30 Jahre Freiheit – Was bedeutet dieses Wort für Dich?

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30.05.2019 19:54
avatar  linamax
#16
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Zu 7 Da bin ich deiner Meinung . ich habe 1967 ein unfreies Land verlassen, und bin in ein freies Land gekommen . Heute kann man das so nicht mehr sagen .


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30.05.2019 20:13 (zuletzt bearbeitet: 30.05.2019 20:15)
#17
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Um´s kurz zu machen, es geht mir heute besser als in der DDR...…, und der Zeitpunkt der Wende kam für mich absolut auf den Punkt, die Familien- und Wohnungsplanung fiel in die Wende-Zeit und eben kurz danach, dank meinem Geburtsdatums... und ganz ehrlich: ich konnte es nicht mehr hören, weder die Nachrichten, die aktuelle Kamera und schon gar nicht den K. E. Schnitzler.... es wurde Alles immer grotesker.

Ich genoss die Freiheit und Demokratie, bei der Geburt meiner einzigen Tochter dabei zu sein, abzulehnen, (was ich heute leider bereue! 29 Jahre im nachhinein....), ich bin stolz darauf, keinen Exquisit mehr betreten zu müssen, um mal passende Klamotten zu bekommen und diese mit mehreren Monatsgehältern bezahlen zu müssen....


ABER, … Demokratie wird keinem der Bürger diesen Landes (wie es mal angedacht wurde) wirklich geboten oder wie es so schön heißt, vorgelebt, aber das ist wieder Politik und da bin ich hier im Forum raus.

schönen Rest-Herrentag und gruß h.


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30.05.2019 20:44
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#18
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( gelöscht )

Zitat von 13.08.Sojus im Beitrag #15
Eine absolute Freiheit ist ein Traum.......


es wäre sinnvoll, den Begriff absolute Freiheit zu definieren, dann kann man darüber weiter diskutieren.
Wenn du damit meinst, dass jeder machen kann was er will, das geht nicht, das ist Anarchie


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31.05.2019 01:59 (zuletzt bearbeitet: 31.05.2019 05:46)
avatar  andyman
#19
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Zitat von Larissa im Beitrag #2

Hattest Du Dir das so vorgestellt?
Was ist Deine liebste Freiheit heute?
Was war in der neuen Freiheit am Schwersten fuer Dich?
Wie hast Du als Westdeutscher die Freiheit Deiner Landsleute gesehen oder erlebt?



Zu 1)Nicht im Entferntesten konnte ich mir diese Flut an Eindrücken vorstellen als ich kurz nach der Öffnung der Mauer in den Westberliner Straßen stand.Es hat mich und viele andere haben das bestätigt das es ihnen genauso ergangen ist,förmlich überwältigt und ich war froh nach ein paar Stunden wieder zu Hause in meiner dunklen Hinterhofwohnung zu sein.So umfangreiche Veränderungen in Hinsicht auf jeden Bereich des Lebens,damit hatte ich nicht gerechnet.Ich fuhr in meiner Freizeit gern mit der S-Bahn in die entferntesten Bereiche Berlins und sah mir die Mauer von der anderen Seite an.Dabei hatte ich immer das Gefühl ich wurde von den anderen Menschen als Ossi erkannt und fühlte mich eigenartigerweise unwohl im Westen.So hatte ich mir das nicht vorgestellt,es interessierte von allen Menschen die ich in dieser Zeit traf niemanden was mich bewegte und alle anderen jagden dem schnöden Mammon hinterher,ich sollte bald merken warum.

Zu2)Die liebste Freiheit ist mir heute das ich nicht das kaufen muß was es gibt,sondern was ich mir leisten kann und will.Das erfasst ja alle Bereiche des Lebens auch die Reisefreiheit und was ich lese oder mir im TV ansehe.

Zu3)Am schwersten war die Umstellung zu erkennen das man den Hintern selber hochbekommen muß um irgendetwas zu erreichen,keiner hat dich an die Hand genommen,im Gegenteil,viele haben versucht die doofen Ossis abzuzocken und wir haben es ihnen oft leicht gemacht.Wir leben jetzt in einer Ellenbogengesellschaft,das war schwer zu akzeptieren.

Zu4)Trifft nicht zu

Freiheit ist für mich auch,hier zu schreiben und viele können das lesen und werden nicht meiner Meinung sein,aber die Freiheit erlaubt auch unterschiedliche Sichtweisen.
Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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31.05.2019 06:18
#20
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Zitat von Gert im Beitrag #18
Wenn du damit meinst, dass jeder machen kann was er will, das geht nicht, das ist Anarchie


Vielleicht lässt sich das nicht definieren, weil der Begriff für jeden eine andere Bedeutung hat. Jeder kann mit anderen Einschränkungen/Abhängigkeiten besser oder schlechter umgehen und muss das für sich selbst rausfinden. Aber da fängt bei vielen das Problem schon an: Sich selbst einschätzen und zu wissen, was man will und was nicht. Solange man die Freiheit in sich selbst nicht gefunden hat, wird man sie auch nach außen nicht finden.
Auch wenn sich das jetzt vielleicht wie von einem Guru anhört, kann ich Dir @Gert versichern, dass ich sehr pragmatisch eingestellt bin. Damit bin ich bisher auch in zwei verschiedenen Systemen relativ gut zurecht gekommen.
Vielleicht habe ich da auch was von meiner Oma geerbt, die das in 5 Systemen (vom Kaiserreich bis zur BRD) geschafft hat.

Anarchie ist es auf keinen Fall. Das ist nur wie ein Drogenrausch, und danach ist alles noch unfreier als zuvor.


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31.05.2019 09:40 (zuletzt bearbeitet: 31.05.2019 09:43)
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#21
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( gelöscht )

Ich möchte einmal zwei Begriffe "in den Raum" werfen:
1. Alltagsfreiheit
2. Sonntagsfreiheit (oder Luxusfreiheit?)
Was mir dabei durch den Kopf geht, es gibt im Alltag gewisse Freiheiten, Freiheiten welche man gar nicht als solche erkennt und es gibt die Sonntagsfreiheiten welche man bewußt erlebt, weil damit eine "Erfolgserlebnis" verbunden ist.
Beispiele für die Freiheit oder Unfreiheit im Alltag:
- Zwang zur Offenbarung bei H4
- Bedarfsgemeinschaften werden konstruiert um die Versorgung der in Not stehenden auf andere Personen abzuleiten
- freie Meinungsäußerung

Beispiele für Sonntagsfreiheit:
- Fahrt in den Urlaub ohne Einschränkung
- Konsumverhalten

Und nun kommt der Knackpunkt, was zählt mehr die "Sonntagsfreiheit" oder die "Alltagsfreiheit"?
Und hier setzt sich die Situation des Betreffenden durch, ein Rentner der Aufstocken muß, der die Tafel besuchen muß oder der ältere Arbeitnehmer der H4 kennenlernen mußte oder in einen Niedriglohnjob gezwungen wurde, für den ist natürlich sehr wenig an "Freiheit" vorhanden.
Der besser gestelte Bürger, der sich durch den Kauf von Konsumgütern und Urlaubsreisen einen Ausgleich schaffen kann, der fühlt sich frei.

Unsere Gesellschaft unterliegt immer mehr einer Spaltung und somit wird sich auch in einer breiten Schicht das Freiheitsgefühl verändern.

Ergänzung:
Es gibt auch Dinge, die gehören einfach auch zur Freiheit, das sind die Möglichkeiten Kultur und Bildung zur entfaltung der Persönlichkeit zu nutzen. Solange z.B. bei H4 für diese Dinge ein lächerlicher Betrag bereit gestellt wird oder Kinder durch Armut in der Familie in ihrer Entwicklung gehemmt werden, solange haben wir in diesem Land keine Freiheit!


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31.05.2019 09:40 (zuletzt bearbeitet: 31.05.2019 09:41)
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#22
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( gelöscht )

Zitat von andyman im Beitrag #19
Nicht im Entferntesten konnte ich mir diese Flut an Eindrücken vorstellen als ich kurz nach der Öffnung der Mauer in den Westberliner Straßen stand.Es hat mich und viele andere haben das bestätigt das es ihnen genauso ergangen ist,förmlich überwältigt.........

@andyman , das kann ich dir gut nachfühlen. Mir erging es so am 31.März 1965, dem ersten Tag nach der in der Nacht zuvor abgelaufenen Flucht. Ich war in Nürnberg angekommen, wir hatten etwasTaschengeld bekommen und so haben wir uns die Nürnberger Innenstadt angeschaut. Wir schauten z.B. in eine Bowlingbahn hinein, der Betrieb, der dort herrschte, ich kannte gar keine Bowlingbahn, die Lichter all das hat uns umgehauen.


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31.05.2019 13:01
avatar  Fred.S.
#23
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Freiheit --- ein großes Wort, hinter dem sich doch der tägliche Alltag, versteckt.
Zu jeder Tätigkeit kann man das Wort benutzen.

Es erfreut mich sehr, das es in diesen Thread doch sehr sachlich zugeht, wofür ich allen User doch DANKE sagen möchte.

Es sind sehr viele Gedanken und Meinungen der User zu diesen Begriff gesagt worden,
viele Beiträge die mich auch nachdenklich machen und mich fragen: .. was, Fred, bedeutet denn das für Dich, ... 30 Jahre Freiheit...
Aufgewachsen, gelebt in der DDR, indem Umfeld wo ich groß geworden bin, die Zeit an der Grenze, dann die Arbeit bei der Post,
die Wende , von der ich nicht allzu viel mitbekommen habe, außer im Fernsehen,
auf der Arbeit hat man sich nicht groß darüber unterhalten, man hatte nur den Gedanken, behälst du nun die Arbeit oder arbeitslos.
Ich war zufrieden in meiner kleinen Welt. Politik hat mich noch nie groß interessiert.
Sah die Freiheit dann mich überrollen in Form der vielen Sachen, die man sich nun leisten konnte. = Dank der Banken =
wo ich heute noch daran knabbere.
Auch in diesen Deutschland, wo ich nun 30 Jahre lebe, bin ich zufrieden. Meine kleine Welt ist genauso geblieben wie Damals.
30 Jahre Freiheit -- mir bedeutet dieser Satz, ---NICHTS ---. Fred


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31.05.2019 13:48
#24
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Leute, jetzt werdet aber bitte nicht trübselig. In einem anderen Thread würde ich jetzt posten. "Was welche Freiheit? Meine Frau hat doch gar nichts gesagt!"


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31.05.2019 14:01 (zuletzt bearbeitet: 31.05.2019 14:02)
avatar  94
#25
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94

Nun, es gibt auch Momente wo die Freiheit, na wie sag ichs, also fragwürdig ist. Zum Bleispil Spaß muss aber trotzdem sein ! (2699)

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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31.05.2019 14:10 (zuletzt bearbeitet: 31.05.2019 14:12)
avatar  Larissa
#26
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Ja @Fred S. – so zu diskutieren macht Spaß mit gegenseitigem Respekt und sachlich!

Als ich diesen Thread eroeffnete 2011, wollte ich reden, unbedingt. In Deutschland war es mir schon 1988 untersagt worden, ueber Interna zu reden. Jahre spaeter in den USA sehnte ich mich nach diesem inzwischen vereinten Staat, an das ich mich nach dem rabiaten Abbruch meines jungen englischen Lebens nie richtig gewoehnen konnte. Als Kind hasste ich Deutschland, ich fuehlte mich in der BRD total unfrei.
Dieses grau-schwarze Land, Menschen, die schienen sehr zu leiden, das erfuhr ich sehr stark in der deutschen Familie Anfang der 60iger. Dieses war ein Ausloeser, der vieles nach sich zog, so auch spaeter meinte mein Gutachter. Es kam 1961 die physische Grenze der Trennung beider deutscher Staaten hinzu, und dass man einen Pass benoetigte, um in einen anderen deutschen Staat zu kommen.
Wie sollte sich ein junges englisches Maedchen in diesem Blutwurst-Deutschland frei fuehlen? Ich saß allein und unverstanden in diesem besetzen Land, das so unfrei war, wie der Baer im Kaefig.

Der Osten, vornehmlich die DDR und die Sowjetunion und Russland waren die Aussaetzigen dieser Welt, und dazu gehoerte ich. Schwer angeschlagen, von meinen Kindern getrennt, holten mich ‚die Freunde‘ 1992 nach Hause, wo ich mit harter russischer Psychologie wieder aufgebaut wurde. Heute bin ich staerker als je zuvor.

Ich denke, dreissig Jahre nach dem Mauerfall ist die Sache Freiheit einer guten Diskussion Wert. Ich war gerne in der DDR. Dort spielte sich fast alles ab, was Metier anbelangte, auch wenn ich das MfS nur streifte. Ich bin mir jedoch vollends bewusst, war es bereits damals, dass mit mir anders umgegangen wurde, und ich Freiheiten hatte, die anderen Menschen versagt blieben.

Eine Forum und die Diskussionsrunden sind nur so wertvoll wie seine Themen. Wir lachen auch hier, oftmals aber geht es hart auf hart und die Geschosse pfeifen einem um die Ohren. Verteidigung und Angriff. Normal, denn, vereint wurde ein Land, dessen Menschen in so voellig unterschiedenen Systemen aufwuchsen. Von der Geburt, der Wiege an, wurde in der DDR der Mensch an die Hand genommen. Genau das Gegenteil im Westen. Selbst ist der Mensch, der nach bestimmten Gesetzen leben musste in der Ellenbogengesellschaft.

Meine ersten Gedanken waren hinter Gitter 1989:
„Die Deutschen gehoeren zusammen.“
Und als zweiter Gedanke – „Nun koennt Ihr Euch aussuchen, unter welcher Bruecke ihr schlafen wollt.“

Kommunistin bis ins Mark, geschult und verpflichtet, physisch und psychisch. Freiheit gab es in diesem Leben, von denen gleichzeitig mehrere Leben stattfanden, weder auf der einen, noch auf der anderen Seite. Wuerde ich heute zurueck schauend was anderes machen? Nein. Ich hatte zu funktionieren, nicht groß nachzudenken. Ich habe funktioniert auf beiden Seiten. Ich habe aber auch nachgedacht. Die Gedanken sind frei! Nur so, kann ich heute ungehindert in den USA und Russland sein – und auch in der Bundesrepublik Deutschland mich wohl fuehlen. An eine grosse Freiheit dachte ich nie. Das Leben, selbst die Strafe war normal fuer mich.

Hatte und habe immer noch die Meinung, dass den Menschen Grenzen gesetzt werden muessten. Grenzen allerdings, die durch Gesetze bestehen, und nicht durch Stacheldraht und Mauern.

Ich habe diesen eigenen – eigensinnigen – Trotzkopf behalten koennen. Ich wurde veraendert ja, ich wurde dressiert. Meine Freiheiten, die habe ich mir genommen, trotz allem. Einschuechterung war fuer mich nie ein Thema. In Deutschland war fuer viele Menschen keine Normalitaet. Wie war es doch? Wenn Elefanten wuessten, wie viel Kraft sie haben.
Damals kam ich aus meiner zugeklappten Muschel und wollte reden. Die Tagespolitik in diesem Forum, mit der die Menschen sich so oder so identifizieren interessierte mich. Ich war nicht nur tausende von Kilometer weit entfernt, ich wollte ploetzlich wieder wissen was in Deutschland nach alledem vor sich ging.
Das Internet gab uns die Moeglichkeit des Miteinanders, wie waere es bei einigen, die hier heute nach 30 Jahren fast, immer noch sich benehmen wie Gegner, wenn sie personlich aufeinander treffen wuerden - so auch mit mir und @Gert geschehen. Hier ist es leicht zu schreiben, und ich bin sicher, bei aller politischen Verschiedenheit, wuerden wir Interessantes am anderen finden. (Ich habe selbst in der Zelle die Welt positiv gesehen!)
Das Wichtigste ist, den anderen zu respektieren und auch sein Leben – wenigstens versuchen – verstehen zu wollen. Fuer die Westler war es nicht so schwer – diese Oeffnung der Mauer zu erleben, fuer viele DDR Buerger eben nicht. Zukunftsaengste kamen schnell auf, als Politiker nicht den richtigen Weg waehlten die Vereinigung Deutschlands anzugehen.

Auf jeden Fall bin ich davon begeistert, dass jeder offen seine Geschichte darlegt und auch was wichtig ist, sich auch treu bleibt dabei. Das gehoert einfach dazu. Denn bei Menschen die in so voellig unterschiedlichen Systemen aufgewachsen sind, waere es unnormal ohne Reibereien und andere Meinungen.

Vor 30 Jahren es hiess Abschied nehmen von alten Gewohnheiten im oeffentlichen und privaten Leben. Ploetzlich spuelte eine ueberwaeltigenden westliche Konsumgesellschaft das Leben des einen Systems, in denen Suedfruechte, Kinderklamotten und eine aufgeblasene Gesellschaft 30 und mehr Sorten Wurst und Kaese brauchten um gluecklich zu sein. Aber nicht nur das. Die Menschen unter den zwei Systemen waren voellig anders gepolt.
Die Propaganda des Westens tat ihr uebriges alles zertreten zu wollen, was in der DDR abgelaufen war. Ein grosser Bruder, wenn er denn wirkliche Groesse besitzt, schlaegt nicht unentwegt auf den kleineren Bruder ein. So fuehlten sich viele Menschen im Osten wie Menschen zweiter Klasse. Sie waren anders. Wie auch die Westler anders waren. Es gab also eine politische und eine menschliche Seite. Das darf man nie vergessen!

Die Tumulte der vergangenen Zeit ab 1989 sind mir gut in Erinnerung. Zumal ich eine der Zeitzeugen war, der mitten in diesem Umbruch stand, und an diesem einen Tag keine Freiheit geniessen konnte. So ist das Leben. Fassungslos habe ich diesen historischen Tag nur unter Aufsicht verfolgen koennen. Wusste aber um das was geschah mehr als gut Bescheid. Meine Russen waren lange darauf vorbereitet, dass fuer sie der Abschied in Deutschland nahte, und sagten stets, die Deutschen gehoeren zusammen. Als ich mich nach dem Prozess aufmachte Mann und Kind zu suchen in Potsdam, verbotenerweise, war die Welt mehr als veraendert.
Es gelang mir nicht mehr im Zuge der Hexenjagd Fuss zu fassen. Ehrlich gesagt, es war mir so viel nicht daran gelegen.

Es gab keine Fragestellung. Ganz klar, die Boesen waren im Osten, und die, die fuer diese Staaten gearbeitet hatten, wurden wie Aussaetzige behandelt. Ich habe ueberlebt. Wer CIA, KGB und V-Schutz ueberlebt hatte vorher, der hat auch diese Zeit, die ich nach dem Untergang der Sowjetunion als einer der schlimmsten Zeit meines Leben betrachtete, ueberleben koennen. Paradoxerweise habe ich mich in den USA und Russland am wohlsten gefuehlt. Ich wollte das neue und vereinte Deutschland zunaechst nur aus der Ferne betrachten.

Die Mauer und die physische Trennung der beiden deutschen Staaten hatten fuer mich zwar nie existiert, ich sass oben auf der Mauer im Metier, Grenzen kannte ich nicht. Es war alles moeglich ueber viele Jahre. Verstehe ich vielleicht deshalb meine ehemaligen DDR Buerger etwas besser, aber auch meine westlichen Freunde, die immer noch so tun, als waeren diese ehemaligen Buerger Schuld. Sie waren es nicht. Schuld war ein gutes, aber zuletzt vergewaltigtes System, das so enden musste. Immer leicht fuer den (vermeintlichen) Sieger zu richten. Denn heute nach drei Jahrzehnten sehen wir die Folgen eines anderen Systems, in dem immer mehr nicht akzeptabel ist. Und wie schon oft gesagt. Wo auch immer wir hingehen, Institutionen und Gesetze sind vorhanden.

Freiheit. Wo war ich wirklich mal frei? In meinem Kopf hatte ich keine Probleme damit. Ich blieb ich selbst. Aber als ich 1992 heimgeholt wurde. Russland ging es schlecht, so wie nie zuvor. Sodom und Gomorra! Und ich selbst war auch am Ende. Im Kaukasus bin ich auf einen Felsvorsprung geklettert, die Freunde hinterher, konnten mich nicht dazu bringen, wieder herunterzukommen. Ich saß da oben und blickte in die Ferne auf diese herrlichen Berge und dachte, wie klein und nichtig der Mensch ist, und dass nur der Einzelne seine eigene Freiheit bestimmen kann.

Freiheit ist schon etwas anderes als Anarchie. Es muessen Gesetze vorhanden sein, denn der Mensch, losgelassen, ist unberechenbar. Das war und ist im Osten als auch im Westen, heute mehr denn je ein Fakt, zumal das starke Deutschland von ganz anderer Seite sich dem heutigen Sturm des Weltgeschehens nicht entziehen kann.
Auch wenn ich (auch eine Freiheit) eine andere Lebenseinstellung habe als viele hier und mit vielem politisch nicht bin einverstanden: Die Menschen in beiden deutschen Staaten gehoerten in einem Deutschland vereint. Ich denke jedoch, dass diese Freiheit richtig verstanden werden muss. Und, dass trotz der Niederlagen fuer viele, man akzeptieren muss, dass dieses eine der groessten Freiheiten der deutschen Geschichte war. Ein Stueckchen Freiheit kann jeder finden, wenn er sich Muehe gibt.

Gruss, Larissa

........

Russland ist ein Rätsel in einem Geheimnis, umgeben von einem Mysterium. Sir Winston Churchill

Das Rätsel ist einfach zu lösen, durch einfache Menschen in Russland.
Die Nebel des Mysteriums lüften sich in den Weiten des Landes.
Geheimniss umwittert bleibt eine Sache, die zu Russland gehört. Marleen Powell

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31.05.2019 15:05
avatar  Fred.S.
#27
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zu26. Ein sehr schöner Beitrag, Larissa, DANKE. mit einen lieben Gruß Fred


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31.05.2019 15:12
#28
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Noch einmal Danke @Larissa für Deinen Beitrag. Ich bin erst mal sprachlos, was bei mir viel bedeutet. Und ich würde mich freuen, wenn es im Rahmen des Forums mal die Gelegenheit gäbe, Dich persönlich kennen zu lernen.

Viele Grüße!

Sojus


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31.05.2019 16:11 (zuletzt bearbeitet: 31.05.2019 16:12)
avatar  Larissa
#29
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Danke lieber @Fred S. und @13.08.Sojus

Dieses Thema bewegt mich genauso wie damals.
Schreiben werde ich noch, so lange die Finger schreiben und mein Gehirn antworten kann. Vor allem sehe ich einiges, was in meinem anderen Thread nach wie vor wird geschrieben, so.Klischees und Mythen die nicht zutreffen, obwohl, nicht nur von mir, sondern von anderen GD- Zeitzeugen hier informativ, den Tatsachen entsprechend, beschrieben wurde. Leider gelten noch weiterhin Vorstellungen zu gewissen Ablaeufen..Geheimdienste sind generell ein schwieriges Thema in Deutschland.
Heute, nach so vielen Jahren, kann ich dabei voellig ruhig bleiben und sage mir, die Menschen haben eben gewisse Vorstellungen, und kommen von diesen nicht los.
Ich wuerde gerne wieder an einem Treffen teilnehmen, und hoffe Dich, und auch einige andere kennenzulernen und 'alte Bekannte' wiederzusehen.
Gruesse, Larissa

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Russland ist ein Rätsel in einem Geheimnis, umgeben von einem Mysterium. Sir Winston Churchill

Das Rätsel ist einfach zu lösen, durch einfache Menschen in Russland.
Die Nebel des Mysteriums lüften sich in den Weiten des Landes.
Geheimniss umwittert bleibt eine Sache, die zu Russland gehört. Marleen Powell

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23.10.2020 19:18 (zuletzt bearbeitet: 23.10.2020 19:24)
#30
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30 Jahre „Freiheit“ - das Parteiorgan der SED des Bezirks Halle feierte nicht mehr mit als die Nachfolger von der MZ an das Geburtsjahr der Einheitsrepublik erinnerte.
Trotzdem scheinen schon selbst die Nachrichten von damals aus der Zeit gefallen.
Wildschweinbraten am Eislebener Straßenrand, ein Fernsehprogramm, das gegen Mitternacht noch zu Ende war und Kreuzworträtsel, die irgendwie jeden Tag gleich waren.
Hier eine kleine Erinnerung vom Anfang allen E...äääähhhm aller Freude.

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Böse Schmierfinken übermalten manchmal den Punkt auf‘s „i“ so daß sich die Freiheit in Frechheit verwandelte


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