Schleusungsstelle

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05.03.2019 17:13 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2019 17:15)
avatar  Ratze
#1
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Moin
Übertrittsstelle "Taube"
der Auszug aus einer Akte der BSTU ist von der BV Rostock mit dem Zusatz "für Instrukteure" bezeichnet.
Die Hauptabteilung I, Abt. Äußere Abwehr, Unterabteilung 4, hat mit Datum 10.09.80 einen Vorschlag für das "Anlegen einer Übertrittsstelle an der Staatsgrenze DDR/BRD" erstellt.
Die Übertrittsstelle lag am Stadtrand von Lübeck in Eichholz.
Es wird in dem Vorschlag festgestellt, dass "parallel zum Verlauf der Staatsgrenze ein ca. 3 m breiter Wassergraben, welcher jedoch durch eine an der Übertrittsstelle vorhandenen Brücke" verläuft, der einfach zu passieren ist.
Eigentlich erstaunlich, dass diese Punkte nicht besonders observiert wurden, oder?
An dieser Stelle stand die Grenzsäule 82 und war bequem durch einen Stadtbus erreichbar.
Diese Schleusungsstelle sollte nur genutzt werden, wenn ein grenzüberschreitender Reiseverkehr nicht möglich war.
Die zu schleusende Person mußte aufgrund der vorhandenen Minensperre ca. 1 km nach Süden gehen, um am Bahndamm (Herrnburg) aufgenommen zu werden.
Am Übertrittsort befindet sich eine Hütte des Zolls, die aber nicht durchgehend besetzt ist. Dort ist auch ein beliebter Punkt, an dem der BGS Infos zum Grenzverlauf und zu den sperranlagen gibt. Eine besser Legende für den Aufenthalt dort gibt es kaum. Neugier ist immer eine gute "Ausrede".
Mit gleichen Datum wurde auch eine Bidlerserie an die BV Rostock geschickt.
Wenn ich richtig informiert bin, war in diesem Abschnitt @Krelle mit seinem Hund im Einsatz. Das wäre ein Fang gewesen, mein Lieber, da wärst Du ganz groß rausgekommen.
Später mehr
Hierzu mehr steht auch im Thema "Bilder 6. GrRgt." von Rothaut


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05.03.2019 17:33
avatar  Ratze
#2
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Es ist doch erstaunlich, wenn man diese Texte liest, dass kaum mal eine Schleusung im Westen festgestellt wurde. @Waldersee hat mal festgestellt, dass am "Roten Haus" eine Observation stattfand, ich habe mal eine Übergabe W/O einer Kamera zusammen mit einem Angehörigen des LfV beobachtet.
Aber so was wie heir dargestellt wird ist für mich nur in einem Spionagefilm wahrscheinlich gewesen.
Hier nun einige Dokumente
- Karte mit örtlicher Lage in HL eichholt der BT ist eingezeichnet.
- Fotos Ost / West mit der Grenzsäule im Vordergrund und Wohnbebauung dahinter
- vermutlich genehmigter Plan, in dem davon gesprochen wird, dass diese Stelle nur in Notfällen genutzt werden darf.

Quelle: BSTU MfS HA I Nr. 17299

[[File:Bilder.pdf]][[File:Karte.pdf]][[File:S 1.pdf]][[File:S 3.pdf]][[File:S 4.pdf]]


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05.03.2019 17:54 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2019 17:56)
avatar  RalphT
#3
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Alles schön detailliert aufgeschrieben. Da hatte man sich früher richtig Mühe gegeben.
Ich lese da immer was von Minensperre. Von wann sind dieses Ausarbeitungen? Ein Datum konnte ich nicht entdecken.

PS:

Ach, ich lese gerade von Ratze darüber:

Die Hauptabteilung I, Abt. Äußere Abwehr, Unterabteilung 4, hat mit Datum 10.09.80 einen Vorschlag für das "Anlegen einer Übertrittsstelle an der Staatsgrenze DDR/BRD" erstellt.

Also wenn ich so blind bin, dann hätte ich nie beim MfS anfangen können!


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05.03.2019 18:24
avatar  Ratze
#4
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#1, @RalhT, von September 80


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05.03.2019 18:57
#5
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@Ratze

Solch eine Festnahme wie dort beschrieben hatte ich Anfang der 80ger auch an der Bahnlinie Schwanheide-Büchen.

Der Posten von der Bahnlinie hatte vom BT11 aus kurz beobachtet, dass sich eine männliche Person auf dem Vorgelagerten etwa 100m nördlich des Bahndamms versteckt hat. Dann wurde die Person nicht mehr gesehen.

Durch unseren KC erhielt ich und ein 2.Gakl die Weisung dort mal nach dem Rechten zu schauen. Da wir im Grenzabschnitt waren, und nur die Pistole mit hatten, sollten wir den Posten der BL zur Eigensicherung mitnehmen. Dieser sollte aber auf Höhe GZ1 am Bahndamm auf uns warten.

Als wir an der Ecke GZ1- BL waren, kam uns eine männliche Person entgegen. Nach erfolgter mündlichen Zurückweisung äußerte er, dass er in die DDR übersiedeln wolle.

Darauf erfolgte die Festnahme und Durchsuchung. Außer Personaldokumente und Geldbörse hatte er nichts dabei. Darüber waren wir sehr verwundert. Aber mehr auch nicht.

Nach der Rückkehr zum BT11 wurde die Person von einem P3 abgeholt und zum Stab 1.GB in Nostorf verbracht. Weitere Einzelheiten wurden uns im Nachgang nicht bekannt.

Der Postenführer und sein Posten erhielten ? Tage Sonderurlaub und wir Gakl eine Geldprämie. Wenn mich nicht alles täuscht, waren es 150 Mark. Will mich über die Höhe nicht festlegen.

Nun, nach dem Lesen der Dokumente wird mir einiges klarer.

Lebenskunst ist - "Im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen"


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05.03.2019 19:37
avatar  Ratze
#6
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Irgendwo habe ich gelesen, dass geschleust Personen sich in keinem Fall zum Thema MfS äußern sollten. Im Befehl 36/86 Zusammenwirken steht auch, dass Festnahmen nach Grenzübertritt W/O immer dem MfS zu übergeben waren. Also ganz einfach eine "Schleusung". Die waren schon clever!


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05.03.2019 19:55
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#7
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Zitat von Ratze im Beitrag #6
Irgendwo habe ich gelesen, dass geschleust Personen sich in keinem Fall zum Thema MfS äußern sollten. Im Befehl 36/86 Zusammenwirken steht auch, dass Festnahmen nach Grenzübertritt W/O immer dem MfS zu übergeben waren. Also ganz einfach eine "Schleusung". Die waren schon clever!


Vielleicht bei diesen Räuber und Schandispielen waren sie clever, einen Staat zu führen, aufzubauen, den Bürgern eine Lebensperspektive zu geben, allen gleiche Chancen einzuräumen dazu waren sie ( die SED und ihre Prätorianergarde ) total unfähig. Das Reifezeugnis dieser Unfähigkeit bekamen sie am 9.November 1989 vom Konkursrichter dem " Volk der DDR " überreicht. Im Nachhinein erkennt man die damals im Geheimen geführten Aktionen als das, was sie waren, einfach Nonsens.


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05.03.2019 21:13
avatar  Ratze
#8
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Bei meinem Text ging es nur um die Stasi und nicht um die DDR Führung


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05.03.2019 22:04
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#9
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Zitat von Ratze im Beitrag #8
Bei meinem Text ging es nur um die Stasi und nicht um die DDR Führung


Entschuldige , aber für mich sind Stasi und SED eins und sie bildeten die DDR Führung. Aber ok ich halte mich da weiter raus, wenn diese Sicht nicht gewünscht ist-.


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06.03.2019 09:20
avatar  Ratze
#10
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@Gert, so war das nicht gemeint. Ich will Dich nicht "abwürgen"
Natrülich war die Stasi Teil des Regierungssystems und wenn man in deren "Interessenbereich" fiel, fühlte man sich sicher vom Staat verfolgt.
Aber bei meiner Aussage ging es mir nicht um das Gesamtsystem des Stasi, sondern um die handwerkliche Arbeit vor Ort.
Hier ging es ja nicht um einen Unterdrückungsmaßnahme, sondern um Spionage.


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06.03.2019 11:36 (zuletzt bearbeitet: 06.03.2019 12:17)
#11
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Das hätte ich auch gerne so in den 80zigern gewusst
Was hätte eine normale Grenzstreife denn auch finden können, wenn sie solch einen Geschleußten wirklich aufgegriffen hätte. Papiere wären für den Beamten kaum als Falszifikate erkennbar gewesen und die ggf. mitgeführten Sachen hätten mit Sicherheit nicht den Aufdruck "Streng geheim" gehabt. 😜
Unsere befreundeten Dienste haben uns von I/S eigentlich immer gut informiert, aber die haben auch nicht immer alles gesagt.
Ich hatte hier ja schon mal geschrieben, dass selbst mir eine "fast" direkt vor meinen Augen durchgeführte Schleusung nicht aufgefallen war. Er nachdem ich meinen Chef über Telefon (Telefonzelle in der"Vorhandyzeit" und ja nicht über das Fug 7b) angerufen hatte, wurde uns beiden die Sache klar.
Aber nun ist alles Geschichte!
Ich möchte aber noch auf @Ratze und @Gert, eingehen. Ratze und ich haben ja in derselben Tätigkeit gearbeitet und wir haben für unseren Grenzbereich immer "vor Ort" gearbeitet - also taktisch. Die strategische Arbeit, also die übergeordnete Auswertung, war nicht Teil unserer Arbeit. So ist es zu verstehen, wenn wir hier im Forum - heute und jetzt- die Abteilung 2000 oder andere Formen der Stasi auch mal als "clever oder dumm" bezeichnen.
Selbstverständlich sind mir und auch @ratze die Hintergründe heute voll bewusst. Nur ich finde es nicht so gut, die Tätigkeiten an der damaligen innerdeutschen Grenze - mitten in der Hochzeit des kalten Krieges - als Räuber- und Gendarmspiel abzutun. Hier standen sich zwei Machtblöcke gegenüber und dessen waren wir uns alle- Ost wie West- voll bewußt.
Spielereien hätten einen sehr ernsten Konflikt auslösen können.


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06.03.2019 12:18
#12
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Zitat von Ratze im Beitrag #1

(...)Diese Schleusungsstelle sollte nur genutzt werden, wenn ein grenzüberschreitender Reiseverkehr nicht möglich war.


So wie ich es verstehe, war diese Stelle für die Schleusung von Personen von der BRD in die DDR gedacht, welche nicht die offiziellen Grenzübergänge benutzen konnten. Das kann bedeuten, dass diese Personen schon im Visier des Verfassungsschutzes/BND/BKA/LKA usw waren. Deshalb hätte wohl auch eine normale Grenzstreife schon genaue Instruktionen (über das weitere Vorgehen) gehabt.


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06.03.2019 12:38 (zuletzt bearbeitet: 06.03.2019 12:39)
#13
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Ich überlege jetzt, in wie vielen Fällen in meiner Zeit im Bereich I/S (1975 - 1990) überhaupt solche relevanten und vor allen Dingen konkreten Informationen an uns gegangen waren. Mit Sicherheit waren es nur SEHR wenige.
Dann hatten wir auch strikte Vorgaben, diese Infos nur sehr gezielt weiterzugeben. Ich bin fest überzeugt, dass es durchaus auch von Seiten BND usw. in einigen Fällen gewüscht war, dass sich der BGS raushält.
Ich hätte niemals konkrete Infos von zu zuschleusenden Personen (in die DDR) z.B. in der jeden Freitag stattfindenden Offz.- und Unterführer Belehrung weitergegeben. Klar wurden da regelmäßig auf bekannte Schleusungswege hingewiesen, aber aus den o.a. Dokumenten geht ja hervor, dass die Beobachtung des Umfeldes sehr wichtig war. BGS - Grenzstreifen waren immer schnell zu erkennen, denn unmittelbar neben der o.a. Bushaltestelle Lübeck-Eichholz war unser Kfz.-Abstellplatz.
Bei zwei, mir noch bekannten Aktionen mit dem BND , war unsere "Hauptsorge", den "normalen" Grenzstreifeneinsatz so umzuorganisieren, dass ein Fehlen der Streifen an der vermuteten Schleusungsstgelle der GrTr nicht auffiel. Heute weiß ich - auch durch dieses Forum und durch den tollen "Grenzwandertag 2018" - dass wir schon beim Aufbau der Aktion erkannt worden waren .


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06.03.2019 13:40
avatar  Ratze
#14
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Moin @Waldersee, mir sind in der Zeit 84 - 89 nur vier Fälle bekannt geworden
Jan 84 Fußspuren auf den zugefrorenen RZ See, die genau zum Schlupfloch im MGZ führten
85 Rückgabe einer Kamera eines West IM an 2 Uniformierte, da lag ich 3 Stunden vorher da auf der Lauer in einem Getreidefeld
Ich glaube 86, da wurde ein Jäger angesprochen, der dann Material an die Stasi lieferte
Abgefangener Funkspruch des FB Dienstes, auch 86, bei der durchgeführten Durchfahrtkontrolle wurde u.a. das Fahrzeug eines Mitarbeiters Bauamt HL festgestellt, der einige Jahre vorher aus der DDR ausgesiedelt wurde.
Alle Fälle waren den Schlapphüten aus Kiel bekannt. Aber weitere Erkenntnisse bekamen wir nicht


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06.03.2019 14:32
avatar  Ratze
#15
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Ich habe von der 2. Schleusungsstelle Auszüge aus den Akten
Da habe ich aber kein Datum gefunden. Ich meine das war Ende der 60 er, aber genau ist es mir nicht bekannt.
Hier spricht man aber noch von Westdeutschland.
Hier kann der "Grenzgänger" von einem ständig besetzten Posten an der Transitstrecke gesehen werden. Was der "Grenzgänger" sagen soll, steht in Ziffer 3.
Aber auch hier handelt es sich um eine Übertrittsstelle, die nur Ersatz ist und nicht als "Hauptschleusungsstelle" gedient hat. (Ziffer 5)

[[File:Bild.pdf]][[File:Karte.pdf]][[File:S 1.pdf]][[File:S 2.pdf]]


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