Freigestempelt.

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22.07.2018 18:58
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#1
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Gehört zur Biographie Anne.

Trotz zurückgezogener TBC hat mich die DDR-Bürokratie ca. 1985. freigegeben als Begleitung für zwei Polen-Reisen meines Vaters 1986 und 1987. Ich war in diesen Jahren völlig traumatisiert. Mit Humor gesagt, kann ich nur feststellen: "Frisch gewaschen und frisch angezogen gerade nochmal geschafft." Ich bin nicht Brigitte Macron. Auch heute nicht: Ich mache Sport, aber so locker und sportlich bin ich auf keinen Fall. Ich bin damals eher wie vielleicht auch Angela Merkel: Völlig traumatisiert, täglich gerade noch zur Arbeit geschafft.

Schauen Sie sich bitte mal Brigitte Macron Videos im Vergleich mit Angela Merkel-Videos an. Was ist denn da los. Wie kann man in dem Job so sportlich-locker sein wie Brigitte Macron ?

Zurück zum Thema: 1986 reise ich als Begleitung meines Vaters nach Polen. Kriegsrecht, Geschäfte leer, nur Sauerkonserven und Hartkekse erhältlich. Gegen Devisen in Kiosken alles erhältlich. Rundreise durch ganz Polen in Gastfamilien oder Interhotels. Wir besuchten alle Konzentrationslager, nur Sobibor nicht. Heute würde ich meinen Vater am liebsten am Kragen packen und solange schütteln bis er mir erklärt hat, warum wir nicht in Sobibor waren. In Warschau waren wir auch nicht. Er sollte nicht nach Warschau fahren, dass war eine Anweisung. Warum, weiss ich nicht.

Ich habe nicht so viel Zeit, ich sollte morgen wieder frisch gewaschen ins Geschäft gehen. Nehmen Sie mich einfach als Sommerlochfüllerin hin. Aber bitte schauen Sie sich die Macron-Videos an: Was ist denn da los? Ein Jesuitenzögling in Puppenstarre und eine Gymnastikfee? Gemein gell?

Vielen Dank für Ihr Forum
Anne


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22.07.2018 19:53
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#2
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Ich war als Student 1986 in Polen in Częstochowa , in den Läden ein durchschnittliches Angebot, nur Fleisch gab es nicht zu kaufen. Alles in Złoty bezahlt.
Salami hatte ich mit, die wurde aber verkauft, der Umtauschkurs war dadurch traumhaft. Und die waren ganz scharf auf Gummibärchen.

Und Sobibor: Das Lager wurde nicht weiter genutzt, sondern dem Erdboden gleichgemacht. Danach blieben ein unverdächtig aussehender Bauernhof und ein speziell aufgeforsteter Jungwald auf dem ehemaligen Gelände des Vernichtungslagers zurück. https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager_Sobibor


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22.07.2018 20:01
#3
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Also 1986 sind wir von der Bundesrepublik über den Seeweg Travemünde-Trelleborg-Swinemünde nach Polen gefahren, dort herrschte zu dieser Zeit kein Kriegsrecht. Es gab genügend Lebensmittel in den Geschäften, wenn auch nicht mit der Auswahl in der Bundesrepublik vergleichbar. Der Wochenmarkt in Stettin war reichhaltig. Frische Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Kräuter, Pilze und auch Milchprodukte und Wurst wurden angeboten. Vielleicht konnte sich der Durschnittspole nicht alles leisten, aber dass es seinerzeit nur Hartkekse gab, stimmt nicht so ganz.

Das ist der Jammer dieser Welt,
Dass all die Dummheit der Millionen
Den wenigen, deren Geist erhellt,
Den Weisen wird zu Dornenkronen;
Dass sich der Massen Unverstand
Frech an des Genius Schwingen heftet,
Ihr zerrt aus seinem hohen Land,
Bis er zu Boden sinkt entkräftet.
Kurt Eisner


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22.07.2018 20:21
#4
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Kriegsrecht herrschte in Polen vom 3.12.1981 bis 22.07.1983.
Aber nicht so kleinlich sein, schließlich war die/der/das bis 1987 stark traumatisiert.

Ich bin immer noch begeistert was so eine Blickdiagnose einer Fachbeamtin alles bewirkt. Da zieht sich selbst eine TBC zurück .......

Das Angebot in Polen war nie üppig und schon gar nicht mit dem Überangebot in der BRD zu vergleichen aber verhungert sind die Menschen dort nicht.

Irgendwie schleichen sich doch der eine oder andere Flüchtigkeitsfehler in der Vita ein.
Ist eben so wenn man sich eine Identität im Internet zusammensucht, selbst bei einem Netzwerk stimmt die Selbstdarstellung nicht.


Aber alles in allem wieder ein sprachlich brillanter Beitrag von diesem User

Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler


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22.07.2018 20:25 (zuletzt bearbeitet: 22.07.2018 20:53)
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#5
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Mahlzeit!
Also es ist schon erstaunlich, wie die Verhältnisse in Polen damals recht unterschiedlich wahrgenommen wurden.
Das es in einem Dorfkonsum keine Wrangler zu kaufen gab, das sollte schon klar sein.
Ehrenwerte Dame vom Elbestrand, Ihre Wahrnemungen sind recht interessant!
Ps
Die "Altstadt" von Warschau war 1986 schon wieder sehr angenehm hergerichtet wie die ganze Stadt an sich, nachdem die Deutschem ja doch damals recht übel gewüted hatten in der Stadt. Und vom Kriegsrecht war auch nix zu spüren!
Aber fas Sommerlochfüllen gefällt mir schon, Sie scheinen Spezialistin zu sein!


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22.07.2018 20:26
avatar  Mike59
#6
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Flüchtigkeitsfehler gefällt mir gut.

Ansonsten ist #1 schon sehr speziell - so schreibe ich an freien Tagen nachts gegen 2 nach einer Flasche Gin und 1/2 Kasten Bier. *gr*

Ab auf den Müllhaufen der Geschichte.


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22.07.2018 20:40
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#7
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Zu Hubert in #2
Schokolade ging auch gut, selbst die "Ost-Mark" wurde gern getauscht.


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22.07.2018 20:44
#8
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Zitat von der Anderdenkende im Beitrag #5
Die "Altstadt" von Warschau war 1986 schon wieder sehr angenehm hergerichtet wie die ganze Stadz an sich

Das war sie schon 1963, da war ich das erste mal dort.

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst.


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22.07.2018 20:49
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#9
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1963 war ich noch nicht mal ein "feuchter Gedanke" meiner Eltern. Schön, wenn die Stadt schon 63 wieder gut hergerichtet war.


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24.07.2018 08:00
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#10
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Anne in #1 mit diesem:

"Trotz zurückgezogener TBC hat mich die DDR-Bürokratie ca. 1985. freigegeben als Begleitung für zwei Polen-Reisen meines Vaters 1986 und 1987. Ich war in diesen Jahren völlig traumatisiert."
textauszug ende

Das interessiert mich mal. Von was traumatisiert eigentlich? Etwa das du mit gut 23 Jahren noch mit Vatern mitreisen musstest...solltest, doch nicht etwa wolltest? Denn bei uns in der DDR hätte man dich" ein spätes Mädel" genannt, Eine also die mit Jungen wohl nicht konnte, wollte, vielleicht auch zu wählerisch war? Halt den Märchenprinzen suchte. Denn Frauen zu DDR bekamen in der Regel die Kinder mit 22 Jahren, manche auch schon eher, da war die Lehre absolviert, und der Beruf bereits begonnen.

Rainer-Maria


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24.07.2018 09:39
#11
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Wir sind damals mit unseren Motorrädern kreuz und quer durch Polen gefahren und konnten deren Gastfreundschaft genießen.
Trümmergrundstücke wie sie in meiner Heimatstadt Dresden zu dieser Zeit noch sehr augenfällig waren, konnte ich dort nicht entdecken.

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst.


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01.08.2018 12:21
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#12
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Danke für den Beitrag, Freigestempelt,
das Kriegsrecht herrschte aber ab Sonntag, dem 13. 12.1981.

Beste Grüße

Keine Schuld ist dringender als die, Danke zu sagen.Marcus Tullius Cicero


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30.08.2018 08:19
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#13
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Also 1986 sind wir von der Bundesrepublik über den Seeweg Travemünde-Trelleborg-Swinemünde nach Polen gefahren, dort herrschte zu dieser Zeit kein Kriegsrecht. Es gab genügend Lebensmittel in den Geschäften,


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30.08.2018 08:24
avatar  icke46
#14
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Zitat von Gast im Beitrag #13
Also 1986 sind wir von der Bundesrepublik über den Seeweg Travemünde-Trelleborg-Swinemünde nach Polen gefahren, dort herrschte zu dieser Zeit kein Kriegsrecht. Es gab genügend Lebensmittel in den Geschäften,


Wahnsinn - 1986 auf dem Seeweg nach Swinemünde gefahren und dabei 1992 geboren - ein Wunder ist geschehen.

Vermutlich warst Du auch dabei, als der Herr Gensfleisch, genannt Gutenberg, 1450 den Buchdruck erfunden hat. Auf den Zeitzeugenbericht bin ich gespannt.....


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30.08.2018 09:18 (zuletzt bearbeitet: 30.08.2018 09:28)
#15
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Zitat von damals wars im Beitrag #2
Ich war als Student 1986 in Polen in Częstochowa , in den Läden ein durchschnittliches Angebot, nur Fleisch
gab es nicht zu kaufen. Alles in Złoty bezahlt.

Was hattest Du erwartet? Russische Rubel, Französische Franc, Tunesische Dinar oder was ?
Der Zloty ist seit Urzeiten die polnische Landeswährung. Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich, dass man in einem Land alles in der
entsprechenden Landeswährung zahlen kann, wenngleich es in den kommunistischen Länder da allerdings gewisse Ausnahmen gab,
wo man nur das Geld der Klassenfeinde entgegennahm.

Zitat
Und Sobibor: Das Lager wurde nicht weiter genutzt, sondern dem Erdboden gleichgemacht


Nicht alle KZ wurden nach dem Krieg weiterverwendet, wie es in der DDR üblich war. Verschiedentlich sogar mit den gleichen Insassen,
da haben nur die Bewacher gewechselt.

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst.


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