Woran erkannte man mit Sicherheit einen STASI- Mann ?

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08.07.2020 11:15
#1
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Der genannte STASI- Mann ist ja in vielen Themen allgegenwärtig, fast alle hier kennen welche oder schreiben zumindest so, dass man annehmen muss, dass sie welche kennen oder kannten.
Aber das waren ja alles "geheime" ..

Hier füge ich mal einen Songtext von Dieter Süverkrüp ein, darin sind ja zumindest für den "Kommunisten" (in westlichen Gefilden) allgemein Erkennungsmerkmale aufgezeigt (die Hütte hinterm Bahndamm, die Unterwanderstiefel, Zähneputzen mit Branntwein, Wodka frühstücken usw), obwohl die Schwierigkeit der Erkennbarkeit auch aufgezeigt wird, da er immer "agitproper" aussieht ..
(dass Süverkrüp kein DDR- Liedermacher ist, sondern echter Düsseldorfer, setze ich als bekannt voraus ...)

"Die Erschröckliche Moritat vom Kryptokommunisten

Wenn die Sonne, bezeichnenderweise im Osten
Und rot hinter Wolken aufgeht
Das ist dann die Zeit
Da er flach wie ein Tiger aus härenem Bette aufsteht!
Er wäscht sich nur ungern und blickt in den Spiegel mit seinem Mongolengesicht
Er putzt sich die Zähne mit Branntwein und trinkt einen Wodka - mehr frühstückt er nicht!
Dann zieht der Kommunist die Unterwanderstiefel an
Und dann geht er an sein illegales Untertagwerk ran!
Hu-huhu, hu-huhu, huhu huhuhu huhu!

Und dann fletscht er die Zähne, die Hand hält er vor, denn das darf ja kein Mensch niemals seh'n
Um neun-Uhr-zehn frisst er das erste Kind, blauäugig, blond aus dem Kindergartehn!
Um elf brennt die Kirche - es drängen sich hilfsbereit Feuerwehr, Bürger und Christ
Derweil diskutiert er mit Schwester Theres, bis die auch für den Weltfrieden ist!
Der Kommunist ist so geschickt, dagegen kann man nicht
Und zu Mittag schreibt er gar noch ein politisches Gedicht!
Hu-huhuhu, hu-huhuhu, huhu huhuhu huhu!

Er verstellt sich, spricht heimisch statt sächsisch und infiltriert meuchlings und nur hinterrücks
Und wenn du bis heute verschont bliebst, ist das eine Frage persönlichen Glücks!
Am Nachmittag platzt eine Bombe in Bonn, aber da hat er sich geirrt
Weil, wenn einer nur an Ka-Zetts mitentworfen hat, daraus kein Staatseklat wird!
Und wer ein Kommunist ist, kriegt man niemals richtig raus
So ein Kryptokommunist sieht immer agitpropper aus!
Hu-huhuhu, hu-huhuhu, huhuhu huhuhu huhu!

Zumeist kommunistet er dort in der Hütte, die gleich hinterm Bahndamm versteckt liegt
Da übt er sich heimlich in Philosophie, Analyse, sowie Dialektik!
Müd' kommt er nach Hause, er küsst seine Frau und er spielt mit den Kindern Verstecken
Die Kinder sind auch durch und durch infiziert, denn sie kennen im Haus alle Ecken!
Dann hört er sich die Platte mit der H-Moll-Messe an
Weil er nicht einmal privat mehr völlig unverstellt sein kann
Dann zieht der Kommunist die Unterwanderstiefel aus
Und dann ruht er sich von seinem schweren Untertagwerk aus!
Hu-huhuhu, hu-huhuhu
Huu - who is who?!"

... aber woran erkannte man nun den STASI- Mann ?

An der Handgelenktasche, an der Jacke, am betont abwesenden Blick, an den großen Ohren, am "nur mit der Familie grillen" (weil solche keine Freunde haben), an den Bananen im Einkaufsnetz ... ?

Ich weiss es nicht, möchte es aber gern wissen, damit ich im Nachhinein noch einige dieser Leute identifizieren kann ..

Ich bitte also um Eure Mithilfe und um sachdienliche Hinweise.


Siggi

"Das Verlangen, von uns selbst zu sprechen und unsere Fehler ins rechte Licht zu rücken, macht einen großen Teil unserer Aufrichtigkeit aus."
La Rochefoucauld (1613 - 1680)

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08.07.2020 11:19 (zuletzt bearbeitet: 08.07.2020 11:56)
avatar  Hanum83
#2
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Hab meine Eindrücke dazu schon beschrieben im Kämpfer-Thema.
Die ehemaligen die ich heute kenne, sind nach 30 Jahren aber relativ normal geworden.
Einer nicht, der legt heute noch Dossiers (keine Ahnung wie man das schreibt), über seine Hausmitbewohner an, ein ganz armer Hu...d, geistig und finanziell mit Grundrente, hat nach dem Cut beruflich nichts mehr auf die Rehe gebracht, nun quält er mit Genuss seine Hausgenossen, unheilbar, einfach traurig.

EK42, HG 84/1, "Frühling-Freiheit!"

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08.07.2020 11:40 (zuletzt bearbeitet: 08.07.2020 11:40)
avatar  GKUS64
#3
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Bei den Montag-Demos 1989 in DD wars. Ich lief dort ab und zu mit. Einmal war meine Frau mit dabei. Ich trug eine schwarze Bund-Lederjacke, bei den Rufen "Stasi in die Volkswirtschaft" sagte meine Frau zu mir: Du siehst auch aus wie einer von der Stasi. Mir war es beim weiteren Weg direkt etwas komisch.
Die Jacke habe ich dann nur noch selten getragen.
Also so eine Jacke war wahrscheinlich auch ein Erkennungsmerkmal.


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08.07.2020 11:41 (zuletzt bearbeitet: 08.07.2020 11:48)
#4
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Die man uns bei Auswärtsspielen im Fußball unter jubelte, hatten fast immer Handgelenktasche und Knirps dabei.
Heute frage ich mich oft ob das nur zu Ablenkung war weil die ja wussten das man sie so erkennt und die echten IM Spitzel in den eigenen Reihen waren ... dies war sicher bei jedem anderen Verein auch so.
Eine fast lustige Geschichte die so kurios ist das man sie kaum glaubt, aber mehr fach bestätigt werden kann.
Berlin Alex ...., wir zu einem Spiel (1973 ??)gegen den BFC, unter uns einige damals befreundete Union Anhänger und wir machten einigen Zirkus dort (aber alles im Rahmen) ... .
Am S-Bahnhof Alexander Platz war so eine Glasbuchte wo Polizei und Zivile drinn waren.
Von den Zivilen benahmen sich einige sehr auffällig unauffällig in dem sie eine Hochgehaltene Zeitung "lasen" (wohl mit Loch drinn wie im Agentenfilm gelernt), einige von uns bekamen das mit und sonderten sich ab.
Minuten später, gingen die Zeitungen runter und es wurde mit dem Finger auf einzelne Leute gezeigt und Zivile wie in Uniform stürmten raus und griffen sich einige raus und schleppten die rein ... auf die Rufe "Bullen gebt die Kumpels raus" wieder holte sich das Schauspiel.
Lustig war dann das die "Beamten" eine Fahne der Unioner einziehen wollten ... die ging aber hinter unserem Rücken von Hand zu Hand und die bekamen die nicht.
Von Festgenommem wussten wir nur das sie nach dem Spiel wieder raus kamen.
Unter den ganz verrückten Unioner war aber zumindest einer der IM war (erfuhren welche nach der Wende) der sich sogar mit einer Hertha Scherpe "tarnte"

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Grün ja grün war'n alle meine Streifen
-- Harbker EK-Zappel 79-2 --


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08.07.2020 12:16
#5
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Ich habe immer gesagt, die erkennt man am Gang. Aber im Ernst. Im öffentlichen Leben sind immer zwei unterwegs. Und ich erkannte sie immer an ihrem Getue und Gemache. Und an der Grenze: Wer Augen im Kopf hatte und ein wenig mitdachte der erkannte auch dort seine "Freunde". Wir hatten bei uns in KWH mindestens zwei auf jeder Bude. Die wussten meistens nichts voneinander.


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08.07.2020 12:20 (zuletzt bearbeitet: 08.07.2020 12:21)
avatar  Hanum83
#6
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Wenn ich mich recht entsinne hatten die Offiziellen an der Grenze am Wartburg GT2000 stehen, die inofiziellen auf der Bude waren schon besser getarnt, nach Berichten hier durchlitten die in ihrem harten Beruf mehrmals den Grundwehrdienst.
Was für eine Strafe.

EK42, HG 84/1, "Frühling-Freiheit!"

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08.07.2020 12:52
#7
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Einen bei uns auf der Bude habe ich nicht erkannt und ich war sprachlos als ich erfuhr das er IM war, bei einem Anderen war es im Nachinein so auffällig das man in der Nachbetrachtung fast sagen muss warum haben die das so Auffällig gemacht (Angeblich S-Urlaub weil seine Frau sich scheiden lassen wollte ... aber er durfte mit nach "vorn", als Einziger wurde er vor der Entlassung zum Uffz befördert und einige andere Un-gereimtheiten)

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08.07.2020 12:58 (zuletzt bearbeitet: 08.07.2020 12:59)
#8
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...ach ja, bei der Sache am Alex fällt mir gerade ein, das uns da nach den ersten Festnahmen noch einige Männer mit Sonnenbrillen auffielen die in einem Umkreis von gigantischen 10 Meter spazieren gingen ... mein Kumpel, seine damalige "Ficxe" einige Andere und ich merkten ... "Dicke Luft ab in den Rückwärtigen Raum"

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08.07.2020 13:14
#9
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Im DDR– Alltag kamen die nach meiner persönlichen Wahrnehmung fast immer aus dem Nichts.
Ein hauptamtlicher Nachbar, von dessen Hauptamtlichkeit ich erst nach dem demokratischen Fellwechsel erfuhr, kontaktierte mich plötzlich wegen Angelrollen, die zu reparieren waren (war Experte für Rex+Simplex) und Tauschangeboten (war immer scharf auf die Nixe S) obwohl er nie mit meinem Hobby zu tun hatte, das alles nach einem unerfreulichen Vorkommnis dienstlicher Art und meiner Westreise nach Hamburg, das wohl von Interesse war.
Ich nahm das nicht weiter ernst, weil er allgemein recht rührig (mal vornehm ausgedrückt) rüber kam,überall kompetent und allgegenwärtig war und mich daher schon instinktiv mißtrauisch machte.
Ich war daher fast nie zu unseren Verabredungen am Wasser zur Stelle, wieder mal da eine Fettschicht, mal da eine FDJ– Anleitung...da war ich genauso rührig wie er..
Seine beiden Söhne waren so gegensätzlich, daß man sie für nicht verwandt halten würde und hatten eigentlich auch nur gelegentlich zufälligen Kontakt mit mir.
Die Steckverbindungen zu diesen Abläufen gab es erst nach der postsozialistischen Mauser als erste Akten haarklein dokumentiert auftauchten und man erfuhr, was hinter solchen Aktionen gesteckt haben könnte.
In meinem konkreten Fall war es Umfeldforschung, da ich mit einem Republikflüchtling aus Sangerhausen Briefkontakt hatte, so zumindest die Vermutung von meinem damaligen Kumpel Andreas R. der mir später Hinweise auf gemeinsame Bekannte offenbarte.
Alles paßte ganz gut zusammen.
So gesehen, haben die damals richtig gute Arbeit geleistet, ohne Hilfe bei der Auflösung würde ich den heute noch erzählen, was auf der Bahn wieder quer gelaufen ist und wer die Fangbeschränkung am Angelteich wieder mal außer Kraft gesetzt hat.
Vermutlich hat mir meine jugendliche Redseeligkeit und Offenheit die IM– Kandidatur versaut und ich hatte meine Ruhe.

Eine andere Geschichte war hier schonmal Thema, da man auch unbewußt ein regelmäßiger Stasi– Zuträger sein konnte.
Ich bekam regelmäßig meine Slot‘s beim Dienststellenleiter und durfte dort auch schnelle Lösungen erwarten, wenn bei der FDJ– Grundorganisation mal der Schuh drückte.
Der Preis war die Mitteilung meiner „Erfahrungen“ mit unseren hauptamtlichen Führungspersonal bei der Reichsbahndirektion und den Kreisleitungen, aus denen ja die zukünftigen Kader geschmiedet wurden, wobei nichts von dem was ich sagte ein Karrierestopp hätte bedeuten können.
Der Leiter fand sich recht schnell in der Bildzeitung als IM wieder, von persönlichen Groll und Enttäuschung meinerseits übrigens keine Spur, wir waren beide auf der richtigen Seite und nur weil das Personal für einen funktionierenden Sozialismus fehlte heißt das nicht, daß der Sozialismus eine Schnapsidee war.
Für eine abschließende flächendeckende Erkenntnis darüber, müssen wir aber erst noch die Katastophe abwarten, die schon im makroökonomischen Kupferkessel vor sich hin gärt.
Ich war wie schon früher erwähnt pro DDR und wäre wie ebenfalls schon früher erwähnt, nie im Leben auch mit einem Arbeitsvertrag als DB– Lokführer in der Tasche bei meiner Hamburg– Reise drüben geblieben.
Was ich sagen will ist, daß man einen Mörder in der Fußgängerzone genauso wenig sicher erkennen würde wie einen Stasi– Mitarbeiter im Arbeitskollektiv oder am Gartenzaun.
Hilfreich ist ein wenig Instinkt, persönliche Authentizität, Berechenbarkeit und Offenheit und zur endgültigen Wahrheitsfindung Gesprächs– und Diskussionsbereitschaft.


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08.07.2020 13:44
#10
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Bei uns auf der Kompanie,kam der Mann mit dem Wartburg--so alle 2 bis 3 Monate mal vorbei.Hat im Prinzip auch niemanden gejuckt.Von einen IM auf der Bude, war mir auch nichts bekannt.Wir hatten zwar 2 bis 3 Leute in der Kompanie,die hin und wieder mal mit ins Vorgelagerte durften.Waren sicher hundertprozentige.Aber das hat auch keinen gestört--das war eben mal so.


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08.07.2020 14:39 (zuletzt bearbeitet: 08.07.2020 16:31)
avatar  Fall 80
#11
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Ich gebe es ehrlich zu, einen richtigen Blick diese Leute zu erkennen hatte ich nicht. Die "Offiziellen" waren ja mitunter sehr gut zu erkennen, aber die Lattenhorcher waren da gefährlicher.

Die wirklich das Ohr an der Masse hatten hat kaum einer erkannt, da bin ich mir ziemlich sicher. Denn das unauffällige Verhalten hatten die in der Ausbildung gelernt.

Ich hatte mal mit jemanden beruflich zu tun, dem hatte keiner eine Verbindung zu der Truppe zugetraut. Der hat aber einige Zicken gemacht wo man sich schon gefragt hat, wieso er ohne Blessuren davongekommen ist.

Den konnte ich aber nach der Wende nicht mehr darauf ansprechen, da er sich sehr schnell vom Acker gemacht hat. Er hat mit Seilers Töchterlein eine hänfene Hochzeit gefeiert. Danach haben viele gesagt, jetzt wird mir manches klar.

Ich gehe davon aus, dass er da nicht freiwillig dabei war. Der hatte mal Mist verzapft und war erpressbar.

Uli


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08.07.2020 14:40
avatar  Alfred
#12
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #6
Wenn ich mich recht entsinne hatten die Offiziellen an der Grenze am Wartburg GT2000 stehen, die inofiziellen auf der Bude waren schon besser getarnt, nach Berichten hier durchlitten die in ihrem harten Beruf mehrmals den Grundwehrdienst.
Was für eine Strafe.
Ja, alle fuhren GT 2000 . .....


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08.07.2020 14:43
avatar  Hanum83
#13
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Zitat von Alfred im Beitrag #12
Zitat von Hanum83 im Beitrag #6
Wenn ich mich recht entsinne hatten die Offiziellen an der Grenze am Wartburg GT2000 stehen, die inofiziellen auf der Bude waren schon besser getarnt, nach Berichten hier durchlitten die in ihrem harten Beruf mehrmals den Grundwehrdienst.
Was für eine Strafe.
Ja, alle fuhren GT 2000 . .....

Alle, keine Ahnung, aber am KDP konnte man schon das Nummernschild einschätzen

EK42, HG 84/1, "Frühling-Freiheit!"

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08.07.2020 15:08 (zuletzt bearbeitet: 08.07.2020 15:24)
avatar  Alfred
#14
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Wenn ich es richtig in Erinnerung habe gab es bei den Kennzeichen GT xx - xxxx , sprich 2 Stellig / Trennung 4 Stellig. So auch NVA.


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08.07.2020 15:11
avatar  GKUS64
#15
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Apropo Nummernschild: Im Mietshaus meiner Eltern wohnte ein vermuteter MfS-Mitarbeiter. Er fuhr einen Lada (wahrscheinlich Dienstwagen), den er immer im Hof des Hauses parkte. Für mich auffällig dabei war, in Abständen wechselte die Auto-Nummer. Gehörte das zur Tarnung?


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