PM 18 und PM 19: wann und wie entstanden?

02.07.2018 21:26
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#1
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Hallo,

ich beschäftige mich mit der Seesegelei in der DDR und damit natürlich auch mit der Seegrenze. Wenn man ostdeutsche Segler fragt, was sie vor 1990 auf der Ostsee am meisten gestört hat, bekommt man eine Vielzahl von Geschichten erzählt. Ein Thema wird aber nahezu immer genannt: die PM 18 bzw. PM 19. Hierbei handelt es sich um die benötigten Genehmigungen, um außerhalb der inneren Gewässer der DDR in der 3-Meilen-Zone unterwegs zu sein (PM 18) bzw. auch darüber hinaus sich aufhalten zu dürfen (PM 19).

Jetzt findet man einiges zum Thema PM 18 und PM 19 und die Verbitterung, die viele Segler angesichts der jährlich neu zu beantragenden Dokumente empfanden. Aber bis heute scheint unklar, wann genau diese Genehmigungen und auf welcher gesetzlichen Grundlage entstanden sind. Sie werden gerne mit dem Mauerbau 1961 in Verbindung gebracht, das kann aber m.E. nicht stimmen.

Eckpunkte bilden die "Anordnung über die Ordnung in den Grenzgebieten und den Territorialgewässern der Deutschen Demokratischen Republik vom 19. März 1964" sowie deren Anpassung mittels Anordnung Nr. 4 vom 31. März 1969.

1964 heißt es lediglich: "Alle Eigner und Benutzer der im Abs. 3 aufgeführten Wasserfahrzeuge sind verpflichtet, den zuständigen Schutz- oder
Sicherheitsorganen das Aus- und Einlaufen zu melden. Das beabsichtigte Anlaufen anderer Liegeplätze im Küstengebiet der Deutschen Demokratischen Republik muß bei der Meldung vor dem Auslaufen bekanntgegeben werden."

1969 dann: "Fahrzeuge der Küstenfischerei und des Rettungsdienstes sowie Sportboote dürfen die Gewässer der Deutschen Demokratischen Republik, die außerhalb des Bereiches der Grenzzone liegen, nur befahren, wenn sie technisch zugelassen und registriert sind. Die an Bord befindlichen Personen müssen eine Genehmigung für das Befahren der Gewässer außerhalb des Bereiches der Grenzzone besitzen; ihre Personalien sind in das Bordbuch einzutragen."

"Genehmigung für das Befahren der Gewässer außerhalb des Bereiches der Grenzzone" ist nahezu der offizielle Titel für die PM 18.

Doch bereits vor 1969 gibt es die PM 18. In der Zeitschrift "Der Segelsport" vom November 1967 heißt es z.B. bezüglich der Oder: "Wer mit eigener Kraft fahren will, holt sich bei seiner Ankuft in Hohensaaten oder Eisenhüttenstadt beim Grenzkommando eine sogenannte PM 18 (befristete Aufenthaltsgenehmigung im Grenzbereich), für deren Ausstellung die Vorlage der Personalausweise sämtlicher Besatzungsmitglieder notwendig ist."

Darum meine Frage, ob jemand weiß, wann und auf welcher Gesetzesgrundlage die PM 18 und PM 19 entstanden sind?

Viele Grüße,
robart


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02.07.2018 23:48
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#2
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Zitat von robart im Beitrag #1

Darum meine Frage, ob jemand weiß, wann und auf welcher Gesetzesgrundlage die PM 18 und PM 19 entstanden sind?
Viele Grüße,
robart

Die Gesetzgrundlage war die Grenzordnung der DDR vom 19.03.1964,hier ein Ausschnitt von dieser Website http://www.grenzkommando.de/grenzbrigade-kueste-4.html
Lgandyman


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03.07.2018 07:35
#3
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Moin....

Ich habe mal so einen Inhaber PM 18 bzw. PM 19 kennen gelernt.

Muss so um 1996 gewesen sein, er war Dozent in Stralsund. Der fuhr regelmäßig zu Vorträgen in den Westen, die Frau im medizinischen Dienst in Stralsund oder Greifswald. Ärztin? Weiß ich nicht mehr....

Der erzählte das sie regelmäßig nach Hiddensee mit dem Booit fuhren (segelten). War anscheinend nie ein Problem...

MfG Berlin


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03.07.2018 08:58
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#4
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Hallo andyman,

um diese Grenzordnung dreht sich meine Frage. In der ursprünglichen Version von 1964 wird in § 40 noch das bis dahin übliche Verfahren geschildert, dass man sich beim An- und Abmelden lediglich am lokalen Kontrollpunkt zu melden hat. Eine Besprechung der Verordnung in der Zeitschrift Der Segelsport (1965, H. 3, S. 45f) erwähnt auch nur die Seegrenze der DDR auf Grundlage der 3-Meilen-Zone als maßgebliche Bezugsgröße. In der Ergänzung von 1969 wird dann § 40 ersetzt und m.W. erstmals in einem Gesetzestext die benötigte "Genehmigung für das Befahren der Gewässer außerhalb des Bereiches der Grenzzone" erwähnt.

Doch tatsächlich existiert die PM 18 bereits 1967. Nirgendwo ein Hinweis, wann und wie sie genau in Kraft tritt. Selbst in der Zeitschrift "Der Segelsport" wird offenbar nicht näher darauf eingegangen. Dabei stellt die PM 18 die massivste Einschränkung für die Seesegler dar, danach durften sie nur noch mit der jährlich zu beantragenden Genehmigung aufs Meer.

Viele Grüße,
robart


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03.07.2018 09:19
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#5
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1996 waren die PM dann nicht mehr so wichtig... Eventuell 1986?

Auf den Boddengewässern vor Hiddensee durfte man auch ohne besondere Genehmigung segeln, diese gehörten zu den inneren Gewässern. Auf der anderen Seite der Insel war die Ostsee und da brauchte man die PM 18. Wenn man sich loyal und unauffällig verhielt, konnte man an die Genehmigung drankommen. Das im Hintergrund als entscheidende Instanz agierende MfS hatte eine Checkliste, die abgeprüft wurde. Welche Ergebnisse hieraus gezogen wurden, hing einerseits vom zuständigen Bearbeiter ab, wurde andererseits aber auch von der politischen Großwetterlage beeinflusst. Die Begründung für eine Ablehnung erhielt der Antragsteller nicht. Insistierendes Nachfragen konnte weitergehende Gegenmaßnahmen zur Folge haben. Nach der Flucht der Rostocker Familie Gaeth 1975 auf der Jacht Tornado z.B. wurde die Erteilung der Genehmigungen eine zeitlang sehr kleinlich gehandhabt.

Wenn Ehepaare zusammen aufs Meer rausdurften, mussten mindestens minderjährige Kinder zuhause warten oder die Staatssicherheit hatte einen triftigen Grund, die Rückkehr der Crew als gesichert anzusehen.

Viele Grüße,
robart


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03.07.2018 11:09
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#6
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Zur Grenzordnung kann ich nicht mehr sagen,vielleicht findest du noch etwas im I-Net dazu.Aus persönlichem Erleben mit Seglern weiß ich das einige von Ihnen jahrelang nie die Genehmigung P18/19 erhielten.Die Gründe dafür sind nicht bekannt aber schon naheliegend wer die Finger da im Spiel hatte.
Den umgekehrten Fall gab es natürlich auch,wie @berlin3321 ja erwähnte,ein Schelm wer Böses dabei denkt,aber das kann man sich gut als Belohnung für gewisse Dienste vorstellen.
Ein Abkommen vom Kurs bei langen Segeltörns war auf Grund des mitgeführten Kurses durch Radarmeßstationen kaum sinnvoll,hier wurde bei übersegeln der Grenzlinie sofort Alarm ausgelöst und mit den Schnellbooten war man leicht einzuholen.
Nichtdestotrotz gab es erfolgreiche Fluchten mit dem Segelboot,beschrieben in einigen Büchern zum Thema.Hier mal ein Link zu den Büchern die ich kenne
Fluchtverhinderung Ostsee
Lgandyman


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03.07.2018 13:39
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#7
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Zitat von andyman im Beitrag #6
Ein Abkommen vom Kurs bei langen Segeltörns war auf Grund des mitgeführten Kurses durch Radarmeßstationen kaum sinnvoll,hier wurde bei übersegeln der Grenzlinie sofort Alarm ausgelöst und mit den Schnellbooten war man leicht einzuholen.
In den 1950ern und 1960ern konnte man manchmal noch durchschlüpfen, danach sicherlich nicht mehr. Im Fluchtbuch von Bodo und Christine Müller wird ja beispielhaft dargestellt, wie perfekt die Überwachung schließlich organisiert war. Erschreckend!

Es ist aber m.E. gerade deshalb interessant zu sehen, wie die Segler trotzdem versuchten sich Freiräume zu schaffen, zum Beispel auf den Regatten. Die wollten nicht abhauen, sondern mit ihren teuren & arbeitsintensiven Schiffen etwas erleben. Die großen Seewettfahrten zur Ostseewoche führten immer mal wieder um Bornholm herum und wenn nicht, ging es häufig zu einem Wendeschiff weit in die Ostsee hinaus. Da hat man sich dann etwas einfallen lassen. Es gibt mehrere Berichte, das Jachten wegen angeblichem Ruder- oder sonstwas Schadens dänische Häfen angelaufen haben. Da ja viele Jachten Eigenbauten waren, gab es tatsächlich häufiger mal Bruch. Während eines Sturms bei der Ostseeregatta 1971 haben Regattateams u.a. in Nexö auf Bornholm Unterschlupf gesucht. 1987 war man so weit vom Land entfernt, dass offiziell die Verwendung von Sextanten empfohlen wurde. Wieweit hier noch die Überwachung klappte, das versuche ich u.a. herauszufinden.

Das MfS hätte wahrscheinlich am Liebsten die Küste so dicht gemacht wie die restlichen Grenzen, aber das ging aus verschiedenen Gründen nicht. Darum kann man gerade an der Seegrenze der DDR die gesamte Spannweite erleben, was in dem Land ging und was nicht.

Grüße,
robart


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04.07.2018 05:46
#8
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Moin....

Das war schon 1996 als der mir von der Zeit vor der Wende erzählte.

Inzwischen waren die 2 in Rente und mit dem Wohnwagen unterwegs.

MfG Berlin


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