Schleusungsstelle

  • Seite 3 von 13
07.03.2019 18:14 (zuletzt bearbeitet: 07.03.2019 22:51)
avatar  Kalubke
#31
avatar

Zitat von andy im Beitrag #22
Vorher musste von den HIME ein Telegramm an eine Deckardesse in der DDR (Ostberlin, betreut von einem OibE der HAI/AEA) mit dem Telegrammcode "Norbert" aufgegeben werden (siehe Punkt 5 der OGS-Beschreibung).


@Kalubke

Ich halte in meiner ehemaligen Firma ja eigentlich fast nix mehr für ausgeschlossen. Dass aber ein OibE der Äusseren Abwehr für eine Deckadresse zuständig war, kann ich mir echt nicht vorstellen.
Die Deckadresse (IMK/DA) oder auch KW (konspirative Wohnung) oder DT (Decktelefon) war eine eigenständige IM-Kategorie und die Mehrfacherfassung einer Person war eigentlich nicht möglich, zumindest habe ich sie nie erlebt...

Wimre gab es innerhalb der HA I auch nur ganze 2 (zwei) OibE - Planstellen.

andy


M. E. war in der HA I generell der HAI/KGT/Bereich Aufklärung mit seinen Abt. und UA für die Schleusungen zuständig (siehe die von @Ratze eingestellten Vermerke aus den OGS-Akten "Taube"und "Nord") und damit auch für zu schleusende Personen aus der HAI/AEA. Insofern war meine Zuordnng in #16 nicht korrekt.

Gruß Kalubke


 Antworten

 Beitrag melden
07.03.2019 20:19 (zuletzt bearbeitet: 07.03.2019 20:22)
avatar  ( gelöscht )
#32
avatar
( gelöscht )

#22 @Andy IMK/DA Deckadresse aber was heißt noch IMK?


Es gab im MfS ja unterschiedliche IM-Kategorien und die Abürzung IMK deutete darauf hin, dass derjenige innerhalb des konsirativen Verbindungssystems eine besondere Aufgabe hat. Das konnte eben die Bereitstellung der Wohnung für konspirative Treffen (IMK/KW), die Deckadresse (IMK/DA) oder eben das Decktelefon (IMK/DT) sein.

andy


 Antworten

 Beitrag melden
07.03.2019 22:17
avatar  BRB
#33
avatar
BRB

Zitat von Kalubke im Beitrag #23
kann ich nur die Veröffentlichungen der BSTU zitieren


Ich zitiere aus FOCUS


Die Erde ist eine Scheibe ! Ich zitiere aus "Galileo"


 Antworten

 Beitrag melden
07.03.2019 22:36 (zuletzt bearbeitet: 07.03.2019 22:39)
avatar  Kalubke
#34
avatar

Meinste BSTU und FOCUS können nicht mal richtig aus MfS-Akten abschreiben? Dann lass mal als ehem. Insider hören, wie es tatsächlich war. Zum TBK "Laterne" wollteste doch auch noch was sagen, oder?

Gruß Kalubke


 Antworten

 Beitrag melden
07.03.2019 22:43
#35
avatar

Das Abschreiben und die richtigen Schlüsse daraus ziehen ist so eine Sache!

Aber wem schreib ich das!

"Mobility, Vigilance, Justice"

 Antworten

 Beitrag melden
07.03.2019 22:54 (zuletzt bearbeitet: 07.03.2019 22:57)
avatar  Kalubke
#36
avatar

Na, Donnergaul, verteilste wieder Nackenschläge? Wie wärs, wennde von Deinem geerbten DDR-Herrschaftswissen ein wenig abgibst, anstatt substanzlos reinzugrätschen.

Gruß Kalubke


 Antworten

 Beitrag melden
08.03.2019 14:30 (zuletzt bearbeitet: 09.03.2019 00:44)
avatar  krelle
#37
avatar

Jetzt komme ich dazu, betreffend der „Schleusungsstelle“ bei Lübeck-Eichholz ein paar Zeilen zu schreiben (war/bin krank und zeitweise in einer Lübecker Klinik befindlich). DANKE @Ratze für das Thema und die eingestellten Dokumente. Im Buch „Grenzerfahrungen“ von Karen Meyer-Rebentisch ist auf Seite 86 ein Ausschnitt aus den Instruktionen des MfS zur Grenzübertrittstelle „Taube“ zu sehen.
Ich frage mich, wie oft (bzw. selten) diese Location als „Schleusungsstelle“ tatsächlich genutzt wurde. Und wo genau waren hier die TBK, wie „gestalteten“ sich diese?
„Taube“ in Anspruch zu nehmen (sollte ja auch nur in entsprechenden "Notfällen" in Anspruch genommen werden), war meiner Meinung nach ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Auch wenn im Bereich der Abschrankung Eichholz nicht ständig Kräfte von BGS und/oder Zoll postierten, so aber doch ziemlich oft.


Dass der „Raum zwischen Übertrittstelle und Bahnlinie keinen Schwerpunkt in der Tätigkeit westlicher Sicherheitskräfte“ bildete ist im Kontext auf die gesamte innerdeutsche Grenze betrachtet sicherlich richtig. Jedoch war eben jener Raum durchaus ein Schwerpunkt von Kräften des Grenzzolldienstes, speziell der Grenzaufsichtsstelle(n) Eichholz. Im Waldgebiet nördlich der Abschrankung (in Richtung Lübeck-Schlutup) war aufgrund der vielen Bäume und des Buschwerks eigentlich nichts von den Sperranlagen der DDR zu sehen und der Raum daher eher „unattraktiv“ für Grenzstreifen. Wer was „sehen“ wollte, konnte das in diesem Raum eigentlich nur von der Abschrankung Eichholz und vor allem von der Bahnlinie aus, wo der Grenzzolldienst einen Hochstand unweit der Grenzlinie hatte. Insofern waren die Zollstreifen häufig in diesem Abschnitt. Vielleicht nicht immer ganz „freiwillig“, denn vor allem in den Sommermonaten verordnete die „Führung“ den Angehörigen des ZKom Lübeck-Süd „Dauerpostierung“ im Bereich des Schlagbaums, weil viele Besucher zur Grenze kamen und mit diversen „Nichtbeachtungen des Grenzverlaufs“ zu rechnen war für den Fall, dass weder Zoll noch BGS vor Ort waren.


Der Hochstand des GZD an der Bahnlinie war ebenfalls häufig besetzt. Die in der Instruktion des MfS zu lesende Aussage „unmittelbar am Bahnkörper ist eine Holzhütte installiert, über deren Nutzung durch Sicherungskräfte nichts bekannt ist“, lässt mich zweifeln, ob die Aufklärungsergebnisse des MfS und der DDR-Grenztruppen diesbezüglich herausragend waren. Es war doch nun wirklich nicht allzu schwierig zu erkennen, dass sich in der Hütte gelegentlich Zollbeamte aufhielten (der BGS hatte keinen Schlüssel und seine Angehörigen konnten den Hochstand zwar besteigen, aber lediglich „draußen“ auf der Sitzbank Platz nehmen). Die Grenzsoldaten, welche den Streckenläufer der Reichsbahn hin und wieder bis zur Grenzlinie begleiteten, hatten hier doch ganz besonders gute Möglichkeit zu beobachten, ob und wer am /im Hochstand postierte.


Selbst wenn keine Zoll/BGS-Streife im Bereich der Abschrankung Lübeck-Eichholz war und die Übertrittsstelle „Taube“ genutzt wurde (wahrscheinlich auch nur dann, wenn keine weiteren Menschen und damit Zeugen vor Ort waren), so musste der „Geschleuste“ doch den Weg bis nördlich der Bahnlinie zurück legen. Zunächst wird er genügend „Deckung“ durch Buschwerk /Bäume im Bereich des vorgelagerten Hoheitsgebiets der DDR gefunden haben, ja. Aber eine im Bereich der Bahnlinie befindliche westdeutsche Grenzstreife hätte doch wohl mitbekommen, wenn sich eine Person im Bereich zwischen Grenzlinie und MGZ in Richtung Gleis bewegt.


Meiner Meinung nach war es ein großes Risiko, „Taube“ als Schleusungsstelle zu wählen. Ich kann mir vorstellen, dass im Falle einer geplanten Schleusung in diesem Raum zunächst sämtliche „Aufklärungsergebnisse“ abgefragt wurden. Hierzu zähle ich auch die Funkaufklärung (in Selmsdorf). Die dort tätigen Kräfte konnten sicherlich Auskunft darüber geben, ob sich Streifen des Zolls/BGS angemeldet hatten und wo mit ihnen zu rechnen war. Nun, es gab ja wirklich „Momente“, wo viele Kilometer Grenze "frei" waren von westdeutschen Grenzüberwachungsorganen…


Zumindest „im Dienst“ befindlichen Kräften. „Privat“ war ja mancher Kollege auch noch unterwegs. Wer wie ich Zollhundführer war, streifte oftmals auch noch im Grenzgebiet umher. Die Vierbeiner wollten/mussten „bewegt“ werden auch dann, wenn der jeweilige ZH-Führer dienstfrei hatte. „Wochenend-frei“ bedeutete nicht unbedingt, dass man erst am Montag wieder bei der Dienststelle erscheinen musste. Bereits am Samstag war man(n) wieder beim Zwinger, nahm seinen Hund und ging mit ihm los. Meine Hunde (zunächst ARCO, später ARIE) liebten es, in „ihrem Revier“ zu sein. Wenn ich all die vielen Stunden zusammen zählen wollte, die ich auch noch „privat“ an der Grenze unterwegs war, da hätte ich gut zu tun…


Ich will damit eigentlich nur sagen, dass das MfS nicht nur die im Dienst befindlichen / uniformierten Kräfte der bundesdeutschen Grenzüberwachungsorgane auf dem „Zettel“ haben musste, sondern auch jene Beamte, die in zivil und „privat“ unterwegs waren. Und zumindest das Letztere konnte es nicht mit genügender Sicherheit.


Schade, dass wir wohl niemals Kenntnis darüber erhalten, wie viele Male „Taube“ als Schleusungsstelle genutzt wurde. Schade auch, dass sich viele jener Leute, die damals bei "Schneewittchen" bzw. betreffenden "Diensten" (im genannten örtlichen Raum) aktiv waren, auch heute noch zurückhalten und ihr Wissen für sich behalten; sie könnten sicherlich viel erzählen...

08.03.2019 15:02
#38
avatar

Zitat von krelle im Beitrag #37
... so musste der „Geschleuste“ doch den Weg bis nördlich der Bahnlinie zurück legen. Zunächst wird er genügend „Deckung“ durch Buschwerk /Bäume im Bereich des vorgelagerten Hoheitsgebiets der DDR gefunden haben, ja. Aber eine im Bereich der Bahnlinie befindliche westdeutsche Grenzstreife hätte doch wohl mitbekommen, wenn sich eine Person im Bereich zwischen Grenzlinie und MGZ in Richtung Gleis bewegt....


Zunächst mal ... ein sehr interessanter Faden (und auch noch schön sachlich- danke dafür ..)

... aber zu dem Zitat mal ne Frage:
Wenn der "Übertretende" den Satz über die imaginäre, tatsächliche Grenzlinie geschaft hat, auf das "VGH" .. dann war er doch schon "hüben" und die Messen gesungen .. ?
Dann hätte man doch von westlicher Seite doch nur noch registrieren können, dass da irgendjemand lief, oder?
Oder wurden auch eigene Leute (meine jetzt "Wessis") schon mal zurückgeholt?
Ich meine jetzt nicht nicht nur anrufen und auf den Irrtum oder das Verlaufen aufmerksam machen ..

danke schonmal

Siggi

"Das Verlangen, von uns selbst zu sprechen und unsere Fehler ins rechte Licht zu rücken, macht einen großen Teil unserer Aufrichtigkeit aus."
La Rochefoucauld (1613 - 1680)

 Antworten

 Beitrag melden
08.03.2019 15:21
avatar  krelle
#39
avatar

Also, DDR betreten und die Person auf das Gebiet der BRD zurückholen hätte in diesem Fall wahrscheinlich kein Angehöriger der westdeutschen Grenzüberwachungsorgane gemacht, zumindest ist mir ein solcher Fall nicht bekannt. Dass man(n) es mit einer "geschleusten" Person zu tun hätte, wäre gewiss nicht allen BGS/Zollbeamten klar gewesen. Insofern wäre es durchaus denkbar gewesen, dass die Person angerufen worden wäre und ihr klar gemacht worden wäre, dass sie sich auf dem Gebiet der DDR befindet. Wenn dann deutlich wurde, dass die Person sämtliche Warnungen ignoriert und scheinbar darauf hinaus ist, in Richtung "Osten" zu gelangen, so blieb nur die Beobachtung und anschließende "Meldung" an die Funksprechzentrale (in diesem Fall sicherlich möglichst nicht über Funk, sondern über Draht) übrig.


 Antworten

 Beitrag melden
08.03.2019 15:27
#40
avatar

Zitat von krelle im Beitrag #39
...anschließende "Meldung" an die Funksprechzentrale (in diesem Fall sicherlich möglichst nicht über Funk, sondern über Draht) übrig.


... und was wäre nach einer solchen Meldung passiert ?
Im Tagebuch notieren und gut ?
Oder gab es "kurze (oder zumindest halblange) Dienstwege" etwa in der Art: "Guckt mal nach, da läuft einer vor Eurem Zaun rum .."?

Siggi

"Das Verlangen, von uns selbst zu sprechen und unsere Fehler ins rechte Licht zu rücken, macht einen großen Teil unserer Aufrichtigkeit aus."
La Rochefoucauld (1613 - 1680)

 Antworten

 Beitrag melden
08.03.2019 15:30
avatar  krelle
#41
avatar

Der Beamte hätte einen ausführlichen Bericht schreiben müssen. Und dieser wäre dann über die vorgesetzten Stellen beim Zoll an den Bundesgrenzschutz und von dort aus an die anderen "interessierten" "Organe/Dienststellen" gegangen.


 Antworten

 Beitrag melden
08.03.2019 16:32
avatar  krelle
#42
avatar

Zur Aussage des MfS „es erfolgt sogar eine kurzfristige Aushändigung von Technik /Ferngläser“:
Ja, das war gängige Praxis, dass wir vom Zoll Besuchern das Fernglas (auf Wunsch/Bitte) übergaben, damit sich diese Leute selbst ein „besseres Bild“ vom „Gegenüber“ machen konnten. Auch viele BGS-Beamte gaben ihre Optik kurzzeitig her. Eigentlich ging immer alles „klar“. Ich erinnere mich jedoch an zumindest eine „Ausnahme“: ein Bus mit Schülern (und einer Lehrerin) kam zur Abschrankung. Die Kinder wollten gern durch das Fernglas schauen und ich gab es den Schülern (ca. 13/14 Jahre alt). Während das Glas „die Runde“ machte, beantwortete ich viele Fragen, die von den Mädchen und Jungen gemacht wurden. Als die „Grenzeinweisung“ dann zu Ende war und die Leute wieder zum Bus gingen, bemerkte ich, dass ich mein Fernglas noch nicht wieder zurückbekommen hatte. Ich sagte dem Busfahrer, dass er erst abfahren darf, wenn das Fernglas wieder bei mir ist. Und siehe da: plötzlich lag es auf der Treppe des hinteren Eingangs… ja, ich habe damals ganz schön „Muffensausen“ gehabt. Ob meine „Diensthaftpflichtversicherung“ in diesem Fall eingesprungen wäre, wage ich zu bezweifeln. Ich denke, dass ich einen etwaigen „Schaden“ aus eigener Tasche hätte bezahlen müssen. Nun, es war nochmal „gut“ gegangen.


 Antworten

 Beitrag melden
08.03.2019 16:34
#43
avatar

Etwas stutzig wurde ich, weil die UA 4 die Schleuse angelegt haben soll. Aber 1980 gab es in der UA 4 die AG Perspektiv-IM. An anderer Stelle liest man AG IME-Operationsgebiet. Schon im Januar 1982 wurde wieder umstrukturiert. Die UA 4 umfasste dann die Einsatzkompanie und die AG Terrorbekämpfung.
Die IME-Gruppe Operationsgebiet wechselte vermutlich zur UA 1. Für alle IME wurden "Notübertrittstellen" geschaffen (z.B. in Schlutup).


 Antworten

 Beitrag melden
09.03.2019 04:19 (zuletzt bearbeitet: 09.03.2019 11:18)
avatar  Kalubke
#44
avatar

Laut den von @Ratze eingestelten Dokumenten hatte die HA I /AEA zwar die Schleuse "Taube" für ihre Instrukteursverbindungen zu ihren IM/OG beantragt. Genehmigt worden vom Berereich Aufklärung ist aber nur eine "Notschleuse". Wenn man sich den Schleusungsweg anschaut, dann wird klar warum. Der geschleuste IM musste wg. des Fehlens einer konspirativen Gasse durch die Minensperre vom Übertrittspunkt (Brandenbaumer Chaussee) 1 km durch das Vorgelagerte parallel zur Grenze laufen, um zur Güst Bahn Herrnburg zu kommen und dort die Sperranlagen zu passieren. Vlt. war das einer der Gründe, warum in der Palingener Heide später der Tunnel gebaut wurde. @krelle hatte dort ja eine "unheimliche Begegnung der 3. Art".

Gruß Kalubke


 Antworten

 Beitrag melden
09.03.2019 15:05
#45
avatar
"Mobility, Vigilance, Justice"

 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!