50 Jahre Glöwen

01.10.2018 17:16
avatar  Jumbo2
#1
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50. Jahrestag
02.05.1968 Einmarsch im GAR 5!
Am 2. Mai 1968 war meine Jugend vorbei. Mit 18 Jahren zur NVA und vorher noch nie lange von zu Hause weg. Alles war im Ort Schule, Lehre, Arbeit, gute alte Zeit und dann Glöwen, das Grab meiner Jugend. Gegen 12 Uhr Mittags auf dem Bahnhof angekommen, ging das Gebrülle schon los, alle raus und in dreier Reihe angetreten. Es war heiß und dann mit Pappkofer im Eilmarsch Richtung GAR 5. Die ewig lange Bahnhofsstrasse und kein Ende in Sicht, dann links schwenk marsch und der Eingang mit Schranke kam auf uns zu. Am Schlagbaum standen die Wachen und zeigten uns den dicken Daumen (Stinkefinger gab es noch nicht), mir war klar jetzt bist du im Arsch und es stimmte.
Auf dem Ex-Platz dann Aufstellung, vorher im Zug gab es auf der Einberufung eine Zahl, bei mir die 1, beim Kumpel die 6 und das bedeutete Trennung. Wir haben uns dann kaum gesehen, zwischen 1. und 6. Kompanie lag der EX-Platz und das war zu gefährlich, einmal rüber laufen und man wurde gesehen, gab es Arbeitsverrichtung ausser der Reihe.
Ich also 1. Kompanie, mit dem Kapo ab aufs Zimmer 4.Zug, 2.Gruppe. Gegen Abend in den Essensaal und BA in Empfang genommen und alles so furchtbar ungewohnt, lieber sterben als hier bleiben. Irgendwann hatte sich alles eingespielt und im Juni ging es dann ins Sommerlager nach Hintersee, schöner Mist Hitze ohne Ende und noch viel mehr Mücken. Dann am 21.August die Tschechen-Krise, voll aufmunitioniert im Kampfanzug standen und schliefen wir ein Woche lang in erhöhter Arlarmbereitschaft, ging zum Glück ohne Einsatz zu Ende. Ja , dann am 25.10. wurde ich als LO-1800 A Fahrer an die Grenze nach Riebau versetzt, das Grab meiner Jugend hatte sich verlagert.
Dieses Jahr am 02.05.2018 zum 50. Jahrestag war ich mal wieder in Glöwen, es verfällt immer mehr, aber es riecht immer noch nach Bohnerwachs. Einige Teile des Objektes sind in Benutzung und in privater Hand, der Rest wartet darauf zu verfallen. Zur Feier des Tages war keine Ehrengarde oder kein Spiess da, ich marschierte alleine durch das Objekt. Das wollte ich hier mal loswerden, auch nach 50 Jahren bewegt mich diese Zeit immer noch.
Die Steine vom Profilbild sind direkt am Ausgang vom Bahnsteig. Auf Garantie sind wir alle dort rüber gelatscht. Der Bahnsteig wurde komplett neu gemacht, nur am Ausgang sind noch etwa 2 Meter Original Pflaster.


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23.10.2018 22:49
avatar  Rudi66
#2
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Hallo Jumbo2,
bei mir sind es inzwischen 63 Jahre mit den gleichen Erinnerungen. Mein zweites Leben begann dann am 24.12.65, als ich die GK Hanum in Richtung Westen verlassen hatte. Gab es noch die Bahnverbindung nach Havelberg vor 50 Jahren?


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24.10.2018 08:35
#3
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Ja bei mir werden es fast 45 Jahre her--als ich in Glöwen einmarschierte für 6 Monate. Man hat so manchen Tag verflucht, wenn auf den Dienstplan stand--Ausbildung im Gelände--wegen so ein Essgeschier, musste jedesmal das ganze Teil 1 mitgeschleppt werden.Und was habe ich mir Blasen an den Hacken dort gelaufen, so das ich abends auf dem Bett saß und hab nen Wollfaden durchgezogen. Als man dann nach 6 Monaten Glöwen an den Kanten versetzt wurde, kam es einen so vor,als wenn man in der Naherholung gelandet wäre und die Zeit in Glöwen verschwand. Als ich dann nochmal ,einige Jahre später als Resi in einer Aufklärungskompanie in Beelitz landete und so zurück dachte an Glöwen. Sagte ich mir, Junge du hast Glück gehabt,das du im Grundwehrdienst bei den GT gelandet bist, wie bei dieser Truppe.
Ja lange ist es her,bin nie wieder in Glöwen und Beelitz gewesen.


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17.11.2018 18:54
avatar  Jumbo2
#4
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Guten Abend,
vor 50 Jahren war die Kleinbahn nach Havelberg noch am Fahren. Bin selbst nicht mit gefahren, weil Havelberg nicht zum Ausgangsgebiet gehörte.
Fünf Jahre später wollte ich das nachholen, aber sie war nicht mehr da.
Schöne Grüße


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20.11.2018 16:03
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#5
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( gelöscht )

Ich bin am 2. November 1971 in Glöwen aufgeschlagen. Der Standortälteste OSL Berger begrüßte uns am Bahnhof... Die Kleinbahn uhr schon nicht mehr, wi hatten Ausgangserweiterung nach Havelberg und fuhren mit dem Bus... Die Bahnschienen waren schon abmontiert, das Marschieren auf dem Bahndamm war ätzend...


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31.05.2019 09:13
#6
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Meine Glöwen-Zeit bezieht sich auf den Zeitraum Frühjahr 1987 bis August 1989. Insgesamt eine sehr interessante Zeit, in der ich sehr, sehr viel gelernt habe. Als Abiturient aus Berlin war man schon etwas Aussenseiter, aber ich konnte mir schnell mein Netzwerk aufbauen und so kam ich gut zurecht. Die Erfahrungen decken sich viel mit den Beobachtungen heute. Ich bin froh, das ich damals schon gezwungen war, einzelne Charaktere von ganz unten bis ganz oben zu beurteilen. Das konnte ich auch gleich gebrauchen, als die "systemerfahrenen" Bürger dazu kamen. Prinzipienfestigkeit hat mir damals schon den Hintern gerettet, wenn es vielleicht auch an manchen Stellen schmerzhaft war (und auch ist). Bereut habe ich die Zeit nicht, die zeitliche Länge dort schon. Ich habe vor ein paar Jahren Glöwen noch mal besucht und meiner Familie gezeigt. Elend wie an vielen anderen Stellen auch, wenn sich auf einmal niemand mehr verantwortlich fühlt. Das hatten die Freiheitskämpfer wohl vergessen - aber danke für die vielen Baumärkte.
Fan von Tatras bin ich noch immer...


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21.09.2019 10:49
#7
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Heute im "Prignitzer":
Das war's dann mit Glöwen. Schade für alle Liebhaber, nicht mehr zu haben...


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22.09.2019 19:53
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#8
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( gelöscht )

Ich war nur eine Woche in Glöwen. Und diese hat vollkommen gereicht. Ich war nur mal zur Waffenkammerausbildung dort.
Ansonsten war ich zur 6 monatigen Ausbildung in Potsdam.
In Glöwen empfand ich es wie in einem Film aus dem 3. Reich.
Es muß im frühen Frühjahr 1986 gewesen sein.


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25.09.2019 16:06
#9
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Ich bin zufällig vor 3 Wochen mal durch Glöwen durchgefahren und konnte es mir nicht verkneifen mal kurz anzuhalten. Die Fotos stammen von den Gebäuden der 1. Kompanie, in denen ich vor genau 31 Jahren meine Zeit verbringen durfte. Alles extrem verwahrlost, heruntergekommen und sicherlich einsturzgefährdet.

25.09.2019 17:05
#10
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Na dann haben wir ja etwas gemeinsames. Mai 74 bis Oktober 74--1.Kompanie , 2 Zug.
War seitdem nie wieder in Glöwen--immer weitreichend umfahren. Zum Bild 1--möchte ich sagen-- wenn es das Gebäude des 2.Zuges war. War das Zimmer gleich neben der Treppe--für 6 Monate,meine Pension.


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25.09.2019 21:38
#11
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Zu Bild 1: der linke Raum war meiner. Zu meiner Zeit war da der 1. Zug untergebracht. Der 2. Zug war im hinteren Teil und der 3. im OG. Von 08/88 bis 10/88, damals "nur" noch 3 Mon. GAR. Bild 2 und 3 zeigen übrigens das Innere meines damaligen Domizils.


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25.09.2019 22:12
#12
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Treppe hoch,ging,s zum UvD und GUvD---soweit ich noch in Erinnerung habe--befanden sich oben auch einige Zimmer,der Ausbilder. Überwiegend die 3 Jahre dienten. Man ,die haben hin und wieder, mal die EK-Kugel rollen lassen--und wir waren noch sowas von Aal-Glatt.


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25.09.2019 22:21
#13
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UvD, sonstige Dienstzimmer, WK und auch der Clubraum ( Bild 6) waren zu meiner Zeit nicht in diesem Gebäude untergebracht sondern im Gebäude gegenüber ( Bild 7 und 8). Der 4. Zug (Stammbesatzung) und die Uffze wohnten im Gebäude parallel zur Straße.


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15.10.2019 17:12
avatar  Rudi66
#14
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Zitat von Jumbo2 im Beitrag #1
50. Jahrestag
02.05.1968 Einmarsch im GAR 5!
Am 2. Mai 1968 war meine Jugend vorbei. Mit 18 Jahren zur NVA und vorher noch nie lange von zu Hause weg. Alles war im Ort Schule, Lehre, Arbeit, gute alte Zeit und dann Glöwen, das Grab meiner Jugend. Gegen 12 Uhr Mittags auf dem Bahnhof angekommen, ging das Gebrülle schon los, alle raus und in dreier Reihe angetreten. Es war heiß und dann mit Pappkofer im Eilmarsch Richtung GAR 5. Die ewig lange Bahnhofsstrasse und kein Ende in Sicht, dann links schwenk marsch und der Eingang mit Schranke kam auf uns zu. Am Schlagbaum standen die Wachen und zeigten uns den dicken Daumen (Stinkefinger gab es noch nicht), mir war klar jetzt bist du im Arsch und es stimmte.
Auf dem Ex-Platz dann Aufstellung, vorher im Zug gab es auf der Einberufung eine Zahl, bei mir die 1, beim Kumpel die 6 und das bedeutete Trennung. Wir haben uns dann kaum gesehen, zwischen 1. und 6. Kompanie lag der EX-Platz und das war zu gefährlich, einmal rüber laufen und man wurde gesehen, gab es Arbeitsverrichtung ausser der Reihe.
Ich also 1. Kompanie, mit dem Kapo ab aufs Zimmer 4.Zug, 2.Gruppe. Gegen Abend in den Essensaal und BA in Empfang genommen und alles so furchtbar ungewohnt, lieber sterben als hier bleiben. Irgendwann hatte sich alles eingespielt und im Juni ging es dann ins Sommerlager nach Hintersee, schöner Mist Hitze ohne Ende und noch viel mehr Mücken. Dann am 21.August die Tschechen-Krise, voll aufmunitioniert im Kampfanzug standen und schliefen wir ein Woche lang in erhöhter Arlarmbereitschaft, ging zum Glück ohne Einsatz zu Ende. Ja , dann am 25.10. wurde ich als LO-1800 A Fahrer an die Grenze nach Riebau versetzt, das Grab meiner Jugend hatte sich verlagert.
Dieses Jahr am 02.05.2018 zum 50. Jahrestag war ich mal wieder in Glöwen, es verfällt immer mehr, aber es riecht immer noch nach Bohnerwachs. Einige Teile des Objektes sind in Benutzung und in privater Hand, der Rest wartet darauf zu verfallen. Zur Feier des Tages war keine Ehrengarde oder kein Spiess da, ich marschierte alleine durch das Objekt. Das wollte ich hier mal loswerden, auch nach 50 Jahren bewegt mich diese Zeit immer noch.
Die Steine vom Profilbild sind direkt am Ausgang vom Bahnsteig. Auf Garantie sind wir alle dort rüber gelatscht. Der Bahnsteig wurde komplett neu gemacht, nur am Ausgang sind noch etwa 2 Meter Original Pflaster.
Wer weiss, wie viele Soldaten damals in einem GR waren? 1965 hatten wir 2 GR'er auf dem Gelände.


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16.10.2019 10:56
avatar  Jumbo2
#15
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1968 Mai bis Oktober waren nach Aussagen des Schreibers von der 1. Kompanie (geschätzter Wert denke Ich),
um die eintausend Personen (ohne Führungspersonal) im Objekt. Nach meiner Erinnerung, eine Stabskompanie, Ausbildungskompanien und eine Uffs Kompanie.
Aber bitte nicht festnageln, lang lang ist`s her.


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