Was wußte der KC einer GK über den damaligen Gegner?

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21.09.2018 14:33 (zuletzt bearbeitet: 21.09.2018 14:37)
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#46
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Zitat von Blitz_Blank_Kalle im Beitrag #17
Warum war es so wichtig irgendwelche gegnerischen Diensteinheiten detailiert identifizieren zu können?
Mit den heutigen Kenntnissen des Verlaufes der Geschichte kann man das natürlich hinterfragen. Aus damaliger Sicht ist es einfach nur die Frage nach dem Sinn militärischer Aufklärung ganz allgemein bzw. im Speziellen an einer GÜSt.
Ich bin kein Spezi auf dem Gebiet, aber wenn man an der Grenze zwischen den Systemen aufklären will, wenn etwas Besonderes passiert, muss man wohl zwangsläufig auch das Normale aufklären - sonst weiß man ja nicht, was "besonders" ist. Wenn plötzlich Fahrzeuge da sind, die nie da sind, in der Kontrolle mehr Personal unterwegs ist als sonst oder gar anderes, vielleicht auch mit Bewaffnung, die sonst nicht mitgeführt wird, dann wollte man das eben wissen, am besten auch noch, warum das so ist. Ich kann jetzt nicht über alle Facetten der Aufklärung fabulieren, aber vielleicht reicht das ja schon als Denkanstoß.
Und dass man am Eisernen Vorgang mit Blick in "Feindesland" mit einfachen Mitteln eine taktische Aufklärung der einsehbaren Bereiche vornimmt, ist doch auch irgendwie normal. Das haben die da drüben auch gemacht. Ziel ist im Wesentlichen das Gleiche: Man beobachtet Ziele und deren Aktivitäten und bildet sich eine Meinung, ob das relevant für das eigene Handeln oder gar die allgemeine Gefährdungslage ist...oder so.

Zitat von bolzo im Beitrag #35
Hast du dich einmal gefragt, warum es dir so leicht gefallen ist die "Geheimnisse" deines Gegenübers so leicht zu ergründen? Vielleicht genügt dafür nur ein Wort - Offenheit, eine offene und freiheitliche Gesellschaftsform.
Die wirklichen Geheimnisse haben weder die westlichen, noch die östlichen Sicherheitskräfte auf dem Tablett präsentiert. Du und deine Kameraden haben auch nur das erfahren was offensichtlich war. Warum sollte man mit dem leicht erkennbaren hinter dem Berg halten.
Der Funkverkehr vom Zoll wurde, so ein Bekannter, ziemlich offen abgewickelt.
Ein Zoll- oder BGS-Beamter hat sich z. B. nie abgewandt wenn NVA-Soldaten fotografiert haben.
Es wurden auch keine Tarnkennzeichen verwendet. Deshalb erstaunt mich die Angabe über K-1600. K steht bekanntlich für Köln. Dort wo ich Zeuge an der Grenze war herschte das Kennzeichen für BS (Braunschweig) und HE (Helmstedt) vor.

Ich habe nicht gesagt, dass es leicht war, Informationen über den "Gegner" zu gewinnen und es liegt mir auch fern, den Sinn oder Erfolg unserer Aufklärung irgendwie zu überhöhen. Der Gegner hat auch bei weitem nicht immer freiwillig oder offen diese Informationen preisgegeben. Sicher wurde nicht wirklich getarnt oder getäuscht, aber gerade BGS-Fahrzeuge haben sich oft Mühe gegeben, eine Aufklärung zu erschweren. Das kann Sport oder Jux gewesen sein, aber letztendlich mit dem Ziel die Aufklärung zu verhindern oder zu erschweren.
Ich habe in keiner Weise die Illusion, wir hätten da große Geheimnisse des Westens aufgedeckt. Es war einfach ein Job, der uns aufgetragen wurde. Und Aufklärung ist eben nicht nur James Bond und Keyhole Satelliten. Wenn ich das Ergebnis mit Augen und Ohren offen erzielen kann, dann mache ich das eben so.
Dass es nicht immer so einfach war, schreibst Du ja selber indirekt.
Da stand gelegentlich ein beigefarbener VW-Bus mit dem Kennzeichen K-1600 in der GKSt Helmstedt. Das war eben etwas Besonderes (siehe meinen Text zum Sinn der Aufklärung weiter oben), denn er trug nicht BG, BS oder HE im Kennzeichen.
Er stand grundsätzlich relativ weit im Hinterland, vielleicht 500 m von unserem Standort entfernt und kam nie näher an die Grenze. Er stand da einfach so am Straßenrand und wäre dem ungeübten Auge vielleicht auch nicht aufgefallen. Da standen viele Fahrzeuge rum, war ja ein Grenzübergang, es gab Parkplätze und auch eine Raststätte.
Die Lösung des Rätsels ist wesentlich banaler als die Story und konnte auch keinen Weltkrieg verhindern. Es war einfach ein Fahrzeug der Zollwertgruppe und die saß nunmal in Köln. Aber das war eben Teil des Jobs - so etwas zu sehen und zu wissen.
Auch Fahrzeuge der Bundeswehr parkten gelegentlich an dieser Stelle und machten uns damit die Aufklärung nicht leicht. Meistens handelte es sich um Einweisungen von Bundeswehrangehörigen in die Grenzanalagen der DDR, wozu das Volk dann natürlich doch nach vorn auf den Alliiertenparplatz des Checkpoint Alpha kam. Bleibt die Frage, warum sie nicht gleich mit dem Bus dahin gefahren sind.
Vielleicht wollten sie nicht, dass wir ihr Fahrzeug aufklären und dessen Herkunft. Haben wir aber doch.


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21.09.2018 15:02 (zuletzt bearbeitet: 21.09.2018 15:03)
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#47
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Zitat von 94 im Beitrag #34
Was mich bissel wundert, bis jetzt wurde hier nur vom Wissen über Gegner jenseits der Staatsgrenze berichtet.


Ja, über den "inneren Gegner" wussten wir deutlich weniger.
Es gab zwar ständig gut gefüllte Fahndungsbücher, in denen man recht detailliert über Deserteure oder irgendwo gesichtete potenzielle "213er" nachlesen konnte.
Auch wurden Fluchten, gelungene und verhinderte, in TAPIs/WAPIs ziemlich detailliert und ungeschönt ausgewertet, insbesondere auch, wenn in irgendeiner Weise (vermeintliches) Fehlverhalten anderer Grenzer im Spiel war. Dabei kamen diese Grenzer oft nicht gut weg, nicht einmal die, die überall sonst heldenverehrt im Grenzdienst ihr Leben lassen mussten. Das war für mich als kleinen Abiturienten natürlich erstmal irgendwie ein Schock, wurde doch in der allgemeinen Propaganda niemals auch nur ansatzweise über eine eventuelle "Mitschuld" der Grenzer sinniert.
In der Grenzkompanie konnte ich so etwas allerdings mehrfach erleben, natürlich immer mit dem Ziel, die Grenzdurchführung zu verbessern, die Wachsamkeit zu erhöhen...ihr wisst schon.
Über das Schicksal der "Klassenfeinde" in den Fahndungsbüchern bzw. erfolgreicher oder erfolgloser Flüchtlinge haben wir allerdings nie etwas erfahren, es sei denn über andere Kanäle (im wahrsten Sinne des Wortes).


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21.09.2018 15:31
avatar  sentry
#48
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Kleine Illustration zu meinem Beitrag #46?
Da wo der Kringel ist, war der kleine Abschnitt der Bundesstraße B 1, die hier parallel zur Grenze die Autobahn querte, wo man von unserem Turm aus BGS-Fahrzeuge aufklären konnte. Auf der anderen Seite der Autobahn rechts außerhalb des Bildes gabs einen ähnlich großen Abschnitt...im Sommer kleiner, wenn das Laub weg war eben mehr. Es brauchte schon einige Übung hier Fahrzeuge, Kennzeichen, taktische Kennzeichen, Anzahl der Insassen und im Idealfall noch Dienstgrade und Bewaffnung zu erkennen...was natürlich meist nur gelang, wenn sie (die kleinen Späßchen) unter der Brücke anhielten und dann mal zu Fuß auf der einen oder anderen Seite hervorlugten.
Die 1 ist der Alliiertenparkplatz, wo meist die Einweisung stattfanden. Anzahl, Dienstgrade, Einheitenabzeichen, ggf. Bewaffnung waren die Ziele der Aufklärung, entweder mit dem DF oder Kameras mit verschiedenen Objektiven. Das größte war so ein 1000er Spiegelobjektiv.
Der rote Strich zeigt ungefähr die Stelle hinter der westlichen Kontrolle, wo meist K-1600 parkte.
Im Bild links oben hinter den Bäumen in einer Senke gabs noch einen Hubschrauberlandeplatz, wo schon mal überraschend etwas abheben konnte.
Auf der anderen Seite der Autobahn rechts außerhalb des Bildes gab es einen großen Funkmast der Amerikaner, von dem aus zumindest eine Kamera ständig auf uns gerichtet war. Die wollten wohl auch wissen, was wir tun.


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21.09.2018 17:57
avatar  Ratze
#49
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Moin
Gegner, Feinde oder was immer man will, davon hat man in Ratzeburg nie gesprochen.
Als ich noch Zugführer/stellv. Hu Fhr war, hat uns in der Einheit es überhaupt nicht interessiert, wer im Osten an welcher Stelle an der Grenze sand.
Einmal im Monat gab es eine Infoveranstaltung für Führungskräfte von POM - PHK vom Sachbearbeiter Sicherheit. Keine Rotlichtbestrahlung, einfach Info, was gibt es Neues von der GT. Die Erkenntnisse kamen meist aus Infos anderer Abteilungen oder von den Schlapphüten.
Als ich später I/S wurde, hatten wir auch keine Namen von GT Angehörigen. Immer wenn mal ein Flüchtling kam, so viele Uniformierte waren es ja nun auch nicht, erfuhren wir mal wieder einen Namen. Wenn man Glück hatte, wurde die entsprechende Person auf einem Bild erkannt und dann konnte man was zuordnen.
Aus heutiger Sicht, dummes Zeug, brauchte man nicht.
Wir waren daran interessiert, ob sich eine Umgliederung der GT erkennen ließ. Das ging halt nicht mit Personen, sondern mit Fahrrichtungen von Kfz über bestimmte Punkte hinaus.
Irgendwo oben, habe mir leider den Bezug nicht aufgeschrieben, hieß es BW Fahrzeuge wurden erkannt.
Die durften ja eigentlich nicht an die Grenze. Wir haben die immer weit (300 - 500 m) im Hinterland in einem Feldweg abgestellt. Wenn dann eine Gruppe junger Männer an der Grenze auftauchte, war es für die Grenzer natürlich klar, das sind Bundis.
Es war sicher von Kommando zu Kommando unterschiedlich, was man über die andere Seite wußte, aber den Streifenbeamten hat sowas nicht interesiert. Der mußte notieren was sich verändert hat.
Meldung über Fehlverhalten der GT, wie oben beschrieben, habe ich nie gelesen, hätte mich auch nicht interessiert.
Also keine Gegener nur das "polizeiliche Gegenüber" wie es bei uns hieß.
Einen GT Anghörigen lernte ich schnell kennen. Nicht persönlich natürlich, dass kam erst 2017.
Der Oberoffz GAK war bekannt und den sah ich dann manchmal.
Tschüß


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21.09.2018 18:20
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#50
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Hallo @Ratze , vielen Dank für Deine gute, fast plastische Beschreibung der damaligen Abläufe/Sichtweisen aus der Blickrichtung WEST - OST .

Ebenso fast gleich, nur mit anderen Worten habe ich es bereits in 2 anderen Fällen hier im südlicheren Bereich von BGS-Pensionären gehört. Mit der eigenen Historie im "Geschichts-Rucksack", den selbst erhaltenen Einweisungen und Ausbildungen in der damaligen Zeit ist es nicht leicht, sich den Schilderungen der damals tatsächlichen Situation zu stellen.

Um so schwieriger ist dieser innere Prozess des Umdenkens, wenn man selbst aus tiefer, eigener Überzeugung heraus dieses in der DDR so gepflegte "Feindbild" den Unterstellten vom Offizier bis zum Soldaten vermittelt hat.
Es mag albern und für einige User merkwürdig klingen, nachgedacht über diese spezielle Seite habe ich im Wesentlichen erst im letzen Jahr- konkret seit ich mich hier im Forum mit diesen Dingen auseinandersetze.
Das ist für mich aber nicht ungewöhnlich- ich hatte mit diesen Problemen schon zum 3.Oktober 1990 weitestgehend abgeschlossen.
Es gab für mich nur die Möglichkeit und das Erfordernis, die persönliche Niederlage zu akzeptieren. Nach dem vollständigen Wegbrechen meines bisherigen Lebensinhaltes nusste mich neu zu orientieren. Da war keine Zeit, und auch kein Erfordernis sich mit dem "alten Kram" auseinanderzusetzen.
Es kostete sehr viel Kraft.


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21.09.2018 19:44 (zuletzt bearbeitet: 21.09.2018 19:46)
avatar  der 39.
#51
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Ein sehr interessantes Thema, zu dem ich aus eigenem Erleben nicht viel beitragen kann. Ich komme eben doch aus einer anderen Zeit.. In der allerersten Zeit 1949/50 sprachen wir von Zöllnern oder von der anderen Seite oder von denen gegenüber. Wir haben uns gegrüßt und auch miteinander gesprochen, ja sogar in der Gegend um den Arendsee mal Skat gespielt mit den beiden Zöllnern. Es gab ja auch keinerlei Grenzbefestigung. An einer Stelle war ein dichter Stacheldrahtzaun, aber der bestand schon vor 1945 und grenzte den "Werl" ab, ein großes Jagdgebiet. Werl ist Hörensagen, ob es wirklich so hieß, weiß ich nicht.
Später dann, wurde doch Abstand gehalten. In Beendorf, nördlich der Helmstedter Straße trafen wir schon immer mal Zöllner, da wurde gegrüßt, aber die Distanz war dann doch schon gegeben.. Dann setzten auch die ersten Hetzsendungen im lokalen Rundfunk von Helmstedt ein. Dort war mein Dienstgrad und Name bekannt und verbreitet: VP-Meister XXX ist Agent der GPU. Mal abgesehen davon, dass der genannte Klub damals schon nicht mehr GPU hieß, sondern NKWD, war das natürlich sehr böse.

Ich hatte in Beendorf geheiratet und der Vater meiner Frau war der Bürgermeister von Beendorf. Im dienstlichen Jargon war aber immer vom Gegner die Rede, aber feindlicher Sender, feindliche Propaganda hieß es im Sprachgebrauch. Jedenfalls wusste die Westseite viel mehr über uns, als wir über den Zoll und die sonst noch vorhanden Einheiten im Hinterland. Ich erinnere mich, dass mal 2 Zöllner an den Beendorfer Schlagbaum herantraten und unserem Posten zuriefen, dass ein bewaffneter Verrückter sich in Mariental und Umgebung herumtreibt, sodass ich die Posten alle verständigen ließ. Ich hatte keinen Anlass, dieser Mitteilung nicht Glauben zu schenken.
Sehr nachdenklich bin ich später geworden. Der Sohn meines Bruders wird zur NVA-Panzertruppe einberufen und fast auf den Tag genau musste auch der Sohn meiner Schwester in Helmstedt zum Bund und zu den Panzern. Das war uns damals nicht einerlei und in unserer Familie doch Anlass, immer wieder darüber zu sprechen.


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21.09.2018 19:46
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#52
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@GKUS64

Zitat von GKUS64 im Beitrag #26
Woraus resultierte diese Haltung der Mehrheit der Bevölkerung?
Ich bin der Meinung, vieles war den schrecklichen Erfahrungen aus den Erlebnissen des II. Weltkrieges geschuldet.
In der Zeit von 1930 bis ca. 1941 standen bestimmt ca. 80% hinter dem damaligen System,
nach 1945 waren die meisten von Parteien und sonstigen Parolen geheilt.
Man verhielt sich zurückhaltend und um einigermaßen zurecht zu kommen auch angepasst.
Die o.g. Begriffe wurden innerlich mit Kopfschütteln quittiert, nach außen hielt man still.
Nun dazu noch eine Frage: Wie verhielt sich die Bevölkerung der DDR zu deren Staatsdoktrin
In den Jahren ab 1970 bis 1989 . Gebt bitte mal eine Einschätzung in Prozenten für die jeweiligen Jahre ab.

Ich versuche mal eine Antwort zu geben, wobei man mit Prozentzahlen auch sehr daneben liegen kann.

Entscheident für eine solche Einschätzung ist da auch das persönliche Umfeld.

Wenn ich von meinem persönlichen Umfeld (Bekannte, Verwandte, Schulkameraden, Dorfbewohner und Arbeitskollegen) ausgehe, dann schätze ich für mitte der 70 iger Jahre, dass weniger als 25% hinter der DDR standen. In den Jahren bis 89 gab es da noch eine fallende Tendenz.

Die Menschen haben sich im öffentlichen Bereich mehr oder weniger angepasst und sich in ihrer privaten "Festung" eingeigelt.

Das die Propaganda genau so falsch war wie die gefälschten Wahlergebnisse und die frisierten Erfolgsmeldungen der Wirtschaft dürfte den meisten DDR Bürgern bekannt gewesen sein.

Ein Partei- und Staatsfunktionär hatte ja ein ganz anderes persönliches Umfeld und würde da bestimmt auf eine höhere Staatstreue tippen.

Für die Jahre nach 45 bis 53 bzw. spätestens 60 tippe ich auch auf einen höheren Prozentsatz, wobei mir 80% als zu hoch erscheint.

Da muss man aber Unterschiede zwischen Arbeitern, Bauern, Selbstständigen und der Intelligenz machen.

KS


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21.09.2018 19:52
avatar  B Man
#53
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Zitat von berndk5 im Beitrag #10
aber ganz ohne Wirkung war die Dauerberieselung nicht- jedenfalls bei den Meisten in der GK .

Was ja oft bestritten wird, auch von NVA Angehörigen und die Auswirkungen davon spürt man ja heute noch oft.
Steter Tropfen höhlt den Stein.

Im Umkehrschluss wird einfach daraus geschlossen das es im Westen auch diese Dauerberieselung gab.

Aber warum hätte man das bei Wehrpflichtigen tun sollen ?
Der Gegner war der Warschauer Pakt und weiter hat man das bei uns nicht ausgebreitet.


Was man als Wehrpflichtiger ( Unteroffiziere wahrscheinlich auch ? ) bei der NVA nicht gewusst hat.
Egal ob Gefreiter, Hauptmann, oder Captain.
Am WE war der Nato Soldat zu Hause bei der Familie oder Freunden.
Ausser bei z.B. der Raketen Luftabwehr, die war immer besetzt.

Kann mich noch an die verdutzten Gesichter der etwa gleichaltrigen neuen Kollegen aus Thüringen direkt nach der Wende erinnern.
Die konnten das gar nicht glauben das im Westen ausser eine Handvoll Wachsoldaten keiner in den Kasernen war.

Gruss Andreas


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21.09.2018 19:55
avatar  der 39.
#54
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Zu #52
Ich habe in den 60er Jahren bereits im VEB gearbeitet und habe Deine Zahlen so nicht empfunden. Wie viele Menschen haben doch freiwillig Aufbaustunden geleistet, haben in den Kampfgruppen mitgemacht, auch wenn sie nicht in der SED waren, die tiefe Depression setzte erst später ein, als man so richtig erkannte, dass es so nichts wird, man zog sich zurück.


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21.09.2018 19:58 (zuletzt bearbeitet: 21.09.2018 19:59)
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#55
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@B Man

Zitat von B Man im Beitrag #53
Was man als Wehrpflichtiger ( Unteroffiziere wahrscheinlich auch ? ) bei der NVA nicht gewusst hat.
Egal ob Gefreiter, Hauptmann, oder Captain.
Am WE war der Nato Soldat zu Hause bei der Familie oder Freunden.
Ausser bei z.B. der Raketen Luftabwehr, die war immer besetzt.
Doch das war bei uns bekannt.

Natürlich bekamen wir das nicht bei der Rotlichtbestrahlung mitgeteilt, denn dann hätten viele mehr über die kleinen Urlauberraten gemeckert.

Es gab ja genug DDR Bürger welche Verwandte in der BRD und damit auch bei der BuWe hatten.

KS


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21.09.2018 20:04
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#56
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Zitat von der 39. im Beitrag #54
Ich habe in den 60er Jahren bereits im VEB gearbeitet und habe Deine Zahlen so nicht empfunden. Wie viele Menschen haben doch freiwillig Aufbaustunden geleistet, haben in den Kampfgruppen mitgemacht, auch wenn sie nicht in der SED waren, die tiefe Depression setzte erst später ein, als man so richtig erkannte, dass es so nichts wird, man zog sich zurück.
Zwischen Arbeitern in einem VEB und den in die Genossenschaft gepressten Bauern gab es doch erhebliche Unterschiede.

Die Situation bis ca 65 kenne ich ja nur aus Erzählungen ind der Familie, im Ort und von älteren Arbeitskollegen, denn da war ich eben noch zu jung.

Ich habe mich aber viel mit älteren Ortsbürgern und Arbeitskollegen über diese Zeit unterhalten.

KS


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21.09.2018 20:47 (zuletzt bearbeitet: 21.09.2018 21:09)
#57
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Zitat von Rostocker im Beitrag #16
Ich möchte es mal etwas verallgemeinern-da ja von Gegner und Feind gesprochen wird
Ob Damals,Heute oder Morgen--hat nicht jeder Soldat ein Bild vor Augen-- wo ihm sein Gegenüber als Feind oder Gegner präsentiert wird. Es war im Osten so und im Westen ebenfalls. Ich kenne persönlich in meinen Bekanntenkreis einige die in der BW dienten, die mir sagten--selbstverständlich war die NVA unser Feind.Und so war es auch umgekehrt.Sicher war dieses --Gegner,Feinbild--nicht so ausgeprägt bei den Wehrpflichtigen, die sich sowieso sagten,in einigen Monaten bin ich wieder weg.Aber bei Berufssoldaten,kann ich mir das schon etwas anders vorstellen. Im Prinzip, kann man sagen,so lange es Armeen gibt, so lange wird auch im Wortschatz--das Feind und Gegner vorkommen.


Nein, die NVA war nicht unser Feind. Wir hatten als Ausbildungsbuch den "Der Reibert-Das Handbuch für den Soldaten-Heer" Ausgabe 1987
Du findest auf den 500 Seiten kein Feinbild und auch keine Propaganda gegen die DDR.
Lediglich auf Seite 122+123 wird sich sehr sachlich mit dem politischen System der DDR auseinandersetzt .....mehr findet man nicht.
Im Kapitel B sind unter Panzerabwehr zwei Panzer abgebildet, ein T-62 und ein Leopard 1. Dort geht es um die Identifikation von Panzern, du findest dort weder das Wort Feind noch NVA. Auch im Unterricht wurde seitens der Vorgesetzen kein Feindbild propagiert.

Wäre mal ganz interessant, die Ausbldungsbücher der Bundeswehr und der NVA der damaligen Zeit zu vergleichen.

Das ist der Jammer dieser Welt,
Dass all die Dummheit der Millionen
Den wenigen, deren Geist erhellt,
Den Weisen wird zu Dornenkronen;
Dass sich der Massen Unverstand
Frech an des Genius Schwingen heftet,
Ihr zerrt aus seinem hohen Land,
Bis er zu Boden sinkt entkräftet.
Kurt Eisner


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21.09.2018 20:54
#58
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Zitat von Kontrollstreife im Beitrag #52
(...)

Wenn ich von meinem persönlichen Umfeld (Bekannte, Verwandte, Schulkameraden, Dorfbewohner und Arbeitskollegen) ausgehe, dann schätze ich für mitte der 70 iger Jahre, dass weniger als 25% hinter der DDR standen. In den Jahren bis 89 gab es da noch eine fallende Tendenz.

Die Menschen haben sich im öffentlichen Bereich mehr oder weniger angepasst und sich in ihrer privaten "Festung" eingeigelt.

Das die Propaganda genau so falsch war wie die gefälschten Wahlergebnisse und die frisierten Erfolgsmeldungen der Wirtschaft dürfte den meisten DDR Bürgern bekannt gewesen sein.

Ein Partei- und Staatsfunktionär hatte ja ein ganz anderes persönliches Umfeld und würde da bestimmt auf eine höhere Staatstreue tippen.

Für die Jahre nach 45 bis 53 bzw. spätestens 60 tippe ich auch auf einen höheren Prozentsatz, wobei mir 80% als zu hoch erscheint.

Da muss man aber Unterschiede zwischen Arbeitern, Bauern, Selbstständigen und der Intelligenz machen.

KS


1946 unter 20% für die SED, bei der letzten freien Wahl von Berlin
https://de.wikipedia.org/wiki/Wahl_zur_S...%9F-Berlin_1946

Das ist der Jammer dieser Welt,
Dass all die Dummheit der Millionen
Den wenigen, deren Geist erhellt,
Den Weisen wird zu Dornenkronen;
Dass sich der Massen Unverstand
Frech an des Genius Schwingen heftet,
Ihr zerrt aus seinem hohen Land,
Bis er zu Boden sinkt entkräftet.
Kurt Eisner


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21.09.2018 22:49
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#59
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@berndk5

Zitat von berndk5 im Beitrag #43
Womit wir wieder bei der eigentlichen Frage sind, der Wirksamkeit der Agitation und Propaganda.
Aus meiner Sicht ist das nicht so leicht zu beantworten mit schwarz und weiß, ja oder Nein.
Wenn schon allein die Gewißheit von Otto Normal und Lieschen Müller dazu, was mit den Feinden des Sozialismus (in der DDR) passiert, dazu geführt hat dass man sich lieber ruhig und unauffällig verhalten hat, so muss mann doch zugeben/anerkennen, dass ein Teilziel dieser Propaganda erreicht wurde.

Bei den Grenzern an der Linie war es meiner Meinung eine Mischung aus Unsicherheit vor dem Unbekannten in der BRD und aus Angst vor den Folgen für einen selbst oder den liebsten Angehörigen in der DDR.
Die Propaganda war wimre so einfach gestrickt das die meisten GWD darüber nur gelächelt haben.

Wer in irgendeiner Form (durch Verwandte, Westliche Medien) auch Infos von der anderen Seite des Gartenzaunes bekam, hat dann schon Vergleiche angestellt.

Mit den politischen Schulungsheften kam ich ja in der Grundausbildung zum ersten mal in Berührung. Andere kannten das ja schon aus der FDJ Zeit.

Ich habe mich manchmal gefragt welche kranken Gehirne so etwas geschrieben haben. Waren die früh schon besoffen? Kiffen war ja noch nicht so verbreitet.

Wenn ich dann mal Stellung dazu beziehen sollte, dann habe ich öfters unbequeme Fragen gestellt und die Sache hatte sich dann erledigt.

Die Unsicherheit in eine Situation zu kommen welche unangenehme Folgen nach sich zog, war natürlich immer vorhanden auch wenn man sie oft erfolgreich verdrängt hat.

Jedenfalls habe ich die meisten Vorgesetzten nicht als Hilfe oder gar Vertrauensperson gesehen, eher schon als größte Gefahr in Bezug auf Unannehmlichkeiten.

KS


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22.09.2018 00:07
avatar  vs1400
#60
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Zitat von sentry im Beitrag #48
Kleine Illustration zu meinem Beitrag #46?
Da wo der Kringel ist, war der kleine Abschnitt der Bundesstraße B 1, die hier parallel zur Grenze die Autobahn querte, wo man von unserem Turm aus BGS-Fahrzeuge aufklären konnte. Auf der anderen Seite der Autobahn rechts außerhalb des Bildes gabs einen ähnlich großen Abschnitt...im Sommer kleiner, wenn das Laub weg war eben mehr. Es brauchte schon einige Übung hier Fahrzeuge, Kennzeichen, taktische Kennzeichen, Anzahl der Insassen und im Idealfall noch Dienstgrade und Bewaffnung zu erkennen...was natürlich meist nur gelang, wenn sie (die kleinen Späßchen) unter der Brücke anhielten und dann mal zu Fuß auf der einen oder anderen Seite hervorlugten.
Die 1 ist der Alliiertenparkplatz, wo meist die Einweisung stattfanden. Anzahl, Dienstgrade, Einheitenabzeichen, ggf. Bewaffnung waren die Ziele der Aufklärung, entweder mit dem DF oder Kameras mit verschiedenen Objektiven. Das größte war so ein 1000er Spiegelobjektiv.
Der rote Strich zeigt ungefähr die Stelle hinter der westlichen Kontrolle, wo meist K-1600 parkte.
Im Bild links oben hinter den Bäumen in einer Senke gabs noch einen Hubschrauberlandeplatz, wo schon mal überraschend etwas abheben konnte.
Auf der anderen Seite der Autobahn rechts außerhalb des Bildes gab es einen großen Funkmast der Amerikaner, von dem aus zumindest eine Kamera ständig auf uns gerichtet war. Die wollten wohl auch wissen, was wir tun.



hallo sentry,
dass 1000'er gehörte zu eurem bestand?

gruß vs ... und sorry, hab dein bild zum zitieren entfernt.

04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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