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#1

Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 05.09.2019 20:53
von tschainik | 32 Beiträge | 207 Punkte
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Ich habe zu Hause die DVD "Dienen bei der NVA". Ein Kapitel beschäftigt sich aich mit den Bausoldaten. Der erste und letzte frei gewählte Ministerpräsident Lothar de Maiziere hat als Anwalt Bausoldaten vertreten, aber auch seinen Mandanten (Bausoldaten) klargemacht, dass manche berufliche Karriere nicht möglich sei - von einem Studium ganz zu schweigen.

Der ehemalige Bundesminister der Regierung Schröder/Fischer, Bauminister Wolfgang Tiefensee hat nach nach seiner Zeit als Bausoldat ein Ingenieurstudium absolviert, ebenso Rainer Eppelmann (Theologie) und Dr. Stefan Wolter (ich habe angefangen, sein Buch "der Prinz von Prora" zu lesen) wurde auch Pfarrer und Historiker. Bei Stefan Wolter hat sich der damalige Präses der EKD der DDR, Bischof Werner Leich, dafür stark gemacht, dass er Abitur machen konnte.

Von anderen bekannten Bausoldaten, zB. Wolfgang Birthler, hat man gehört, dass sie erst nach absolviertem Studium ihren Dienst bei den Bausoldaten abgeleistet haben.

Wer aus den alten Bundesländern kommt fragt sich : Was ist daran wahr, dass Bausoldaten nicht stdieren konnten ? Oder gab es da das berühmte Hintertürchen ?

Ich freue mich über Antworten

Tschainik


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#2

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 01:46
von andy | 1.681 Beiträge | 3245 Punkte
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Hallo Tschainik,

zu den Bausoldaten kann ich wenig sagen, möchte aber gerne aus meiner Wahrnehmung berichten.

ich kann natürlich nur aus meinem eigenem Erleben zu diesem Thema berichten. Ich bin 1961 geboren und in meiner Schulzeit besuchten einige meiner Klassenkameraden nach der normalen Schulzeit am Nachmittag die damals so genannte Christenlehre, das war Anfang der 1970'iger Jahre. Diese fand in den Räumlichkeiten der Kirche statt und ich kann mich nicht daran erinnern, dass diesen Schülern daraus für mich ersichtliche Nachteile entstanden. Zwei meiner Schulkameradinnen konnten trotz dem regelmäßigen Besuch der Christenlehre zur EOS (erweiterte Oberschule) gehen und dort ihr Abitur machen. Die Plätze für die EOS waren anzahlmässig sehr begrenzt, wimre gab es die EOS nur in den Kreisstädten. Sie waren aber sehr gute Schülerinnen und konnten diesen Weg gehen, das war Mitte der 1970'er Jahre. Beide haben im Anschluss Theologie studiert und schon zu DDR-Zeiten als Pfarrerinnen gearbeitet. Ich habe mich nach der Wende auf einigen Klassentreffen mit ihnen darüber unterhalten können und sie erzählten mir, dass sie schon bei einigen Lehrern auf Ablehnung gestossen sind. Das betraf insbesondere die Bereiche der Gesellschaftswissenschaften wie Geschichte und Staatsbürgerkunde (Stabü).
Als ich nach der 10. Klasse mei BA mit Abitur als Landmaschinenschlosser begann war mein bester Freund der Sohn eines evang. Pfarrers.Unser damaliger Stabü-Lehrer war in meiner Erinnerung ein sehr kluger und belesener Mann, der sich auch im Christentum sehr gut auskannte und im Unterricht auch den "unangenehmen" Diskussionen nicht aus dem Weg ging. Der Schul- und der Klassenleiter waren ihm gegenüber trotz seiner sehr guten Leistungen aber sehr "reserviert", ihnen war der Glaube suspekt. Das betraf aber nicht nur Lehrlinge mit christlichem Glauben. Ich war damals (1977) ein sogenannter Offiziersbewerber, als ich 1978 erklärte, kein Offizier mehr werden zu wollen betrieben beide Lehrer meinen Rausschmiss aus der Abi-Ausbildung. Verhindert hat das der Betriebsleiter des Ausbildungsbetriebes (SED-Mitglied) der die Auffassung vertrat, dass man einem jungen Menschen auf Grund der Änderung seines Berufswunsches (ich wollte dann Kfz-Ing werden) nicht die Zukunft verbauen kann.

Was will ich damit sagen? Ich kann aus meinem Erleben nicht erkennen, dass es in der DDR in den von mir beschriebenen Zeiträumen eine generelle Versagung des Zuganges von Personen mit erklärtem christlichem Glauben zur Hochschulausbildung gegeben hat. Ich meine vielmehr, dass es sehr stark von den handelnden Personen abhing, ob eine Karriere stattfand oder nicht. An dieser Stelle wäre interessant zu erfahren, inwieweit die BV/KD des MfS bei der BA- bzw. Studiumszulassung eingebunden waren. Darüber habe ich keinerlei Kenntnisse.

Es gibt auch einige prominente Beispiele dafür, dass der christliche Glaube kein Hinderungsgrund für ein Studium in der DDR war. Einige hast Du ja schon genannt Die amtierende Bundeskanzlerin gehört ja auch dazu.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.


tschainik, Diskus303, 13.08.Sojus, schulzi, thomas 48, Ebro, DoreHolm, furry und marc haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.09.2019 01:47 | nach oben springen

#3

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 08:03
von Fall 80 | 624 Beiträge | 3382 Punkte
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Es wird immer Beispiele geben, dass es keine einheitliche Richtlinie in dieser Frage gegeben hat. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wahrscheinlich war es doch sehr davon abhängig wer da gerade an der entscheidenden Stelle saß.

Aus meiner Verwandtschaft kenne ich, dass die Kinder nicht bei den Pionieren und der FDJ waren und deswegen der Weg zum Abitur nicht möglich war.

Kann natürlich auch sein, dass deren Eltern aus Zeitmangel keine zusätzlichen Wege unternommen haben.

Die Aussage des Schuldirektors war sehr deutlich. Nach der Wende konnte er sich nicht mehr an seine Aussagen erinnern.

Uli


Sperrbrecher und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#4

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 08:11
von GZB1 | 3.561 Beiträge | 1120 Punkte
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Es war sowohl abhängig von zeitlichen politischen Phasen in der sich die DDR befand (in den ersten 20 Jahren strenger), von den Gegenden (Stadt/ Land; stärker kirchlich geprägt oder nicht) in der die Dinge geschahen, als auch von den Menschen die handelten/ die es betraf. Wer immer auf Fundamentalopposition machte hatte es sicher sehr schwer.


Rostocker, Wahlhausener, Ebro, DoreHolm und furry haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.09.2019 18:11 | nach oben springen

#5

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 08:46
von furry | 5.359 Beiträge | 11319 Punkte
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Zitat von andy im Beitrag #2


Was will ich damit sagen? Ich kann aus meinem Erleben nicht erkennen, dass es in der DDR in den von mir beschriebenen Zeiträumen eine generelle Versagung des Zuganges von Personen mit erklärtem christlichem Glauben zur Hochschulausbildung gegeben hat. Ich meine vielmehr, dass es sehr stark von den handelnden Personen abhing, ob eine Karriere stattfand oder nicht.
andy


1965/66 war ich in der 8. Klasse, als entschieden wurde, wer zur EOS gehen kann. Unser Jahrgang war in drei Klassen aufgeteilt. Aus diesen drei Klassen wurden ca. 12 Schüler (die mir noch namentlich bekannt sind) für die EOS nominiert, von denen mindestens ein Drittel die Christenlehre besuchte und die auch später die Kommunion erhielten bzw. konfirmiert wurden. Einer von diesen 12 aus streng katholischem Haus hat später Kirchenmusik studiert und dann auch praktiziert und ein anderer, ein absolutes Mathegenie, sein Vater war Pfarrer, studierte Physik. Dieser hatte die Absicht, den Dienst mit der Waffe zu verweigern. Aber unser Direktor der EOS, ein sehr guter Mann, dem mehr an dem Wohle seiner Schüler als an der Umsetzung der Vorgaben lag, hat ihm und seinen Eltern klar gemacht, dass sich bestimmte Staatsorgane wenig drum kümmern, ob dieser Schüler den 5. Platz in der Mathe-Olympiade der 11./12. Klasse belegt hat. Dieser Schüler hat dann seine Armeezeit runtergerissen, Physik studiert und später bei Ardenne in Dresden gearbeitet.
Was meine Person betrifft, hat genannter Direktor meinem Vater in einem Vieraugengespräch geraten, mich doch mal etwas stärker an die Kandarre zu nehmen, weil man sich seitens des MfS für mich interessierte.
Wie schon geschrieben, es zählten nicht nur irgendwelche Beschlüsse, sondern auch die Menschen, die diese sehr verschieden umsetzten.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
tschainik und Ebro haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 10:59
von Gert | 598 Beiträge | 3056 Punkte
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als ich zum Wehrdienst verpflichtet wurde, gab es keine Bausoldaten. Für uns , im Falle der Verweigerung, war auch eine Institution zuständig, die mit der Vorsilbe Bau anfing, nämlich das "Grandhotel Bau tzen".
Das 17 Jahre nach Ende des 2.Weltkrieges. Meine Altvorderen incl. Kommunisten "beteten" den Satz daher, wer noch mal eine Waffe in die Hand nimmt, dem soll diese abfaulen. Alles Lügen, Verleumdungen, Täuschungen der Menschen, heute sagt man Fake news

Ach ja, das Abitur. Das habe ich auch nur von weitem gesehen. Ich kannte keine Promis. Shit happens, so beschloß ich Antikommunist zu werden. Passt scho, denn irgendetwas muss man ja werden


Warum muss es uns eigentlich noch besser gehen, wenn es uns gut geht?

*Hubert Joost
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#7

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 12:31
von GZB1 | 3.561 Beiträge | 1120 Punkte
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Tja @Gert jeder sucht sich die Lebensrolle die am besten zu ihm passt.

Dabei sind manche große Mimen , andere dagegen Laiendarsteller.


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 13:26
von thomas 48 | 5.333 Beiträge | 8484 Punkte
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Man konnte aus religiösen Gründen den Dienst mit der Waffe verweigern
zu den
a. Bausoldaten (zum Spaten) gehen
oder
b. in Haft gehen
Ich habe 1967 den Dienst mit der Waffe verweigert und wollte zu den
Bausoldaten
Bitte bei dem Thema bleiben
Es ist nicht die Frage, ob Christen studierten durften
thomas


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#9

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 15:15
von Gert | 598 Beiträge | 3056 Punkte
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Zitat von GZB1 im Beitrag #7
Tja @Gert jeder sucht sich die Lebensrolle die am besten zu ihm passt.

Dabei sind manche große Mimen , andere dagegen Laiendarsteller.



worauf immer du mit dieser sybillinischen Redewendung abzielst, meine Erfahrung ist. Ich habe ab dem ersten Tag Bundesrepublik an meiner Entwicklung hier gearbeitet, ich habe Dinge erreicht, die ich in 3 Leben in der DDR nicht geschaffen hätte, ich bin sehr zufrieden mit meinem bisherigen Leben. Dieses Land , diese Gesellschaftsordnung war für mich das Beste, das ich erreichen konnte. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.


Warum muss es uns eigentlich noch besser gehen, wenn es uns gut geht?

*Hubert Joost
zuletzt bearbeitet 06.09.2019 15:17 | nach oben springen

#10

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 15:16
von Gert | 598 Beiträge | 3056 Punkte
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Zitat von thomas 48 im Beitrag #8
Ich habe 1967 den Dienst mit der Waffe verweigert und wollte zu den
Bausoldaten

und warst du dort ?


Warum muss es uns eigentlich noch besser gehen, wenn es uns gut geht?

*Hubert Joost
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#11

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 16:02
von thomas 48 | 5.333 Beiträge | 8484 Punkte
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nein, wurde ausgemustert
tho


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#12

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 19:40
von freddchen | 113 Beiträge | 283 Punkte
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Im Gegensatz zur BRD machten damals in der DDR eher Schüler ein Abitur, die ernsthaft (auch von den volkswirtschaftlichen Kapazitäten her) für ein Studium in Frage kamen. Heute reicht es mehr oder weniger aus einen Stift halten zu können bzw. dass der materielle Status der Eltern genehm ist. Und demnach ist es auch so viel wert, wie Sand in der Wüste.

Da in der DDR zumindest bei bestimmten begehrten Studiengängen (eigentlich wie heute: Jura, Medizin...) ein dreijähriger Wehrdienst für Männer vorausgesetzt wurde, hatte da ein Bausoldat sicher schlechte Karten.

Wer aber in der DDR ganz heiß drauf war ein Abitur zu machen, konnte das neben einer Berufsausbildung mit Abitur auch jederzeit als Berufstätiger an Abendschulen. Dort gab es meines Wissens keine Zugangsvoraussetzungen. Das war natürlich langwieriger, aber möglich. Sehr viele Betriebe damals sahen das sogar gern und unterstützen solche Aktivitäten von Mitarbeitern.

Zumindest in meiner Klassenstufe damals wechselten die an die EOS, die entsprechende schulische Leistungen hatten. Dass hier jemand aus politischen/religiösen Gründen gedisst wurde, ist mir unbekannt. Frau Merkel konnte ja auch tapfter als Pfarrerstochter höchste physikalische Kompetenz erwerben, FDJ-Ämter begleiten und sogar (damals eine Art Heiligsprechung) in Moskau studieren.

Insgesamt war wohl der Umgang mit Bausoldaten in der DDR sehr stark von der Zeit abhängig. Ich erinnere mich an einen Bekannten, der (gegen Ende der DDR) als Bausoldat diente und irgendwie erstaunlich regelmäßig auf Urlaub kam und auch ansonsten sehr gesund und fit wirkte. Das kann natürlich 10 oder 20 Jahre früher ganz anders gewesen sein...


DoreHolm, Rostocker, Wahlhausener, marc, furry und Ebro haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.09.2019 19:43 | nach oben springen

#13

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 06.09.2019 23:12
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Zitat von freddchen im Beitrag #12
Im Gegensatz zur BRD machten damals in der DDR eher Schüler ein Abitur, die ernsthaft (auch von den volkswirtschaftlichen Kapazitäten her) für ein Studium in Frage kamen. Heute reicht es mehr oder weniger aus einen Stift halten zu können bzw. dass der materielle Status der Eltern genehm ist. Und demnach ist es auch so viel wert, wie Sand in der Wüste.

Da in der DDR zumindest bei bestimmten begehrten Studiengängen (eigentlich wie heute: Jura, Medizin...) ein dreijähriger Wehrdienst für Männer vorausgesetzt wurde, hatte da ein Bausoldat sicher schlechte Karten.

Wer aber in der DDR ganz heiß drauf war ein Abitur zu machen, konnte das neben einer Berufsausbildung mit Abitur auch jederzeit als Berufstätiger an Abendschulen. Dort gab es meines Wissens keine Zugangsvoraussetzungen. Das war natürlich langwieriger, aber möglich. Sehr viele Betriebe damals sahen das sogar gern und unterstützen solche Aktivitäten von Mitarbeitern.

Zumindest in meiner Klassenstufe damals wechselten die an die EOS, die entsprechende schulische Leistungen hatten. Dass hier jemand aus politischen/religiösen Gründen gedisst wurde, ist mir unbekannt. Frau Merkel konnte ja auch tapfter als Pfarrerstochter höchste physikalische Kompetenz erwerben, FDJ-Ämter begleiten und sogar (damals eine Art Heiligsprechung) in Moskau studieren.

Insgesamt war wohl der Umgang mit Bausoldaten in der DDR sehr stark von der Zeit abhängig. Ich erinnere mich an einen Bekannten, der (gegen Ende der DDR) als Bausoldat diente und irgendwie erstaunlich regelmäßig auf Urlaub kam und auch ansonsten sehr gesund und fit wirkte. Das kann natürlich 10 oder 20 Jahre früher ganz anders gewesen sein...


tja geboren 1968, das war eine ganz andere DDR als ich sie erlebt habe. Deine Sprüche, ich muss mich schon sehr zurückhalten sind einfach unterirdisch. Die Diskriminierung feierte unter Ulbricht in den 5o er , Anfang 60 er Jahren ihren Höhepunkt. Mein Vater bekam kurz vor dem 17.Juni 53 keine Lebensmittelkarten mehr, die Antwort der SED Funktionäre war, sie sind doch Selbstständiger und können in der ( gerade gegründeten neuen ) HO kaufen ( 4-fach Preise wie mit Lebensmittelkarten )
diese Hundesöhne von Funktionären spielten mit der Bevölkerung zur Selbstbefriedigung ihrer ideologischen Träume, dass es einem als Bürger schlecht werden konnte..
Das war die Realität, da war eine Verweigerung von Schulbildung Peanuts gegen solche existentiellen Sorgen.


Warum muss es uns eigentlich noch besser gehen, wenn es uns gut geht?

*Hubert Joost
Kimble hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.09.2019 23:14 | nach oben springen

#14

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 07.09.2019 02:41
von Sperrbrecher | 3.808 Beiträge | 14383 Punkte
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Zitat von Gert im Beitrag #13

...sie sind doch Selbstständiger und können in der ( gerade gegründeten neuen ) HO kaufen ( 4-fach Preise wie mit Lebensmittelkarten )

Das stimmt, zumindest für die Anfangszeit der freien HO-Läden, nicht ganz. Nach meiner Erinnerung lagen die Preise dort
erheblich höher als das vierfache der Kartenpreise. Erst nach und nach wurden die Preise in den HO-Läden gesenkt, bis
sie letztendlich dem normalen Kartenpreisen angeglichen waren und die Lebensmittelkarten abgeschafft wurden. Das war,
soweit ich mich recht erinnere, erst 1958.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie bewegte sich in engen Grenzen !
Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.09.2019 02:45 | nach oben springen

#15

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 07.09.2019 08:29
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Zitat von Gert im Beitrag #13
existentiellen Sorgen


Und deswegen bist Du so geworden? Meinst Du, nur Du hattest irgendwann existentielle Sorgen? Die hatte ich auch und wäre nie auf die Idee gekommen, Andere dafür verantwortlich zu machen.


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#16

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 07.09.2019 08:50
von Gert | 598 Beiträge | 3056 Punkte
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Zitat von Ebro im Beitrag #15
Zitat von Gert im Beitrag #13
existentiellen Sorgen


Und deswegen bist Du so geworden? Meinst Du, nur Du hattest irgendwann existentielle Sorgen? Die hatte ich auch und wäre nie auf die Idee gekommen, Andere dafür verantwortlich zu machen.


also erstens war ich in den 50ern noch ein Kind meine Eltern haben diese Erscheinungen vor mir verschwiegen. Sie haben erst als Erwachsenem mir davon erzählt. Also ich hatte keine Sorgen, aber meine Eltern. Und warum sollte man die Verursacher nicht nennen, vor allem wenn es klar erkennbar ist, wer die Verursacher sind ?
Du hattest in der DDR Existenzsorgen ? Bei deiner Stellung ? Das wundert mich aber sehr.


Warum muss es uns eigentlich noch besser gehen, wenn es uns gut geht?

*Hubert Joost
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#17

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 07.09.2019 08:59
von Hackel39 | 4.017 Beiträge | 5425 Punkte
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Der einzige Bausoldat, Jg. 1965, den ich persönlich kannte war ein extrem genügsamer, friedfertiger und politisch sehr defensiver Geselle.
Ich erfuhr erst Jahre nach der Wende davon, ohne daß er es mir, dem FDJ– Sekretär vom Bahnbetriebswerk selbst erzählt hatte, zu groß war offenbar sein Mißtrauen gegenüber großen und kleinen Funktionären und vielleicht hat seine Vorsicht uns beiden auch geholfen.
Ich war regelmäßig auf seinem Stellwerk, er erzählte von seinen Radtouren („....direkt aus dem Harz zur Mittagschicht....50–60 km“) ich von meinen Angeltouren, unserer gemeinsamen Arbeit auf dem Rangierbahnhof, gelegentlich über Aktivitäten der Nachbarorganisation der FDJ (der Bahnhof und das Bw hatte verschiedene) ohne daß ich darüber nachdachte, warum er nie dabei war.
Unter Schichtarbeitern war das eher selten, daß die an außerdienstlichen Freizeitaktivitäten dabei waren, irgendwie kamen wir nie auf die Politik zu sprechen.
Während seiner Abwesenheit meinte ich, er sei direkt bei der NVA, da ich von anderen Optionen gar nichts wußte, außerhalb von Knast oder Knarre.
Erschreckend, wie oberflächlich man selbst damals mitunter auf Achse war, immer der Tunnelblick für‘s eigene Wohlergehen, die Ziele des Parteitags, die unfallfreie Schicht und der volle Kescher im Angelteich.
Erschreckend auch, das Mißtrauen der Betroffenen, über ihr Schicksal zu sprechen aber heute weiß ich wie berechtigt das möglicherweise war, denn anderswo berichtete ich bereits darüber, daß man auch ohne IM zu sein, ein Zuträger der Stasi hätte sein können, wenn auch ohne Zertifikat und Unterschrift, gemeint waren hier die regelmäßigen Gespräche beim Leiter der Dienststelle, der selber am Ende der DDR in den Listen der Bildzeitung drin stand.
Irgendwie war man auch als kleiner Funktionär gebrandmarkt, ob berechtigt oder unberechtigt muß man wohl anderswo diskutieren.


Diskus303, Ehli, Kimble, DoreHolm, Rostocker, thomas 48, Ebro und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Bausoldaten und Studium

in DDR Staat und Regime 07.09.2019 09:12
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Zitat von Gert im Beitrag #16
Du hattest in der DDR Existenzsorgen ? Bei deiner Stellung ? Das wundert mich aber sehr.


Als Student, jung verheiratet, Mitte der 70er. Geld reichte hinten und vorne nicht.
Nach der Kehre, Job bei Beiden weg, Wohnung weg, keine Ersparnisse. Arbeitsamt gab es noch nicht, 2 kleine Kinder. Das war der Punkt, als wir uns entschlossen von Brandenburg nach BaWü zu ziehen um nochmal neu anzufangen. Deshalb kann ich auch die Beweggründe so mancher Flüchtlinge verstehen.
Und jetzt im Vorjahr, während meiner Krankheit als sich der Zustand meiner Frau rapide verschlechterte, zeigte mein Dispo ein Guthaben von 10 Cent.


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