im Gelände aus als die "Grenzschützer".

Uli


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11.02.2021 08:43 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2021 08:48)
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#18
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Die völlige Entvölkerung des Grenz-Sperrgebietes war sicherlich bei den DDR-Kampfzwergen der Traum schlechthin, aber wegen Zwergentums halt ökonomisch unmöglich.
Ich vermute mal das schon so die Unterhaltung des "DDR-Limes" auf 1300 Kilometer erheblich zum Verschwinden der DDR beigetragen hat.


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11.02.2021 08:48
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#19
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Bei Dörfern im Schutzstreifen mit ungefähr 150 Einwohnern rechnete man nicht zu Unrecht mit heftigen Protesten der Einwohner. Darüber hinaus standen dort auch oft denkmalgeschützte größere Kirchen und daran angeschlossen die Friedhöfe.
Wie ich schon über mein Lieblingsdorf auf der Rhön Birx schrieb, war das Risiko eines großen Protestes der Einwohner und von Live Berichten in ARD und ZDF über die Zwangsaussiedlung und den Abriss den DDR Staatsorganen zu groß.
Also ließ man zwangsweise einzelne kleine Dörfer unmittelbar im Schutzstreifen fortbestehen. Dafür hat man diese, dann wie Birx von 3 Seiten mit Streckmetall eingezäunt und fast zu Gefängnisdörfern verwandelt.


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11.02.2021 08:53 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2021 08:54)
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#20
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Ja das hat die Bevölkerung bestimmt in ihrem Sicherheitgefühl bestärkt wenn 2/3 oder mehr des Dorfes unmittelbar hinter den Grundstücken noch durch Streckmetallzäune, Hundelaufanlagen und Festbeleuchtung aufgerüstet wurden.

Siehe auch Großburschla oder Kella.

Uli

Nachtrag: Da fühlte man sich bei den Kontrollen am Schlagbaum wie ein Gefängniswärter und nicht wie ein Beschützer.


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11.02.2021 09:26 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2021 09:41)
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#21
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Nun wurde nicht überall gleich abgerissen, in Mödlareuth
https://www.google.com/maps/place/M%C3%B...83!4d11.8829324
unterhalb des Parkplatzes sieht man noch Fundamente, auf denen noch 1970 das Haus unseres Hauptfeld
stand. Unmittelbar im Grenzwinkel mit der Mauer als Gartenzaun.

Und Straßenreuth gibt es noch heute, ein kleiner Ortsteil von Gebersreuth, ca 500 m von der Grenze entfernt
und aus nur einer Handvoll Häuser bestehend.
https://www.google.com/maps/place/M%C3%B...83!4d11.8829324

Warum also hier oder da und andernorts nicht, wer kann das begründen.

Im Verhältnis zu dem, was dagegen in und um Berlin von der Bildfläche verschwand an Mietshäusern,
Einfamilienhäusern, Kleingartenkolonien, Friedhöfen ect.pp. waren die paar abgerissenen Dörfer bzw.
Gehöfte Peanuts.
Um privates Eigentum ging es hier wie da, und gefragt wurde in und um Berlin auch niemand.
Deshalb verstehe ich nicht, warum das unerwähnt bleibt, den ehem. Dörfern jedoch immer wieder nachgeweint wird.


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11.02.2021 10:24
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#22
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #21
Nun wurde nicht überall gleich abgerissen, in Mödlareuth
https://www.google.com/maps/place/M%C3%B...83!4d11.8829324
unterhalb des Parkplatzes sieht man noch Fundamente, auf denen noch 1970 das Haus unseres Hauptfeld
stand. Unmittelbar im Grenzwinkel mit der Mauer als Gartenzaun.

Und Straßenreuth gibt es noch heute, ein kleiner Ortsteil von Gebersreuth, ca 500 m von der Grenze entfernt
und aus nur einer Handvoll Häuser bestehend.
https://www.google.com/maps/place/M%C3%B...83!4d11.8829324

Warum also hier oder da und andernorts nicht, wer kann das begründen.

Im Verhältnis zu dem, was dagegen in und um Berlin von der Bildfläche verschwand an Mietshäusern,
Einfamilienhäusern, Kleingartenkolonien, Friedhöfen ect.pp. waren die paar abgerissenen Dörfer bzw.
Gehöfte Peanuts.
Um privates Eigentum ging es hier wie da, und gefragt wurde in und um Berlin auch niemand.
Deshalb verstehe ich nicht, warum das unerwähnt bleibt, den ehem. Dörfern jedoch immer wieder nachgeweint wird.


@Heckenhaus Es geht doch nicht um nachweinen, sondern um das Erinnern und um das Anprangern dieser Praktiken.

Ich war nun mal an der grünen Grenze und nicht in Berlin. Da könnten sich ja mal die Kollegen äußern.

Uli


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11.02.2021 10:58 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2021 11:00)
#23
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Zitat von mibau83 im Beitrag #14
Billmuthausen – ehemals Kreis Hildburghausen


Hallo,
da war ich auch schon einmal. Habe auch Bilder gemacht. Die kommen dann später in der Bildergalerie. Kommen dann als Unterordner in

g905-Billmuthausen.html

Gruß Fischerhütte

"Ein Kindertraum ging in Erfüllung - Grenztruppen! Grenztruppen - wo helle Köpfe für viel gutes Licht sorgen...." (H. Männig Dittrichshütte 1982)


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11.02.2021 10:59
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#24
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Danke, freue mich auf die Fotos.


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11.02.2021 11:13
#25
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Mein Dorf Sauo wurde 1968 abgerissen, wir waren zwar nicht im Grenzgebiet, aber keiner interessierte sich damals dafür.
Aus der Stadt Senftenberg kamen die Leute um unsere Pflaumenbäume umzulegen und anschließend Pflaumenkuchen in der Bäckerei zu backen.
Ich wurde nach Schipkau zwangsumgesiedelt und habe meine heimat nie wieder gesehen, da die Bagger darüber gerollt sind.
MEIN Wiederstand war, daß ich die Bauarbeiter als Kind Traktiert habe mit Stinkbomben und ständig auf der Flucht vor Ihnen und dem ABV war.


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11.02.2021 11:44
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#26
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Fischerhütte,
sehr schöne Fotos vom geschleiften Dorf Billmuthausen.
Was ist geblieben: Ein Trafo-Haus, der Dorfteich und Fundamentreste mehr nicht.
Neu sind: Die Gedenktafel, der Gedenkstein, ein Forschungszentrum zum Schutz von Fledermäusen, dass find ich gut.

Es ist und bleibt eine Schande, was der DDR Staat damals mit den Dörfern und seinen Bewohnern im Schutzstreifen gemacht hat.


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11.02.2021 11:48
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#27
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Oberelch,

das ist eine andere unschöne Geschichte der DDR, dass im Leipziger Braunkohlerevier und in der Lausitz ganze Dörfer dem Eimerketten - und Abraumbaggern zum Opfer gefallen sind. Ich hoffe, deine Eltern wurden wenigstens für diese andere Art der Zwangsumsiedlung anständig finanziell entschädigt für ihr verlorenes Eigentum ?
Das ist ein neuer Thread den man eröffnen könnte als Betroffener.


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11.02.2021 11:51
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#28
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Zitat von Fall 80 im Beitrag #22

@Heckenhaus Es geht doch nicht um nachweinen, sondern um das Erinnern und um das Anprangern dieser Praktiken.

Ist schon in Ordnung, nur gibt es diese Thematik bereits irgendwo im Forum.
Natürlich war die Vorgehensweise nicht in Ordnung, nur muß man das im Zusammenhang mit der damaligen zeit betrachten.
Jährlich ein neuer Aufguß macht es nicht besser.

Zitat
Ich war nun mal an der grünen Grenze und nicht in Berlin. Da könnten sich ja mal die Kollegen äußern.


Ich auch nur, habe aber als Berliner nach dem 13. August selbst beobachten können, was alles so
geräumt und platt gemacht wurde.
Die "Täter" von damals werden nicht mehr hier sein, ich meine die Ersteller der ersten Stacheldrahtzäune
1961, die müßten dann mindestens 78 Jahre alt sein, aber vielleicht noch Augenzeugen späterer Jahre.
Abriß und Grenzbegradigung fand schließlich ständige Fortsetzung.

Seltsam hingegen ist aber. daß gerade an der "grünen" Grenze auch viel, sehr viel sogar, belassen wurde.
Manches auch unmittelbar an der "Linie".
Es muß also tiefer greifende Gründe für örtliche Zwangsaussiedlungen gegeben haben.
Die kann hier aber anscheinend niemand über Spekulationen und ARD/ZDF-Infos hinaus darlegen.


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11.02.2021 11:55
avatar  B Man
#29
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Zitat von birx20 im Beitrag #26
Es ist und bleibt eine Schande, was der DDR Staat damals mit den Dörfern und seinen Bewohnern im Schutzstreifen gemacht hat.


Das ist eben der grosse Unterschied zur Erweiterung von Tagebau oder auch Truppenübungsplätzen wo es ja schon Umsiedelungen vor dem Krieg und auch in der Bundesrepublik gegeben hat das man diese Leute wie Verbrecher behandelt hat.

Gruss Andreas


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11.02.2021 13:45
avatar  Ratze
#30
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Auch hier im Norden gab es vernichtete Orte
Neuhof wurde abgerissen und nach Akten der Gemeinde Utecht wurden die Steine genutzt um neue Häuser zu bauen
Dagegen hat beim Freiziehen von Lankow die Steine in den Lankower See geschoben und beim Teilabriss von Dutzow hat man den Rest mit einer Sichtschutzmauer „geschützt“
Alles für freies Beobachtungs- und Schussfeld


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