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#1

Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2018 18:21
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Sperlingsberg

An der Struth, bei Waldesecke,
Steht ein prächtig Eichenbaum.
Und sein Anblick, der erwecke
Bei manch Grenzern seel´gen Traum.
Wenn im Herbst die Blätter fallen
Und der Wind heult durchs Geäst -
Freudig heißt´s: „Ade, euch allen“,
Es geht nach Hause aus dem Nest.

Das ist die erste Strophe des inoffiziellen Gängerliedes der „Gintreder Raben“, der allerdings offiziellen Eichsfelder Benennung der Günteröder und somit auch der Queckhagener. Gesungen in einer hymnischen Melodie und mit dem Herbst ist der des Jahres 1978 gemeint. Die folgenden zwei Strophen sind nicht für die Allgemeinheit bestimmt, da sie „Grenzerschmudden“ samt Namensnennung der damaligen Gänger beinhalten. Ja, vor 40 Jahren verließ ich nach einem Jahr Günterode um es „nie mehr wiedersehen zu wollen“. Doch es sollte anders kommen. Nach dem Fall der Grenze entwickelte sich das Eichsfeld als mein Urlaubsparadies, meine zweite Heimat und auch als Objekt meiner historischen Betrachtungen in Politik und Kirchengeschichte. Dabei spielt natürlich auch der Dienst an der Grenze eine große Rolle und darum soll es in diesem Forum allerdings auch gehen und ich möchte die einzelnen Postenpunkte und Erlebnisse an diesen vorstellen. In der Zeit meines Wehrdienstes herrschte Bataillonssicherung und somit begann unser Postengebiet links, eben am Sperlingsberg (8. Kompanie), und endete bei der Gisela (5. Kompanie) bei Silkerode unweit der bekannten „Straße BB“ (welche allerdings doch schon im ziemlichen Abstand im Bereich der 4. Kompanie lag). Übrigens der Sperlingsberg, auch Spatzenhügel genannt und Silkerode waren die wohl übelsten Postenpunkte im gesamten Bataillon und so mussten sich die „Achtziger“ öfters anhören“ : „Weißt du was du brauchst; du brauchst Rechts – Links.“
Doch nun zum Sperlingsberg. Von der gewaltigen Strutheiche ist heute leider nur noch ein vertrockneter, toter Stamm zu sehen und ich finde es als ein wahres Metapher, dass ein wohl als Gemarkungsgrenze gesetzter Eichenstamm so lange in voller Schönheit steht, so lange es diese Grenze, welche einst zu einer Staatsgrenze ausuferte, existierte. Denn kurz nach deren Fall erkrankte der Baum und starb ab. Zumindest einige Blätter befinden sich in meinem Besitz und ich halte sie in Ehren.
Ansonsten Sperlingsberg, nicht der Rede wert. Einer der bekannten und „sehr beliebten“ Betonbunker, jene quadratischen Häuschen wo man zu zweit schon keinen Platz mehr hatte, war der Unterschlupf (bei der Gisela gab es nicht einmal so etwas). Dann noch der Trigonometrische Meßpunkt, am Rande der Trennungslinie ein langgezogener seichter Graben, die „Elefantentränke“ oder „Polentrasse“, so genannt weil angeblich am Anfang der 1970er Jahre einige Polen darüber stiften gehen wollten und geschnappt wurden. Hier standen zwei Sprechstellen, unsere und die der 9. Kompanie. Ein Gummiohr steckte jeweils in einem, das des Postens oder Postenführers im anderen. Ein kleiner Feldweg, der Bienenhäuschenweg, führte zurück zum Signalzaun, wo es territorial aber auch nicht viel besser war. Interessantes zu sehen gab es auch nicht, nur Feld und nicht einmal der BGS oder der Zollede ließ sich blicken und auch vor Kontrollen blieb man meistens verschont. Da konnten acht Stunden schon mächtig schlauchen. Der passende Ort um ein Funkgerät (das kleinere) vom Posten mitschleppen zu lassen um es auszuprobieren. Natürlich als „Lala“. Der Weg zum Beine vertreten war meist entlang des Kolonnenweges von der Elefantentränke bis eben zur Strutheiche und zurück. Das tollste Erlebnis hatte ich mit einem Uffz, unserer Kompanie. In der Regel waren unsere „Buckel“ nicht von schlechten Eltern und demnach intelligent. Aber dieser Mann, wird noch manchmal eine Rolle spielen, war wirklich nicht die hellste Kerze auf der Welt. Den Namen erspare ich mir. 12-Stundenschicht, eine Kompanie quälte sich wohl gerade in Friedrichslohra ab, und ich durfte mit diesen besagten Uffz. auf den Sperlingsberg. Na toll. Nach den ersten Blabla verliefen die nächsten Stunden in Schweigen. Dann holte er ein Stückchen Petschaftsknete aus der Tasche und formte Fratzen, zeigte mir eine und fragte mich was es sei. Ich zuckte mit den Schultern und mit verschmitzter Miene meinte er, dass es ein Sachse sei (er selber stammte aus Berlin und wie Dresdner zu den Hauptstädtern stehen ist ja wohl bekannt). Ich hatte mir dann die Knete geben lassen, formte ein Schweinchen und fragte ihn was es sei. „Na ein Schwein“ war seine Antwort. Prima. Nun der bärtige Witz. „Und wie macht es wenn es herunterfällt? Na uffz.“ und schmiss das Tierchen auf den Kolonnenweg. Betreten steckte er die Knete weg. Doch gleich darauf hantierte er mit einem Kompass und ich stellte mich „e bissel bleede“. Nun war der Unteroffizier in seinem Element, konnte er doch einen im untergebenen Gefreiten, der auch noch ein Sachse war, erklären, wie man mit einem Kompass umgeht. Besonders eindringlich ermahnte er mich, nicht zu nahe an Metall zu kommen wegen der Ablenkung der Nadel und richtete das Gerät aus. Was war das? Erstaunt erkannte er; sie zeigte nach dem „Westen“. Zumindest dort stand der Zaun und der „Westen“ kann ja nicht Nord sein (man betrachte dazu einmal die Lage des Sperlingsberges auf der Karte). Aber das war schon zu viel für den Geisteszustand des Herrn. Ich erinnerte ihn daran, dass er selbst sagte den Kompass nicht in der Nähe von Metall zu bringen und die gewaltige Metallfläche des Zaunes… „Da kannst Du recht haben“ seine Antwort. Ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen und schon nach der Fahrt in die Kompanie wussten schon viele von dieser Sache und der Unteroffizier hatte, zumindest bis zur nächsten und noch tolleren Schmudde seinen Namen weg, der „Kompass-Kalle“, frei nach „Stiefelchen und Kompass-Kalle, das sind Kinder wie ihr alle“ aus dem DDR-Verkehrskompass für Kinder. Kalle war aber der Name des Betreffenden nicht.
Übrigens Ablösung und Rückkehr in die Kompanie. Die erfolgte durch das GSZ-Tor „Mittelweg“ und somit am nächsten Postenpunkt. Dazu später mehr.


GKUS64, Ehli, Hansteiner, Rothaut, berndk5, Schreiber, LO-Wahnsinn, Rudi66, der 39., Büdinger und hslauch haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2018 18:37
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Hallo @Gintreder Rabe

na endlich wieder mal einer, der interessante Geschichten erzählen kann und dann noch dazu ä Drääsdner!
Ich freu mich schon auf weitere Geschichten.
Im Thema "Dresdner Stammtisch" hatte ich ja schon darauf hingewiesen, dass nun wieder ein Dresdner den Stammtisch ergänz!

Wir würden und freuen.

MfG

GKUS64


Ehli und Gintreder Rabe haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2018 19:16
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Hallo und willkommen,

ich war beim linken Nachbarn bis 77/1, genauer in der 11.GK Hohengandern.
auch bei uns Bat.-Sicherung bis zur TL "Sperlingsberg".
ein wirklich idyllisches Plätzchen

VG H.


Erst stirbt der Baum und dann der Mensch !
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#4

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2018 19:42
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im frühjahr 2016 sah es so aus, als ob auf dem kompaniegelände in günterode ein zirkus campiert ?







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#5

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2018 19:52
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Ein Zirkus. Das wäre noch toller und passt zu den Dingen, welche in der einstigen Kopanie bisher geschahen. Autohehlerei und eine Rauschgiftpflanzenzucht geisterten durch die Zeitungen. Aber ich selbst hab die Kompanie nur noch wenige Tage gekannt. Wir hausten noch in der, angeblich letzten der Truppe, alten Holzkompanie mit Ofenheizung (was allerdings den Vorteil ständig heißen Duschwasser hatte) und erst kurz vor dem Heimgang zogen wir mit einem Schlachtfest um. Die Buckels mit Stracke und Feldgieker und die Mannschaft mit Eichsfelder Mett auf dem Teller. Aber geschmeckt hat es trotzdem.


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#6

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2018 22:06
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[quote="Gintreder Rabe"|p674591]Vor nunmehr 40 Jahren hatte ich nach einem Jahr des Wehrdienstes Günterode verlassen um es "nie mehr wiederzusehen". Es sollte aber anders kommen. Nach dem Fall der Grenze entwickelte sich das Eichsfeld und auch Günterode zu meinem Urlaubsparadies, zu meiner zweiten Heimat. 40 Jahre. Leider ist es mir nicht gelungen ein Teffen zu organisieren. Vielleicht kann ich auf diesem Wege doch noch einige einstige Mitstreiter finden.Nun kurz zu mir. Geboren und heute noch lebend in Dresden, zur Fahne und zu den Grenztruppen gezogen im Jahre 1977, nach der Ausbildung in Eisenach nach Günterode versetzt. Zu der Zeit als Bataillonssicherung


http://www.exicose.de/b6.gif Matthias,
sei gegrüßt hier im Forum - das rot markierte trifft auch für mich zu.
Den Weg ins Eichsfeld bin ich ein Jahr früher gegangen nur nach Weilrode zu unserer Zeit 4.GK dann 10.GK. Die Verbundenheit mit dem Eichsfeld kann ich nachvollziehen meine Frau und ich machen jedes Jahr einen Abstecher in den Grenzabschnitt zum Postenpunkt Strasse B-B und staunen wie die Natur sich den ehemaligen Todesstreifen zurück holt.
Beiläufig treffen wir Zoll,BGS oder Kulber der Landwirtschaft die in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu tun hatten, zum kleinen Plausch.

So lies dich ein und benutze die Suchfunktion, denn da kannst du das Eichsfeld auch entdecken.

Gruß Reinhard der Schreiber


=============================================================
Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.
Konfuzius
CAT hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 06.07.2018 07:23
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Der Sperlingsberg mit der Strutheiche war natürlich auch ein wesentlicher Bestandteil des Spurensuchefilmches, welches ich einst fertigte. Mensch, auch schon wieder zehn Jahre her.

https://www.youtube.com/watch?v=86C4QyqUuPs


LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 06.07.2018 07:28
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Mittelweg (Achte)

Auf den Sperlingsberg waren wir schon und um zu diesen zu kommen, müssen wir uns von Günterode aus nach Glasehausen bewegen. Von der Kaserne geht es hinauf zur Kirche St. Georg und man sollte sich den darin befindlichen Flügelaltar mit den in Augenschein nehmen, einen Schnitzaltar, der wohl nach der Säkularisierung aus dem Kloster Reifenstein entfernt und nach Günterode verbracht wurde. Wir wenden uns links der Mitteldorfstraße zu, sehen links das Freibad, doch die Schule sehen wir nicht mehr, wurde abgerissen, Schade – eigentlich Schande. Am Ortsausgang weiter die nun so heißende Glasehäuser Straße entlang, welche nach einer Weile nach rechts abzweigt. Einst führte sie geradeaus weiter und bog erst direkt an der Strutheiche nach rechts. Das war ja wohl nunmehr unmöglich, wir sind ja doch nicht in Bleckenrode. Und dort wo der Straßenneubau nach rechts abzweigt, da befand sich das GSZ-Tor Mittelweg und weiter rechts ein BT 11. Übrigens der alte Straßenverlauf ist noch zu erkennen, zu erwandern, nur entlang fahren sollte man mit einem nichtgeländefähigen PKW ihn nicht gerade und gleich dazu noch ein eigenartiges Ding. Dort wo die neue Straße auf die alte Straße wieder trifft, da war der Signalzaun zu Ende. Ab da gab es eine ganze Strecke keinen mehr. Zumindest bis zu meinem „Heimgang“. Da auch auf den in Richtung Grenze hinlaufenden Auberg kein regulärer Posten zu sehen war, da war eigentlich „Polen offen“. Eine der sprichwörtlichen Stellen im Grenzverlauf, von der man sich noch in Ruhe abmelden konnte ehe man den Sprung vom ohne Minenanlagen befindlichen Streckmetallzaun in „Feindesland“ wagen konnte – so man wollte. Aber ich glaube die Volkspolizei und die „Gakl“ verhinderten zumindest durch ihr Dasein den Besuch diesbezüglicher Mitbürger aus dem kleineren deutschen Lande. Über Glasehausen selbst soll mehr im nächsten Beitrag erzählt werden, wir beginnen unsere Schicht am Mittelweg. Bei Dunkelheit war die Besteigung des Turmes bekanntlicherweise tabu und so setzen wir uns, glücklich ist wer angenehmes Wetter genießen kann, gegenüber dieser blöden Warte ins Gras und warteten, jeder mit einem leichtmetallischen Fuffzscher in der Hand – noch besser natürlich die Pinke zusammengelegt. Warten auf den kleinen LKW, der den noch kleineren Dorfkonsum in Glasehausen belieferte. Kurzer Aufenthalt des bekannten Fahrzeuges aus dem sächsischen Zittau, Ausweise stimmen und ab geht die Post. Erleichtert waren wir um eine ganze Deutsche Demokratische Alumark, bereichert mit zwei Brötchen und zwei Flaschen frische Kakaomilch. Der Tag ist gerettet, eine nette Zugabe zum Postenbrot. Den Fahrer kannte eigentlich jeder und die Ausweiskontrolle war dementsprechend. Das Morgenlicht brach an und wir kraxeln auf unsere Warte um nun in der Regel bis zum Dienstschluss angestrengt zu beobachten welcher Bauer wann sein muhendes Vieh besuchte, wann eine eventuelle Kontrolle in Anmarsch war und selbige das GSZ-Tor auch ordentlich verschloss (eine irgendwelche Fernbedienung der Tore gab es bis 1978 überhaupt noch nicht). Eigentlich sollte man auch die Fahrzeuge in oder aus Richtung Glasehausen kontrollieren. Aber die drei Trabis und Konsorten, welche sich nach oder von Glasehausen bewegten kannte man. Nur bei eventuellen Lagen oder man gehört hatte ein hohes Tier macht Kontrolle stieg man vom Turm herunter. Die Nachtschicht war noch langweiliger denn Turm war ja tabu und Autos Fehlanzeige. Also die Straße entlang latschen bis zur Biegung, seltener noch über die Weidefläche und zurück. Aber auch am Mittelweg hat sich eine atemberaubende Schmudde ereignet.
Eine kurze Zeit hauste bei uns ein Unterleutnant, einer der gefährlichen Typen. Seine eigentlich geniale Schlauheit war gepaart mit Kratzertum und Anscheißfreundlichkeit. Eines Tages schlich er sich zum Turm um die Posten zu kontrollieren. Nanu, hatten sie ihn nicht bemerkt, das traf sich ja gut um den beiden ein Bein zu stellen. Er schlich, seinen Posten ließ er unten stehen, die Leiter hinauf um in der Glocke – niemanden vorzufinden. Er muss mächtig erschrocken sein. Sollten die beiden etwa schon in Weißenborn ihr Bier trinken? Erwin, so hieß mit Spitzname der 10ender der diese Schicht führte und ein herzlich guter Kerl war, erzählte uns später lachend vom Chaos, welches die Meldungen des Unterleutnants über das GMN anrichtete. Wo waren die zwei fehlenden Posten? Eine prasselnde Gegenteiligkeit von akkurater Dienstauffassung. Das gehört doch unbedingt bestraft. Mitnichten. Am diesen Tage waren irgendwelche Arbeiten am Auberg und da ja dort kein Posten, mussten die Jungs vom Mittelweg hochlatschen. Derweil wurde der Posten vom Sperlingsberg zur Strutheiche befohlen um die Straße einzusehen. Alles richtig, nur der Unterleutnant hatte die Sache wohl vergessen. Nichts da mit Anschiss, aber mit einem neuen Liedchen:

Ein B-Turm steht alleine, ganz still und stumm.
Davor ein Unterlolli, der blickt ganz dumm.
Wo mag denn der Posten sein, der doch in den Turm muss rein?
Unserm Unterleutnant, dem fällt´s nicht ein.

Der Posten mußt auch wandeln, zum Auberg hin.
Um dort mal nachzuschauen, ob all noch drin.
Einmal wird, ihr werdet´s seh´n, ein kleiner Leutnant auch versteh´n,
Doch dann werden wir längst nach Hause geh´n

Schon Tage später wurde uns von zu diesem Befehl grinsenden Alten verboten dieses Liedchen zu singen wenn der betreffende Unterleutnant über den Hof schlich. Das tat Ein-Stern-Blind aber nur noch kurze Zeit, dann war er, planmäßig, weg. Und ein harmloses Kinderliedchen zu pfeifen – wer konnte uns das schon verbieten.
Gut, verlassen wir nun den Mittelweg und wenden uns dem Friedrich Paula Achte am Ende des Dorfes Glasehausen zu. Dazu morgen mehr.


Rudi66, TOMMI, Büdinger und CAT haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.07.2018 15:23 | nach oben springen

#9

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 06.07.2018 14:56
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Schön, wieder von Dir zu hören.

Offenbar hast Du eine längere Pause in Sachen Grenze gemacht.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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#10

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 07.07.2018 15:45
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Herzlich Willkommen hier im Forum.

Ich ahbe Deine Geschichten interessiert gelesen, auch ich kenne diesen Abschnitt, wir hatten dort im Herbst/Winter 84/85, einige Hunde auf freiem Feld stationiert.

Was das Eichsfeld betrifft, ja, da bin ich auch hin und wieder zu Gast, gerne zu Gast, erst wieder letztes Wochenende.
Ich hatte etwas Fahrriemen, also auf nach Lindewerra.
Leider ist derzeit eine Umleitung, die Strasse vor der ehemaligen Wahlhausner Kompanie ist gesperrt.
Obendrein, hatte der Stockmacher Wirt Urlaub und das andere Wirtshaus, zum Grünen Kranz o.ä., ist gänzlich geschlossen, Lindewerra irgendwie wie tot.
Bin dann nach Bad Soden- Allendorf und machte am Ortsausgang Wahlhausen, erstmal einen Stop am Campingplatz, Kaffe ,Kuchen, Eis und bischen Plausch mit den Leuten.
Dann ging es über Asbach-Sickenberg und Gerbershausen nach Bornhagen, dem Klausenhof einen Besuch abstatten und später wieder nach Hause.

Da ich auch beruflich herum fahre, führte mich mein Weg, gleich am Dienstag, wieder ins Eichsfeld, nach Hohengandern, wo es zu meiner Dienstzeit hervorragendes Eichsfelder Mett gab.
Die A7 war vor Witzenhausen gesperrt und die Umleitung wollte ich mir nicht wirklich antun.
Also Arenshausen runter, auf nach Hohengandern zur Tankstelle.
Dort stand mein Bett/Fahrerhaus, dann exakt auf dem K2 des ehemaligen GSZ.
Natürlich, morgens beim Verlassen, wurde sich abgemeldet und die Spurensicherheit widerhergestellt. :-D


Verloren ist der Tag, an dem man nicht gelacht hat.
Früher Beobachter hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#11

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 07.07.2018 20:06
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Ich will mal ein bisschen klugscheissen. Eichsfelder Mett würde im Eichsfeld kein Mensch sagen.
Eichsfelder Gehacktes heisst es hier


furry und Früher Beobachter haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 08.07.2018 08:51
von Freienhagener | 8.818 Beiträge | 23190 Punkte
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Nicht nur dort. Auch in Leipzig heißt das Gehacktes.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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#13

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 08.07.2018 16:12
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Egal ob Eichsfelder Mett, Thüringer Mett oder Gehacktes, Hauptsache Buletten.

Jibb ma een Brühpulla mit Schrippe! (Eine Bockwurst mit Brötchen, bitte! )


"Durch Anerkennung und
Aufmunterung kann man in einem
Menschen die besten Kräfte mobiliesieren"

(Charles M. Schwab, amerikanischer Industrieller 1862-1939)
hslauch hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#14

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 08.07.2018 22:18
von mibau83 | 1.763 Beiträge | 4596 Punkte
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@Niederlausitzer , zum thema gehacktes hätte ich speziell für dich was aus dem bereich deiner rechten nachbarkompanie.



gruß aus dem sumbarcher land


Niederlausitzer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#15

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.07.2018 15:02
von Niederlausitzer | 884 Beiträge | 3043 Punkte
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Zitat von mibau83 im Beitrag #14
@Niederlausitzer , zum thema gehacktes hätte ich speziell für dich was aus dem bereich deiner rechten nachbarkompanie.



gruß aus dem sumbarcher land


Danke für das Video vom Haaneschdaffer Lied @mibau83,
ich finde diesen Dialekt herrlich, hatte aber auch 6 Minuten Schwerstarbeit zu leisten, um das meiste zu verstehen.

Viele Grüße ins Sumbarcher Land


"Durch Anerkennung und
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zuletzt bearbeitet 10.07.2018 15:03 | nach oben springen

#16

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.07.2018 15:15
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zuletzt bearbeitet 10.07.2018 15:15 | nach oben springen

#17

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 18.07.2018 22:26
von Früher Beobachter | 54 Beiträge | 2243 Punkte
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Und nebenan in NordHessen heißt das auch GEHACKTESDer NochdHesse sagt das nicht - hä spricht es!Übrigens sind die leckeren Dauerwurstspezialitäten Feldgieker/Feldkieker {aus dem Eichsfeld} und Ahle Wurscht/Ahle Worscht {aus Nordhessen} sehr ähnlich, nämlich schlachtwarm verarbeitet und monatelang gereift


furry hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 18.07.2018 22:59
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Deutsches Beefsteak
400 g Geschabtes, 100 g Gehacktes, 1 Brötchen, in Wasser eingeweicht, Salz, Pfeffer, Muskatnuß, 3 Zwiebeln, 1 Ei, 1 Eßl. Schmalz, 1 Teel. Butter oder Margarine.

Das Fleisch mit dem ausgedrückten Brötchen, Salz, Pfeffer, Muskatnuß, 1 in Würfel geschnittenen Zwiebel und dem Ei vermengen. Aus der Masse werden 4 Steaks geformt und in einer Stielpfanne in heißem Schmalz etwa 10 Minuten von beiden Seiten gebraten. Mit in Butter gebratenen Zwiebelringen belegen. Dazu Kartoffelpüree und Gemüse oder Röstkartoffeln und verschiedene Salate servieren.

Quelle: Kochkunst: Lukullisches von A bis Z.- 3. Aufl.
Verlag für die Frau, 1986, Leipzig, DDR


„Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht Bankrott gehen will.“
Marcus Tullius Cicero
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#19

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 20.07.2018 08:41
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Glasehausen

Es ist eigentlich ein wenig Sonderbar. Auch heute, über ein Viertel Jahrhundert nach der Grenzöffnung, ist mir diese Ortschaft noch immer ein wenig unheimlich. Die einstige Nahtstelle hat zwar zum Glück ihren Schrecken verloren und einer unser damals schon älterer Grenzaufklärer, wohnhaft am Ende des Dorfes, ja am Ende der Welt – sein besonderer Hang soll das Vernichten von Alkohol zum Danke seiner Leberwerte gewesen sein, der lebt bestimmt nicht mehr. Aber dieser gute Mann war auch herzensgut, nie hat er irgendjemanden angeschwärzt. Und die Dorfbewohner, schon ein eigenartiges Völkchen, die straften den Grenzer damals mit Missachtung und heute den ganzen Rest der nicht in Glasehausen wohnhaften Welt. Scheint zumindest so. Warum wohl? Zunächst fühlen sich eine Reihe der Bürger dieses Ortes überhaupt nicht zum Eichsfeld gehörig. Im Eichsfelder Wanderbüchlein (Kreuz und Quer durch Eichsfeld, Cordier, Heiligenstadt, 1930) steht zu Glasehausen: „Glasehausen liegt dicht an der eichsfeldischen Grenze … Glasehausen gehörte in der frühesten Zeit dem Liesgau an; seine Bewohner waren zu Niedersachen, und es ist das einzige Dorf im Kreise Heiligenstadt, wo plattdeutsch geredet wird.“ Hinzu kommt noch die Bemerkung über die eigenartige Bachbildung der Garte, darüber wird noch zu reden sein. Zumindest die gefühlte Zugehörigkeit zu Niedersachsen und das Plattdeutsche kann ich bestätigen. Wenden wir uns aber der Zeit zu, an der ich Dienst am Kanten schob. Es ging vom Mittelweg die Straße hinunter, an der Kirche (übrigens sehenswert) vorbei bis zur alten Mühle, hier rechts hinauf und da stand man vor dem Führungspunkt der Achten:

https://www.youtube.com/watch?v=Uj9__6f8unA

Dieses kleine Video hatte ich Anfang der 1990er Jahre unter Zeitdruck gefertigt. Es zeigt den Eingang zum Bunker, das was Innen noch übrig war und den leider damals nicht mehr begehbaren BT 6. Heute ist alles verschwunden und die Natur hat sich gerechterweise ihr Gebiet zurückerobert. Die Dienste als Posten waren nicht ganz so schlecht. Man befand sich zwar allein in der Kanzel, konnte jedoch seinen Gedanken freien Lauf lassen und im unteren Führungsbunker hat man sich ja auch mal blicken lassen. Vor allem wenn sich die Kontrolle aufwärmte, da ging es manchmal lustig zu und da unsere „Buckel“ in der Regel prächtige Kerle waren, so blieben die Gespräche nie auf Sex und Saufen beschränkt und hatten mitunter fast weltmännischen Charakter (ich bemerke noch einmal dazu, wir schrieben die Jahre 1977/78 mit den damaligen, leider nicht eintretenden Gedanken der Erwärmung der Eiszeit in der Großwetterlage). Die Aussicht von der Kanzel war zwar nicht weltbewegend, man sah aber viel vom typisch Eichsfelder Raum. Über Glasehausen hinauf zum Auberg (heute steht mitten auf dem einstigen Kolonnenweg ein Wohnhaus) hinüber ins wirklich Niedersächsische. Auf der damals unterbrochenen Straße besuchte uns Zollede und BGS und entlang der Sperranlagen sah man Richtung Gehlenberg. Diesen Weg bin ich nur als Posten zur K6 Kontrolle gelaufen. Erst bei meinen Eichsfeldwanderungen nach 1989, als die Grenze ihren Schrecken verloren hatte, habe ich erfahren, was es mit der „Garte“ auf sich hat und hier lasse ich noch einmal den Wanderführer von 1930 zu Wort kommen: „ Es (Glasehausen M. S.) nimmt Teil an einer ganz eigenartigen bedeutungsvollen Bachbildung im Norden des Eichsfeldes. Aus einer fastgrünen Wiese über Glasehausen quillt der Rinkenborn, fließt durch das Dorf, bildet Teiche, treibt eine Mühle und vereinigt sich in der Nähe der Haltestelle Weißenborn mit dem von dort von Westen kommenden Bache, der sich wiederum aus zwei Wässern zusammensetzt. Jeder dieser 3 Wasserarme möchte „Garte“ genannt werden.“ Mit der Haltestelle Weißenborn ist die heute im Allgemeinen fast vergessene Haltestelle der Göttinger Kleinbahn gemeint, die auf 750 mm einst von Göttingen über Rittmarshausen und eben auch Weißenborn, dann westlich entlang der Grenze über Nesselröden ins beschauliche Duderstadt verkehrte. Der letzte Rest der Strecke wurde 1957 stillgelegt. Bekannt wurde der so genannte „Maikäferexpress“ durch das feuchtfröhliche Tun der Göttinger Studenten und auch der Film nahm sich dem Bähnle an. Hans Albers benutzte sie im Streifen „Der tolle Bomberg“ als Streitobjekt wer schneller ist. Der Maikäferexpress oder sein Ross. Albers hat gewonnen. Einen Amateurfilm mit einem Tagesausflug bis in die Gleichen im Jahre 1941 kann man sich ebenfalls bei youtube reinziehen, Am Filmende fühlt man sich schon in die Gegend um Glasehausen versetzt, ist aber leider noch nicht an dieser Stelle aber auch heute noch lässt sich die einstige Trassierung erahnen. Warum diese Ausschweifung? Leider eben schon in den 1950er Jahren eingestellt, aber es wäre doch eine willkommene Abwechslung gewesen eben auch noch bei seinem Grenzdienst das Tuten zu hören und den in rasender Geschwindigkeit dahinbrausenden Rauchpilz aus dem Schornstein der Hochgeschwindigkeitslokomotive zu sehen. Sowohl in Glasehausen oder am Etzenborner Hange. Übrigens, neben den offiziellen Namen Göttinger Kleinbahn führte das Bähnle eben den Namen Maikäferespress und auch Gartetalbahn, womit der Kreis zur Garte wieder geschlossen wäre
Wir kehren wieder zum Jahre 1977 zurück. Auf dem einstigen Kolonnenweg geht es weiter (der schon genannte Wanderführer rühmt den Weg entlang des Kreitholzes und entlang der Grenze ausdrücklich), entlang einer Hudelaufanlage bis zum so genannten Schusterweg. Das war übrigens der einstige Postenpunkt, an dem ich niemals war. Deswegen kann ich nichts davon erzählen. Aber mit dem nächsten Orte geht es weiter. Weiter im nächsten Bericht.


thomas 48, Büdinger und CAT haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Günterode - Heimgang vor 40 Jahren

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 21.07.2018 17:15
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Straße NE (Etzenborner Hang) und Mühlberg

Leute, es ist schon was los im Staate Dänemark. Nein, bei Neuendorf hauste nicht Egon Olsen, aber das „Dumme Schwein“, Verzeihung, das „Dumme Brot“, womit ja jener schon genannte Unteroffizier genannt wurde, hatte in einer Nacht seine „Spuren“ hinterlassen. Ich selbst war jedoch in einem anderen Abschnitt und bekam von der Sache erst am nächsten Morgen mit. Nur schnell vorweg. Von der „Straße NE“ (Neuendorf – Etzenborn), in einer kleinen Kurve widerlich unterbrochen, zog sich fast schnurgerade die einstige Grenze mit ihren Zaun (einen Signalzaun gab es damals noch nicht) zurück in Richtung Schusterweg, also gut einsehbar. Die Nacht war auch freundlich, man schrieb den 16. Juni 1977. Unser Unteroffizier war mit seinem Posten „Straße NE“ eingesetzt, blickte zurück, schraubte an seiner „Brille“ und … sah die vom Klassenfeind inszenierte Unverschämtheit. So was aber auch. In der Nacht zum 17. Juni hatte man unmittelbar in Grenznähe auf dem Gebiete der BRD ein Podest hin gebaut. Es sollten wohl aufrührerische Reden abgehalten werden. Also meldete das „Dumme Schwein“, Verzeihung das „Dumme Brot“ gleich die Sache über das GMN. Der Erfolg, die Sache bekam dringliche Wichtigkeit, die A-Gruppe flog raus und auch ein Oberbuckel musste in die Nacht … und sah nix. Das heißt, es war schon etwas da, da lag, man kannte das Bauwerk eigentlich nie stehend und schon etwas verkommen ein umgestürzter Anstand. Na die Alarmgruppe und vor allem der Oberbuckel hatten sich mächtig über die Abwechslung gefreut und unser Unteroffizier bekam zwar kein neues Lied, aber sein Fett weg. Doch nun zur „Straße NE“. Einen Turm auf dem Etzenborner Hang, wie kurz nach der Grenzöffnung gesehen, den gab es noch nicht. Es war ein „Trabbi-Posten“ und in der Regel stand der Posten mit seinem Stoffhund auf der Höhe des Hanges und man hatte so den gesamten Bereich in Richtung Schusterweg im Visier, sah auf die unterbrochene Straße (welche ja nicht durch einen GSZ gesichert war) und schaute auch weiter in den Bereich des Mühlberges. Da auch wieder fast gerader Grenzverlauf. Jenseits der Grenze erhob sich der Staatsforst von Ebergötzen (die Gemeinde ist zwar noch einen ganzen Weg entfernt), aber Wilhelm Busch grüßt schon. Übrigens, hätte es den Deutschen Dax schon im Jahre 1978 gegeben, ich hätte den Verlauf eines nachts genau erklären können. Ach nee, es war ein deutscher Dachs, der sich auf dem Kolonnenweg am Mühlberg tummelte und ausgiebig beobachtet wurde. Dann gab es noch Max und Moritz (eben Staatsforst Ebergötzen), nicht zwei Lausbuben, sondern ein verliebtes Rotwildpärchen. Das lugte häufig aus Niedersächsischen Wald. Das taten mitunter auch der BGS, war aber nicht so zutraulich. Und bei schönem Wochenendwetter erklangen auch frohe Wanderstimmen und Kindergeschrei aus selbigen. Ja, das Areal mit dem Duderstädter Knick (eine mittelalterliche Befestigungsart) bis hin zur Nesselröder Gräselei hatte und hat nun auch wieder in Thüringen Naherholungscharakter. Hinter dem Mühlberg zweigte ein Kolonnenweg vom Weg an K 6 ab und traf auf die Straße von Neuendorf nach Böseckendorf (auch Bösekendorf geschrieben). Damals noch ohne Zaun und Tor, Hier befand sich das Postengebiet Mühlberg, war aber selten besetzt und wurde in der Regel vom Posten Sauenschlucht mit bedient. Und hier beendete ich mit einer Nachtschicht, Verzeihung, Nachtaufzug, meine Grenzertätigkeit, Am Wegrand zur Straße habe ich die vom Posten heruntergeschnittenen „Frösche“ begraben. Doch zum Postengebiet der Sauenschlucht nächstens.

Die Sauenschlucht.

Wohl jeder Grenzer hatte wohl „seinen“ Postenpunkt, das Areal wo er wohl am liebsten war. In unserer Bataillonssicherung mit den vier Kompanien waren es demnach vier Lieblingsplätze. In der 7. Kompanie war es, wie bei vielen Grenzern, die Gerblingeröder Breite, in der 6. Kompanie der Holzplatz (man höre und staune), in der 5. Kompanie der Soolbach (war übrigens mein absolutes Lieblingsgebiet im gesamten Bataillon), aber wir befinden uns ja noch in meiner Heimatkompanie, die 8. und da war es die Sauenschlucht. Schon die Anfahrt war ein Ereignis. Meist ging es über den Roten Berg. Von da einen phantastischen Blick über das Eichsfelder Land, bei klarem Wetter schimmerte im Hintergrund der Brocken, dann bogen wir in Richtung Neuendorf ab. Hier wurde der NE-Posten abgesetzt, ein Schwenk nach rechts und es ging die Serpentine hinauf, dann die Straße weiter bis zum Mühlberg. War genügend Personal vorhanden, dann verschwand, wie schon beschrieben, auch dort ein Postenpaar und nun ging es bis zum nächsten Abzweig, den Weg zur Sauenschlucht. Eine Schranke bewachte den Abzweig zum Kolonnenweg und die andere sperrte die Durchfahrt in Richtung Böseckendorf. Auf der anderen Straßenseite bellten einige Hunde in einer Laufanlage. Die dachten wohl, dass es Futter gäbe. Es wurde abgestiegen, die Schranke in Richtung Grenzzaun schnöde umgangen. Gedanklich bleiben wir jedoch noch einmal an der Schranke und zwar in der Zeit vor dem Kriege und dann noch nach dem Fall der Grenze. Halte inne, denn hier befand sich einst eines der Eichsfelder Kreuze. Nein, kein Bildstock, auch kein Hagelkreuz sondern eines mit einer geschnitzten Jesusfigur. Das sogenannten Böseckendorfer Waldkreuz. Darüber habe ich vor einigen Jahren einmal folgendes Video bereitet:

https://www.youtube.com/watch?v=sGfFIJ9z9j4

Im Jahre 1921 wurde das Kreuz aufgestellt, es verschwand in den ersten Nachkriegsjahren und wurde im Jahre 1996 neu gestaltet. Demnach war im Jahre 1977/78 nichts davon zu sehen und ich erfuhr erst bei meinen Eichsfeldwanderungen davon. Für uns war eigentlich nur die Schranke interessant, welche die Straße sperrte. Wohl angelegt um die Verbindung zwischen Neuendorf und Böseckendorf zu unterbrechen, kannten wir die Zeit zu welcher Böseckendorfer Bewohner nach Hause wollten. Und das ohne den Umweg über den Roten Berg zu nehmen. Eine kurze Kontrolle, die Schranke öffnete sich und man lies uns gerne ein Rädchen Feldgieker, Stracke und ähnliche Kostbarkeiten für die Gefälligkeit zurück. Noch korrupter waren nur die Hunde in der Laufanlage. Hingeworfenes Postenbrot (ohne Feldgieker und Co.) machten sie stumm.
Nun denkt aber nicht, das wir gemästet wurden. Es waren kleine Dinge und eigentlich auch die Ausnahme. Und noch eine Ausnahme gab es. Es war eine 80er Schicht, in der ich der Postenführer war und 16:00 Uhr sollten wir die Schranke öffnen und Waldarbeiterinnen rauslassen, welche schon im Vorfeld des Signalzaunbaues eine Schneise schufen. Es schlug das akademische Viertelstündchen, dann noch eines und auf Anfrage über GMN sollten wir mal nachschauen ob sich die Leutchen vielleicht schon in Richtung Neuendorf verzogen hätten. Wir machten uns auf dem Weg, am Bauwagen lehnten noch die Fahrräder und eine eigenartige gelöste Stimmung drang aus diesem. Ich öffnete die Tür und wir wurden von den beschwipsten Damen mit Hallo empfangen. Jetzt war es mir klar, wir schrieben den 8. März und wer in der DDR an diesem Tage ein Frauenkollektiv erlebt hat, dem brauche ich nichts mehr zu sagen. Auch uns wurden dementsprechende Getränke gereicht und nun meldeten sich auch das Postenpaar nicht mehr. Glücklicherweise hatte der Richtige, unser „Erwin“, geführt. Er schmiss nicht die A-Gruppe raus, sondern sendete die Kontrolle zum Bauwagen und so geriet die Sache glücklicherweise in die Versenkung. Das hätte aber auch schief gehen können.
Genug vom Fressen und Saufen, wenden wir uns dem regulären Postenpunkt zu. Am Waldrand war eine kleine Stellung ausgehoben und dort saßen wir auf auf unsere Luftis. Ein Blick in den Etzenborner Hang bzw. in Richtung Euzenberg gerichtet. Dann die Streifen, den Hang hinunter, wieder in die Höhe, ein Bogen und am Mühlberg wieder in Richtung Straße. Diese entlang bis zur Hundelaufanlage, an der Schranke wieder den Weg entlang bis zum Postenpunkt. Dauerte genau x + 60. X + 60 durch Waldgebiet in dem es knarrte und raschelte. Nach 1990 erkundete ich au das Terrain jenseits des Zaunes. Um es vorweg zu nehmen, eine der sogenannten Schleusen in Form einer Röhre habe ich nicht entdeckt. Es gab zwar eine Röhre, die in ein kunstvolles Gebilde mündete und eine kleine Brücke überquerte parallel zum alten Ländergrenzstein die Schlucht, alles war 1991 noch gut in Schuss, aber die Röhre diente dem Durchfluss des kleinen Rinnsales in Richtung des Nesselröder Waldes. Dieses konnte man unschwer erkennen. Wanderwege führen von der Grenze weg durch die sogenannte Gräselei und münden an einem kleinen Parkplatz an der Straße nach Nesselröden. Auch der Weg in Richtung Böseckendorf war uns gestattet. Entweder den Kolonnenweg entlang, oder die Straße bis zum eigenartigen Schwenker, welcher schon in den Karten vor 1945 verzeichnet ist und wer das Gruseln lernen will, der laufe nur in der Allerheiligennacht zum Böseckendorfer Friedhof mit der Mariengrotte. Da funkeln und leuchten die Grablichter. Wir schauen noch einmal in Richtung des Euzenberges und verlassen das Gelände der 8. Kompanie, die 7. Kompanie nimmt uns mit der nächsten Beschreibung auf.


Büdinger, Früher Beobachter, Schreiber und CAT haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.07.2018 17:17 | nach oben springen



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