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#21

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 15:30
von Sauerländer (gelöscht)
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Erstmal danke für die Erläuterung.
Ich möchte meine Frage nicht als polemisch gewertet wissen, sondern wirklich als Verständnisfrage:
Ex-Nazis (welcher Vereinzugehörigkeit auch immer) gab es ja nicht nur im Grenzgebiet, sondern in ganz Ex-Großdeutschland.
Wehrmachtsoffiziere kamen von der Grenze, aber auch aus Berlin, Erfurt, Weimar, Leipzig oder wasweisichwo.

Warum hatte man ein Problem damit, wenn diese in Grenznähe wohnten ? Bestand bei diesen verstärkt die Gefahr, daß sie über die Grenze flüchteten ? Wenn sie als Nazis Verbrechen begangen hatten, wären sie doch evt. im Westen auch nicht besser aufgehoben gewesen.

Ich will diese Umsiedlung zunächst mal gar nicht werten, sondern erstmal verstehen, was diese Leute im 5km-Streifen so gefährlich machte.


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#22

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 15:47
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 32 Punkte
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Na ja, diese galten halt nicht als besonders zuverlässig im Sinne des Solzialismus, eher als Kapitalisten und Reaktionäre.

Also muss ich die ja nicht direkt an der Grenze haben, wo sie leicht als Spione, Fluchthelfer etc. tätig werden könnten.

Was hatte der Naziverbrecher im Westen schon zu befürchten, höchstens paar Jahre Knast. m Osten und der SU wäre es ihm weitaus schlimmer ergangen, also wäre er im Westen schon besser aufgehoben gewesen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
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#23

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 15:59
von tiroler (gelöscht)
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Hallo Kathrin,

in den Beiträgen wird oftmals von der Aktion Kornblume,
Festigung oder auch der Aktion Ungeziefer gesprochen.
Will mit meinem Beitrag noch darauf hinweisen ,
es wurde auch nach den genannten Aktionen, Menschen
eine Aufenthaltsbeschränkung für bestimmte Kreise
oder Orte ausgesprochen.Dieses geschah für eine unbestimmte
Zeit.In dieser Zeit hatte der Bürger keinen Personalausweis.
Er bekam statt dessen einen PM12.Die polizeiliche Meldekarte 12
bestand aus einem zusammengefalteten Blatt mit Passbild und
pers. Daten.Neben dem Bild stand in rot ,die Aufenthaltsbeschränkung.
Man mußte sich also bei jeder Polizeikontrolle viele Fragen anhören.
Eine Mitnahme auf das Revier war nicht selten.Ich kenne einen Fall,
da wollte ein junger Mann heiraten.Am Standesamt sagte man ihm,
so einfach geht das nicht.Er brauchte erst die Genehmigung vom Staatsanwalt.
Vielen Personen wurde mit der Aufenthaltsbeschränkung die Heimat genommen.
Sie konnten noch nicht einmal zu Familienfeiern oder anderen Anlässen ihre
Heimat sehen.
Das war auch ein sehr dunkles Kapitel der SED-Diktatur.
Es gab natürlich noch die Möglichkeit,den Polizisten,der Für die Ausstellung eines
Passierscheines verantwortlich war ,mit kleinen Geschenken zu schmieren.
Nun zweifelt nicht gleich wieder,es war so!

Gruss Tiroler


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#24

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 16:01
von Pitti53 | 9.112 Beiträge | 1054 Punkte
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Zitat von tiroler
Hallo Kathrin,

in den Beiträgen wird oftmals von der Aktion Kornblume,
Festigung oder auch der Aktion Ungeziefer gesprochen.
Will mit meinem Beitrag noch darauf hinweisen ,
es wurde auch nach den genannten Aktionen, Menschen
eine Aufenthaltsbeschränkung für bestimmte Kreise
oder Orte ausgesprochen.Dieses geschah für eine unbestimmte
Zeit.In dieser Zeit hatte der Bürger keinen Personalausweis.
Er bekam statt dessen einen PM12.Die polizeiliche Meldekarte 12
bestand aus einem zusammengefalteten Blatt mit Passbild und
pers. Daten.Neben dem Bild stand in rot ,die Aufenthaltsbeschränkung.
Man mußte sich also bei jeder Polizeikontrolle viele Fragen anhören.
Eine Mitnahme auf das Revier war nicht selten.Ich kenne einen Fall,
da wollte ein junger Mann heiraten.Am Standesamt sagte man ihm,
so einfach geht das nicht.Er brauchte erst die Genehmigung vom Staatsanwalt.
Vielen Personen wurde mit der Aufenthaltsbeschränkung die Heimat genommen.
Sie konnten noch nicht einmal zu Familienfeiern oder anderen Anlässen ihre
Heimat sehen.
Das war auch ein sehr dunkles Kapitel der SED-Diktatur.
Es gab natürlich noch die Möglichkeit,den Polizisten,der Für die Ausstellung eines
Passierscheines verantwortlich war ,mit kleinen Geschenken zu schmieren.
Nun zweifelt nicht gleich wieder,es war so!

Gruss Tiroler



ja du hast recht,daß war sicher kein rumesblatt


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#25

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 16:19
von Rainman2 | 5.800 Beiträge | 204 Punkte
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Zitat von Sauerländer
Erstmal danke für die Erläuterung.
Ich möchte meine Frage nicht als polemisch gewertet wissen, sondern wirklich als Verständnisfrage:
Ex-Nazis (welcher Vereinzugehörigkeit auch immer) gab es ja nicht nur im Grenzgebiet, sondern in ganz Ex-Großdeutschland.
Wehrmachtsoffiziere kamen von der Grenze, aber auch aus Berlin, Erfurt, Weimar, Leipzig oder wasweisichwo.

Warum hatte man ein Problem damit, wenn diese in Grenznähe wohnten ? Bestand bei diesen verstärkt die Gefahr, daß sie über die Grenze flüchteten ? Wenn sie als Nazis Verbrechen begangen hatten, wären sie doch evt. im Westen auch nicht besser aufgehoben gewesen.

Ich will diese Umsiedlung zunächst mal gar nicht werten, sondern erstmal verstehen, was diese Leute im 5km-Streifen so gefährlich machte.


Hallo Sauerländer,

vielleicht hilft es, wenn man die Sachen mal versucht, in ihre Zeit einzubetten. Heute, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer kommen wir an vielen Stellen kaum klar miteinander zu Grenze und den Fragen, die damit im Zusammenhang stehen. Damals war der Krieg 16/17 Jahre her. Der Kalte Krieg war drumrum, die Kriegsgefahr immens. Und die Entscheidungen zur Aussiedlung dürften kaum auf einer individuellen Ebene diskutiert und entschieden worden sein. Allein im Spannungsfeld einer Exekutive vor Ort und einer Zentrale konnten sich schon merkwürdige Verschiebungen ergeben, gerade wenn es "grundsätzlich" wurde. Selbst in den 80-er Jahren erlebte ich das noch zur Genüge. Man gab als Polit der Kompanie eine Information zu einem Unterstellten weiter, es kam eine Rückfrage nach der grundsätzlichen Haltung des Unterstellten, man versuchte, seine positive Entwicklung zu betonen und schon vertiefte sich die Frage nach der Grundsätzlichkeit. Und hier war es schwer, nicht einzuknicken, besonders wenn man nicht die Verantwortung für die Grundhaltung des Unterstellten übernehmen wollte oder konnte. Das ist feige? Naja, wenn man den anderen eben nicht so genau kennt, dass man für ihn durchs Feuer gehen würde, dann ist die eigene Standhaftigkeit plötzlich etwas sehr relatives. Nicht anders dürfte das damals gelaufen sein. Die Kriterien ("Schubläden") wurden zentral aufgestellt und dann wurde zugeordnet. War man vor Ort vielleicht etwas anderer Meinung, dann knickte man irgendwann doch vor der Schublade ein. Für mich wäre durchaus interessant zu wissen, welche innerparteilichen Diskussionen es damals dazu gab.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 06.10.2009 16:21 | nach oben springen

#26

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 16:28
von Pitti53 | 9.112 Beiträge | 1054 Punkte
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Zitat von Rainman2

Zitat von Sauerländer
Erstmal danke für die Erläuterung.
Ich möchte meine Frage nicht als polemisch gewertet wissen, sondern wirklich als Verständnisfrage:
Ex-Nazis (welcher Vereinzugehörigkeit auch immer) gab es ja nicht nur im Grenzgebiet, sondern in ganz Ex-Großdeutschland.
Wehrmachtsoffiziere kamen von der Grenze, aber auch aus Berlin, Erfurt, Weimar, Leipzig oder wasweisichwo.

Warum hatte man ein Problem damit, wenn diese in Grenznähe wohnten ? Bestand bei diesen verstärkt die Gefahr, daß sie über die Grenze flüchteten ? Wenn sie als Nazis Verbrechen begangen hatten, wären sie doch evt. im Westen auch nicht besser aufgehoben gewesen.

Ich will diese Umsiedlung zunächst mal gar nicht werten, sondern erstmal verstehen, was diese Leute im 5km-Streifen so gefährlich machte.


Hallo Sauerländer,

vielleicht hilft es, wenn man die Sachen mal versucht, in ihre Zeit einzubetten. Heute, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer kommen wir an vielen Stellen kaum klar miteinander zu Grenze und den Fragen, die damit im Zusammenhang stehen. Damals war der Krieg 16/17 Jahre her. Der Kalte Krieg war drumrum, die Kriegsgefahr immens. Und die Entscheidungen zur Aussiedlung dürften kaum auf einer individuellen Ebene diskutiert und entschieden worden sein. Allein im Spannungsfeld einer Exekutive vor Ort und einer Zentrale konnten sich schon merkwürdige Verschiebungen ergeben, gerade wenn es "grundsätzlich" wurde. Selbst in den 80-er Jahren erlebte ich das noch zur Genüge. Man gab als Polit der Kompanie eine Information zu einem Unterstellten weiter, es kam eine Rückfrage nach der grundsätzlichen Haltung des Unterstellten, man versuchte, seine positive Entwicklung zu betonen und schon vertiefte sich die Frage nach der Grundsätzlichkeit. Und hier war es schwer, nicht einzuknicken, besonders wenn man nicht die Verantwortung für die Grundhaltung des Unterstellten übernehmen wollte oder konnte. Das ist feige? Naja, wenn man den anderen eben nicht so genau kennt, dass man für ihn durchs Feuer gehen würde, dann ist die eigene Standhaftigkeit plötzlich etwas sehr relatives. Nicht anders dürfte das damals gelaufen sein. Die Kriterien ("Schubläden") wurden zentral aufgestellt und dann wurde zugeordnet. War man vor Ort vielleicht etwas anderer Meinung, dann knickte man irgendwann doch vor der Schublade ein. Für mich wäre durchaus interessant zu wissen, welche innerparteilichen Diskussionen es damals dazu gab.

ciao Rainman




wir werden wohl kaum einen zeitzeugen dazu hier haben?


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#27

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 18:32
von Rainman2 | 5.800 Beiträge | 204 Punkte
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Hallo zusammen,

der Thread muss nun nicht geschlossen werden, aber hier zunächst eine Antwort von Franziska:

In Antwort auf:
Hallo erstmal,

ein riesiges Dankeschön an dich, dass du meine Frage an das Forum weitergeleitet hast.
Alles was geschrieben wurde hat mir sehr geholfen, die Thematik besser zu verstehen.
Ich danke auch allen, die bei der Aufklärung der Problematik geholfen und ihre Zeit geopfert haben.
Ich finde alle genannten Aspekte sehr interessant und habe das Thema absichtlich nicht weiter eingegrenzt, weil mich alle Informationen rund um Zwangsaussiedlung interessieren. Also danke, danke, danke.

Mit vielen Grüßen Franziska



Also: Das soll kein Abbruch sein!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#28

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 19:22
von U47-Kaleun (gelöscht)
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Hey, kann sich ein Nazi nicht ändern? 16 Jahre nach dem Krieg? Menschen zangsverschleppen, nee. Hoffentlich findet ihr die Aktionen heut nicht mehr gut?
20 Jahre nach DDRende. U47-Kaleun


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#29

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 19:39
von Merkur | 1.097 Beiträge | 272 Punkte
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Zitat von U47-Kaleun
Hey, kann sich ein Nazi nicht ändern? 16 Jahre nach dem Krieg? Menschen zangsverschleppen, nee. Hoffentlich findet ihr die Aktionen heut nicht mehr gut?
20 Jahre nach DDRende. U47-Kaleun



Hätte sich denn der glühende Nationalsozialist Prien, der "Held" von Scapa-Flow, nach 1945 geändert, wenn er den Krieg überlebt hätte? Viele Nazis blieben bis zu ihrem Tod überzeugte Nazis, Beispiele kann ich Dir gern nennen.
Ich sehe ein, dass es für die Menschen persönlich keine schöne Sache war, wenn sie ausgesiedelt worden sind. Die Sicht eines Sicherheitsorgans ist allerdings an solch einer sensiblen Stelle zwischen den Militätblöcken eine andere.
Weißt Du, aus welchen Personenkreisen Reinhard Gehlen in den 50/60er Jahren seine Quellen in der DDR rekrutiert hat ? Und die Grenze war für Gehlen & Co definitiv nicht uninteressant.



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#30

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 19:53
von U47-Kaleun (gelöscht)
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Zitat von Merkur

Zitat von U47-Kaleun
Hey, kann sich ein Nazi nicht ändern? 16 Jahre nach dem Krieg? Menschen zangsverschleppen, nee. Hoffentlich findet ihr die Aktionen heut nicht mehr gut?
20 Jahre nach DDRende. U47-Kaleun



Hätte sich denn der glühende Nationalsozialist Prien, der "Held" von Scapa-Flow, nach 1945 geändert, wenn er den Krieg überlebt hätte? Viele Nazis blieben bis zu ihrem Tod überzeugte Nazis, Beispiele kann ich Dir gern nennen.
Ich sehe ein, dass es für die Menschen persönlich keine schöne Sache war, wenn sie ausgesiedelt worden sind. Die Sicht eines Sicherheitsorgans ist allerdings an solch einer sensiblen Stelle zwischen den Militätblöcken eine andere.
Weißt Du, aus welchen Personenkreisen Reinhard Gehlen in den 50/60er Jahren seine Quellen in der DDR rekrutiert hat ? Und die Grenze war für Gehlen & Co definitiv nicht uninteressant.




Hey mercur, halte nicht viel von hätte. Prien ist 41 bei Island im Nordatlantik abgebuddelt. Meine Frage: Findest Du persönlich Durchführung der Aktion jetzt noch gut? U47-Kaleun


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#31

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 19:55
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[quote="Merkur]
Weißt Du, aus welchen Personenkreisen Reinhard Gehlen in den 50/60er Jahren seine Quellen in der DDR rekrutiert hat ? Und die Grenze war für Gehlen & Co definitiv nicht uninteressant.[/quote]

Also das ist jetzt eine Erklärung, die ich nachvollziehen kann: Ein ehemaliger Wehrmachtsangehöriger, evt. Offizier, der von seinem Vorgesetzten aus dem Westen kontaktiert wird, Spionage über die "Russen" zu betreiben, dafür evt. Geld zu bekommen bzw. später rausgeholt zu werden. Ich weiß zwar nicht, ob dies durch die Truppe von Gehlen wirklich so gemacht wurde, aber vorstellbar wäre das.


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#32

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 20:07
von Merkur | 1.097 Beiträge | 272 Punkte
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Zitat von U47-Kaleun
Hey mercur, halte nicht viel von hätte. Prien ist 41 bei Island im Nordatlantik abgebuddelt. Meine Frage: Findest Du persönlich Durchführung der Aktion jetzt noch gut? U47-Kaleun



Klar kann sich ein Nazi auch ändern, viele taten es nach 1945 jedoch nicht. Und manche ehem. Nazis, SS-Angehörige u. dgl. "änderten" sich nach 1945 in der DDR, um nicht aufzufallen, nur zum Schein. Da lohnte sich das genaue hinsehen schon.
Für die, die ungerechtfertigt in die Situation der Umsiedlung gekommen sind, finde ich die Sache nicht gut. Allerdings hält sich mein Mitleid für die von der Umsiedlung betroffenen SS- und Gestapo-Angehörigen, für Mitglieder der NSDAP usw. in Grenzen.



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#33

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 20:48
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Merkur
[snip]Viele Nazis blieben bis zu ihrem Tod überzeugte Nazis, Beispiele kann ich Dir gern nennen.


Na, Merkur, das gilt aber auch fuer die andere Seite. Beispiele kann ich Dir auch nennen: Grossmann, Schwanitz, Rataizik, Opitz und Co. haben sich 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der "DDR" auch keinen Deut' geaendert, manchmal vermeint man auch solche Leut' hier im Forum zu finden. Vielleicht sollte man demnaechst mal Hohenschoenhausen ver'kornblumen', und ueber Nacht die "suspekten Subjekte" (siehe unten) in Baracken nach Niederbayern oder Schwaben umsiedeln.

Zitat von Merkur

- 11 ehem. SS-Angehörige
- 30 ehem. Nazis
- 5 ehem. Ortsbauernführer
- 76 reaktionäre Personen
- 6 ehem. Offiziere der Wehrmacht
- 6 Erstzuziehende
- 34 Rückkehrer
- 15 Asoziale.
- 1 Ausländer/Staatenloser.


In Anlehnung an Merkurs Liste wuerde ich die zu ver'kornblum'ten Hohenschoenhausener einteilen nach:
* Ehemalige Stasi-Angehoerige
* Ehemalige Kommunisten
* Ehemalige Vorsitzende der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft
* Ostfernsehkucker
* Ehemalige Offiziere der NVA
* Erstzuziehende (in HSH)
* Rueckkehrer (nach HSH)
* Asoziale oder Kneipenwirte
* Auslaender

-Th


zuletzt bearbeitet 06.10.2009 20:51 | nach oben springen

#34

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 06.10.2009 21:10
von Alfred | 7.292 Beiträge | 1171 Punkte
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Captn,

mit bestimmten Vergleichen, auch nur Ansatzweise sollte man sehr vorsichtig sein bzw. diese verbieten sich.

Wann hast Du denn das letzte mal intensiv mit den Herren wie Großmann, Schwanitz gesprochen ?

Ich teile Deine Meinung im bezug auf die gegannten Personen absolut nicht.
Aber vielleicht kennst Du sie besser ....



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#35

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 15.05.2012 22:56
von Gelöschtes Mitglied
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Umsiedlung des "Grenz-Ungeziefers": "Wenn Sie nicht wollen, können wir auch anders"

Als Bericht heute in der Volksstimme gefunden.

"In diesen Tagen vor 60 Jahren ordnete der DDR-Ministerrat die Abriegelung der innerdeutschen Grenze an. Gleichzeitig wurden 8000 politisch unliebsame Familien aus der Sperrzone zwangsumgesiedelt. Die Opfer leiden bis heute darunter."




"Hötensleben/Marienborn l Einige Eckdaten der DDR-Geschichte sind (noch) Allgemeinwissen: Volksaufstand 1953, Mauerbau 1961, Wende 1989. Allenfalls Historikern und eingefleischten Geschichtskennern dürfte jedoch das Datum 26. Mai 1952 bekannt sein. An diesem Tag verfügte der Ministerrat der DDR die Abriegelung der innerdeutschen Grenze. In den folgenden Wochen wurde eine fünf Kilometer breite Sperrzone errichtet, Befestigungen aufgebaut. Unter dem Decknamen "Aktion Ungeziefer" ließ die SED außerdem durch Stasi und Polizei mehr als 8000 politisch unliebsame Bürger und ihre Familien aus grenznahen Orten ins DDR-Hinterland deportieren.



"Bei der Aufarbeitung des DDR-Unrechts hat man sich nur auf Inhaftierte konzentriert. Dass die Täter heute Rente kriegen, macht mich wütend", sagt Achim Grill. Zwar seien die Zwangsumgesiedelten formaljuristisch rehabilitiert. Entschädigt wurden sie vom Land Sachsen-Anhalt nicht."

Hier der ganze Text mit Fotos. http://www.volksstimme.de/nachrichten/sa...uch-anders.html


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#36

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 15.05.2012 23:11
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 32 Punkte
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Ja ja dem MfS wir bei dieser Maßnahme, und auch bei der Aktion Rose ein Jahr später, ja gerne eine große Mitwirkung unterstellt und dabei merkt manch "Fachmann" noch nicht einmal welchen Mist er da verbreitet.

Da war das ausführende Organ doch wohl zu 95% die Volkspolizei, auch wenn man das in deren Reihen nicht gerne hört.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
zuletzt bearbeitet 15.05.2012 23:12 | nach oben springen

#37

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 30.03.2013 16:43
von Grenzverletzerin | 1.188 Beiträge | 28 Punkte
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Schon der Name Aktion 'Ungeziefer' birgt eine Menschenverachtung...und das 7 Jahre nach dem Krieg von einem sich antifaschistisch nennenden Staat...
Nee, ist klar...die Volkspolizei ist schuld. Sicher war sie das ausführende Organ und der Ministerrat hatte es beschlossen. Aber wer hats geplant und organisiert? *Grübel*

Ach ja...Quellen gibts genug:

[1] Susanne Albiez: Notiz offenbart kommunistische Geisteshaltung – Die „Beseitigung des Ungeziefers“ 1952
[2] Manfred Wagner: "Beseitigung des Ungeziefers ..." – Zwangsaussiedlungen in den thüringischen Landkreisen Saalfeld, Schleiz und Lobenstein 1952 und 1961. Analysen und Dokumente

In [2] auf Seite 19 (bezieht sich auf Aktion "Festigung"):




Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.
[url]http://www.smiliesuche.de/smileys/chemiker/chemiker-smilies-0001.gif[/url]


zuletzt bearbeitet 30.03.2013 16:45 | nach oben springen

#38

RE: Franziskas Frage nach Zwangsaussiedlungen

in Leben in der DDR 30.03.2013 19:20
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge | 1 Punkte
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In einem anderen Forum schrieb ein User Wo....sinngemäß, das seine damals junge Frau Mutter mit Hass im Herzen(da wohl Geburtsort Hamburg) in ihrem Wohnort Ludwigslust Neulehrerin geworden ist. Zeit Nachkriegszeit, Begründung, das überleben der vielköpfigen Familie musste gesichert werden. Jetzt ging es hin und her in der Bewertung siehe den Hass aufs sozialistische System, der Notwendigkeit des Überlebens in schwieriger Zeit (auch Hungerjahre), der Unterrichtung des Nachwuchs von einer Frau, die doch eigentlich ein Gegner des Sozialismus war?

Am Ende klinkte ich mich erstmal aus, die Übermacht der Gegner im Textgefecht wurde mir zu groß. Aber wo wollte ich eigentlich mit meinem Text hin? Ja richtig, ich meine also, man konnte ja den Leutchen nicht hinter die Gehirne schauen und deswegen war ein MfS notwendig für den noch jungen Staat DDR wusste man doch nicht, wer da alles am Aufbau mit dem Spaten klammheimlich dran herumwühlte?

Ich finde auch Merkurs Text über Personen, die ausgesiedelt werden sollten ist doch nur der damalige Sprachgebrauch gewesen. Was soll denn nun daran heute falsch sein?

Lebensläufer


Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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