Interzonenzüge zwischen der DDR und der BRD

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01.10.2009 16:42
avatar  Angelo
#1
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Interzonen-, Transit oder Züge ins kapitalistische Ausland, sie hatten viele Namen, waren sie doch die wichtigste Verkehrsverbindung im Güter- und Personenverkehr im geteilten Deutschland.
Eindrucksvolle Alltagsaufnahmen und Eisenbahntechnik auch zum hören, bleiben unvergesslich.


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01.10.2009 17:43
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#2
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Hallo Angelo, auch eine sehr interessante Seite zum Thema Interzonenzüge: http://www.norbert-weise.de/fdl-wsa.htm
Beste Grüße,
DHF_GT


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01.10.2009 18:27
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#3
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schade, dass es nicht mehr mit der Grenze zu tun hatte. Dampfzüge wäre sicherlich ein besseres Thema. (bis auf die V200 DR und die 132 waren nur Dampfloks zu sehen).

Viele Grüße
Micha


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02.10.2009 07:49
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#4
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Zitat von DHF_GT
...auch eine sehr interessante Seite zum Thema Interzonenzüge...



Sehr schön aus Sicht eines Bahners beschrieben, wie das so ablief an einer Eisenbahn-GÜSt.
In Marienborn war das nur unwesentlich anders. Ein- und ausfahrende Züge wurden dort nicht vom Fahrdienstleiter der DR an den DHO (sozusagen der Diensthabende Kommandant) gemeldet, sondern vom Aufführenden der SiK.
Lediglich wenn der sich nicht ganz sicher war, um welchen Zug es sich handelte, rief er vor der Meldung des Zuges den FDL an und erkundigte sich. Das kam gelegentlich vor, weil insbesondere Güterzüge manchmal über 24h (!) Verspätung hatte. Das konnte man mit dem vorliegenden Tagesfahrplan dann nicht mehr abgleichen.
Meldungen der PKE und des Zolls gingen ebenfalls an den DHO und nicht an den FDL. Der DHO (oder sein Gehilfe) rief dann den FDL an, meldete ihm, dass die Kontrolle fertig war und auch, dass er (bei Ausfahrten nach Westen) jetzt das entsprechende Gleis freigeben würde. Erst dann wurde der Knopf gedrückt, der dem FDL ermöglichte, seine Signale udn was auch immer zu stellen.

In Marienborn saß der DHO räumlich getrennt von Reichsbahnern und PKE in einem Office auf dem Bahnsteig. Das Betreten der GÜSt durch Angestellte wurde in Marienborn durch SiK-Grenzer vorgenommen und nicht durch die PKE.


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02.10.2009 10:28 (zuletzt bearbeitet: 02.10.2009 10:48)
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#5
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Ich bin als West-Berliner ab und zu auch mit der Bahn ins Bundesgebiet gereist. Eigentlich wäre es für mich sinnvoller gewesen, bereits im "West-Teil" des Bahnhofs Berlin Friedrichstrasse zuzusteigen(lag noch mitten in Ost-Berlin, aber nicht zu betreten für DDR-Bürger, siehe Thema auch hier im Forum!). Jedoch drehte sich manchem West-Berliner schon angesichts der "VoPo-Prozeduren" (zur Erklärung: viele Westberliner nannten alle DDR-Uniformierten: "VoPo´s", kommt von "Volkspolizei". Ein Begriff für DDR-Uniformierte, egal, ob Polizei, TraPo oder Militär...) der Magen um.

Friedrichstrasse wäre wirklich gut gewesen, weil der Zustieg vor dem West-Berliner "Zentralbahnhof" Bhf. Berlin-Zoologischer Garten" erfolgte. So konnte man sich vor den "Zoo"-Abreisenden einen schönen Sitzplatz sichern! Aber wie gesagt: die meißten West-Berliner zogen den Bhf.Zoo vor.

Der Grund war das Machtgehabe einer billigen Diktatur, der es vollkommen egal war, ob man sich vor den Reisenden lächerlich machte und den miesen Ruf wieder ein weiteres mal bestätigte. Wenn der leere Zug nämlich aus Richtung Ost-Berlin einfuhr, durfte man keinesfalls sofort zusteigen! Das wurde auch durch die Lautsprecher plärend verlangt. Jedoch: welcher Reisende aus West-Deutschland versteht den Sinn? Und versteht nun, daß der Zug mit dem begehrten Sitzplatz einfährt: und man muß tasächlich warten (was evtl. einen "miesen Sitzplatz" zur Folge hatte?).

Der Zug fuhr also ein. Zwischen Kante und Bahnsteigmitte war ein weißer Strich entlang des gesamten Bahnsteigs markiert. Entlang des Bahnsteigs postierten sich sofort Grenzer. Der Lautsprecher plärte schrill: "BITTE BLEIBEN SIE HINTER DER WEISSEN LINIE, BIS SIE ZUM ZUSTIEG AUFGEFORDERT WERDEN!!" Und nun das verdutzte, völlig verwirrte Publikum, welches sich an irgendwelcher Lagerszenen in irgendwelchen billigen Geschichtsfilmen erinnert fühlte....

Der Zug hielt kreischend. Na: und natürlich!! gab es ein paar Om´chens die nicht begriffen, was diese Figuren wollten und stürmten zur Tür. Was zur Folge hatte, daß die Uniformierten brüllten: "Hinter die Linie". In dem Tohuwabohu dieser skurilen Veranstaltung begriffen Einige immer noch nicht. Und dann schrie einer der unweit von mir postierten Uniformierten mit hochrotem Kopf die "werten Reisenden" zusammen: "...sofort weg von der Tür...".

Ich kann nur sagen: wie im schlechten Russenfilm!

Die Reisenden warteten nun (eingeschüchtert von diesem Horror-Szenario: Uniformierte a.d. Bahnsteig, Uniformierte mit MP unter dem Dach des Bhf.´s auf den Laufstegen) vor der weißen Linie. Sie sahen zu, wie "Wärter des Systems" ihre abgerichteten Köter unter dem Wagon laufen ließen (es hätte sich ja ein Flüchtling in Ost-Berlin unter den Zug hängen können, obwohl die abgestellten Transitwagons auch dort Nachts bewacht wurden, als ob die englischen Kronjuwelen an Bord wären).

Dann kam endlich die Ansage: "...sie können jetzt zusteigen". Die meisten Reisenden, die sowas noch nie gesehen hatten (und sowas wahrscheinlich in ihrem Leben auch nie mehr sehen werden!) waren regelrecht geschockt. Peinlich, peinlich, alles. Und ungemein entlarvend!

Viele West-Berliner kannten das natürlich und hatten überhaupt keinen Bock auf diesen VoPO-Ostzonen-Zirkus. Deshalb stieg man lieber bequem in West-Berlin, Zoo in den Zug in der Gefahr, einen schelchteren Sitzplatz zu bekommen. Es reichte dem geübten West-Berliner ja schon, 2x ins schwerbewachte Grenzgebiet einfahren zu müssen, wo unter grellen Scheinwerfern wieder und wieder klargelegt wurde, wes Geistes Kind die Herrschaften sind, die jene Territorien vorübergehend verwalteten....

Stieg man erst "Zoo" in den Zug, war die Fahrt aber (bis auf den Anblick der schwerbewachten Grenzgebiete) unkompliziert. Durch die Vereinbarungen Egon Bahr´s mit der DDR (Transitabkommen) kamen "VoPo´s" nur 1x durch den Zug, um die Pässe der reisenden kurz zu kontrollieren und ihnen ihren Wisch (Visum) in den Ausweis zu legen (den man im Gegensatz zum PKW-Transit behalten konnte). Weitere Kontrollen fanden vertragsgemäß nicht statt. Ansonsten beschränkten sie sich darauf, bei Wind und Wetter ihre Birne aus dem Fenster in den Fahrtwind zu halten. Auf das sich auch ja niemand dem Zug nähert...

Wieviele von Denen sind eigentlich an einer Lungenentzündung verstorben?

Gott sein Dank ist dieser Spuk vorbei....


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02.10.2009 10:58
avatar  sentry
#6
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Schöner Bericht, FSK.
Ich hatte an anderer Stelle schon einmal eine sehr detaillierte Schilderung eines Grenzers gelesen, wie das so ablief auf dem Bahnhof Friedrichstraße - das muss eine unglaubliche Sicherheitsmaschinerie gewesen sein. Natürlich war der Grenzerbericht etwas technischer und nicht so emotional wie Deiner, aber es ist wirklich 'mal sehr interessant das alles aus Sicht eines Reisenden zu hören und wie sich das Ganze in Deinen Augen dargestellt hat. Rein inhaltlich war das aber schon ziemlich deckungsgleich.

Grenze war schon ein perverser Schei* und manchmal eben auch kleingeistig und idiotisch


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02.10.2009 11:01
avatar  sentry
#7
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P.S.: @FSK: Wie bist Du denn in den "West-Teil" des Bahnhofs Berlin Friedrichstrasse gekommen.?Konntest Du als Westberliner einfach mit U- oder S-Bahn anreisen und ohne weitere Kontrollen auf den Fernbahnsteig im grenztruppenbewachten "West-Teil" gelangen?


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02.10.2009 11:16
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#8
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Hallo, sentry,

ich bin zwar nicht FSK-Veteran, kann Dir aber die Frage hinsichtlich des Zugangs zum West-Fernbahnsteig auf dem Bhf. Friedrichstraße beantworten. Der Bahnhof Friedrichstraße war bekanntermassen Grenzübergang noch Ostberlin, zugleich aber auch Umsteigepunkt für West-Berliner zwischen U-Bahn, Nord-Süd und Ost-West-S-Bahn. Man konnte diese 4 Bahnsteige - 2x S-Bahn, 1x Fernbahn, 1x U-Bahn - ganz normal von West-Berlin erreichen - die Kontrollen fanden erst statt, wenn man den Bahnhof verlassen, sprich nach Ost-Berlin einreisen wollte.

@FSK-Veteran: Das die mitfahrende Trapo in den Interzonenzügen immer den Kopf aus dem Fenster hielt, hatte weniger damit zu tun, das sich etwas von aussen dem Zug nähern könnte - sondern eher damit, dass etwas durch die Fenster den Zug verlassen könnte. Hatte selber die Freude, als ich im Sommer - am offenen Fenster stehend - meine Zigarettenkippe rauswarf - 5 Minuten später war ich 10 DM ärmer.

Gruss

icke


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02.10.2009 11:20 (zuletzt bearbeitet: 02.10.2009 11:23)
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#9
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Ja. Du mußt Dir das so vorstellen sentry, daß der mitten in Ost-Berlin gelegene Bahnhof Berlin-Friedrichstrasse zum größten Teil!! von West-Berlinern oberirdisch und unterirdisch (hermetisch vom "Ost-Teil" und von DDR-Bürgern abgeschirmt) genutzt wurde.

Während der Bahnhof Berlin-Friedrichstasse für Ost-Berliner nur ein Kopfbahnhof, eine Endstation der S-Bahn war, trafen im nur für "West-Berechtigte" abgeschirmten Teil des Bahnhofs Friedrichstrasse zusammen:

Oben 2 westbln. S-Bahnlinien
Oben 1 Fernbahnsteig (Transitzüge)
unten 1 westbln. U-Bahnlinie (U6)
unten 3 westbln. S-Bahnlinien.

Also war der Bahnhof Berlin Friedrichstrasse sozusagen mit der größte Umsteigebahnhof des westberliner ÖPNV´s.... Unglaublich! Aber wahr...

Da ich aus Richtung Tempelhof kam, war der Bahnhof Friedrichstrasse nur 6 Stationen von meinem Wohnort entfernt. Trotzdem bin ich aus den genannten Gründen oft lieber zum wesentlich weiter entfernten Bahnhof Zoo gefahren, wenn ich mit der Eisenbahn ins Bundesgebiet fuhr....


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02.10.2009 11:24 (zuletzt bearbeitet: 02.10.2009 11:24)
avatar  sentry
#10
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Zitat von icke46
Der Bahnhof Friedrichstraße war bekanntermassen Grenzübergang noch Ostberlin, zugleich aber auch Umsteigepunkt für West-Berliner zwischen U-Bahn, Nord-Süd und Ost-West-S-Bahn.



Das heisst rein technisch ein Bahnhof wie jeder andere in Westberlin, nur das hier ein paar Grenztrüppner rumwuselten?
"Ost-West-S-Bahn" bezeichnet in diesem Zusammenhang die reine Himmelsrichtung, nehme ich an. Eine Weiterreise in den Osten war dann ja erst nach Passage einer Kontrolle möglich, wie Du beschreibst, so dass es auf diesem Gleis Richtung Osten nicht weiterging, korrekt?

Ansonsten schönen Dank für die Antwort - solche Sachen sind j nicht personengebunden

(EDIT) P.S: ...Euch beiden !! (/EDIT)


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02.10.2009 11:28
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#11
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Hallo FSK und icke,

auch ich kann die gesamte Schilderung so bestätigen. Das Benehmen der "DDR-Verantwortlichen" bei der Einfahrt wurde exakt geschildert, eigentlich war das filmreif. So etwas habe ich auch nirgends wieder so ähnlich erlebt. Vor allem konnte man gut sehen, wie sie die alten Rentner "angepflaumt" haben- hatten wir nicht neulich einen Thread über den Stellenwert der Rentner in der DDR? Hier wurde es wieder mal deutlich.


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02.10.2009 11:29
avatar  icke46
#12
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@sentry

Richtig, Ost-West-S-Bahn bezog sich in diesem Fall auf die reine Himmelsrichtung. Vor dem Mauerbau fuhr die Ost-West-S-Bahn von Potsdam über Friedrichstr. Richtung Erkner (wenn ich mich nicht täusche). Nach dem Mauerbau dann ab Wannsee bis Friedrichstr. Wer dann weiter wollte, musste über den Grenzübergang nach ost-Berlin einreisen, um dort dann auf den 3. Bahnsteig, der von den beiden "westlichen" durch eine Stahlwand getrennt war, seine Fahrt fortzusetzen.

Gruss

icke


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02.10.2009 11:29
#13
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Zu dieser Thematik gibt es einige gute Bücher:

Z.B.: Mit der Reichsbahn über die Zonengrenze
Schwerpunktbereich hier, die Bahnlinie Hof - Gutenfürst.

TH

"Mobility, Vigilance, Justice"


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02.10.2009 11:30 (zuletzt bearbeitet: 02.10.2009 11:31)
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#14
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Zitat von sentry
[quote="icke46"]
"Ost-West-S-Bahn" bezeichnet in diesem Zusammenhang die reine Himmelsrichtung, nehme ich an. Eine Weiterreise in den Osten war dann ja erst nach Passage einer Kontrolle möglich, wie Du beschreibst, so dass es auf diesem Gleis Richtung Osten nicht weiterging, korrekt?



Nein sentry, mit Himmelsrichtung hatte das nicht unbedingt was zu tun, auch die U-Bahnen nach Norden oder Süden landeten im Westen...


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02.10.2009 11:33 (zuletzt bearbeitet: 02.10.2009 11:34)
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#15
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( gelöscht )

Ja richtig sentry. Du mußtest durch die Kontrolle, um z.B. vom oberirdischen "West-Bahnsteig" in den oberirdischen "Ost-Bahnsteig" zu kommen. Zuletzt war zwischen beiden Teilen eine Stahlwand bis unter die Decke gezogen. Bis Mitte der 80ger jedoch war es "nur" eine große Stahlwand "halbhoch" mit "Stacheln" obenauf und Bewachung unterhalb des Bahnhofs-Dachs..
Das war richtig schön pervers!
Wenn Du im Osten gelebt hast. Gerne aber im Westen gelebt hättest. Da vielleicht sogar "die große Liebe hattest. Und Morgens a.d. Fahrt zur Arbeit hörst Du auf dem "Ost-Bahnsteig" stehend immer die Ansagen "hinter der Wand": "...nach Wannsee einsteigen bitte....nach Wansee: zurückbleiben..."

Hat hat sich sicher so mancher auf dem Ost-Bahnsteig "zurück geblieben: sehr zurück gelassen" gefühlt...


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