Fluchten / Fluchtversuche mit Geiseln?

05.02.2019 20:36
#1
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Hallo allseits.


Sind Fälle bekannt, in denen Flüchtende / Grenzverletzer in der DDR mit Geiseln in Fahrzeugen oder zu Fuß Richtung Grenze unterwegs waren?

Gab es bei der Grenztruppe entsprechende Ausbildungslagen?


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05.02.2019 20:52
avatar  mibau83
#2
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spontan fällt mir da der fall gerhard meyer von der pik-15 zu weihnachten 1971 ein. wenn es sich dabei auch um keine republikflucht, sondern um eine fahnenflucht handelte, was aber am anfang nicht ganz klar war.


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05.02.2019 21:32
#3
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Gibt es zum Meyer-Fall hier etwas im Forum oder einen sonstigen Link?


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05.02.2019 21:41
avatar  mibau83
#4
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06.02.2019 00:50
avatar  andyman
#5
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[quote="mibau83"|p701514

wurde es in diesen grenzerfachforum bisher noch nicht behandelt? [/quote]

Ja leider stellst du dir damit auch ein Zeugnis aus.
Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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30.03.2021 18:19
#6
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Hier ein Fall aus Berlin, der sich am 5. Januar 1974 ereignete: Ein bewaffneter Fahnenflüchtiger versuchte mit einer am Checkpoint Charlie genommenen Geisel, den Westteil der Stadt zu erreichen:

„Gegen 19.35 Uhr erscheint Burkhard Niering in Winter-Kampfuniform mit Pelzmütze und Stiefeln, die Maschinenpistole im Anschlag am Checkpoint Charlie. Eben ist ein PKW der amerikanischen Alliierten in die Kontrollstelle eingelassen worden, der Kontrolleur begibt sich wieder zu seinem Postenhäuschen, da steht Niering plötzlich vor ihm. „Komm mit!" und „Hände hoch, vorwärts!", soll er dem Oberfeldwebel der zur Staatssicherheit gehörenden Passkontrolleinheit (PKE) nach dessen Schilderung befohlen haben. Als dieser der Aufforderung nur zögerlich nachkommt, gibt Burkhard Niering einen Feuerstoß in die Luft ab. Dann schiebt er ihn als Geisel durch die Kontrollstelle in Richtung West-Berlin vor sich her. Währenddessen sind andere Passkontrolleure auf den Vorfall aufmerksam geworden, haben Alarm ausgelöst, den Fußgängerdurchgang geschlossen und sind mit entsicherten Waffen in Stellung gegangen. Einer schießt aus dem Hinterhalt auf Niering, verfehlt ihn aber. Da befiehlt der seiner Geisel „Laufschritt" und gibt zur Bekräftigung einen zweiten Feuerstoß in die Luft ab.

Auf der Hälfte der ca. 150 Meter, die er innerhalb des Grenzübergangs zurückzulegen hat, ist ein Auto-Slalom installiert; der gekidnappte Passkontrolleur, der sich immer wieder umgesehen und sich bewusst langsam bewegt hat, fragt Niering hier nach eigenen Angaben: „Was wollen Sie, haben Sie Forderungen?" – „Rüber will ich, du Ochse", soll Niering geantwortet haben. Der Schlagbaum des Auslasspostens ist heruntergelassen, Niering und seine Geisel werden von schussbereiten Posten erwartet. „Waffen weg, Waffen weg, hinlegen!", soll der Flüchtende geschrien haben. Die Posten legen sich hin, halten aber ihre Waffen schussbereit. Der Gekidnappte nickt einem gedeckt stehenden Schützen zu, will ihm ein Zeichen geben, zu schießen. „Kriech durch!", befiehlt der Flüchtling am Schlagbaum, die Geisel lässt sich blitzschnell fallen und rollt zur Seite; im selben Moment wird Niering von zwei Grenzern aus gedeckter Stellung unter Feuer genommen. Mit einem Lendendurchschuss bricht er zusammen. Im Laufschritt tragen ihn die Schützen zum Postenturm, um ihn den Blicken der Öffentlichkeit zu entziehen. Nur drei Minuten dauert die Bergung. Wenig später bringt ihn ein Krankenwagen ins VP-Krankenhaus nach Berlin-Mitte, wo er kurz nach 21.00 Uhr seiner schweren Verletzung erliegt.“

Quelle: https://www.chronik-der-mauer.de/todesop...iering-burkhard


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30.03.2021 19:28
avatar  Lutze
#7
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Auch wenn ich jede geglückte Flucht begrüße, warum musste diese mit Geisel und bewaffnet sein?
einen wie Weinhold kommen ,zumindest bei mir,in Erinnerung, alles mit Waffengewalt war und ist nicht mein Standpunkt
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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30.03.2021 20:34
#8
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Aufgedeckt: Bus-Entführung im Vogtland

1982 wurde in der DDR ein Linienbus auf der Fahrt von Karl-Marx-Stadt über Plauen nach Bad Elster entführt. Die Stasi hat die Tat vertuscht. Georg Bachmann, ein Journalist aus Plauen, hat die Ereignisse recherchiert und der MDR hat sich im Magazin "Exakt" dem Thema zugewandt. Am Dienstag wurden Details genannt und Fahrgäste aus dem Bus befragt.

Demnach hatte der Entführer, ein 30-jähriger Mann, einen großen Topf bei sich, in dem sich Gaspatronen und hunderte abgebrochener Streichholzkuppen befanden. Diese "Bombe" drohte er zu zünden, falls ihm am Grenzübergang Hirschberg nicht die ungehinderte Fahrt in den Westen gewährt werde. An einer Bushaltestelle in Elsterberg vereitelte die Stasi die Entführung. Beamte drangen in den Bus ein und überwältigten den "Terroristen". Der war offenbar kein Unbekannter, denn er hatte bereits vier Fluchtversuche unternommen. Nach Informationen des TV-Teams kam der Mann nicht vor Gericht - sondern in die Psychiatrie. Das war wohl für die Vertuschung sicherer als "normale" Haft. Laut "Exakt" hat sich der Mann noch vor der Wende das Leben genommen.

Im Fernsehbeitrag kamen Christine Ruppert und Heike Kahl zu Wort, die in dem Bus saßen. Sie berichteten von ihren zwiespältigen Gefühlen. Während am Anfang alle über den Entführer gelacht und überhaupt nicht an eine Gefahr geglaubt hätten, sei ihnen nach und nach bewusst geworden, dass es brenzlig werden könnte, erinnern sich die beiden Damen. Einige hatten Angst um ihr Leben oder vor einem Einschreiten der bewaffneten Organe, andere fürchteten sich, plötzlich allein im Westen zu sein. Und es gab Fahrgäste, die sogar gehofft haben, in dem Bus ungehindert in die Bundesrepublik fahren zu können.

Während der Fahrt haben einige Insassen Zettel mit Hilferufen aus den Fenstern geworfen. Während eines vorgetäuschten Tankstopps in Reichenbach durften zwei Soldaten, drei Frauen und ein Kind den Bus verlassen. Von ihren Erlebnissen durften die Businsassen nach der Entführung keinem erzählen. Nur im engsten Familienkreis wurde darüber gesprochen. Wie die Fernsehleute herausfanden, soll die Stasi nach dieser Entführung sogar Bundeswehr-Uniformen angeschafft haben, um im Falle einer Wiederholung dem Täter noch vor der Grenze vorzugaukeln, er sei bereits im Westen. ina
https://www.vogtland-anzeiger.de/vogtlan...artikel10390235

Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.
(Edwin Bauersachs)


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30.03.2021 23:37
avatar  icke46
#9
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Hat zwar mit dem Fall als solches nichts zu tun, aber ich amüsiere mich jedesmal über die Beamten, die in der DDR aktiv waren. Bei einem Medium aus den alten Ländern ist das ja schon obligatorisch, aber dass sogar eine ortsansässige Zeitung von Stasi-Beamten schreibt.....


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31.03.2021 14:57
#10
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Hier Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch? (4) wird in den Beiträgen 49 bis 53 vom gelöschten User utkieker über eine (aus Tätersicht erfolgreiche) Fahnenflucht berichtet, bei der ein GAK als Geisel genommen wurde: Ich zitiere mal diese Beiträge:

„1980 gab es bei uns im Abschnitt eine Fahnenflucht mit Geiselnahme. Zwei Pionierkräfte die "feindwärts" arbeiteten nahmen den GAK Stfw. K. als Geisel, klar die Fahnenflucht konnte nicht verhindert ohne das Leben des Stabsfeldwebels zu gefährden. Ich denke innerhalb der PIK wurde sicherlich der "Politisch- Moralische" kontrolliert. Aber wer hat sich eigentlich um den Zustand von Stfw. K. gekümmert? K. war ein fröhlicher GAK, aber die Geiselnahme hat ihn doch ziemlich mitgenommen, lange Zeit war er nur ein Häuflein Elend...“

„Was geschah mit dem Stabsfeldwebel nach der Sache, ich meine, er hat sich ja als Geisel nehmen lassen, ging das so durch? Und wie war das mit den Pio's, absichern müssen hätten ja mindestens zwei, hab das manchmal mitgemacht, Gakl und Soldat als Sipo bei Arbeiten auf dem Vorgelagertem, wenn nicht meist sogar 2 Posten.“

„Der K. war eine Frohnatur, er war GAK in unserer Kompanie. Ich glaub der war schon vor dem Mauerbau in der Kompanie und kannte selbst die BGSler mit Vor- und Zunamen. Und wenn er dann und wann seine Grenzerstorys erzählt hat, wußte man nicht ob er etwas dazu geflunkert hat. Er war einfach gut drauf. Unmittelbar nach der Geiselnahme war er völlig verängstigt, war völlig bleich und eingeschüchtert. Auch noch Tage danach war er nicht wieder zu erkennen. Allein der Gedanke der Posten hätte durchgedreht und auf die Fahnenflüchtigen geschossen, zehrte an seinen Nervenkostüm. Ich glaube man hat K. auch ohne Fähnrichschule zum Fähnrich befördert.“

„Ok Hartmut, hat mich nur interessiert wie ein in der Regel unbewaffneter Pionier so eine Geiselnahme vollbringt.“

„Wenn ich das richtig in Erinnerung habe (ich war kein Augenzeuge der Handlung), wollten die PIO's zu nächst mit dem "Ural" stiften gehen, das Fahrzeug aber blieb im aufgeweichten Boden stecken, kurzerhand nahmen sie K. in ihre Fittiche und schleiften ihn in Richtung Grenze. Erst als beide "Drüben" waren ließen sie K. wieder los....“
--------------------------------------------------------------------------------
Weiss jemand mehr über diesen sicherlich sehr seltenen Fall zu berichten?


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01.04.2021 15:46
#11
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Ein weiterer Fall einer Geiselnahme ereignete sich 1984 im Harz: Ein sowjetischer Deserteur kaperte einen Bus und ließ sich in Grenznähe absetzen. Dort wurde er von einem Hauptfeldwebel der Grenztruppe gestellt und erschossen. Mehr zu diesem Fall gibt es in diesem Film ab Minute 36:
https://www.youtube.com/watch?v=PkM3zchztr8&t=11s


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01.04.2021 20:18 (zuletzt bearbeitet: 01.04.2021 20:31)
avatar  marc
#12
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Der Spieß (Hauptfeldwebel) hat den Deserteur gestellt?

Muss ja ne coole Socke gewesen sein.


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01.04.2021 23:25
avatar  vs1400
#13
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Zitat von Westfale63 im Beitrag #11
Ein weiterer Fall einer Geiselnahme ereignete sich 1984 im Harz: Ein sowjetischer Deserteur kaperte einen Bus und ließ sich in Grenznähe absetzen. Dort wurde er von einem Hauptfeldwebel der Grenztruppe gestellt und erschossen. Mehr zu diesem Fall gibt es in diesem Film ab Minute 36:
https://www.youtube.com/watch?v=PkM3zchztr8&t=11s


irgendwie passt das filmchen nicht zur eigentlichen aussage, @Westfale63 .

gruß vs

04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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02.04.2021 07:52 (zuletzt bearbeitet: 02.04.2021 07:53)
#14
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Zitat von Westfale63 im Beitrag #11
Ein weiterer Fall einer Geiselnahme ereignete sich 1984 im Harz: Ein sowjetischer Deserteur kaperte einen Bus und ließ sich in Grenznähe absetzen. Dort wurde er von einem Hauptfeldwebel der Grenztruppe gestellt und erschossen. Mehr zu diesem Fall gibt es in diesem Film ab Minute 36:
https://www.youtube.com/watch?v=PkM3zchztr8&t=11s



Das Ereignis war dann vom Ablauf hera bisserl anders:
Nikolai Gal
09.11.1963 — 25.01.1984

https://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-...olai/index.html

"Mobility, Vigilance, Justice"

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02.04.2021 10:44
#15
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Zitat von Westfale63 im Beitrag #10
Hier Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch? (4) wird in den Beiträgen 49 bis 53 vom gelöschten User utkieker über eine (aus Tätersicht erfolgreiche) Fahnenflucht berichtet, bei der ein GAK als Geisel genommen wurde: Ich zitiere mal diese Beiträge:

„1980 gab es bei uns im Abschnitt eine Fahnenflucht mit Geiselnahme. Zwei Pionierkräfte die "feindwärts" arbeiteten nahmen den GAK Stfw. K. als Geisel, klar die Fahnenflucht konnte nicht verhindert ohne das Leben des Stabsfeldwebels zu gefährden. Ich denke innerhalb der PIK wurde sicherlich der "Politisch- Moralische" kontrolliert. Aber wer hat sich eigentlich um den Zustand von Stfw. K. gekümmert? K. war ein fröhlicher GAK, aber die Geiselnahme hat ihn doch ziemlich mitgenommen, lange Zeit war er nur ein Häuflein Elend...“

„Was geschah mit dem Stabsfeldwebel nach der Sache, ich meine, er hat sich ja als Geisel nehmen lassen, ging das so durch? Und wie war das mit den Pio's, absichern müssen hätten ja mindestens zwei, hab das manchmal mitgemacht, Gakl und Soldat als Sipo bei Arbeiten auf dem Vorgelagertem, wenn nicht meist sogar 2 Posten.“

„Der K. war eine Frohnatur, er war GAK in unserer Kompanie. Ich glaub der war schon vor dem Mauerbau in der Kompanie und kannte selbst die BGSler mit Vor- und Zunamen. Und wenn er dann und wann seine Grenzerstorys erzählt hat, wußte man nicht ob er etwas dazu geflunkert hat. Er war einfach gut drauf. Unmittelbar nach der Geiselnahme war er völlig verängstigt, war völlig bleich und eingeschüchtert. Auch noch Tage danach war er nicht wieder zu erkennen. Allein der Gedanke der Posten hätte durchgedreht und auf die Fahnenflüchtigen geschossen, zehrte an seinen Nervenkostüm. Ich glaube man hat K. auch ohne Fähnrichschule zum Fähnrich befördert.“

„Ok Hartmut, hat mich nur interessiert wie ein in der Regel unbewaffneter Pionier so eine Geiselnahme vollbringt.“

„Wenn ich das richtig in Erinnerung habe (ich war kein Augenzeuge der Handlung), wollten die PIO's zu nächst mit dem "Ural" stiften gehen, das Fahrzeug aber blieb im aufgeweichten Boden stecken, kurzerhand nahmen sie K. in ihre Fittiche und schleiften ihn in Richtung Grenze. Erst als beide "Drüben" waren ließen sie K. wieder los....“
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Weiss jemand mehr über diesen sicherlich sehr seltenen Fall zu berichten?


Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch? (4)

"Mobility, Vigilance, Justice"

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