Tiere von Qualen erlösen

13.01.2020 19:23 (zuletzt bearbeitet: 13.01.2020 20:38)
avatar  krelle
#1
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An der Grenze bei Lübeck-Eichholz, irgendwann zwischen 1985 und 1988. Auf meinem Streifenweg von der Abschrankung Eichholz (Lübeck) in Richtung Bahnlinie Lübeck/Herrnburg sah ich in der Straße "Bohlkamp" eine Katze liegen, die (aus welchen Gründen auch immer) schwerst-verletzt war und mit dem Tode rang. Als Tierfreund blutete mir das Herz und ich wollte das Wesen gern von seinen Qualen erlösen. Durfte ich die Stahlrute zum Einsatz bringen und die Katze erschlagen? Oder war es besser, das Tier mit einem aufgesetzten Kopfschuss von seinen Schmerzen zu befreien?


Damals wusste ich nicht wirklich weiter in diesen Augenblicken. Zu jung und zu unerfahren war ich. Statt sofort zu handeln fragte ich „meine“ Funksprechzentrale BALDUR um Erlaubnis, ggf. meine 9 mm-Dienstpistole SIG SAUER P 6 zum Einsatz bringen zu dürfen.
Während ich nach Schilderung des Vorfalls „Bitte warten Sie…“ aus meinem Gerät vernahm und auf baldige Antwort hoffte (ich kenne den Wortlaut nicht mehr), verstarb die Katze. Das Erschlagen/Erschießen hatte sich somit glücklicherweise erledigt…
Aber ich hing in diesen Minuten doch meinen Gedanken sehr hinterher…


Wie war das bei Euch, den Angehörigen der DDR-Grenztruppen? Ihr wart doch sicherlch auch gelegentlich mit Situationen, wo Ihr auf Tiere traft, die leideten und im Sterben lagen, befasst? Ihr durftet sicherlich auch nicht aus dem eigenen Bauch heraus entscheiden und musstet warten, bis vorgesetzte Stellen das „Okay“ für den Einsatz der Schusswaffe gaben?


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13.01.2020 20:03
avatar  mibau83
#2
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bei uns in einen recht stark bewaldeten abschnitt in der rhön, gab es viel wild zwischen den beiden zäunen, vor allen dingen wildscheine.
ich bin beim "handeln in der tiefe" wie das damals so hiess, auf mehrere verendete rotten von wildschweinen gestossen. das wurde auch nach oben gemeldet, man wusste ja nicht was da los war, welche krankheit.

paar tage später, wir hatten gerade den wechsel zwischen nacht und frühschicht, da war politunterricht angesagt, holte man mich aus dem politunterricht und ich musste einen veterinär aus meiningen die stellen zeigen.

durch meinen damaligen politoffizier @Rainman2 habe ich hier im forum erfahren, dass diese wildschweine damals akuten lungenwurmbefall hatten.


ausser dem politunterricht ist mir damals auch noch die befehlsmässige grippeschutzimpfung erspart geblieben.


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13.01.2020 20:09 (zuletzt bearbeitet: 13.01.2020 20:12)
#3
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Da hatte ich auch mal ein Erlebnis in meiner Dienstzeit.

Ich war mit meinem Diensthund Raif entlang der Bahnlinie Büchen – Schwanheide auf Streife. Der Hund lief natürlich wie immer unangeleint neben dem Gleis durchs hohe Gras. Plötzlich sprang ein Fuchs auf und versuchte zu fliehen. Da hatte er aber die Rechnung ohne meinen Raif gemacht. Knapp 50 Meter und mein Hund hatte den Fuchs im Fang. ( Bei Wild war es so, war mein Hund außerhalb meines direkten Einflussbereiches, hat rufen und pfeifen nichts mehr genutzt.) Er hatte den Fuchs am Genick gepackt und ihn mehrfach hin und her geschüttelt. Als ich angekommen war ließ er vom Fuchs ab. Dieser blieb regungslos liegen. Ich prüfte durch einen leichten Tritt gegen den Fuchs, ob noch Leben in ihm steckt. Leider keine Reaktion mehr.
Zurück an der Dienststelle rief ich den Hundewart an und erkundigte mich wann der Hund die letzte Tollwutimpfung bekommen hatte. Er meinte für den Hund ist alles OK, aber da ich mit dem Hund im direkten Kontakt gekommen bin muss ich den Fuchs zur tierärztlichen Untersuchung holen und den Hund im Zwinger lassen.
Also ich zum KC und den P3 mit Fahrer geordert, einen Plastiksack geschnappt und ab zur Bahnlinie. An der Stelle angekommen und gestaunt: Fuchs war weg. Was nun ?????
Eine Nahbereichssuche verlief erfolglos.
Später hat mir ein erfahrener Jäger erzählt, dass sich Füchse bei aussichtslosen Lagen Tot stellen um nicht weiter attackiert zu werden.

Was dann noch alles durch unseren Sanni angestrebt wurde um mir die Tollwutimpfung zu verpassen, ist eine andere Geschichte.

Ja @krelle, um verletzte Tiere durch Schusswaffe zu töten, bedurfte es bei uns auch der Genehmigung durch einen Dienstvorgesetzten. In der Regel wurde aber ein Offz. Mit Jagderlaubnis geschickt um das Tier zu erlösen. Offz mit Jagderlaubnis gab es im Bat. reichlich.

Lebenskunst ist - "Im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen"

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13.01.2020 23:13 (zuletzt bearbeitet: 13.01.2020 23:26)
avatar  polsam
#4
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Das Problem Tiere zu erlösen gab es auch bei der Volkspolizei und nachfolgend bei der Polizei. Bei der VP waren wir als Schutzpolizei bei Unfällen/Wildunfällen meist vor der Verkehrsunfallbereitschaft vor Ort. Es oblag uns dann auch das noch lebende Tier den Fangschuß zu geben. Wenn wir wussten das ein Kollege im Dienst ist der auch der Jagd fröhnte, dann wurde der hinzugezogen. Der hatte auch meist den zuständigen Jagdausübungsberechtigten im Kopf, der dann duch den OdH verständigt wurde. Die Schußabgabe wurde gemeldet und es gab Ersatz dafür (manchmal auch Eine mehr) Schlimmer war es nach der Wende, da haben oft Unfallbeteiligte verlang, dass das verletzte Tier durch uns zum Tierarzt gefahren wird, egal ob Fuchs, Reh oder Wildschwein. Wenn es dann peng gemacht hat und für uns die Sache erledigt war (der Jagdpächter war meist schon vorher durch die Leitstelle zur Entsorgung benachrichtigt) gab es im Nachhinein noch eine Dienstaufsichtsbeschwerde wegen des Tötens eines "unschuldigen" Tieres. Für uns Schreiberei ohne Ende.


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14.01.2020 09:21
#5
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Ich kann mich noch an so ein Erlebnis erinnern, schweift wahrscheinlich etwas ab hier. Hatte Nachts,Objektwache--kam so ein älterer Gakl von der Schicht rein. Ich kam mit ihm ins Gespräch.Ich sagte--schönen Hund haben sie,er sagte,das ist während meiner Dienstzeit schon der Vierte. Er sagte dann zu mir--ich gehe 2 Monate später wie ihr Resis. Und dann sagte er--den Hund lässt er nicht hier--entweder er nimmt ihn mit, aber an der Trasse kommt er nicht--lieber erschießt er den Hund vorher. Ich will damit sagen,auch solche Beziehung,zwischen Mensch und Tier gab es.


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14.01.2020 17:45
#6
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Den Hund beim Abgang mitzunehmen war zu meiner Zeit relativ einfach. Da wurden halt diverse "Wehwehchen" erfunden um den Hund für dienstunfähig zu erklären, schon war das geritzt. Beim Deutschen Schäferhund war das sogar relativ einfach (Hüftgelenke). Die entsprechenden Dienstvorgesetzten haben da idR auch mitgespielt und beide Augen zugedrückt.
Zum Thema: Sowas ist mir während meiner Zeit nicht untergekommen, weder selbst noch durch Hörensagen. Ich glaube aber, daß es für den gewöhnlichen Wehrdienstleistenden nicht so einfach gewesen wäre, einfach mal so die Erlaubnis (oder den Befehl?) zum Schusswaffengebrauch zu erhalten. Dafür war das zu hoch angebunden.


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