150 Jahre deutsche Einheit – Was sollen wir feiern?

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16.01.2021 13:36
#1
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150 Jahre deutsche Einheit – Was sollen wir feiern?

Das im Januar 1871 gegründete deutsche Kaiserreich war die Folge blutiger Kriege und steht heute für Demokratiefeindlichkeit und einen aggressiven Nationalismus, der zur Katastrophe des Ersten Weltkriegs führte. Andererseits ist Deutschland erst im Kaiserreich zum Nationalstaat geworden, und auch die Bundesrepublik von heute ist ohne das Jahr 1871 nicht denkbar. Steht die erste deutsche Einheit zu Unrecht in einem schlechten Ruf? Aber was sollen wir feiern?
https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesell...feiern-100.html

Zum Reichsgründungstag vor 150 Jahren blickt Bundespräsident Steinmeier zwiegespalten auf den ersten deutschen Nationalstaat. Der "Streit über unsere Geschichte" sei aber wichtig, gerade in Zeiten der Verunsicherung, die Nationalismus und Populismus befördere.
https://www.sueddeutsche.de/politik/deut...iesen-1.5173337

Wie der BP so schön sagt: Streiten wir über unsere Geschichte....

Zitat
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bringt es bei seiner Erinnerungsrede am Mittwoch auf diese Formel: "Wir Deutschen stehen dem Kaiserreich heute so beziehungslos gegenüber wie den Denkmälern und Statuen von Königen, Kaisern und Feldherren aus dieser Epoche."


Warum ist das so...?

Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.
(Edwin Bauersachs)


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16.01.2021 13:54 (zuletzt bearbeitet: 16.01.2021 13:55)
avatar  Hanum83
#2
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Vielleicht singen ja manche anlässlich des Jubiläums "Heil dir im Siegerkranz".
Apropos, haben die Melodie die Engländer geklaut oder wir?

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Wer nichts weiß muss alles glauben.

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16.01.2021 13:57 (zuletzt bearbeitet: 16.01.2021 14:00)
#3
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Wenn der Steinmeier von "Wir Deutschen" redet, dann ist das unverschämt.
Will er sich damit im Ausland beliebt machen?

Fakt ist, daß vor 70/71 Bestrebungen in Richtung Wiederherstellung der nationalen Einheit von den Nachbarn angefeindet wurden. Man wollte Deutschlands Zersplitterung beibehalten und erhob Ansprüche auf Territorien. Gegen ausländische Einflüsse und Bevormundungen wehrte sich der Deutsche Bund/Norddeutsche Bund.
In den blutigen Kriegen (gegen Dänemark, Österreich und Frankreich) wurden diese ausländischen Ambitionen abgewehrt

Der größte und blutigste dieser Kriege wurde 1870 von Frankreich begonnen, dessen Kaiser Napoleon III. es seinem berühmten Ahnen gleichtun wollte.

Nach Jahrhunderten Zersplitterung war die Abwehr mißgünstiger Nachbarn und die Reichsgründung nur legitim.

Der Initiator Bismarck war gegen weitere Expansionen (!)
Diese unheilvolle Politik initiierte erst Wilhelm II.

Ausführlich dazu zwei neue Bücher von Klaus-Jürgen Bremm: "1866" und "70/71"

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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16.01.2021 14:04 (zuletzt bearbeitet: 16.01.2021 14:14)
avatar  Hanum83
#4
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Eigentlich noch gar nicht so lange her, mein Ururgroßvater ist als schneidiger Husar gegen Frankreich geritten 1870 und mein Urgroßvater hat aus Deutsch-Südwest ein Löwenfell mitgebracht.
Mein Onkel schöne Pelzmäntel aus Frankreich im WK2.
Mein Vater hat wohl in Russland nichts gefunden zum mitbringen, völlig falsche Stoßrichtung sozusagend, zum Beute machen.

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Wer nichts weiß muss alles glauben.

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16.01.2021 14:13
#5
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #2
Vielleicht singen ja manche anlässlich des Jubiläums "Heil dir im Siegerkranz".
Apropos, haben die Melodie die Engländer geklaut oder wir?


Eher die Wacht am Rhein...

Die Engländer sind unschuldig
https://de.wikipedia.org/wiki/Heil_dir_i...erkranz#Melodie

Mein Erzgebirge,
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(Edwin Bauersachs)


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16.01.2021 14:18
#6
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #3
Wenn der Steinmeier von "Wir Deutschen" redet, dann ist das unverschämt.
Will er sich damit im Ausland beliebt machen?

Fakt ist, daß vor 70/71 Bestrebungen in Richtung Wiederherstellung der nationalen Einheit von den Nachbarn angefeindet wurden. Man wollte Deutschlands Zersplitterung beibehalten und erhob Ansprüche auf Territorien. Gegen ausländische Einflüsse und Bevormundungen wehrte sich der Deutsche Bund/Norddeutsche Bund.
In den blutigen Kriegen (gegen Dänemark, Österreich und Frankreich) wurden diese ausländischen Ambitionen abgewehrt

Der größte und blutigste dieser Kriege wurde 1870 von Frankreich begonnen, dessen Kaiser Napoleon III. es seinem berühmten Ahnen gleichtun wollte.

Nach Jahrhunderten Zersplitterung war die Abwehr mißgünstiger Nachbarn und die Reichsgründung nur legitim.

Der Initiator Bismarck war gegen weitere Expansionen (!)
Diese unheilvolle Politik initiierte erst Wilhelm II.

Ausführlich dazu zwei neue Bücher von Klaus-Jürgen Bremm: "1866" und "70/71"


Der Krieg 1866 gegen Österreich war allerdings keine Abwehr mißgünstiger Nachbarn, mehr die Kleindeutsche Lösung auf dem Weg zur Reichsgründung, man bedenke dabei die jeweiligen Kriegsparteien.

Mein Erzgebirge,
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Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
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16.01.2021 14:34 (zuletzt bearbeitet: 16.01.2021 14:53)
#7
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Österreich hat vorher gegen die sich abzeichnende Vereinigung "gehetzt" würde man heute sagen.

Mehr als die Kleindeutsche Lösung war nicht realistisch, weil Österreich nicht niedergerungen werden konnte, sondern (wie gesagt) nur dessen Ambitionen abgewehrt.
Aber vor allem war das Habsburger Reich ein Vielvölkerstaat, in dem die Deutsch-Österreicher nur eine Minderheit darstellten.
Als Teil eines deutschen Nationalstaates kamen die Habsburger deswegen nicht infrage.

Wohin die "Großdeutsche Lösung" später führte, ist bekannt.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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16.01.2021 22:16
#8
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Nach 1871 gab es für das Deutsche Reich mehr als 40 friedliche und in mehrfacher Hinsicht fruchtbare Jahre. Ich male mir manchmal aus, wo das hätte hinführen können. Der Eintritt des Deutschen Reiches in den Krieg, der später der 1. Weltkrieg genannt wurde, war völlig unnötig und leichtfertig. Die Politiker und Militärs dieser Zeit waren es gewohnt, Probleme mit kleinen Feldzügen zu lösen und haben sich benommen wie Kinder, die in einer Scheune voller Stroh mit dem Feuer spielen. Das Deutsche Reich hätte 1914 einen Bismarck gebraucht. Der 43 jährige Frieden wurde nicht wertgeschätzt!


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16.01.2021 22:24
avatar  Fall 80
#9
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Ja leider gibt es in den 150 Jahren deutscher Geschichte einige Politiker deren Machtwille den Deutschen nicht gut getan hat.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.

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16.01.2021 23:22
#10
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Den "Platz an der Sonne" und die Neuaufteilung der Märkte gab es eben nicht umsonst.

Zitat
Der Eintritt des Deutschen Reiches in den Krieg

?

Da würde ich eher sagen die aktive Auslösung des Krieges und eine maßlose Selbstüberschätzung.
Wie hieß es doch so schön "Am deutschen Wesen mag die Welt genesen" (Kaiser Wilhelm II.)
Ergebnis: ca. 13% des Territoriums verloren und über 2 Millionen deutsche Soldaten sinnlos geopfert.


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17.01.2021 10:50 (zuletzt bearbeitet: 17.01.2021 10:51)
#11
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Mittlerweile reifte die Erkenntnis, daß alle damaligen Mächte leichtfertig gehandelt haben.
(das entsprechende und allseits positiv bewertete Buch eines englischen Historikers fällt mir gerade nicht ein)
Schon damals wurde dem Verlierer die alleinige Schuld zugeschoben.

Aber das war ja später.

Bismarck war klüger.

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17.01.2021 11:01
#12
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Zitat von Gast 2016 im Beitrag #10
Den "Platz an der Sonne" und die Neuaufteilung der Märkte gab es eben nicht umsonst.

Zitat
Der Eintritt des Deutschen Reiches in den Krieg
?

Da würde ich eher sagen die aktive Auslösung des Krieges und eine maßlose Selbstüberschätzung.
Wie hieß es doch so schön "Am deutschen Wesen mag die Welt genesen" (Kaiser Wilhelm II.)
Ergebnis: ca. 13% des Territoriums verloren und über 2 Millionen deutsche Soldaten sinnlos geopfert.



"Am deutschen Wesen mag die Welt genesen" Stammt nicht von Wilhelm II.
Wiki dazu:
Am deutschen Wesen mag die Welt genesen ist ein politisches Schlagwort, welches auf Emanuel Geibels Gedicht Deutschlands Beruf von 1861 zurückgeht. Geibel setzt sich darin für die Einheit Deutschlands ein und ruft die Einzelstaaten zur Einigung unter einem deutschen Kaiser, dem seit 1861 als König von Preußen regierenden Wilhelm I., auf, wie es nach den „Einigungskriegen“ schließlich 1871 auch geschah. Das deutsche Wesen, an dem die Welt genesen mag, ist als das geeinte deutsche Staatswesen zu verstehen, von dem eine Friedenswirkung auf das europäische Staatengefüge ausgehen werde.[1]

Zitat
Das Schlagwort Am deutschen Wesen mag die Welt genesen wurde später von der politischen Führung verwendet und wohl auch umgedeutet. Kaiser Wilhelm II. verwendete es zum Beispiel in einer Rede am 1. August 1907.[2] Versteht man Wesen unter Missachtung des geschichtlichen Kontexts als Wesen im philosophischen Sinn, kann es gegen die Intention Geibels als Aufforderung an die Welt missverstanden werden, „deutscher zu werden“. Dem entsprach die verbreitete Zuspitzung des Geibel’schen mag zu soll: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.[3] Bundespräsident Theodor Heuss erteilte dieser Interpretation 1952 eine Absage: „Es ist kein Volk besser als das andere, es gibt in jedem solche und solche. Amerika ist nicht ‚God’s own country‘, und der harmlose Emanuel Geibel hat einigen subalternen Unfug verursacht mit dem Wort, daß am deutschen Wesen noch einmal die Welt genesen werde.“[4]



Deutschlands Beruf...Letzte Strophe des Gedichtes
Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen.
Textquelle: Emanuel Geibel: Heroldsrufe. Aeltere und neuere Zeitgedichte. Stuttgart 1871, S. 116–118
...

Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.
(Edwin Bauersachs)


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17.01.2021 11:06
#13
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Sicherlich ist das Jubiläum 150 Reichsgründung nicht unproblematisch.
Trotzdem fällt auf, dass es fast gar nicht in den Medien vorkommt.
Das ist schon ein Armutszeugnis.


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17.01.2021 11:06 (zuletzt bearbeitet: 17.01.2021 11:08)
avatar  Hanum83
#14
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Wenn die alten abends ordentlich getankt hatten sangen sie "...die Fahnen hoch, die Reihen fest geschlossen", war wohl das Horst Wessel-Lied.
Mein Vater stand dann stramm mit Arm hoch da, hat mich schon fasziniert als Kind.

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Wer nichts weiß muss alles glauben.

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17.01.2021 11:10
#15
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #14
Wenn die alten abends ordentlich getankt hatten sangen sie "...die Fahnen hoch, die Reihen fest geschlossen", war wohl das Horst Wessel-Lied.


Abgründe tun sich auf...! Kurze Anmerkung: Die Fahne hoch!

Mein Erzgebirge,
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