Die Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik verkündet vom Parteikommunisten Ulbricht auf dem Fünften Parteitag der SED

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28.01.2021 13:00 (zuletzt bearbeitet: 28.01.2021 18:04)
#1
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Nach der Überlieferung im Alten Testament, genauer gesagt im Buch Exodus, soll Moses die Zehn Gebote, geschrieben auf zwei Steintafeln, am Berg Sinai verkündet haben. Während der Prophet Moses, grob historisch geschätzt, um ca. 1400 v. Chr. vom Berg Sinai stieg, stieg -historisch gesichert im Jahre 1958- der Erste Sekretär der SED, Walter Ulbricht, in der Werner-Seelenbinder-Halle Berlin auf die Bühne an das Rednerpult und verkündete auf dem Fünften Parteitag der SED die

Zehn Gebote für den neuen sozialistischen Menschen

1. Du sollst Dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.
2. Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht einzusetzen.
3. Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.
4. Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen, denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen.
5. Du sollst beim Aufbau des Sozialismus im Geiste der gegenseitigen Hilfe und der kameradschaftlichen Zusammenarbeit handeln, das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen.
6. Du sollst das Volkseigentum schützen und mehren.
7. Du sollst stets nach Verbesserung Deiner Leistung streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeitsdisziplin festigen.
8. Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.
9. Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten.
10. Du sollst Solidarität mit den um nationale Befreiung kämpfenden und den ihre nationale Unabhängigkeit verteidigenden Völkern üben.



https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c...de_Ulbricht.jpg

Ich bitte um eine gesittete Diskussion und bleibt beim Thema Zehn Gebote und Fünften Parteitag der SED.
Für fremde Themen wie neue Weisheiten über Prärie-Schweinderl, Akkuschrauber oder die Mondlandung sind andere Threads besser geeignet.




> >> Auf dem V. Parteitag der SED im Juli 1958 verkündete Walter Ulbricht in bewusster Anlehnung an das Christentum die „Zehn Gebote für den neuen sozialistischen Menschen“, nach denen sich die Menschen in der ̧DDR von nun an richten sollten. (...) <<<
https://bildungsserver.berlin-brandenbur...zehn_gebote.pdf

Das ist der Jammer dieser Welt,
Dass all die Dummheit der Millionen
Den wenigen, deren Geist erhellt,
Den Weisen wird zu Dornenkronen;
Dass sich der Massen Unverstand
Frech an des Genius Schwingen heftet,
Ihr zerrt aus seinem hohen Land,
Bis er zu Boden sinkt entkräftet.
Kurt Eisner


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28.01.2021 13:28
#2
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Habe an diesen 10 Geboten nichts gefunden, was in der Ralität falsch sein könnte.

Läßt mann dann "sozialistisch" weg, könnte das der Leitfaden für ein weltweites anständiges Miteinander sein.
In den fünfziger Jahren hatte man noch relativ vernünftige Ideen .

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.Die geistige Blindheit breitet sich weiter aus: Immer mehr sehen nur noch, was ihnen ins Auge springt.
.E.Ferstl

.

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28.01.2021 13:38
avatar  birx20
#3
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Dann hätte Walter Ulbricht gleich auch bei den 10 Geboten aus dem alten Testament bleiben können und sie nicht sozialistisch ummoddeln müssen.

Ich habe vor Jahren in Stuttgart mal einen sehr bekannten Priester aus einem süddeutschen Kloster in einem Vortrag vor Führungskräften von Großbanken zu den 10 Geboten sprechen hören. In dem Vortrag hat der Priester die 10 Gebote auf die modernen Zeiten zugeschnitten z.B. auch im Sinne einer Kapitalismuskritik (grenzenloses Profitstreben u.a.)
Sie sind absolut zeitlos und haben die verschiedensten Gesellschaftsordnungen überdauert, weil sie inhaltlich richtig sind, dass heißt sie sind menschlich.


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28.01.2021 13:46 (zuletzt bearbeitet: 28.01.2021 13:48)
#4
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Zitat von birx20 im Beitrag #3
Dann hätte Walter Ulbricht gleich auch bei den 10 Geboten aus dem alten Testament bleiben können und sie nicht sozialistisch ummoddeln müssen.




Das Ansinnen von Ulbricht war ein Anderes. Es ist als eine Art Kampfansage und als Abgrenzung an die Kirche zu verstehen.
Soll heißen , wir brauchen euch nicht , wir haben unsere eigene Moral.
Ein beliebter Spruch auf mitgeführten Transparenten in der damaligen kollektiven Landwirtschaft lautete dementsprechend:
''Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein''.


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28.01.2021 13:48
avatar  marc
#5
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Klar, den hatte doch jeder Genossenschaftsbauer täglich auf den Lippen 🥱


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28.01.2021 13:50 (zuletzt bearbeitet: 28.01.2021 13:52)
#6
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Bitte die Zeitschiene beachten. Die Kollektivierung ging nicht reibungslos von statten und insbesondere auf dem Land war das Leben religiös geprägt.
Dieser Spruch war ein deutlicher Angriff auf diese religiösen Bindungen.


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28.01.2021 13:52
avatar  birx20
#7
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Immer wenn irgendetwas zeitlos Bestehendes wie die 10 Gebote in irgendeiner Richtung ideologisch angepasst oder umgebaut wird, dann wird das Neue (im Beispiel: Die 10 Gebote des Sozialismus) nicht unbedingt besser.


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28.01.2021 13:53
#8
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Es sollte nichts besser werden , die Religion sollte verdrängt werden. Im Osten , sprich der ehemaligen DDR ist das weitestgehend gelungen.


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28.01.2021 14:03
avatar  birx20
#9
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Ich habe mir die 10 Gebote von Walter Ulbricht gerade durchgelesen.

Sie sind bei weitem nicht so breit und menschlich aufgestellt, wie die 10 christlichen Gebote es sind.
6 Gebote von Walter Ulbricht zielen auf die Erhöhung der Produktion und Effektivität der sozialistischen Gesellschaft ab.

Die Familie und das Zusammenleben von Mann und Frau werden nur marginal am Rand erwähnt. Die Möglichkeit der freien Entfaltung des Menschen wird nur in den 10 Geboten des Christentums erwähnt und nicht bei Walter Ulbricht.

Man müsste im Detail auf jedes Gebot aus dem Alten Testament im Vergleich mit den 10 Geboten des Sozialismus einzeln eingehen.
Das gibt eine sehr breite Diskussionsgrundlage.


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28.01.2021 14:12
#10
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Zitat von birx20 im Beitrag #9

Die Familie und das Zusammenleben von Mann und Frau werden nur marginal am Rand erwähnt. Die Möglichkeit der freien Entfaltung des Menschen wird nur in den 10 Geboten des Christentums erwähnt und nicht bei Walter Ulbricht.

In welchem Gebot ?
Die Zehn Gebote bestehen aus einer Selbstvorstellung incl. Gebot, 1. Gebot
und neun Geboten 2.-10. Gebot

Freie Entfaltung kommt nirgends vor.

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.Die geistige Blindheit breitet sich weiter aus: Immer mehr sehen nur noch, was ihnen ins Auge springt.
.E.Ferstl

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28.01.2021 14:18
avatar  birx20
#11
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Nicht unmittelbar in einem Gebot sondern insgesamt mittelbar in den christlichen Geboten.
Das hat mir ein evangelischer Pastor so vermittelt.


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28.01.2021 14:26
avatar  Fall 80
#12
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[quote="Grenzläufer"|p780775]

1. Du sollst Dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.
2. Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht einzusetzen.
3. Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.
4. Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen, denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen.
5. Du sollst beim Aufbau des Sozialismus im Geiste der gegenseitigen Hilfe und der kameradschaftlichen Zusammenarbeit handeln, das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen.
6. Du sollst das Volkseigentum schützen und mehren.
7. Du sollst stets nach Verbesserung Deiner Leistung streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeitsdisziplin festigen.
8. Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.
9. Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten.
10. Du sollst Solidarität mit den um nationale Befreiung kämpfenden und den ihre nationale Unabhängigkeit verteidigenden Völkern üben.

Ich bitte um eine gesittete Diskussion und bleibt beim Thema Zehn Gebote und Fünften Parteitag der SED.
Für fremde Themen wie neue Weisheiten über Prärie-Schweinderl, Akkuschrauber oder die Mondlandung sind andere Threads besser geeignet.

@Grenzläufer

2. Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht einzusetzen.

Ich pick mir jetzt mal das 2. Gebot raus.

Warum sollte ich das Vaterland lieben, aber die Arbeiter- und Bauernmacht verteidigen?

Mein Vaterland würde ich verteidigen, wenn dieses Vaterland mir Schutz und Entfaltungsmöglichkeiten gewährt.

Nicht aber ein Vaterland, welches mich politisch unterdrücken will, nur weil ich andere Prioritäten setze.

Ein Land konnte ich nicht lieben und warum soll ich die Arbeiter- und Bauernmacht verteidigen, wenn es diese Macht gar nicht gab.

Macht hatte eine selbsternannte Funktionärselite, die Arbeiter und Bauern wurden nur zur Wertschöpfung und als fahnenschwenkende/beifallklatschende Statisten benötigt.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.

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28.01.2021 14:29
#13
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Zitat von birx20 im Beitrag #11
Nicht unmittelbar in einem Gebot sondern insgesamt mittelbar in den christlichen Geboten.
Das hat mir ein evangelischer Pastor so vermittelt.

Nun ja, jeder Pastor/Pfarrer legt das irgendwie aus. In den Jahren meines Religionsunterrichts war davon keine Rede.
Aber ganz sicher kann man jedes Wort, jeden Satz irgendwie auf etwas beziehen.
Funktioniert auch im Islam und sicher in weiteren Religionen.
Die gedruckten und dann gelesenen 10 Gebote sind für mich weniger freie Entfaltung, dafür aber mehr Einschränkung vom augenscheinlichen Sinn her (Wenn ich denn noch Kirchenmitglied wäre).

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.Die geistige Blindheit breitet sich weiter aus: Immer mehr sehen nur noch, was ihnen ins Auge springt.
.E.Ferstl

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28.01.2021 14:30 (zuletzt bearbeitet: 28.01.2021 14:37)
#14
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Die Schäfchen sollten brav sein.

Andere hatten etwas mehr - das "Rote Buch" (handlich zum Hochhalten).

Und speziell für die Genossen:

https://de.alphahistory.com/chineserevol...communist-1939/

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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28.01.2021 14:34
#15
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Zitat
Es sollte nichts besser werden , die Religion sollte verdrängt werden. Im Osten , sprich der ehemaligen DDR ist das weitestgehend gelungen.



Hier sollte einfach eine Religion durch eine neue Ideologie verdrängt werden. Bisher war in den letzten X-tausend Jahren es immer so, dass eine Religion die andere verdrängte. Dabei ging es von der totalen Auslöschung (auch der Erinnerung und Bilderstürmerei) bis zu softeren Varianten, wo alte Elemente in die neue Religion übernommen wurden.
Weihnachten ist z. B. so ein Feiertag, der aus dem Heidentum für die Christianisierung aufgehübscht wurde.
Zum Einen wurden trotz Religionswechsel alte Traditionen weiter gelebt und vielleicht wollte man damit den Übergang auch erleichtern.
Das gleiche könnte auch W. U. vor gehabt haben. Aber er hätte wenigstens etwas an seinem Ausdruck arbeiten können. Aber vielleicht war seine Schreibkraft auch gerade im Haushaltstag.


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