Renten in Deutschland

  • Seite 2 von 29
31.01.2020 07:41
avatar  Fall 80
#16
avatar

[quote="Hohenstücken7072" Deine Argumente sind absolut korrekt, jedoch nur bei einer gewissen Kontinuität bestimmter Grundlagen möglich, die allerdings schuri selbst zugegebenerweise immer hatte. Viele viele Menschen besonders im Osten hatten diese Möglichkeit trotz gleichem Willen jedoch nicht. Neu dürfte Dir dies jedoch nicht sein.[/style]

@Hohenstücken

Das in der DDR die Mieten nur 1/3 der tatsächlichen Kosten gedeckt haben ist allgemein bekannt. Die Preise für Strom, ÖPNV, Abfallentsorgung, Wasserversorgung/Abwasserentsorgung waren unterirdisch. Von den Umgang mit den zu billigen Nahrungsmitteln, welche teilweise in den Futtertrog gewandert sind ist auch genug geschrieben worden.

Sehr teuer waren "Luxusartikel" wie Autos, Heimelektronik, modische Kleidung.

Viele behaupten ja, dass sie in der DDR finanziell besser gestellt waren als nach der Wende. Warum haben sie sich da kein Haus gebaut?

Auch in der DDR wurden Eigenheime gebaut. Ab den 70 iger Jahren dann meist nur noch in Eigenleistung. Die Kredite dafür waren nicht überteuert. Das schlimmste soll ja die Rennerei nach dem Material gewesen sein, bzw. dass man keine offizielle Handwerkerleistung binden konnte. Selbst die Grundstücke waren Spottbillig gegenüber heutiger Zeit. Viele haben nicht mal kaufen müssen sondern einen Nutzungsvertrag gehabt.

Jetzt kommt das "Aber". Wer selber gebaut hat, hat vieeel Freizeit dafür geopfert und der Unterhalt eines Eigenheimes war teurer als die Miete.

Das haben sich viele nicht angetan. Es war eben bequemer in einer fast unkündbaren, spottbilligen, warmen Mietwohnung zu wohnen und das Einkommen für andere Dinge auszugeben.

Uli


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 09:02
#17
avatar

Zitat von Fall 80 im Beitrag #16
...Warum haben sie sich da kein Haus gebaut?
...

Das haben sich viele nicht angetan. Es war eben bequemer in einer fast unkündbaren, spottbilligen, warmen Mietwohnung zu wohnen und das Einkommen für andere Dinge auszugeben.

Uli

Deine Frage und die Schlußfolgerung sind sehr "schlicht" ..
Kannst Du Dir vorstellen, dass mancher gar kein "eigenes" Haus möchte .. und das nicht aus den von Dir angegebenen Gründen ...?

Es gibt Gott sei Dank noch mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als Geld und Besitz irgendwelcher toter Dinge..
.. aber ich freue mich über jeden, der hier wieder und wieder zelebriert, dass es ihm ja sowas von gut geht und er alles richtig gemacht hat ..

Siggi


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 09:08
#18
avatar

Zitat von Fall 80 im Beitrag #16
[quote="Hohenstücken7072" Deine Argumente sind absolut korrekt, jedoch nur bei einer gewissen Kontinuität bestimmter Grundlagen möglich, die allerdings schuri selbst zugegebenerweise immer hatte. Viele viele Menschen besonders im Osten hatten diese Möglichkeit trotz gleichem Willen jedoch nicht. Neu dürfte Dir dies jedoch nicht sein.

@Hohenstücken

Das in der DDR die Mieten nur 1/3 der tatsächlichen Kosten gedeckt haben ist allgemein bekannt. Die Preise für Strom, ÖPNV, Abfallentsorgung, Wasserversorgung/Abwasserentsorgung waren unterirdisch. Von den Umgang mit den zu billigen Nahrungsmitteln, welche teilweise in den Futtertrog gewandert sind ist auch genug geschrieben worden.

Sehr teuer waren "Luxusartikel" wie Autos, Heimelektronik, modische Kleidung.

Viele behaupten ja, dass sie in der DDR finanziell besser gestellt waren als nach der Wende. Warum haben sie sich da kein Haus gebaut?

Auch in der DDR wurden Eigenheime gebaut. Ab den 70 iger Jahren dann meist nur noch in Eigenleistung. Die Kredite dafür waren nicht überteuert. Das schlimmste soll ja die Rennerei nach dem Material gewesen sein, bzw. dass man keine offizielle Handwerkerleistung binden konnte. Selbst die Grundstücke waren Spottbillig gegenüber heutiger Zeit. Viele haben nicht mal kaufen müssen sondern einen Nutzungsvertrag gehabt.

Jetzt kommt das "Aber". Wer selber gebaut hat, hat vieeel Freizeit dafür geopfert und der Unterhalt eines Eigenheimes war teurer als die Miete.

Das haben sich viele nicht angetan. Es war eben bequemer in einer fast unkündbaren, spottbilligen, warmen Mietwohnung zu wohnen und das Einkommen für andere Dinge auszugeben.

Uli



Werter @Fall80,

Du hast mich aber auch so was von falsch verstanden! Lies alles bitte noch mal im Zusammenhang(!) nach!

Woraus erliest Du eigentlich den Grund mir schildern zu müssen, wie in der DDR bestimmte Angelegenheiten preislich geregelt waren, ob und wie man hätte auch bauen können und was mit dem Bauen alles zusammenhängt. Dies alles musst Du mir nicht erklären.

Ich habe diesbezüglich selbst "etwas Ahnung", habe damals selbst ringsherum in meiner Heimatgegend genug privat projektiert(nach von den jeweiligen Kreisarchitekten jeweils erteilten objektbezogenen Ausnahmegenehmigungen), damit die Bauwilligen Unterlagen zum Bauen bei den zuständigen Bauaufsichten und Ämtern einreichen konnten.. Private Projektanten gab es nämlich früher nicht in der DDR und die vorhandenen Projektierungseinrichtungen befassten sich nicht mit Privatkram, durften die gar nicht, deren Leistungen waren nämlich staatlich bilanziert.

Ach so, übrigens besitze ich selbst auch ein schönes Häuschen mit herrlichem Garten dabei, war nur mal kurz arbeitslos als unsere Baufirma so um 1999 in Konkurs wegen Ausfall in Millionenhöhe durch "Ritter-Bau" und eines weiteren "Investors" ging. Danach war ich bis vor kurzem selbständig mit einem eigenen Ingenieurbüro...

aber um dies alles ging es in meinen Kommentaren nicht, schon gar nicht um Neid...einfach noch einmal lesen...bitte im Zusammenhang diesmal!
(Hab jetzt wenig Zeit, sonst hätte ich noch umfangreicher geantwortet)


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 10:39
avatar  PF75
#19
avatar

Hatte auch mal bißchen Geld als Altervorsorge angelegt,kam mir aber für kurze Zeit H 4 dazwischen und so durfte ich das erst verleben,Spar anlagen fallen nicht unter Altersvorsorge hieß es dann.


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 11:00
avatar  Fall 80
#20
avatar

Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #17
Deine Frage und die Schlußfolgerung sind sehr "schlicht" ..
Kannst Du Dir vorstellen, dass mancher gar kein "eigenes" Haus möchte .. und das nicht aus den von Dir angegebenen Gründen ...?

Es gibt Gott sei Dank noch mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als Geld und Besitz irgendwelcher toter Dinge..
.. aber ich freue mich über jeden, der hier wieder und wieder zelebriert, dass es ihm ja sowas von gut geht und er alles richtig gemacht hat ..



Es geht doch gar nicht darum, dass jeder ein Haus bauen sollte. Für soviel Eigenheimgrundstücke gibt es keinen Platz.

Der eine klettert gern im Gebirge und verlebt dort seine Freizeit und sein Taschengeld und andere haben zeitaufwändige und teurer Hobbys. Kann doch jeder machen wie er will.

Mich stören nur die Ausreden, dass es in der alten BRD ja so viel leichter gewesen ist sich Eigentum zu schaffen oder eine Altersvorsorge aufzubauen.

Es gab tausende von Leuten welche sich auch in dem Wirtschaftssystem der DDR etwas aufgebaut haben. Die mussten sich dann aber entsprechend bewegen. Von der Teilnahme an Versammlungen in den Massenorganisationen allein ging das nicht.

Die Rundumversorgung des Staates war eben nicht auf die Schaffung von Wohneigentum angelegt.

Aber es ist schon immer so gewesen, eine eigene abbezahlte Wohnmöglichkeit ist mehr wert als 20% mehr Rente.

Uli


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 11:13
#21
avatar

Zitat von Fall 80 im Beitrag #16
....
Viele behaupten ja, dass sie in der DDR finanziell besser gestellt waren als nach der Wende. Warum haben sie sich da kein Haus gebaut?
....
Uli


Ich glaube, das kann dir jemand, der das auch von sich behauptet, haarklein erklären, aber nicht hier mit wenigen Zeilen.
Dazu nur soviel von mir :
Man kann finanziell bessergestellt gewesen sein als heute, und trotzdem hat das Geld nicht für ein Haus gereicht. War auch
nicht unbedingt einer jeden Familie Ziel, weil sogar im Plattenbau zivilisiert gelebt werden konnte und wurde, ganz im Gegenteil
zu einigen Wohnquartieren heute. Und das aus dem einfachen Grunde, es gab kaum soziale Unterschiede, dafür einen gewissen
Zusammenhalt.
Selbst studierte Leute wohnten so, hatten dafür jedoch oft ein respektables Wochenendgrundstück, was ihnen mehr bedeutete
als unbedingt bauen zu müssen.

Finanziell bessergestellt als heute bedeutet auch, genug Geld für Essen, Kleidung, Freizeit übrig zu behalten, und nicht horrende
Beträge für die Miete berappen zu müssen, "weil der Markt die Mietpreise bestimmt", und dann kaum was übrig bleibt.
Mieten gehören gestaffelt und angemessen gedeckelt nach Bau- und Komfortzustand und nicht danach, ob City- oder Randlage.

Zitat
Das in der DDR die Mieten nur 1/3 der tatsächlichen Kosten gedeckt haben ist allgemein bekannt. Die Preise für Strom, ÖPNV,
Abfallentsorgung, Wasserversorgung/Abwasserentsorgung waren unterirdisch.


Was erklärt, warum die Löhne relativ niedrig gehalten wurden. Erwirtschaftetes Geld floß direkt in solche Dinge, um das Leben bezahlbar
zu halten.
Ganz im Gegenteil zum heutigen System (Strompreise, Privatisierung von Wasser, Preisspekulationen bei Öl und Gas )
oder Mieten, die teils schon unanständig hoch sind und deren Höhe oft keineswegs beweisbar gerechtfertigt sind.

Um da tiefer einzudringen sollte man schon direkt in der DDR gelebt haben und die Verhältnisse am eigenen Leibe kennengelernt haben.
Auch, was den Zustand vieler Wohnungen betraf, warum sollte die DDR in Westeigentum groß investieren ?
Es gab -zig tausende Immobilien dieser Art, die lediglich provisorisch "verwaltet" wurden.

P.S. Noch ein Nachtrag :
Stichwort Miete, Rente, bezahlbar :
Ich zahlte in den letzten drei Jahren (2010-2013) damals in Filderstadt-Harthausen für 25 qm Wohnraum 380 Euro Warmmiete.
Dachgeschoß, unsaniert,nix besonderes, Privatvermieter.
Toller Preis, stimmts ?
Ein Pupnest ohne Supermarkt und lediglich max. alle 20-30 min Linienbusverbindung.

Ab März, wenn wir in Schwarzenberg/Erzgebirge wohnen werden, zahlen wir für 58 qm warm 435 Euro , frisch saniert, gedämmt,
10 min. von der Altstadt und Linienbus in 5 min. Entfernung. (Genossenschaftswohnung).
Das kann sich auch ein Rentner leisten, wogenen eine solche vergleichbare Wohnung in München, Stuttgart oder Leipzig
ungleich teurer und teilweise nicht mehr bezahlbar wäre.


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 11:21
#22
avatar

zum #20:
Mhmm, unsere Grundhaltungen unterscheiden sich wohl doch zu sehr .. deswegen bringt eine Antwort auch nichts .. aber Du schreibst ja: "Kann doch jeder machen wie er will"- es ist für mich bloß nicht schlüssig, warum Du so vehement gegen "jeden", der es anders sieht / macht, argumentierst ..
... aber auch das kann natürlich jeder machen, wie er will ..

Gruß aus der Lausitz- hier scheint heute die Sonne ... ein schöner Tag ...

Siggi


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 12:27
#23
avatar

Zitat von Fall 80 im Beitrag #20
Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #17
Deine Frage und die Schlußfolgerung sind sehr "schlicht" ..
Kannst Du Dir vorstellen, dass mancher gar kein "eigenes" Haus möchte .. und das nicht aus den von Dir angegebenen Gründen ...?






Es gab tausende von Leuten welche sich auch in dem Wirtschaftssystem der DDR etwas aufgebaut haben. Die mussten sich dann aber entsprechend bewegen. Von der Teilnahme an Versammlungen in den Massenorganisationen allein ging das nicht.



Aber es ist schon immer so gewesen, eine eigene abbezahlte Wohnmöglichkeit ist mehr wert als 20% mehr Rente.

Uli


So ist es, es war aber sehr schwer. Wir haben am EFH 85% in Eigenleistung gemacht, haben aber auch fast 7 Jahre gebraucht um
unser Haus (Typ Altmark) fertig zu stellen.
Das auch nur weil ich in der Fahrschule einen LKW zur Verfügung hatte und durch Fahrschüler manche Tipps bekam um an
Baumaterial zu kommen.
Es war trotzdem leichter zu stemmem als heute in Deutschland, denn heute wird dir als Bauherr das Geld aus der Tasche gezogen
für Dinge die dir nichts nützen und den Bau nur teurer machen.


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 12:43
avatar  Fall 80
#24
avatar

Das die Mieten insbesondere in Ballungszentren unverschämt hoch sind und auch die Nebenkosten oftmals Mondpreise sind ist schon eine Sauerei.

Eine Mitschuld tragen aber auch die Politiker, welche vehement für die Privatisierung des kommunalen Wohnraumes waren. Heute wo das Kind im Brunnen liegt, suchen sie nach einem Deckel.

Ich gehe davon aus, dass die Miete bei vielen Rentnern der größte Brocken ist.

Ich möchte von meiner Rente auch keine Kaltmiete von 10 €/m² bezahlen müssen. Da müsste ich wahrscheinlich mit weniger Wohnraum leben und auch einige andere Ausgaben auf den Prüfstand stellen.

Uli


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 12:48
avatar  Fall 80
#25
avatar

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #21
Um da tiefer einzudringen sollte man schon direkt in der DDR gelebt haben und die Verhältnisse am eigenen Leibe kennengelernt haben.
Auch, was den Zustand vieler Wohnungen betraf, warum sollte die DDR in Westeigentum groß investieren ?
Es gab -zig tausende Immobilien dieser Art, die lediglich provisorisch "verwaltet" wurden.



Das wurde doch durch den eingefrorenen Mietpreis mit Absicht gemacht und es betraf nicht nur die Mietshäuser im Besitz von Bundesbürgern sondern auch die im Besitz von DDR Bürgern.

Da kamen die Eigentümer oftmals nur unter erschwerten Bedingungen in eine Wohnung ihres eigenen Mehrfamilienhauses.

Uli


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 13:37
avatar  Hanum83
#26
avatar

Die Bestandsrentner haben es noch gut, durch das ständig sinkende Rentenniveau, können so in 10 Jahren auch die Mittelverdiener gleich zum Auffüllamt traben.


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 14:50
#27
avatar

Zitat von 1941ziger im Beitrag #23
...So ist es, es war aber sehr schwer. Wir haben am EFH 85% in Eigenleistung gemacht, haben aber auch fast 7 Jahre gebraucht um
unser Haus (Typ Altmark) fertig zu stellen.
Das auch nur weil ich in der Fahrschule einen LKW zur Verfügung hatte und durch Fahrschüler manche Tipps bekam um an
Baumaterial zu kommen.
Es war trotzdem leichter zu stemmem als heute in Deutschland, denn heute wird dir als Bauherr das Geld aus der Tasche gezogen
für Dinge die dir nichts nützen und den Bau nur teurer machen.

Ich möchte diese Zeilen zum Anlass nehmen und aus meiner Sicht schildern, wie es mit dem privaten Bauen in der DDR eigentlich geregelt war. Selbstverständlich kann ich nur schildern, wie ich es erlebt habe, woanders mag es möglicherweise anders gehandhabt worden sein(...aber eigentlich unwahrscheinlich).

Prinzipiell bedurfte jeder Bau(außer kleinere Baureparaturen o.ä.) einer Baugenehmigung. Diese Genehmigung erteilte letztendlich die zuständige Kommune in Verbindung mit der Staatlichen Bauaufsicht und den Kreis- oder Stadtbauämter. Eine Baugenehmigung wurde auch nur erteilt, wenn das dafür benötigte Material bilanzmäßig überhaupt zur Verfügung stand. Woher sonst sollte denn der Bauherr dies beziehen, es gab im Grunde nur Material auf bilanzierte Neubauvorhaben. Dies fing beim Zement an, ging weiter mit Mauerziegel für Wände, weiter Betonteile jeglicher Art für Geschossdecken, Holzdächer in Form von Holznagelbindern, Dachziegel, Fenster, Türen...bis hin in besonderen Fällen sogar für Heizungen, noch nicht einmal Badewannen oder Fliesen waren davon ausgenommen!

Folglich konnte nicht jeder bauen und die Vergabe von Baugenehmigung für Einfamilienhäuser z.B. sollte eigentlich nach strengen Vorgaben erfolgen. So zumindest sah die Theorie dies vor. Hier in meiner Gegend bedeutete dies ab Familie mit mindest einem Kind, natürlich immer nur für ein paar einzelne Leutchen. Leider jedoch lief im “umfassenden Aufbau des Sozialismus” vieles anders, man vergaß offensichtlich das staatliche Funktionäre und besonders auch Parteifunktionäre sich des öfteren für mindestens Halbgötter hielten und da passierte es auch öfter, daß eben der ˋNachbar, Bekannte…ˋ vom Bürgermeister, SED-Kreisleitungsgenossen o.ä. auch ohne Kind bauen durfte.

Aber machen wir mal mit dem Bauen weiter. Erhielt nun der Bewerber die Zusage, bauen zu dürfen(natürlich mit dem vorgegebenen Typenbau) so suchte er sich einen Projektanten, um das Projekt oder die Anpassung des Types der Staatlichen Bauaufsicht zur Prüfung und Genehmigung vorzulegen. Private Projektierungsleistungen sah das Wirtschaftssystem der DDR jedoch kaum oder nicht vor und so kamen jetzt die Bauingenieure(wer sonst wäre dafür geeignet, konstruktive Bemessung, Statik-Berechnungen - alles streng nach TGL) zum Zuge. Der sauste nun los zum zuständigen Kreisarchitekten oder Kreisbaudirektor, man kannte sich schon, und beantragte und erhielt personengebunden eine “Ausnahmegenehmigung zur Projektierung” für dieses vorgesehen Objekt(wenn sich erst mal rumgesprochen hatte das man projektierte, kam man vom Dezember bis Februar abends und der halbe Nacht nicht mehr vom Zeichenbrett weg).

Das Projekt wurde nun erstellt, der Bauaufsicht zur Prüfung vorgelegt, dort geprüft, Änderungen generell in grün eingetragen und endlich mit einem grünen Stempel versehen, ging dann zum Bauamt und zur Kommune. Erst jetzt erhielt der Bauwerber eine Baugenehmigung. Nicht vergessen, vorher war die Grundstücksfrage zu klären und im Grundbuch- und Katasteramt entsprechend zu bearbeiten.

Mit der Baugenehmigung trollte sich nun der neue Bauherr zum Bauamt, bettelte um Materialfreigaben in Form von Materialbezugsscheinen(genannt Bescheinigungen für Bilanzanteile), trollte sich weiter zu den zuständigen VEB Baustoffversorgungen und bettelte wieder…

Ausnahmen existierten natürlich auch bezüglich der Erteilung von Baugenehmigungen nämlich wenn Baubetriebe, LPGen, ... die aus eigenen Materialüberplanbeständen Bauwerbern helfen konnten.

Bei Wohnhausanbauten, Umbauten, Erweiterungen, größeren Baureparaturen...war es ähnlich geregelt, für kleinere Baureparaturen benötigte man keine Baugenehmigung jedoch ebenfalls Materialbezugsscheine von den Behörden. Freiverkäufliche Baumaterialien gab es nur in Klein- und Kleinstmengen.

Wenn man denkt, dass dies schon alles war, hat man das staatliche geregelte Preisgefüge vergessen.
Im Bauwesen gab es Preisstände zu beachten, deren Differenz zum aktuellen Preisstand der Staat subventionierte. Ich gehe hier nicht weiter darauf ein, erwähne nur die wichtigsten.
Preisstand 1966, Stand 1970, 1972, 1975…

Das Thema der Baureparaturen spreche ich erst gar nicht an, unvorstellbar was sich die Menschen da einfallen lassen mussten.

Vielleicht noch einen Hinweis für unsere westdeutschen User hier:

In der DDR gab es für private Häuslebauer so gut wie keine Möglichkeit, eine Baufirma zu beauftragen - die wurden alle staatlich bilanziert, das heißt “für staatliche Vorhaben verpflichtet” und dies war Gesetz!

Ich beende für heute, könnte Bücher schreiben...denke, es reicht auch erst einmal.


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 16:15
#28
avatar

Zitat von andyman im Beitrag #15
Die Rentner in meinem Umfeld sind gut versorgt,selbst hier im ärmsten Bundesland in DE in Meck-Pomm kenne ich keinen der betteln muss oder noch dazuverdienen.Mein kürzlich verstorbener Vater hat als Geringverdiener auch 1100,-€ Rente gehabt bei 400,-€ Miete und kam damit sehr gut zurecht...



Ich weiß nicht, ob Du die Rente Deines Vater so einfach mit den heutigen Renten vergleichen kannst, warum:

Wie ich lese, bist Du 1941 geboren, Dein Vater wird also so um die 1920 oder früher geboren sein. Er war also zur Wende vermutlich schon im Rentenbezug oder wurde gerade verrentet. Die damaligen DDR-Rentner wurden sehr bezüglich der Rentenhöhe privilegiert. So wurden die DDR-Einkommen zu 100% den bundesdeutschen Durchschnittsverdiensten gleichgesetzt.
Ich weiß dies, weil auch mein Vater in dieser Zeit das Licht der Welt erblickte.

Heutige Rentner spüren jedoch verstärkt die ostdeutschen Auswirkungen des Beitrittes in der Form, dass die oft unterbrochenen Arbeitsbiographien jetzt verstärkt finanziell nachwirken.
Außerdem hat sich der prozentuale Satz im Verhâltnis Einkommen zur Rente von ehemals über 60%(?) nach unten korrigiert.


Das damalige geringe Einkommen Deines Vaters hatte quasi keine Auswirkung auf seine Rentenhöhe, bei heutigen Rentnern hat es es dagegen schon.
(auf den Seiten der RV findet man nach entsprechendem Suchen Tabellen über die immer mehr abgeschmolzenen Anpassungen. Diese Höherbewertungen der Ostrenten bezahlten und bezahlen hauptsächlich unsere westdeutschen Mitbürger, dafür meine ehrliche Hochachtung!!!)


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 16:22
avatar  GKUS64
#29
avatar

Zur Haus-Diskussion passt auch noch ein alter Beitrag von mir:

"Steigerung", die Zweite (7)

Das war auch gestern ein Thema bei einem Treff mit ehemaligen Kollegen. Ein 80 jähriger mit Einfamilienhaus, schlank und noch ganz fit, alleinstehend, sagte mir:

"Ich merke langsam, dass mir heute vieles schwerer fällt. Meine 1000m² Garten, Reparaturen usw. wollen bewältigt sein, da hast es du mit deiner Wohnung, eigentlich besser. Du brauchst dich um nichts kümmern und bei Reparaturen schreibst du nur einen Auftrag aus."

Ja alles hat eben Vor- und Nachteile und jeder hat andere Ansichten.

MfG

GKUS64


 Antworten

 Beitrag melden
31.01.2020 16:32
#30
avatar

Richtig, wir haben auch geplant......wenn es uns schwer fällt gehen wir in betreutes wohnen.
Seniorenheim mit eigener Wohnung und Möbeln.
Das können wir dann mit unserem Haus locker finanzieren.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!