"Zonen-Kanonen gegen Bagger"

22.06.2019 15:07
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#1
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„Zonen-Kanonen gegen Bagger – schwerer Übergriff in der Lübecker Bucht – hieß es auf der ersten Seite jener „Foto“-Zeitung am 14.11.1964.
http://www.manfred-krellenberg.de/media/97b5c66c71b83b6fffff804fffffffef.pdf


Mich hat das damals nicht interessiert; ich war gerade mal 9 Monate alt und meine „Zone“ hatte ihre Grenzen im elterlichen Haus in Bad Schwartau.
Aber für jene, die diese „Foto“-Zeitung seinerzeit lasen, muss der reißerisch aufgemachte Artikel fast den Eindruck erweckt haben, als herrsche „Krieg“…
Was wirklich geschehen war, das blieb den Lesern (zumindest dieses Blattes) scheinbar verborgen.
Der Bundesgrenzschutz/Seegrenzschutz, von dem im Artikel die Rede ist, war überhaupt gar nicht in der Nähe präsent. Der Zoll, welcher im Seegebiet mit dem Zollboot FALDERN unterwegs war, griff bei dieser „Aktion“ auch nicht aktiv ein.


Und wer glaubt, dass das alles in internationalen oder bundesdeutschen Gewässern passierte, irrt. Der Vorfall ereignete sich in territorialen Gewässern der „SBZ“ und die Besatzung des DDR-Bootes G 64 hatte aufgrund der „Grenzverletzung“ durchaus das Recht, den bundesdeutschen Saugbagger zu stoppen.
Aber davon erfuhren die Leser dieser „Foto“-Zeitung nichts. Mit keinem Wort wurde erwähnt, dass man auf dem Saugbagger den „Vorfall“ selbst verschuldet hatte.
Ein Beispiel von vielen, wo man es seinerzeit – im KALTEN KRIEG - mit der Wahrheit nicht so genau nahm, um gegen den Anderen „Stimmung“ zu machen, um nicht zu sagen zu „hetzen“.


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22.06.2019 17:35
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Zitat von krelle im Beitrag #1
Und wer glaubt, dass das alles in internationalen oder bundesdeutschen Gewässern passierte, irrt. Der Vorfall ereignete sich in territorialen Gewässern der „SBZ“ und die Besatzung des DDR-Bootes G 64 hatte aufgrund der „Grenzverletzung“ durchaus das Recht, den bundesdeutschen Saugbagger zu stoppen



@krelle danke für den Bericht. Ich bin Augenzeuge von ähnlichen Vorfällen in der Lübecker Bucht. 14 Tage vor dem Termin mit dem Bagger wurde ich dort nach Ableistung meines Wehrdienstes entlassen. Im Sommer 1964 habe ich einen Vorfall vom B-Turm Höhe Brook beobachtet, wie westdeutsche Sportbootfahrer in unsere Gewässer hineinfuhren. Es kam wie es kommen musste, ein Boot der GBK wollte sie stoppen und sie fingen an Katz und Maus auf dem Wasser zu spielen offenbar im Gefühl der Überlegenheit der schnelleren Maschine. Das endete aber aprupt, als das GBK Boot die Abdeckung von den Bordkanonen abnahm und das Sportboot ins Visier nahm. Da stoppten sie und liefen dann in Kiellinie mit unserem Boot nach Wismar. Ich denke mal ein "ordentliches MfS Verhör" und eine satte Geldstrafe wird wohl drin gewesen sein.
Im Frühsommer 1964 konnte ich auch die Ausscheidungskämpfe zwischen den westdeutschen und ostdeutschen Seglern auf der Lübecker Bucht beobachten. Es war die letzte gemeinsame Olympiamannschaft der deutschen Staaten.


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23.06.2019 00:57
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Danke @krelle ,meine größte Hochachtung dafür, solche tatsächlichen Sachverhalte dem damaligen Medienkrieg gegenüberzustellen ! Das soll meinerseits keinesfalls eine Verurteilung der damals so genannten "Machenschaften der Westpresse" sein- die DDR war (wie wir inzwischen ja alle wissen) keinesfalls ethisch besser.
Es ist einfach nur gut, wenn man sich miteinander heute auf "Augenhöhe" über solche Dinge unterhalten kann, ohne dass es gleich zu Vorwürfen der einen gegenüber der anderen Seite kommt.
Wenige Monate vor dem 30.Jahrestag der Öffung der Grenze empfinde ich es um so angenehmer, wenn man sich offen und ohne Scheu zu den damaligen Dingen bekennen kann- nicht zuletzt braucht es auch Mut dazu, man könnte ja auch aus den (damaligen) eigenen Reihen dafür als "Nestbeschmutzer" gerügt werden.
Es gibt sicherlich so einiges, auf das beide Seiten in ihrer Vergangenheit nicht stolz sind.
Jetzt hier miteinander darüber reden zu können- das ist doch fürwahr ein großes Geschenk, was wir uns selbst machen.


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