"Hoher Besuch in der Grenzkompanie"

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30.11.2020 17:18
avatar  GKUS64
#16
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Zitat von stabsfunkmeister im Beitrag #12
Hallo Fred,
stimmt, war eine kuriose Sache, habe anschließend vom Kommandeur einen mächtigen Anschiß erhalten, war mir
egal, denn ich war da ja schon über 10 Jahre dabei und wußte wie der Hase lief. Näheres wenn es Dich interessiert.
Gruß Frank


Jetzt wird es spannend, mich interessiert es auch. Mach nur mal ein Grenzerthema draus!

MfG

GKUS64


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30.11.2020 17:50 (zuletzt bearbeitet: 30.11.2020 17:54)
#17
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Hallo,
das ganze passierte bei einen sogenannten Ministerbesuch zum Abschluß der Erprobung eines weiterentwickelten System in der Grenzsicherung. Es rangten ja viele Gerüchte um den Minister. Jedenfalls der Besuch war angesagt
auf dem Stab des GR- 4, später dann in Hohengandern und am späten Nachmittag ein Forum im Saal des Kultur-
hauses in Arenshausen. Bei Bekanntgabe war festgelegt worden, dass sich keiner auf den Fluren oder an den
Fenstern sehen zu lassen hat, nur ein befohlener Personenkreis. Da war ich natürlich nicht dabei. Ich war natür-
lich neugierig. Auf dem Flur im 1. Stock befand sich die Toilette, wo man einen guten Blick aus dem Fenster zum
Haupteingang hatte. Also begab ich mich auf die Toilette, kurz vor dem Eintreffen der gesamten Fahrzeug-
schlange.
Ich habe natürlich nicht bedacht, dass sich dort in der Nähe die DZ vom Kommandeur usw. befindet. Sie trafen ein und ich konnte beobachten wie der Minister und viele Generäle und Offz. das Objekt betraten. Ich wollte jetzt
noch warten bis sie im DZ des Kommandeurs bzw. Versammlungsraum verschwunden waren. Habe natürlich
nicht bedacht, dass auch ein Minister auch mal ein persöhnliches Bedürfnis hat. Plötzlich ging die Tür auf und
der Goldfasan betrat die Toilette. Ich kann eigentlich nicht sagen, dass ich erschrocken war und wußte natürlich
das man auf einer Toilette keine Meldung machte, also stellte ich mich vor. Er fragte, ob ich mir schon die Hände
gewaschen habe, was ich natürlich bejahte. Er gab mir die Hand und sagte " ich bin der Minister ". Er fragte dann
welche Dienststellung ich habe. Ich antwortete, er sagte ja Nachrichten ist wichtig. Wir unterhielten uns noch ein
Weilchen. Zum Schluß sagte er, vielleicht sehen wir uns noch. Ich sagte, dass wäre nett. Dann verließ ich die
Toilette. Die auf dem Flur stehende Ansammlung dachte natürlich, der Minister kommt jetzt wieder raus. Raus kam aber ein Stfw..Ich kämpfte mich durch die Ansammlung und habe da schon die bösen Blicke des Komman-
deurs gesehen und ging in mein DZ.
Gruß Frank


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30.11.2020 17:53 (zuletzt bearbeitet: 30.11.2020 17:53)
avatar  Hanum83
#18
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Nach so einer Sch..haus-Sache, konnte ja nur ein Anschiss folgen.

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Wer nichts weiß muss alles glauben.

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30.11.2020 20:03 (zuletzt bearbeitet: 30.11.2020 20:05)
avatar  Fred.S.
#19
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zu 17
Fetzt, Stabsfunkmeister
Aber da sieht man wieder, das sie auch nur Menschen waren und mit den Unterstellten normal reden konnten.
Das kann ich von Generalmajor Bär auch nur sagen. Erst hatten wir uns auf der Elbe in die Wolle, dann freundlich auseinander gegangen.
Ein Donnerwetter vom Alten folgte aber sofort an Land mit dem Verbot:
Keine Gäste mehr auf der Elbe zu fahren oder bei einen Treffen in der Einheit dabei zu sein.
Noch Monate später erinnerte sich der General an unsere Auseinandersetzung. Fred


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30.11.2020 23:28
#20
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Hallo Fred,
natürlich hätte ich mich gern tiefgründiger mit dem Minister unterhalten, aber war eben der falsche Ort und ich glaube auch nicht das er daran interessiert war. Ja, mit den hohen Dienstgraden, wie Generälen, war das so eine
Sache, sie gaben sich meist entspannt, aber es gab auch Giftzwerge darunter, dass habe ich mal in Perleberg bei
einen Lehrgang zur Erlangung des Befähigungsnachweis im Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutz erlebt, mit dem
Kommandeur der Schule.
Also um zum Abschluß zu kommen, der Stabschef nahm mein Zusammentreffen mit dem Minister sehr gelassen,
fragte mich nur, ob ich jedenfalls was ausgehandelt hatte. Ich wartete dann auf die Reaktion vom Kommandeur.
Nach ein paar Tagen bin ich dann mit ihm zusammengetroffen. Im schroffen Ton wollte er wissen was ich auf
der Toilette gemacht habe, ich sagte nur, was macht man auf einer Toilette. Damit war sie Sache erledigt.


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01.12.2020 07:36
avatar  GKUS64
#21
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Zitat von stabsfunkmeister im Beitrag #20
... aber es gab auch Giftzwerge darunter, dass habe ich mal in Perleberg bei
einen Lehrgang zur Erlangung des Befähigungsnachweis im Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutz erlebt, mit dem
Kommandeur der Schule.



Nun spannst du uns schon wieder auf die Folter! Bitte lass uns doch auch an diesem Ereignis teilnehmen!

Eine gute Woche

GKUS64


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01.12.2020 09:33
#22
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Nach meiner, zugegebenerweise geringen, Erfahrung mit Stabsoffizieren war der Diensteifer umgekehrt proportional zum Dienstgrad. D h. je höher der Dienstgrad um so entspannter gab sich der Lamettaträger.


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01.12.2020 09:46
#23
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zu#19
Hallo Fred.S
Das mit Gen. Maj. Bär kann ich nur bestätigen. Es war 1979 Ich war Objektwache (Munilager) Plötzlich ein riesenkrach -Hubschrauber
Auf dem landeplatz landete eine Mi ?. Ein etwas rundlicher kleiner Mann stieg aus. Gen. Maj. Bär. ich kannte ihn schon aus Stendal.
Ich war sofort in der senkrechten . Er kam auf mich zu. Ich stammelte sowas wie ne Meldung. Er sagte "Schon gut, wir kennen uns doch?" Ich sagte ja, aus dem Grenzkommando Nord. Wir waren im Herbst 1978 zu Wache im Kommando. Er erinnerte sich, das er uns es erlaubt hatte in
FDU in die Gaststätte im Objekt zu gehen. Normal war ja AU. Also ich habe nicht gehört, das er mal jemanden angebrüllt oder zur Sau gemacht hätte. Für mich war er ein ruhiger " Patron". Soweit ich das einschätzen kann.

matzelmonier79-2


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01.12.2020 10:20 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2020 10:21)
avatar  Fred.S.
#24
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zu 23
Danke matzelmonier,
Die Auseinandersetzung auf der Elbe, das Gespräch an Bord zwischen uns Beiden, nunja, ich musste am 07.10.79 nach Berlin zur Auszeichnung von Erich. Er war mit dabei.
Er gab mir die Hand, schaute mich an und leise fragte er: " Und ? " Antwort ebendso leise: " Jeden ihrer Befehle ausführen "
Ein Jahr später im Regimentsstab am Telefon: Ich meldete mich, da kam die Frage: " Sind sie der Bootsführer ? "
Er erfüllte mein Wunsch mit sein Hubschrauber die Elbgrenze abzufliegen. Die Offiziere, die BUs alle hielten mich für verrückt als ich das sagte. Als dann der Befehl kam, sofort Paradeuniform anziehen und zum Sportplatz der Hubschrauber kommt. Da standen sie und guckten mich an als wäre ich ein Marsmännchen. Der Flug hat mir viel Neider geschaffen ab den Dienstgraden Obermeister.
... was hat du gemacht das du mit ein Hubschrauber fliegen darf, was nicht mal ich so ohne weiteres darf...
fragte mich der Offizier für Grenzaufklärung, Major C. nach dem Flug.


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01.12.2020 10:36
#25
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Wie der LO-Fahrer es in der #22 schreibt würde ich es auch sehen. „je höher der Dienstgrad umso entspannter“

Bei mir war es ein Treffen mit einem Offizier (Dienstgrad weiß ich nicht mehr) aus dem eigenen Stab des Regiments in Groß Glienicke. Es war eine Spätschicht an einem warmen Septembertag 1985. Ich war wie fast immer mit Hund auf Hinterlandsstreife.

Etwas südlich von Falkenhöh hatte ich mich am Rande des Weges zur Rast niedergelassen, Hund war neben mir angelegt und ich begann meine Tasche mit der Verpflegung auszupacken. Kaum hatte ich die Brotbüchse raus und geöffnet, kam ein Auto des Weges und hielt bei mir an. Der Zivilist sprach recht locker zu mir „Na Gefreiter, die Art der Dienstdurchführung erkennt man an der Tragehaltung der Waffe. Welche Kompanie?“

Ich gab Ihm daraufhin deutlich zu verstehen, dass ich einem Zivilisten keine Auskunft über meine Kompanie geben werde.
Er „Kennen Sie mich nicht“
Ich „Nöö“
Er „Na dann muss ich wohl mal ein ernstes Wörtchen mit euren KC sprechen.“ Er stellte sich vor und holte seinen Dienstausweis heraus. Er war vom Regimentsstab. Daraufhin schwatzen wir ein wenig, ganz in Ruhe und vollkommen gelassen.
Plötzlich meiner er „Haben Sie noch Hunger“
Ich „Ja wollte gerade Pause machen“
Er „Na dann drehen Sie sich mal um“

Ich sah wie mein Hund genüsslich die Brotbüchse ausleckte, nachdem er alles aufgefressen hatte. „Ich werde schon nicht verhungern“ oder so sinngemäß war mein Kommentar. Er verabschiedet sich und fuhr davon.

Fünf Minuten später kam er zurück und brachte mir frisch gebackenen Pflaumenkuchen mit Streuseln. Ein Riesenstück, nicht ganz ein Viertel vom Backblech und noch lauwarm. „Schönen Gruß von meiner Frau“

Alles in allem war er vollkommen normal ohne jegliche Überheblichkeit.

04.05.84 - 22.10.84 GAR40 Falkensee
22.10.84 - 31.10.85 GR 34 Groß Glienicke


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01.12.2020 13:31 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2020 13:32)
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#26
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( gelöscht )

So wie @Andreas2 es schreibt kann man es genauso als normal bezeichnen, wie es an anderer Stelle in diesem Thema von anderen Usern "weniger freundlich" geschildert wurde. Beide Arten der Schilderung sind in sich den Tatsachen entsprechend, aber doch recht gegensätzlich.
Ich empfinde es durchaus als normal, schließlich waren und sind es MENSCHEN die damals handelten bzw. heute darüber berichten.
Es ist offensichtlich und wird nicht bestritten, dass es (genau wie überall im Leben) Vorgesetzte (Menschen mit höherer Verantwortung) gab und gibt, die ihre Aufgabe ernst nehmen und sich selbst im Sinne der zu lösen den Aufgabe darauf besinnen, das nur mit entsprechenden Mitstreitern lösen zu können. Diese Auffassung gilt universell, egal ob beim Militär, auf dem Bauernhof oder einem Industriebetrieb.
Leider gibt es aber gleichermaßen genauso Typen (A...-lö..er), die der Meinung sind mit einem Stern mehr oder einer betrieblichen Funktion höher, gleich "ganz nah bei Gott" zu sein und auftreten, als würden sie über den Dingen stehen. Die Auswirkungen spüren wir dann genau so, wie zum Teil bereits geschildert.
Eine andere Frage ist natürlich auch "der hohe Besuch" . Privat sollte man es mit "dem lieben Besuch" vergleichen können- geht aber meist nicht
Jeder von uns weiß es doch, auch noch aus der Kindheit. Wenn lieber Besuch, oder ein wichtiger Gast zu Hause erwartet wurde, da hat man halt geputzt und gewienert. Die Mama hat dann schon mal stärker darauf hingeiesen, höflich "Guten Tag zu sagen", oder eine saubere Hose anzuziehen, oder nicht so doll rum zu toben.
Normalerweise sollte es bei einem Truppenbesuch in sinngemäß abgewandelter Form nicht anders sein. Man wollte sich von der besten Seite präsentieren. Dazu wurden entsprechende Befehle erteilt. Nicht wenige Chargen haben dann in vorauseilendem Gehorsam und nicht selten auch in falschem Verständnis die Auswüchse zu verantworten, über die hier berichtet wird.
Deutlich beispielgebend für fast ausnahmslos alle Bereiche der DDR empfinde ich dem Bericht aus #1 vom @birx20 . Das hättew sich nahezu auch in einer LPG oder in einem Industriebetrieb mit Minister , Rat des Bezirkes, Rat des Kreises, Kobinatsdirektor etc. abspielen können.
Na klar ist so ein Besuch niemals Anlass dafür die neuesten Niederlagen, Produktions-Ausschuss, oder Diebstahlsdelikte zu erläutern. Leider ist aber die "Schilderung der Erfolge" immer mehr (gewollt) dem "Reich der Märchen und Sagen" angesiedelt worden. Schlimm ist auch, dass oft sogar die "Beschummelten" genau wußten, dass ihnen Ammenmärchen aufgetischt wurden. Aber man wollte es so, wer aus der Reihe tanzte konnte nur ein Querulant sein.
Es wäre aber ein Schelm, der da glauben würde das Alles sei nur DDR-typisch . Ob es typisch DEUTSCH ist, weiß ich nicht. In der Bundesrepublik sind aber mehr als genug Nachfolgeerscheinungen sichtbar und spürbar. Auch ohne Kombinatsdirektor oder General.


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01.12.2020 13:53
avatar  birx20
#27
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Zu berndk5.
Mein Thema wollte ich auch nicht als ausschliesslich schonungslose Kritik verstanden wissen, sondern als emotionale
Momentaufnahme.
Jeder von uns hat seine eigene Sicht der Dinge und das ist auch gut so.
Nur konfrontativ kommt man im Leben nicht weiter.
Eine gewisse Kompromissbeteitschaft auch für die Meinung anderer Menschen muss vorhanden sein.


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01.12.2020 14:20
avatar  Fall 80
#28
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Das für Besuche geschönt wurde/wird, ist auch den Besuchern meist klar gewesen. Wer mit beiden Beinen im Leben steht, der kennt das Spiel und findet auch die Dreckecken wenn er sie finden will.

Das sich aber die Gastgeber vorher so in die Hose geschissen haben, dass irrsinnige Arbeiten angewiesen wurden ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Systeme (egal ob Ost oder West und egal ob vor 50 Jahren oder heute) auf lug und trug aufgebaut waren/sind.

Vergessen darf man dabei auch nicht, dass da immer beide Seiten ihren Anteil daran haben.

Ich habe immer versucht mich bei solchen Aktionen abzuseilen. Ist leider nicht immer gelungen, da ich als Fahrer manchmal eingeplant war. Habe da selber keine schlechten Erfahrungen gemacht, denn welcher Fahrgast will schon seinen Chauffeur verunsichern. Meist wurde man da belanglos über den Zivilberuf und die Familie befragt.

Uli

Herr (wer auch immer) gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, welche man ändern kann. Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, welche man nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.
Auf Grund meiner direkten Art, werde ich sehr oft missverstanden. Das ist schon immer so und ich kann damit umgehen.

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01.12.2020 14:20 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2020 21:36)
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#29
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zu #27 kann ich nur sagen, dass ich es genau so verstanden habe und auch unterstreichen will.
Persönlich empfinde ich es rückwirkend aber auch ein wenig beschämend für mich, weil ich es genau so gesehen und trotzdem auch genau so in meiner Kompanie praktiziert habe (siehe auch Beiträge zum Gästebuch der GK Treffurt) .
Man braucht aber auch nur die Auftritte von Jungen Pionieren oder FDJ-lern bei Parteitagen etc. zu betrachten, von denen hin und wieder mal Filmsequenzen auftauchen. Man hat manchmal ein leichtes Schamgefühl beim Betrachten, weiß aber oft genug, dass es genau so damals meistens die absolute Normalität war.


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01.12.2020 15:03
avatar  Fred.S.
#30
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zu 27
Ja, alle geschilderten Erlebnisse sind nur ' Momentaufnahmen ' die keine Vorbereitung darauf hatten.
De Geschichten sind plötzlich, ohne das man es vorher ahnte oder wusste, auf einen zugekommen.
Egal, ob man sie bis heute in einen positiven oder negativen Lichte sieht. Fred


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