Grenzdurchbruch am 1. Dezember 1976 - Pfaffschwende

10.07.2018 23:08
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#1
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Hallo zusammen, ich war nicht bei den Grenztruppen, bin aber im Grenzgebiet aufgewachsen. Die GK Pfaffschwende war in unserer Nachbarschaft.

Am 1.12.1976 hat ein Klassenkamerad von mir die Grenze von Volkerode aus durchbrochen. Den Kameraden habe ich aus den Augen verloren.

Ich bin als Eichsfelder sehr daran interessiert, wie diese Aktion damals stattgefunden hat. Wieso wurde der Grenzverletzer nicht gefasst?

Wer weiss mehr? Grüße vom Eichsfelder


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11.07.2018 07:07
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#2
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@Eichsfelder

Ich kann mich zwar an den Vorfall erinnern, aber genauere Auskünfte haben auch wir nicht bekommen.

Unsere ganze GK lag in der Nacht mit in der Abriegelung auf der Gobert. Am Morgen wurde die Lage aufgehoben, da der Jugendliche schon vor unserer Abriegelung durch gewesen sein sollte.

Vom Grenzeck bei Kella bis zur Hessellücke (ca. 4 km) gab es zu dieser Zeit nur ein Postenpaar und dieses handelte meist unterhalb der Gobert am GSZ neben der Hundelaufalage. Der GSZ war damals noch nicht durchgängig vorhanden und konnte an den Flanken unterhalb des Grenzecks und am Waldrand hinter dem Hesselgut umgangen werden.

Wimre sollte der Junge zurückgebracht worden sein.

KS


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11.07.2018 09:08
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#3
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Hallo Kontrollstreife, Danke. Wie ich mich erinnere, war am 1. Dezember früh morgens ein Fahnappell an unserer Schule. Weil es der Tag der Grenztruppen war.

Vielleicht hat mein Klassenkamerad gemeint, das an einem solchen Tag in der Kompanie Pfaffschwende gefeiert würde?

Nachdem er im Westen war, bekam seine Familie aber mächtig Ärger. Die wurden nach einiger Zeit zwangs evakuiert in den Norden der Republik - Richtung Polen.

Die Eltern des Flüchtlings und Schwestern mussten beide mit. Wurden ganz früh am einem Morgen abgeholt. Alles auf mehrere W 50 verladen.

Ich glaube, die haben dann einen Ausreise Antrag gestellt.

Als jemand, der direkt an der Grenze gewohnt hat ist es für mich noch immer unglaublich, wie der Jugendliche das damals gemacht hat.

Wurde am Tag der Grenztruppen wirklich weniger gewacht?


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11.07.2018 09:17 (zuletzt bearbeitet: 12.07.2018 07:22)
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#4
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Hallo Eichsfelder

Ich gehe davon aus dass am Tag der Grenztruppen und auch an anderen Feiertagen kein extra lascher Dienst gemacht wurde. Im Gegenteil, an solchen Tagen wurde bei der Vergatterung/Tapi extra auf besondere Wachsamkeit hingewiesen.

In der Zeit war die Grenze gerade in diesem Bereich noch nicht so gut ausgebaut. Der GSZ war noch nicht geschlossen und auf der Gobert war nur ein Doppelzaun mit Stacheldraht und der war auch schon marode. Die Gobert war ja Waldgebiet und Kurvenreich, also keine weite Sicht möglich. Darüber hatte er bestimmt auch Informationen von Einheimischen.

KS


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11.07.2018 18:42
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#5
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Eher Vermutung Eichsfelder, gar real selber dabei gewesen bei deren "Umzug" oder wurde es von Irgendwem über drei Nachbarschaftsecken Ecken erzählt? Siehe dein:

"Nachdem er im Westen war, bekam seine Familie aber mächtig Ärger. Die wurden nach einiger Zeit zwangs evakuiert in den Norden der Republik - Richtung Polen.

Die Eltern des Flüchtlings und Schwestern mussten beide mit. Wurden ganz früh am einem Morgen abgeholt. Alles auf mehrere W 50 verladen.

Ich glaube, die haben dann einen Ausreise Antrag gestellt. "
textauszug ende

Rainer-Maria


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18.07.2018 16:04
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#6
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Hallo Rainer-Maria,

"leider" war diese Behandlung der Verwandten meines Schulkameraden / Flüchtling keine Vermutung meinerseits.

Ich lebte im selben Dorf und habe die Aussiedlung dieser Familie mitbekommen.

Das Dorf wurde abgeriegelt. Ein Tag zuvor standen im Nachbarort bereits die Fahrzeuge bereit. Früh morgens um 5 Uhr wurde die Familie geweckt und beide Häuser umstellt.

Der Hausrat wurde von Mitgliedern der VP und Kampfgruppen aufgeladen. Mit der Schusswaffe wurde gedroht.

Der ABV Hans D. hat die Mutter des Flüchtlings, die nicht weg wollte, mit Gewalt in den B 1000 gestossen.

Ich selbst hörte einen Polizisten auf einer Ziehharmonika spielen: "Lustig ist das Zigeunerleben.."

Die übrigen Dorfbewohner waren schockiert.

Am Nachmittag war dann Totenstille im Dorf. Die beiden Häuser leer. Und die Familie wurde in den Kreis Anklam umgesiedelt.

An dieser Schilderung ist nichts gedichtet oder erfunden. Es war genauso.

VG Ecki


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