Vollendeter ungesetzlicher Grenzübertritt 27.12.1982

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01.12.2020 13:55 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2020 13:57)
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#16
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Ich finde die Gesamtheit dieses Teils der Lebensgeschichte von @Condor nicht nur interessant, sondern auch wichtig. Das zeigt doch wieder einmal sehr deutlich, dass nicht jeder "Feind der DDR" auch wirklich ein "Feind" war. Nicht nur der Haftbefehl wurde durch die Staatsanwaltschaft aufgehoben weil eine Rückkehr politisch gewollt war, auch das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, bzw. mit nahezu NULL Energie betrieben.
Welche niemals wieder zu korrigierenden Schäden hätten da explodierende Mienen oder zufällig auftreffende Grenzposten anrichten können.
Das Alles um so mehr, wenn "der Condor kurze Zeit später zurückgeflogen kam".
Auch die spätere glückliche, legale Ausreise sollte nicht unbedingt als normal betrachtet werden. Klar, eigentlich sollte das NORMAL sein ! -aber war es nicht, wie wir alle wissen.
Wie viele tausense Menschen hatten nicht das Glück, genau in dieses politische Zeitfenster, genau an diese entsprechenden Bearbeiter- oder andere glückliche Umstände zu geraten.
Was will ich damit sagen ?
Ich will mich beim @Condor dafür bedanken, dass er uns an diesen Fakten als "kurzen Lichtblick" auf eine Zeit in der DDR teilhaben lässt. Ich möchte alle User und die Gast-Leser darauf verweisen, dass es auch solche Fälle gab. Bedauerlicherweise sind viele andere Fälle nicht so ausgegangen. Das ist aber nicht alleinige Schuld der Grenzposten und der DDR, sondern meistens der jeweiligen politisch-klimatischen Verhältnisse zwischen den zwei Machtblöcken geschuldet (auch wenn das kaum einer hören will und kaum darüber gesprochen wird) .


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01.12.2020 13:57
#17
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Mal eine Frage an die erfahrenen Grenzer.
Wozu sind die Bandagen um die Betonpfosten?
Waren da die SM70 dran?
MfG


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01.12.2020 13:59
avatar  birx20
#18
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Eine ganz andere wahre Grenzgeschichte aus Birx in der Rhön werde ich euch in einem Thread am Nikolaustag berichten.
Ich habe sie nicht selbst erlebt, habe sie mir aber von Augenzeugen als wahr berichten lassen.
Besinders benerkenswert und etwas amüsant ist das Ende der Grenzstory.
Mehr wird jetzt nicht verraten.
Lasst euch überraschen am 06.12.20 :-).


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01.12.2020 14:01 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2020 15:40)
avatar  Hanum83
#19
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Schade das er schon so lange tot ist, wir hätten ihn hier in dem Thema eventuell als Moderator einsetzen können.
https://de.wikipedia.org/wiki/Theo_M._Loch

Moderation: Der Sinn Deines Beitrages @Hanum83 erschließt sich mir nicht, auch nicht nach dem Anklicken Deiner Wiki-Verlinkung . Weder sind wir hier beim WDR, noch bei der ehemaligen Truppe dieses Herrn . Entweder Du erklärst uns Deine Absicht so damit man es verstehen kann, oder unterlässt solche Dinge wegen fehlendem Zusammenhang, um es sehr höflich auszudrücken. berndk5

Edit.: Der Nachname halt, da hier und im Vorthema ein Loch ein Aufreger war.

----------------------------------------------------------------------------
Wer nichts weiß muss alles glauben.

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01.12.2020 14:04 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2020 14:06)
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#20
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Falls Du das Bild "Grenzzaun 01.jpg" mit dem Zaun meinst, @henning194902 ,das sind ganz klar die Drahthalterungen für die Mienensperre SM-70 am Grenzzaun I , oder auch Anlage 501 oder auch Selbstschussanlage gemeint. Wennman in einzelnen Bildteilen genau hinschaut, kann man den auf dieser Pfostenlasche befestigten Drahthalter sehen, auch die da durchlaufenden Drähte sind schwach zu erkennen, wenn man es weiß.
Da ich mit solchen "Tatort-Fotos" hin und wieder zu tun hatte, glaube ich auch Anzeichen von Erdaufwerfungen in Folge von Untergrabung erkannt zu haben. Beeiden würde ich es natürlich nicht, aber sehr sehr naheliegend ist das schon. Vergrößerungsabsichten habe ich allerdings nicht umgesetzt, um es noch deutlicher einzuordnen..


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01.12.2020 14:23
avatar  Condor
#21
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In Kürze bin ich wieder zu Hause und werde noch einige interessante Dokumente reinstellen.


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01.12.2020 15:57
avatar  Condor
#22
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Nun muss man ehrlicherweise zugeben, dass meine Flucht ohne all diese glücklichen Zufälle niemals erfolgreich verlaufen wäre. Da es aber für die verschiedenen staatlichen Einheiten sehr sehr schlecht verlief, verfielen ihre Vorgesetzten in Aktivismus, wodurch einige Personen bestimmt keinen guten Rutsch ins neue Jahr hatten. Es tut mir aufrichtig leid, dass meinetwegen Diensthabende verschiedener Ebenen von ihren Posten entbunden und einige andere sogar inhaftiert worden waren. Und all das nur weil ich mich meinen eigenen privaten Problemen nicht stellen wollte und es vorzug auf diese hochgefährliche Weise in den Westen zu gelangen.

Hier nun ein vierseitiges Dokument der BDVP Magdeburg, das eine Menge aussagt und nur erahnen lässt, was im Grenzregiment Oschersleben abging (darüber poste ich beim nachsten Mal). Die Namen sind von mir geschwärzt.

01.12.2020 17:04
avatar  furry
#23
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Wahnsinn welche Maschinerie im Nachgang hochgefahren wurde, nur weil einer unter dem Zaun durch gekrochen ist.
Das war ja schlimmer als ein Tötungsdelikt, was eigentlich das Schlimmste ist.

"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)

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01.12.2020 19:58
avatar  Gert
#24
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das Verhalten der DDR Organe bei dieser "Tat" erscheint mir auch seltsam milde. Vermutlich ist es der in den 80er Jahren veränderten politischen Lage geschuldet oder die DDR versuchte " schön Wetter " beim Klassenfeind zu machen um leichter an Kredite zu kommen.
Eine Frage drängt sich mir noch auf :@Condor Die Stasi hat ja selten etwas ohne Motiv oder Gewinn-und Verlustrechnung gemacht. Hat man von dir Gegenleistungen verlangt für diese doch ganz in deinem Sinne verlaufenen Entscheidungen ??


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01.12.2020 21:04 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2020 21:14)
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#25
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( gelöscht )

Zitat von #24 von @Gert :
das Verhalten der DDR Organe bei dieser "Tat" erscheint mir auch seltsam milde. Vermutlich ist es der in den 80er Jahren veränderten politischen Lage geschuldet oder die DDR versuchte " schön Wetter " beim Klassenfeind zu machen um leichter an Kredite zu kommen."

Gert hat es erkannt, so kann es gewesen sein- dabei muss es aber nicht immer um Kredite gegangen sein (nur weil das mal mit FJS so war). Genau in dieser politischen Großwetterlage passte "staatliche Milde" der DDR, da hat man sie eben gewährt. So ähnlich hatte ich es auch in meinem Beitrag #16 gemeint, ebenso das Glück mit der Ausreise. Da denke ich, dass es bei genau den gleichen Bedingungen und Umständen im Frühjahr 1989 absolut k e i n e n Weg gegeben hätte.
Auch der Beitrag #23 von @furry gefällt mir sehr. Da zeigt sich deutlich das heutige "normal menschliche Unverständnis" für die damalige Situation.
Ein ganz normaler Mensch der heutigen Zeit kann es sich überhaupt nicht vorstellen, geschweige denn logisch erklären, wie das politische Räderwerk beiderseits dieser Grenze damals funktionierte.
@furry schreibt, Zitat: "Das war ja schlimmer als ein Tötungsdelikt, was eigentlich das Schlimmste ist." Wie wenig weit man (mit dem heutigen Wissen..) damals aber tatsächlich davon entfern war, hat sich garantiert in den letzten rund 25-30 Jahren manch ein ehemaliger Grenzsoldat gefragt. Man mag es sich enfach lieber nicht ausmalen, zu viele realistische Beispiele gibt es.

An anderer Stelle schreibt er, Zitat: "Wahnsinn welche Maschinerie im Nachgang hochgefahren wurde, nur weil einer unter dem Zaun durch gekrochen ist."
Auch hier muss ich dazu sagen, dass genau dieses (nahezu) Bilderbuch-Beispiel erschreckend deutlich zeigt, wie "hochpolitisch" so eine Tat damals bewertet , kriminalistisch untersucht und verfolgt wurde. Verfolgt, um fast im gleichen oder zeitnahen Raum als "generöse Geste" wieder fallen gelassen zu werden.
Politisch völlig wertneutral muss man aber auch feststellen, dass solche "generösen Entscheidungen" immer und zu jeder Zeit ein probates Mittel der jeweils Herrschenden waren und sind, um eigene Ziele und Absichten umzusetzen, oder dafür günstigere Bedingungen zu erhoffen.
Meistens zum Glücke desjenigen, den es betraf.
Gegenteilige Ergebnisse mussten Diejenigen erleiden, die in ploitisch abkühlender Situation "Milde" im Urteil oder bei der Genehmigung eines Ausreiseantrages gebraucht hätten.
Wer Pech hatte, geriet vielleicht sogar noch in eine Situation, in der man staatlicherseits ganz besonders "Härte" und "Souveränität" zeigen wollte.
Das mag heute vielen Menschen als "IRRSINN" vorkommen- Menschen, die diese Zeit bewußt auf dieser Seite der Grenze erlebt und auch noch an dieser Politik mitgewirkt haben, die wissen das es reale Geschichte dieser Zeit ist.
Es ist für mich weder Schande noch Verrat an der untergegangenen DDR, Sachverhalte und Dinge der damaligen Zeit die man mit dem heutigen Wissen als falsch bewerten muss, auch genau so zu benennen.


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02.12.2020 00:23
avatar  Lutze
#26
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Für mich ist das immer noch Irrsinn,Menschen an ihrer Freiheit und Selbstbestimmung zu hindern
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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02.12.2020 03:08 (zuletzt bearbeitet: 02.12.2020 03:11)
avatar  ( gelöscht )
#27
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( gelöscht )

Klar kann ich mich 30 Jahre später auch ganz beruhigt zurücklehnen und das Alles mit großem "Unverständnis" bestaunen oder verurteilen. Tatsache bleibt aber leider, dass diese Dinge Realität waren. Man solle auch einmal darüber nachdenken, welches Zeitfenster denn von 1989 bis zum Ende des II.WK gerade mal zurückgelegt war. Da hatte man sich ja auch darüber entrüstet, wie denn die deutschen Menschen diesem Hitler nur so blind folgen konnten.
Wimre war das vom Zeitvolumen der Ereignisse bis zum Nachdenken auch nicht so viel mehr, als zwischen dem Ende der DDR und heute.
Dass es jetzt statt gerade mal 30 Jahren seit dem Ende der DDR sind und damals nun etwas über 40 Jahre zwischen Kriegsende und DDR-Ende waren, sollte man tolerieren- im Prinzip ist das Unverständnis zu Problemen der Geschichte schon immer erst Jahrzehnte danach entstanden. Wie konnte das nur passieren, wie konnte man das nur zulassen- so lauten doch meistens die Fragen, wenn man nicht wirklich an den Ursachen interessiert ist.
Das ist nicht personell auf einzelne Personen bedingt, sondern meiner Meinung nach schon fast allgemeingültig.


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02.12.2020 07:35
avatar  Fall 80
#28
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Zitat von berndk5 im Beitrag #27
Klar kann ich mich 30 Jahre später auch ganz beruhigt zurücklehnen und das Alles mit großem "Unverständnis" bestaunen oder verurteilen. Tatsache bleibt aber leider, dass diese Dinge Realität waren. Man solle auch einmal darüber nachdenken, welches Zeitfenster denn von 1989 bis zum Ende des II.WK gerade mal zurückgelegt war. Da hatte man sich ja auch darüber entrüstet, wie denn die deutschen Menschen diesem Hitler nur so blind folgen konnten.
Wimre war das vom Zeitvolumen der Ereignisse bis zum Nachdenken auch nicht so viel mehr, als zwischen dem Ende der DDR und heute.
Dass es jetzt statt gerade mal 30 Jahren seit dem Ende der DDR sind und damals nun etwas über 40 Jahre zwischen Kriegsende und DDR-Ende waren, sollte man tolerieren- im Prinzip ist das Unverständnis zu Problemen der Geschichte schon immer erst Jahrzehnte danach entstanden. Wie konnte das nur passieren, wie konnte man das nur zulassen- so lauten doch meistens die Fragen, wenn man nicht wirklich an den Ursachen interessiert ist.
Das ist nicht personell auf einzelne Personen bedingt, sondern meiner Meinung nach schon fast allgemeingültig.


@berndk5 Der Eine früh, der Andere nie und beim Dritten kommt die Erkenntnis nach Jahrzehnten. Mein Vater hat in Mitte der 20 iger Jahre Hunger gelitten, musste mit 19 Jahren in den Krieg und hat die Letzte Waffe in der amerikanischen Gefangenschaft im Frühjahr 46 in der Hand gehabt. Er hat in dort in der Waffenwerkstatt gearbeitet. Nach seiner Entlassung maximal noch ein Luftgewehr zum Tauben schießen. Den Satz "Wer wieder eine Waffe anfasst, dem soll der Arm abfaulen" hatte er sich verinnerlicht, da er genug Sch.....e erlebt hatte.
Uns Kindern hat er immer gesagt, macht einen große Bogen um Militär und alles was Uniformen anhat und Waffen trägt.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.

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02.12.2020 09:42
avatar  Condor
#29
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Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich Euch aus der Ferne!

Zur Frage von Gert:
"@Condor Die Stasi hat ja selten etwas ohne Motiv oder Gewinn-und Verlustrechnung gemacht. Hat man von dir Gegenleistungen verlangt für diese doch ganz in deinem Sinne verlaufenen Entscheidungen?"

Es gab keine Gegenleistungen meinerseits UND - Sie werden es kaum glauben - um solche wurde ich auch gar nicht ersucht! Ich bin zwar noch beim Lesen meiner Stasi-Akte, aber bisher habe ich nicht den geringsten Hinweis, dass von staatlicher Seite irgendetwas diesbezüglich in Betracht gezogen wurde. Dementsprechend wäre auch eine Frage, ob ich als IM geführt worden war, überflüssig.

Einem Aktenvermerk zufolge gab es seitens der Stasi jedoch ein gewisses "operatives Interesse", welches ich jedoch bis heute nicht ausmachen konnte und für mich daher weiter ein Rätsel bleibt, da ich ja absolut keine Gegenleistung erbringen musste.

Ein Hinweis könnte jedoch eine Kopie des Operativplans der Abt. XVIII/5 sein, wo unter Punkt 4. beschrieben wird, dass mein Fall als positives Beispiel "für andere politisch bedeutsamere Rückgewinnungen (...) ausgenutzt werden" könnte.

02.12.2020 10:08
avatar  Ebro
#30
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Zitat von Condor im Beitrag #29
Abt. XVIII/5 sein,


Bringst Du jetzt was durcheinander, in den Unterlagen steht was von Abt. VIII.
Sind völlig verschiedene paar Schuhe!

Selbst Akademiker mit Diplom sind nur marginal intelligent

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