Wer glaubte an die Parolen in der DDR?

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21.11.2018 19:56 (zuletzt bearbeitet: 21.11.2018 19:56)
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#16
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Meistens hingen ja die bescheuerten Spruchbänder mit Vorwärts zu irgendwas auch immer, an Fassaden die aussahen als wären gestern erst die Kosaken durchgeritten.


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21.11.2018 20:05
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#17
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Die Spruchbänder sollten doch die maroden Fassaden etwas aufhübschen.

In einigen VEB sahen die "Neubauten" der 70 iger Jahre desolater aus als die "Altsubstanz" aus den 20 iger Jahren.

Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein - ohne Sonnenschein und Gott geht die DDR bankrott.

Kontrollstreife


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21.11.2018 20:07
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#18
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Zitat von Gert im Beitrag #12
solchen Dönchen wurden sicher auch nicht in den Kreisen erzählt, in denen du dich vermutlich bewegtest. Deine Gesprächspartner konnten sicher wie aus der Pistole geschossen die §§ zitieren, die solche Gesprächsinhalte sanktionierte.grins1]
Das waren dann die sogenannten 3/8 Witze.

Drei Jahre für die Zuhörer und acht Jahre für den Interpreten.

Kontrollstreife


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21.11.2018 21:08 (zuletzt bearbeitet: 21.11.2018 21:09)
#19
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Den Parolen "glauben" ? Das hatte wohl, zumindest bei mir als SED-Mitglied, weniger mit Glauben zu tun. Sie waren einfach da. Mal waren es bloße Aufrufe "Vorwärts zum....u.s.w."), mal Feststellungen (glaubte man damals zumindest) " Der Sozialismus ist unbesiegbar" o.s.ä., mal völlig sinnfrei und langweilig, mitunter ließ der Losungstext eine nicht beabsichtigte Interpretation zu. Das war dann eher lustig. Die einzigen Situationen, bei denen ich mich mit Losungen beschäftigten mußte, war z.B. bei der Rede anläßlich der Wahl des BPO-Sekretärs oder eines wichtigen Berichtes nach oben. Da war ich zumindest bestrebt, hier keinen Blödsinn zu schreiben und das alles im Rahmen zu halten. Nur so viel wie unbedingt nötig. Die Losungen auf den mitzuführenden Transparenten zu öffentlichen Anlässen (1.Mai, Kranzniederlegungen u.a.) wurden zentral für jeden Betrieb vorgegeben. Da hatten wir keinen Einfluss darauf.


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21.11.2018 22:17 (zuletzt bearbeitet: 21.11.2018 22:18)
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#20
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Den Parolen "glauben" ? Das hatte wohl, zumindest bei mir als SED-Mitglied, weniger mit Glauben zu tun. Sie waren einfach da. Mal waren es bloße Aufrufe "Vorwärts zum....u.s.w."), mal Feststellungen (glaubte man damals zumindest) " Der Sozialismus ist unbesiegbar" o.s.ä., mal völlig sinnfrei und langweilig, mitunter ließ der Losungstext eine nicht beabsichtigte Interpretation zu. Das war dann eher lustig. Die einzigen Situationen, bei denen ich mich mit Losungen beschäftigten mußte, war z.B. bei der Rede anläßlich der Wahl des BPO-Sekretärs oder eines wichtigen Berichtes nach oben. Da war ich zumindest bestrebt, hier keinen Blödsinn zu schreiben und das alles im Rahmen zu halten. Nur so viel wie unbedingt nötig. Die Losungen auf den mitzuführenden Transparenten zu öffentlichen Anlässen (1.Mai, Kranzniederlegungen u.a.) wurden zentral für jeden Betrieb vorgegeben. Da hatten wir keinen Einfluss darauf.



@DoreHolm du hattest mich gefragt, wo ich dich einordne. Hmmm, wenn ich den Text hier lese, warst du ein Widerstandskämpfer, Opportunist, ein Uninteressierter, ein Danebenstehender, der das alles Lustig fand. Na wie auch immer , ich kann mich da nicht festlegen ===> Gesamtbild seeehr flexibel


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21.11.2018 22:29
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#21
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@DoreHolm

Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Den Parolen "glauben" ? Das hatte wohl, zumindest bei mir als SED-Mitglied, weniger mit Glauben zu tun. Sie waren einfach da. Mal waren es bloße Aufrufe "Vorwärts zum....u.s.w."), mal Feststellungen (glaubte man damals zumindest) " Der Sozialismus ist unbesiegbar" o.s.ä., mal völlig sinnfrei und langweilig, mitunter ließ der Losungstext eine nicht beabsichtigte Interpretation zu. Das war dann eher lustig. Die einzigen Situationen, bei denen ich mich mit Losungen beschäftigten mußte, war z.B. bei der Rede anläßlich der Wahl des BPO-Sekretärs oder eines wichtigen Berichtes nach oben. Da war ich zumindest bestrebt, hier keinen Blödsinn zu schreiben und das alles im Rahmen zu halten. Nur so viel wie unbedingt nötig. Die Losungen auf den mitzuführenden Transparenten zu öffentlichen Anlässen (1.Mai, Kranzniederlegungen u.a.) wurden zentral für jeden Betrieb vorgegeben. Da hatten wir keinen Einfluss darauf.
Du warst ein Zahnrad in dem Getriebe. Auch wenn Du viele Dinge vielleicht anders gesehen hast, hast Du trotzdem gute Miene zum Theater gemacht.

Ich bin weit davon entfernt ein Widerständler gewesen zu sein, aber in dem politischen Getriebe war ich nie.

Meinen Beruf habe ich nach besten Wissen und Gewissen ausgeübt und das unabhängig von der Gesellschaftsordnung. Dafür brauchte ich keine Parolen, keine Parteitagsbeschlüsse oder Lippenbekenntnisse.

Massenorganisationen und Massenveranstaltungen kenne ich nur aus der Sicht eines Unbeteiligten.

Kontrollstreife


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21.11.2018 22:31
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#22
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Ich merke schon, dass Ihr mich für etwas beschränkt haltet. Aber Jeder ist das Produkt seiner Erziehung und Umwelt.

Kann aber einen Elektrikerwitz beisteuern.

Der Arbeitstag besteht darin, den ganzen Tag mit dem Strom zu schwimmen, nicht mit der Leitung in Berührung kommen, abends geladen nach Hause gehen, an die Dose fassen- und eine gewischt bekommen.

Selbst Akademiker mit Diplom sind nur marginal intelligent

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21.11.2018 22:37
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#23
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@Ebro

Zitat von Ebro im Beitrag #22
Ich merke schon, dass Ihr mich für etwas beschränkt haltet. Aber Jeder ist das Produkt seiner Erziehung und Umwelt.

Nun sieh das doch nicht so verbissen. Bei dem zweiten Satz wird dir bestimmt fast jeder recht geben.

Dein Umfeld und mein Umfeld waren eben Grundverschieden.

Wäre dann nur noch die Frage zu klären, welches der Beiden wohl verbreiterter war in der DDR.

Ich für meinen Teil habe mit wesentlich mehr Personen Kontakt gehabt die näher an meinem Umfeld gelebt haben als an Deinem.

Kontrollstreife


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22.11.2018 00:13 (zuletzt bearbeitet: 22.11.2018 00:14)
#24
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Arbeite mit!
Plane mit!
Regiere mit!
Parole auf dem linken der vier Bilder (aus dem Eisenbahner– Thread)
Eisenbahngeschichte (40)
Suzy ist übrigens den Heuschrecken zum Opfer gefallen und gehört jetzt der Beacon– Beteiligungsgesellschaft und hat ihre rote Farbe verloren, nur ihre Betriebsnummer 185 596 ist ihr geblieben.
Alles fließt, so wie die Parolen, sie kommen und gehen.


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22.11.2018 07:29
avatar  furry
#25
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Zitat von Kontrollstreife im Beitrag #8
Wer kennt sie noch die 10 Prinzipien der soz. Leitungstätigkeit?


Du meinst sicher die 10 "A"?
Alle anfallenden Arbeiten auf andere abschieben, anschließend anscheißen, aber anständig.

"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)

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22.11.2018 07:32
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#26
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Das mit den 10 A wird doch auch heute noch erfolgreich praktiziert.

Kontrollstreife


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22.11.2018 07:49
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#27
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Komischerweise ist es meist dieselbe Klientel, welche den platten Parolen hinterherläuft.

Ob in der Kaiserzeit, im Dritten Reich, der DDR oder in der heutigen Bundesrepublick. Wichtig ist ein lautstarker Vortänzer und ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung latscht gedankenlos mit.

Wenn man dann mal jemanden fragt warum er denn da mitgeht, kommen auch nur platte Antworten.

Kontrollstreife


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22.11.2018 07:55
#28
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Zitat von Kontrollstreife im Beitrag #8
Wer kennt sie noch die 10 Prinzipien der soz. Leitungstätigkeit?
(...)
Kontrollstreife

Tönt interessant. Im Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem vom 25. Februar 1965 steht in 43
(1) Die Studenten sind durch die Ausbildung zu befähigen, sich neue Erkenntnisse der Wissenschaft und Technik auf. ihrem Fachgebiet und auf angrenzenden Gebieten selbständig anzueignen und in der Praxis anzuwenden.
(2) Die Studenten sollen lernen, sich in sozialistische Arbeitskollektive einzufügen und die sozialistische Gemeinschaftsarbeit zu leiten und zu fördern. Sie sind mit den modernen Prinzipien und Methoden der sozialistischen Leitungstätigkeit vertraut zu machen.

Was war das moderne Managementtraining im Sozialismus und wie setzten es die Manager um ?


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22.11.2018 08:14
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#29
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( gelöscht )

Ja Papier ist geduldig. Kann da leider keine Kenntnisse aus meiner Fachschulzeit mehr abrufen.

Erstaunlich war nur, dass gerade die "Linientreuen" oftmals nach der:

Robinson Methode - warten auf Freitag und der

Bassoff Methode - das de den Feierabend nicht verpasst

gelebt(gearbeitet) haben.

Aber auch diese Methoden haben die Wende erfolgreich überdauert und sind eben leider auch heute wieder anzutreffen.

Kontrollstreife


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22.11.2018 09:20 (zuletzt bearbeitet: 22.11.2018 09:27)
avatar  josy95
#30
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Ich habe an die von den SED- Propagandisten vorgegebenen Parolen nie geglaubt. Mich eher -und das bis heute- über so manchen Schwachsinn lustig gemacht.
Lustig war es jedoch net, als ich als nicht- FDJ- Mitglied während meiner Lehre im Deutsche- Reichsbahn- AW Halberstdt (ein extrem SED- durchsetzter "Laden"!) vor ein Gremium vorgeladen war, die wissen wollten, wie ich meine doch ganz guten praktischen und theoretischen Leistiungen besonders in Staatsbürgerkunde (hatte immer eine 1 oder 2) mit meiner nicht- Mitgliedschaft in der FDJ und meinem Klassenstandpunkt vereinbaren könne...


Meine Antwort: Lenin hat schon damals gesagt: "Man muß seine Feinde kennen, die man bekämpfen will!"

Das nachfolgende Szenario können sich die Meißten hier sicherlich vorstellen. Ich hatte auch schon mal darüber geschrieben.


Mit der Erfahrung von heute und bezogen auf den Eröffnungsbeitrag von @bürger der ddr sage ich, ich setze in Grundzügen(!) einen realen Sozialismus mit Prinzipien einer funktionalen sozialen Marktwirtschaft in etwa gleich. So, wie diese halbwegs bis etwa Mitte der 70-er Jahre in der alt BRD und vielen westseuopäischen Ländern funktioniert hat.

Nur der so oft gelobte reale Sozialismus in der DDR hat nicht funktioniert, konnte nicht funktionieren. Schon allein aus drei Gründen nicht - erstens das Vordiktat einer trotz bescheidener Reformen ab Ära Chrutschow weiterhin stalinistisch orientierten KPdSU aus Moskau, zweitens des riegerosen Alleinherschaftsanspruches einer SED und drittens der festen Überzeugung zu sein, die SED und damit ihre Führungseliten seien unfehlbar..., siehe das tolle Lied "Die Partei hat immer recht!"

josy95

Günter Schabowski hatte es in seiner legendären Pressekonferenz am 09.11.1989 wahrlich nicht leicht und vor allem keine Zeit, den genauen Zeitpunkt der Einführung der neuen DDR- Reisegesetze bei Krenz oder im SED- Politbüro zu hinterfragen.
Jeder kennt das Ergebnis.
Politiker von heute haben den Vorteil, nicht unter Zeitdruck zu stehen wie einst Schaboweski und das Politbüro der SED.
Und bevor sie in die Öffentlichkeit gehen, nocheinmal die Lobbyisten zu fragen, die ihnen die Gesetze geschrieben haben ...

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