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#1

Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.03.2018 15:03
von Eren2001 | 33 Beiträge | 302 Punkte
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An alle damals Aktiven: Wie war das eigentlich nach dem Mauerfall bis zum Tag der Deutschen Einheit am 03.10.1990? Habt ihr da auch noch Grenzpatrouillen durchgeführt? Wurden nach dem 09.11.1989 auch noch Fotos vom BGS, Zoll und den westlichen Siegermächten gemacht? Waren die Wachtürme an der Grenze zum Westen nach wie vor besetzt? Falls ja, auf was achtete man stattdessen, wenn es nicht mehr darum ging, illegale Grenzübertretungen zu registrieren oder auf feindliche Aktivitäten zu achten? Oder war die Grenze ab dem 09.11.1989 de facto nur noch eine "Grüne Grenze", die zwar offziell noch eine Grenze war, aber nicht mehr so gehandhabt wurde, wie bis vor November 1989?



zuletzt bearbeitet 15.03.2018 20:29 | nach oben springen

#2

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.03.2018 20:23
von Rothaut | 1.362 Beiträge | 6009 Punkte
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Ich war zwar kein Aktiver damals...aber zum Grenzregiment 6... später umgegliedert in Grenzbezirkskommando 101 ( Stab Schwerin )...kann ich sagen....das damals 1.Grenzbatallion wurde in das Grenzkreiskommando 101 umgegliedert. ( 7 Grenzkompanien, 1 Rückraumkompanie, Nachrichtenkompanie usw. )
Nach der Grenzöffnung wurde die 6.GK aus dem Grenzdienst rausgelöst und zu Sicherungszügen umgewandelt .
Das passierte am 18.08.1989 und wurde ab 01.05.1990 nochmal umstrukturiert.


01.05.90-02.10.90 Umgliederung GKK 101
4 Grenzwachen, 4 Güsten ( SIZ ), Nachrichtenkompanie Klein Siemz ,GW Selmsdorf, GW Palingen, GW Utecht, GW Kneese

Am 12.12. 89 wurde die Sperrzone aufgehoben.
Am 23.01. 90 wurde zur Grenzüberwachung übergegangen.
Am 01.07.90 wurde die Überwachung eingestellt.
Am 02.10. 90 wurde das GKK augelöst und "Nachkommando" aufgestellt, ein Jahr später wurde dieses aufgelöst.


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zuletzt bearbeitet 15.03.2018 20:48 | nach oben springen

#3

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.03.2018 20:41
von andy | 1.610 Beiträge | 2471 Punkte
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Ja, das war schon eine skurile Situation. Ich wohnte damals direkt an der Mauer in Kleinglienicke (Potsdam) und arbeitete beim Zoll auf einer kleinen Fussgänger-Güst, 500 entfernt von meiner Wohnung. Anfang 1990 wurde die Mauer flächendeckend sukzessive abgebaut - trotzdem gab es aber noch bis Juli 1990 Grenzübergangsstellen die mit Zoll und Grenzern besetzt waren. So richtig ernst hat das allerdings kaum jemand genommen. Eine regelmäßige Streifentätigkeit habe ich ab Mitte Januar 19990 nicht mehr erlebt. Allerdings wurde in den mir bekannten Bereichen eine regelmäßige Befahrung der Grenzabschnitte vorgenommen. Der Grund waren die Mauerspechte, die an allen Ecken und Enden an der Mauer rumhackten. Diese Kontrollen wurden insbesondere verstärkt, nachdem im Bereich Großzziethen an der Mauer spielende Kinder durch nachrutschende Mauersegmente getötet bzw. schwer verletzt wurden.
Ab 1. 7.90 wurden dann sämtliche Güst'en aufgelöst und wimre auch alle anderen Kontrollen eingestellt.


andy


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#4

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.03.2018 22:30
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Zitat von Rothaut im Beitrag #2
[...]
Am 02.10. 90 wurde das GKK augelöst und "Nachkommando" aufgestellt, ein Jahr später wurde dieses aufgelöst.

Waren das dann Soldaten der Bundeswehr?

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#5

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.03.2018 23:44
von Eren2001 | 33 Beiträge | 302 Punkte
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Das war sehr tragisch ... Kinder, die durch Mauerstücke getötet wurden und heute schon stattliche Erwachsene wären, so wie ich...
Klein Glienicke ist übrigens ein sehr netter Ort. Ich mag generell den Bereich beim Babelsberger Park, welcher gegenüber von Klein Glienicke liegt, denn er hat irgendwas Märchenhaftes an sich. Meine Mutter ist am Weberplatz in Babelsberg aufgewachsen. Ich war als Kind dort und habe meine ersten zwei Lebensjahre dort verbracht ... Es war ein echt schöner Platz und er ist es auch heute noch. An und für sich hattest du einen schönen Zuständigkeitsbereich erwischt, was deinen Dienst betrifft.
Ich kann mich noch erinnern, wie ich als 8-Jähriger und ein paar Familienangehörige bei Steinstücken durch ein großes Loch in der Mauer gestiegen sind. An den ehemaligen Kontrollstreifen kann ich mich gut erinnern, der war für mich als Kind sehr beeindruckend und vor allem wirkte er sehr breit. Ich weiß gar nicht, ob so was offiziell zu dem Zeitpunkt schon erlaubt war (August 1990), oder ob über solche Mauerdurchgänge angesichts der bereits feststehenden Wiedervereinigung stillschweigend hinweggesehen wurde.



zuletzt bearbeitet 16.03.2018 01:30 | nach oben springen

#6

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.03.2018 00:06
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Zitat von andy im Beitrag #3
Ja, das war schon eine skurile Situation. Ich wohnte damals direkt an der Mauer in Kleinglienicke (Potsdam) und arbeitete beim Zoll auf einer kleinen Fussgänger-Güst, 500 entfernt von meiner Wohnung. Anfang 1990 wurde die Mauer flächendeckend sukzessive abgebaut - trotzdem gab es aber noch bis Juli 1990 Grenzübergangsstellen die mit Zoll und Grenzern besetzt waren. So richtig ernst hat das allerdings kaum jemand genommen. Eine regelmäßige Streifentätigkeit habe ich ab Mitte Januar 19990 nicht mehr erlebt. Allerdings wurde in den mir bekannten Bereichen eine regelmäßige Befahrung der Grenzabschnitte vorgenommen. Der Grund waren die Mauerspechte, die an allen Ecken und Enden an der Mauer rumhackten. Diese Kontrollen wurden insbesondere verstärkt, nachdem im Bereich Großzziethen an der Mauer spielende Kinder durch nachrutschende Mauersegmente getötet bzw. schwer verletzt wurden.
Ab 1. 7.90 wurden dann sämtliche Güst'en aufgelöst und wimre auch alle anderen Kontrollen eingestellt.
andy


Die Maßnahmen gegen die Mauerspechte auf den Kontrollfahrten damals, wie kann man die sich vorstellen?


Im November 1982 zu den Grenztruppen eingezogen und nach Formung zum Grenzsoldaten in Mönchhai ab April 1983 ein Jahr lang die Grenze im Bereich der Grenzkompanie Hanum in der Altmark mitbewacht.


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#7

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.03.2018 00:26
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Also genau so, wie es im Beitrag #2 von @Rothaut beschrieben wurde, habe ich es auch zeitlich für den Bereich von Treffurt bis IFTA in Erinnerung.

Die Streifengänge( eher Streifenfahrten) hatten den hauptsächlichen Zweck, ein Mindestmaß an Kontrolle und Überwachung an der Grenze zu gewährleisten.
Allerdings ging es jetzt nicht darum Leute aufzuhalten in den Westen zu wollen, sondern größere Diebstähle und Zerstörungen zu verhindern. Andererseits musste ja auch der noch im Dienst stehende AGT beschäftigt sein. Es sollte noch ein bischen "Sinn" im Dienst erhalten bleiben. Ging es doch auch darum, trotz dem ständig schwindenden Personal (Antrag auf sofortige Entlassung war möglich, auch für BS+BO) die Kasernen zuverlässig zu sichern, deren Munitionslager auch mit panzerbrechenden Granaten gut bestückt waren.

Im Zuge der ganz dezenten, aber permanent durchgezogenen Entmunitionierung beginnend mit schwerer Munition, über die Abtransporte der LMG und MPi, kamen irgendwann auch die Pistolen an die Reihe, bis die Waffenkammer leer war.

Personell zusammengeschrumpfte Rest-Kompanieen (aus der Region) kamen dann nacheinander nach Treffurt, zuerst IFTA, dann Großburschla und dann auch noch Schnelli. Mit diesen "Auffüllungen" war Treffurt dann noch eine gewisse Zeit in der Lage, die anderen Kompanieobjekte sporadisch per Kontrolle zu besuchen, oder in einigen Abschnitten mal Streife zu fahren- es wurde vonn Tag zu Tag weniger und war im Prinzip ein leises Sterben.

Parallel liefen die Bewerbungsvorgänge beim BGS, incl. Vorstellungsgesprächen und Formation der ersten EX-GT/BGS-Einheiten in Eisenach. Die vorerst angenommenen EX-AGT verließen natürlich auch die GK Treffurt für immer.
Nach dem 3.Oktober und dem Vollzug der staatlichen Deutschen Einheit, wurde ich dem Bundeaswehrkommando -OST- zugeteilt und zum Mauerabbau nach Berlin befohlen.
Dort war ich mit einer Truppe aus Thüringen, zu der auch unser verstorbener Dremi gehörte in der Kaserne in Rummelsburg untergebracht. Wir hatten den Befehl erhalten, bis zu Weihnachten 1990 den und zugewiesenen Grenzabschnitt im Bereich Teltow-Kanal vollständig von Grenzanlagen (ausschließlich Beton) zu beräumen. Dazu hatten wir etliche LKW (Ural, Tartra, Kraz, auch einen W-50, sowie ADK und einen AD-070 ).
Haben unsere Aufgabe auch geschafft. Die dabei angehäuften Überstunden und Resturlaub habe ich dann bis Ende Februar 1991 abgebaut.

Am 31.03.1992 habe ich wegen einem sehr guten zivilen Arbeitsangebot im Bundeswehrkommando -OST- in Erfurt gekündigt und am nächsten Tag mit dem Neustart begonnen. Das Alles hatte sich erst am 30.03. so konkret ergeben, es gab aber keinerlei Probleme mit der Kündigung- man war über jeden froh, den man los wurde.


NVA/BW: 04.06.1974 - 31.03.1992 ; bei GT: 1975 in Harbke, 3./I./.GR-25 ; bis 1990 GR-1, GK`n: 9.(Lauchröden),11.(Großensee),7.(IFTA),5.(Schnellmannshausen) und 4. (Treffurt), später wurde daraus die 3.GK
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#8

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.03.2018 01:36
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@berndk5

Vielen lieben Dank für deine Antwort! Interessant ... ihr wurdet also zum Abbau der Mauer abkommandiert. Wie lange dauerte die Demontage der Berliner Mauer insgesamt, also wann wurde das letzte Teil der Mauer demontiert? Ich habe Videoaufnahmen von S-Bahn-Führerstandsfahrten auf YouTube gesehen, die aus dem Jahr 1993 stammen, irgendwann im Sommer 1993. Dort sieht man noch den ein oder anderen Mauerabschnitt, der noch nicht beseitigt wurde.



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zuletzt bearbeitet 16.03.2018 01:36 | nach oben springen

#9

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.03.2018 13:52
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@Hanum83

Die Maßnahmen gegen die Mauerspechte auf den Kontrollfahrten damals, wie kann man die sich vorstellen?


Ob die Grenzer irgendwelche Aufträge zu irgendwelchen Maßnahmen hatten, entzieht sich meiner Kenntnis und es hätte wohl kaum jemand auf irgendwelche förmlichen Anweisungen gehört.
Da ich im Frühjahr 1990, bis auf einige wenige Ausnahmen keinerlei Sinn mehr in Zollkontrollen sah, musste ich mir meine Zeit ja anders vertreiben. Also lief ich durch den Abschnitt und sprach die Mauerspechte an. Ich erklärte ihnen den Aufbau der Mauer und die damit zusammenhänghenden Gefahren und die Reaktionen waren überwiegend positiv. Was anderes werden die Grenzer auch nicht gemacht haben - die hatten ja allerdings den Stoffhund dabei und ich kann mich an die eine oder andere mit Touris überfüllte Stoffhund-Rundfahrt erinnern...


andy


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zuletzt bearbeitet 16.03.2018 13:52 | nach oben springen

#10

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.03.2018 14:24
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zu #8 , Hallo @Eren2001 ,
ich habe es so genau und vollständig geschildert wie es mir in Erinnerung ist.

Genauso weiß ich noch wie Heute, dass man uns damals dahin gehend motiviert hatte, dass die Berliner Mauer jetzt ein Schandmal sei und unbedingt bis zum Weihnachtsfest verschwunden sein solle.

Deshalb wurden GT-Kräfte aus allen Teilen der damaligen DDR nach Berlin abkommandiert, um zeitgleich an vielen Einzelabschnitten dieses Werk zu vollbringen.

Für mich ist das nachvollziehbar, dass dabei vielleicht aus unterschiedlichen Gründen auch keine 100% geplant waren.

Waren größere "Großbaustellen" geplant ? Sollten ggf. noch nicht planbare "Museums-Teilstücke" original erhalten bleiben ? Gab es zum Beispiel mit eng verlaufenden Bahnstrecken Probleme ?
Die genauen Gründe wird sicherlich nur ein kleiner Personenkreis wissen- von Bedeutung ist es sicherlich für uns auch nicht.


NVA/BW: 04.06.1974 - 31.03.1992 ; bei GT: 1975 in Harbke, 3./I./.GR-25 ; bis 1990 GR-1, GK`n: 9.(Lauchröden),11.(Großensee),7.(IFTA),5.(Schnellmannshausen) und 4. (Treffurt), später wurde daraus die 3.GK
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#11

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.03.2018 16:27
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Gibts zu den getöteten Kindern aus #3 bissel Hintergrund oder vielleicht sogar eine Quelle? Zumindest der Lokalzeitung sollte doch ein solcher Vorfall einen Dreizeiler wert gewesen sein. Für mich war das letzte Opfer des eisernen Vorhangs bis jetzt K.W.Schulz, an der Mauer in Berlin wars Winfried F. Muß hier etwa jüngere Geschichte neu geschrieben werden?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#12

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.03.2018 17:23
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@94
Gibts zu den getöteten Kindern aus #3 bissel Hintergrund oder vielleicht sogar eine Quelle?

Ich habe dazu auch im Netz gesucht und nix gefunden.
Vielleicht hat ja jemand Zugang zum Archiv der Zeitung mit den großen Buchstaben. Da war das bestimmt ne große Story.


andy


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#13

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.03.2018 20:03
von krelle | 351 Beiträge | 7425 Punkte
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o.t., gelöscht


zuletzt bearbeitet 16.03.2018 22:20 | nach oben springen

#14

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.03.2018 12:30
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So wie im Beitrag #7 von @berndk5 beschrieben war es auch bei uns in Ifta.

Bis Weihnachten 1989 waren bei uns in der GK Ifta bereits fast 50 % ? der Grundwehrdienstleistenden und der UaZ (Uffze auf Zeit, so wie ich)
bereits zu Hause in der "Produktion" angekommen.

Die Diensthunde wie mein Rottweiler wurden noch Ende November 1989 abgeholt, die Hundelaufanlagen im gesamten Bereich des
Grenzabschnitts Ifta wurden ebenfalls bis Ende November 1989 abgebaut und die kaukasischen Schäferhunde ebenfalls abtransportiert
(war hauptsächlich auch meine Aufgabe zusammen mit der Kompanie in Schnellmannshausen unter Leitung vom StFä. Z......)
Die Hunde wurden angeblich zu den VP-Dienststellen in Eisenach, Mühlhausen, Bad Langensalza, Erfurt usw. usw. verbracht....

Wenn ich mich richtig erinnere sind wir ab 01.12.89 (oder war es der 01.01.1990 ?) nur noch mit Pisole, ohne Kaschi zum Grenzdienst raus in den Abschnitt. Unsere Aufgabe war wie von @berndk5 beschrieben, Diebstähle von Grenzsicherungsanlagen und "Souvenirklau" zu verhindern....
Außerdem sollten wir "allen Grenzgängern" mitteilen, dass sie doch bitte den gefahrloseren "Grenzübertritt" an den dafür zahlreich
neu geschaffenen "Grenzübergangsstellen" - bei uns Straße Netra-Rittmannshausen nutzen sollten um Verletzungsgefahren auszuschließen...

Es waren aber bei weitem nicht nur die "DDR-Bürger" die jetzt auch auf "Souvenir-Jagd" gingen....
Ich habe selbst beobachtet, wie eine Streife des BGS im Bereich der hessischen Ortschaft Archfeld (Nähe Willershausen)
mehrfach vergeblich versuchte, eine Gruppe ortsansässiger Bauern, mit schwerem Traktor und Seilen "bewaffnet" daran zu hindern,
die DDR-Grenzsäulen und die hessischen Grenzpfähle (was entschieden leichter war)
"zu klauen" , die Angelegenheit dauerte mit Katz-und-Maus-Spiel fast 4 Stunden...

Und als unsere Kollegen vom BGS dann entnervt gesehen haben, dass wir immer noch tatenlos
in unserem "UAZ-Jeep" die ganze "Angelegenheit" ohne Einzuschreiten in aller
Ruhe nur beobachtet haben, kamen sie dann zu uns und sagten in etwa so zu uns:
"ihr könntet ja auch mal was tun, war ja schließlich eure Grenze oder irre ich mich ??!!!"

Naja sie hatten natürlich Recht.... aber wir absolut keine Lust mehr...uns auch nur um irgendwas zu kümmern

war für mich und die damaligen DDR-Verhältnisse nur noch ein gut bezahlter "Ferienjob"

Ab März 1990 waren wir dann nur noch ein seehr überschaubares "Trüppchen", ich glaube so ca. 20 Mann inkl. BU und BO...

Es kam dann auch vor, dass ich mit UAZ oder Stoffhund auch mal allein in den Abschnitt gefahren bin...
man war wohl der Meinung ich hab nen Führerschein und MKF (Militärkraftfahrer) zu sein oder nicht war zu dieser Zeit
dann mangels Personal auch egal

Am 1.Mai 1990 ging es dann für mich nach Eisenach zum "Rasen mähen", Papier auflesen usw. usw.

Mir war es egal, ich hatte nur Abitur und bin am 1.September 1990 eh zum Studium, wo hätte ich als Produktionshelfer
mit annähernd gleichem Geld auch arbeiten sollen ......

was ich noch erwähnen wollte, wenn ich mich richtig erinnere waren ab 01.01.1990 nur noch zwei Postenpaare im Grenzabschnitt
der GK Ifta pro Schicht eingesetzt (vorher 4 bis 5 Postenpaare + A-Gruppe + GAK im Hinterland)
und ab März/April 1990 ? nur noch ein Postenpaar, und auch nur sporadisch ohne feste Zeiten und manchmal eben auch allein...
und nachts glaub ich gar kein Posten mehr....



berndk5, IM Kressin und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.03.2018 12:41 | nach oben springen

#15

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.03.2018 14:12
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Ich lese solche Berichte immer interessiert, wie sinnlos sich doch etwas von heute auf morgen darstellen kann, ich habe ja nur bescheidene eineinhalb Jahre in dieses Spiel investieren müssen, auch schade, aber viele haben sehr viel mehr ihrer Lebenszeit geopfert für etwas was sich am Ende im Grunde genommen als der gegenständliche Nonsens herausgestellt hat.


Im November 1982 zu den Grenztruppen eingezogen und nach Formung zum Grenzsoldaten in Mönchhai ab April 1983 ein Jahr lang die Grenze im Bereich der Grenzkompanie Hanum in der Altmark mitbewacht.


Kontrollstreife, hslauch, IM Kressin, berndk5 und matzelmonier79-2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.03.2018 14:15 | nach oben springen

#16

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.03.2018 14:29
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Manche Dinge klären sich im Laufe der Zeit auch ohne unser zutun.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie wir in 15 oder 20 Jahren auf unsere Jetztzeit zurückblicken werden.

Vielleicht werden wir unsere Kurzsichtigkeit verfluchen.

KS


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#17

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.03.2018 14:32
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zu Deiner #6 , @Hanum83 , hat Dir wimre noch niemand geantwortet.

Deshalb versuche ich das, obwohl ich außer beim Mauerabbau nicht in Berlin gedienst habe. Es sollte mMn. auch kein großer Unterschied im Sachverhalt bestehen, ob es Mauerspechte in Berlin waren oder "Grenzabbauer" (zum Eigenbedarf) in Thüringen.

Man muss dabei seitens der GT-Angehörigen berücksichtigen, dass es nahezu eine "gesetzlose Zeit" war, man konmnte ja problemlos ganze Stasizentralen stürmen und verwüsten, ohne dass jemand eingeschritten ist, oder andererseits jemand belangt wurde. Was wollte man denn in dieser Situation von den AGT verlangen ?

Es wird unter diesen Aspekten deshalb in Berlin ähnlich wie in Thüringen gewesen sein. Angetroffene, aktiv beschäftigte Personen wurden höflich angesprochen und mit dem Hinweis auf die (Unfall-) Gefahren für ihr Leib und Leben aufmerksam gemacht und aufgefordert ihre Tätigkeit einzustellen.
Eine Eskalation bzw. ernsthafte Auseinandersetzung mit solchen Personen wollte man tunlichst vermeiden.
Niemand wusste, was der nächste Tag bringt- wer wollte denn da noch übereifrig sein? -und für Wen ?
Also mehr wie eine höfliche Belehrung wird von DDR-Seite nicht passiert sein (einschließlich VP), weil auch bei VP "Zukunftsangst" eine völlig neue Realität war.

Ein mir unterstellter Offizier in Treffurt erzählte mir nach Rückkehr von so einer Streife, dass er nach leichtem Anpöbeln von Personen, die er angesprochen hatte den Zaunklau zu beenden, diesen dann sinngemäß folgendes sagte, was erfolgreich wirkte: "

...Ihr hört jetzt sofort auf damit, wenn ich das dulden würde, mache ich mich strafbar, das könnt selbst ihr nicht von mir verlangen. Was ihr in einer halben Stunde macht, wenn ich weit genug weg bin, ist mir egal- das habe ich dann nicht gesehen. Falls ihr Ärger wollt, braucht ihr es nur zu sagen. Wir arbeiten jetzt nämlich mit dem BGS zusammen, und die sind in 10 min hier. Haben ja im Moment auch nicht so viel zu tun, die haben dann Zeit für Euch...."

Dieser Vorfall war im Bereich Strasse Treffurt-Bahndamm Treffurt, ostwärts der Ortschaft HELDRA (Klau GZ-I) , am nächste Tag fehlten ca. 80 m der oberen und mittleren Streckmetall-Reihe. Die Mühe, die untere Reihe auszugraben hatte man sich nicht gemacht. Es wurde in der Tagesmeldung erfasst, mehr hat niemanden interessiert, es gab auch keinerlei Rückfragen .

Deiner #15 @Hanum83 kann ich nur aus ganzem Herzen zustimmen. Es waren die meisten BS ehrliche Leute, die ihre Lebenskraft und Energie eingesetzt hatten und nun vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen Ziele standen. Welche Perspektiven die stündlich immer mehr zusammenbrechende DDR-Wirtschaft bot braucht nicht extra gesagt zu werden.

Es war auch gar nicht so klar, ob sich vielleicht doch noch irgendwann in den nächsten Tagen "Volkszorn" gegen die "Volks-Bewacher" entfesseln würde.


NVA/BW: 04.06.1974 - 31.03.1992 ; bei GT: 1975 in Harbke, 3./I./.GR-25 ; bis 1990 GR-1, GK`n: 9.(Lauchröden),11.(Großensee),7.(IFTA),5.(Schnellmannshausen) und 4. (Treffurt), später wurde daraus die 3.GK
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#18

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.03.2018 21:01
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Zitat von berndk5 im Beitrag #17

Es war auch gar nicht so klar, ob sich vielleicht doch noch irgendwann in den nächsten Tagen "Volkszorn" gegen die "Volks-Bewacher" entfesseln würde.
Ich habe es an anderer Stelle schon mal geschrieben.

Mich erstaunt es immer wieder, dass die Bevölkerung der Grenzorte so sachlich über die damalige Zeit berichtet.

Bei meinen Wanderungen am grünen Band treffe ich ja nicht nur Besucher sondern auch Einheimische. Wenn man da so ins Gespräch kommt dann halte ich auch nicht hinter dem Berg, dass ich hier meinen GWD verbracht habe.

Da ist mir noch nicht einmal eine Feindseligkeit entgegnet worden. Im Gegenteil man kann sich meist sehr sachlich unterhalten.

KS


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#19

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.03.2018 21:36
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zu #18, Hallo @Kontrollstreife , das ist es ja ! das ist genau das, was ich vom ersten Tag meiner Zugehörigkeit im Forum , aber auch schon anderswo immer gesagt habe.

Grenzer waren eigentlich auch nur ganz normale Leute- eben Volksarmee.
Nicht nur dem Namen nach, sondern der Herkunft- und da gingen sie nach dem GWD auch wieder hin. Die damaligen politischen Verhältnisse hatte keiner von den AGT gemacht, die waren schon im Laufe der Entwicklung nach dem letzten Krieg so gewachsen.
Na klar, unbestritten gab es negative Ausnahmen. Einzelne Grenzaufklärer(und andere), die glaubten, die Uniform gäbe ihnen das Recht, sich über andere Menschen zu erheben und diese drangsalieren zu können. Wir hatten auch mal einen GAK, der mal einen Schäfer samt Herde festgenommen und zur GK TREFFURT "zugeführt" hat, weil er den Schäfer zwar kannte, aber der Schäfer keinen Ausweis dabei hatte.
Solche Helden waren aber eher die Ausnahme. Im normalen Tagesgeschehen wußte die Bevölkerung wie der Hase lief und hielt sich an die Regeln- mit den AGT war das genauso. Andererseits hatte jede Seite menschliche Fehler und Schwächen. Mal war der Ausweis vergessen, mal hat ein betrunkener Ausgänger den Vorgarten eines Bürgers ramponiert. In 99% aller Fälle hat man sich gegenseitig arrangiert. Wimre kann ich ohne jede Übertreibung sagen, dass unsere Grenzer in den Ortschaften angesehen waren. Klar gab es auch in der Bevölkerung Ausnahmen, den einen oder anderen Hasser. Aber halt Ausnahmen.
Auch ich selber war völlig überrascht, dass ich in den Wirren der Wende bei der ersten öffentlichen Bürgerversammlung in das Bürgerkommitee der Stadt Treffurt gewählt wurde. Jeder wusste, dass ich dunkelrot,war, auch nach der Wende- es hat einfach nichts geholfen.
Bei den ersten freien Wahlen wurde ich sogar als PdS-Abgeordneter in das neue Stadtparlament gewählt ! Bei der Wahl des Magistrats der Stadt Treffurt erhielt ich sogar noch (als PdS-Abgeordneter) 13 Stimmen der CDU-Fraktion und wurde damit in den Magistrat gewählt. Das sagt sicherlich genug. Man war halt bekannt wie ein bunter Hund.
Ich wollte dieses Vertrauen nicht enttäuschen, weshalb ich längere Zeit später, aber vor Ablauf der Wahlperiode ausgeschieden bin. Bin nahezu zeitgleich auch aus der PdS ausgetreten und seither parteilos.

Wollte das nur noch mal einwerfen, damit ich politisch jetzt nach meinen letzten Beiträgen(insbesondere zu AfD und Flüchtlingen) nicht zu weit rechts eingeordnet werde.....


NVA/BW: 04.06.1974 - 31.03.1992 ; bei GT: 1975 in Harbke, 3./I./.GR-25 ; bis 1990 GR-1, GK`n: 9.(Lauchröden),11.(Großensee),7.(IFTA),5.(Schnellmannshausen) und 4. (Treffurt), später wurde daraus die 3.GK
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#20

RE: Gab es zwischen 09.11.1989 und 03.10.1990 noch Patrouillengänge an der Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.03.2018 22:26
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Bis Ende Juni 1990 wurde noch Grenzstreifendienst verrichtet. Auch ich war noch bis zum "letzten Augenblick" im Einsatz und habe vielfältige Erinnerungen an den Dienst zwischen der "Grenzöffnung" und dem Tag des "Abschied-nehmens" vom Grenzaufsichtsdienst. Monate/Wochen/Tage, die (nach persönlichem Empfinden) geprägt waren von Hoffnungen und Ängsten. Hoffnungen, dass sich DDR und BRD in aller "Ruhe" zu "einem" Deutschland entwickeln würden und sich die "Vorteile" von "hüben und drüben" vereinen ließen, um ein Maximum an neuer "Identität" zu erzielen. Dass wir die Möglichkeiten letztlich nicht wirklich nutzten, steht auf diversen anderen Blättern und sollen meinerseits nicht näher "definiert" werden.
Und ja, gewisse "Ängste" plagten mich seit Kenntnisnahme von der "Grenzöffnung" und einige - nicht alle - sollten sich leider bewahrheiten.


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zuletzt bearbeitet 17.03.2018 22:34 | nach oben springen



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