Waren die Transitautobahnen zugänglich?

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14.03.2018 21:31von ( gelöscht )
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Waren die Transitautobahnen zugänglich?

Ich finde auf die Schnelle nichts dazu, aber wie wurden eigentlich die Autobahnen von der BRD in Richtung West-Berlin und umgekehrt bewacht? Wie wurden DDR-Bürger davon abgehalten, sich an den Straßenrand zu stellen, um evtl. mitgenommen zu werden (unabhängig davon, dass das an der Grenze ohnehin aufgefallen wäre)? Die Autobahnen waren ja sicherlich nicht extra umzäunt bzw. eingemauert? Als Flüchtender hätte man sich bestimmt nicht so ohne weiteres einer Autobahn nähern dürfen. Ich weiß halt, dass Transitreisende nicht von der Autobahn abfahren und auch keine längeren Halte auf Parkplätzen/Raststätten machen durften. Was geschah, wenn man als Westdeutscher doch mal vom Weg abkam? Viel das schnell auf? Was geschah, wenn man erwischt wurde, unabhängig ob absichtlich oder nicht?

21.03.2018 17:07von ( gelöscht )
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Nur was haben die techn. V 8 usw mit der Transitautobahn zu tun ???

Fello

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21.03.2018 18:00von Merkur
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Ich will mal meine Sicht auf die Dinge kurz skizzieren. Die Linie VIII des MfS und die Verkehrsgruppen Transit der DVP hatten die staatliche Sicherheit bzw. die allg. Ordnung und Sicherheit auf/an den Transitstrecken zu gewährleisten. Die Abwehrarbeit auf den Transitstrecken (Straße) wurde durch das MfS im Jahr 1962 begonnen. Mit dem Befehl 28/67 des Ministers für Staatssicherheit wurde die Abwehrarbeit auf den Transitwegen Straße der HA VIII übertragen. Mit der Lösung dieser Aufgabe waren zunächst 6 Mitarbeiter beauftragt. Etwa zur gleichen Zeit bildeten sich entsprechende Strukturen in den Abteilungen VIII der BV in den Bezirken mit Transitstrecke. Schwerpunkte dabei waren beispielsweise die BV Potsdam und Magdeburg. Die HA VIII gewährleistete dabei Anleitung und Unterstützung für die entsprechenden BV.
Die Aufgabe bestand schwerpunktmäßig darin, Schleusungen von DDR-Bürgern zu verhindern, operativ relevante Kontakte von DDR-Bürgern zu Bundesbürgern/Westberlinern festzustellen, Materialübergaben aller Art zu erkennen sowie sonstige relevante Vorkommnisse aufzudecken bzw. zu verhindern.
Im Fokus standen dabei natürlich die Raststätten auf der Transitstrecke. Es war dem MfS insgesamt nicht möglich, die Transitstrecke flächendeckend außerhalb der Raststätten zu überwachen. So gab es mehrfach operativ relevante Vorkommnisse dahingehend, dass NSW-Personen Leichen an der Transitstrecke entsorgten, es gab Raub- und Sexualdelikte an Bundesbürgern, ohne dass diese von den eingesetzten Kräften auf frischer Tat erkannt oder verhindert werden konnten.
Bei der Übergabe von Materialien ging es darum, Dinge festzustellen, die in der DDR nicht erwünscht waren oder gegen die Gesetzte verstießen. Nicht immer übergaben nette Verwandte nur Jacobs-Kaffee oder Zewa-Softies. Das Spektrum reichte von der Bild-Zeitung über Drogen bis zu nachrichtendienstlichen Hilfsmitteln und Waffen. So sind bei einer Maßnahme des MfS an der Transitstrecke (Km 193,3) im Bezirk Gera Schuhe sichergestellt worden, deren Hacken zum Cotainer umfunktioniert worden waren und geheimdienstliche Hilfsmittel beinhalteten.
Die Kfz-Sicherstellung gestaltete sich anfangs schwierig. So standen der HA VIII für die Transitstrecken 1967 zunächst nur 5 Pkw zur Verfügung. 1975 waren es dann schon 25 Pkw, davon aber nur 4 mit Funk, einer davon war als Leitfahrzeug ausgerüstet. Später gestaltete sich die Situation besser und es standen auch NSW-Pkw zur Verfügung. Es gab aber auch eigene interessante Entwicklungen, so u.a. einen Wolga M 21 mit Tschaika-Motor.

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21.03.2018 18:51von ( gelöscht )
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Einen M21 !!!
muss ja lebensgefährlich gewesen sein den zu fahren.
Gunter dessen 2. Auto ( 1984) ein M21 war.

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21.03.2018 19:12von der alte Grenzgänger
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Zitat von Blitz_Blank_Kalle im Beitrag #72
....
Glaube auch nicht, dass das MfS Hemmungen hatte, mit nem nachgebauten Westnummernschild durch die DDR zu fahren. Wer wollte ihnen was?
..

Ich glaube, dass da die West- Krähe der Ost- Krähe kein Auge ausgehackt hätte.. es ging doch alles seinen Gang und blieb alles friedlich..
Geheimdienste zeichnen sich nunmal dadurch aus, dass nicht alles zwingend nach Recht und Gesetz (welches eigentlich ?) abläuft- damals wie davor oder heute..
Wenn "dem Westen" tatsächlich an Recht und Gesetz, Demokratie und Freiheit und Menschenrechten überall und immer gelegen hätte, hätte "er" ja nie den Bau der Mauer zulassen dürfen ..
Wurde aber- um des lieben Friedens Willen- hingenommen ..
Da sind doch so`n paar "gefakte" (neudeutsch !) Kennzeichen Pillepalle (auch neudeutsch !) .. gab bestimmt auch westliche Institutionen, welche Listen dieser Kennzeichen hatten ..
Alles irgendwie "Räuber und Gendarm " gewesen- und wir waren dabei, zumindest als Figuren im Spiel (na gut- sehr winzige, kaum zu sehen..)..
... und unterhalten uns jetzt hier ganz nett darüber ..

Siggi

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21.03.2018 19:35von passport
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@bürger der ddr ,

"Spass muss aber trotzdem sein" oder wie der Thread heisst

21.03.2018 19:44von passport
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Hallo @Pitti53 ,

im Objekt Marienborn/A. soll ein Stützpunkt der Abt. VIII gewesen sein ? Ist mir nicht bekannt. Kann ich mir auch nicht vorstellen. Die Fahrzeuge müssten ja dann von euren Kontrollposten an der Strassenzufahrt zur Güst / Harbke kontrolliert worden sein. Kenne nur das Objekt am Barleber See II. Die Fahrzeuge der Abt. VIII / 4 fuhren bei einer Beobachtung / Verfolgung nur bis zum KP 38. Dort verliessen sie die Autobahn an der ehemaligen Abfahrt Morsleben. Selbst bei Kennwort "Lenker absolut" fuhren die Beobachtungskräfte nie weiter als bis zum KP 38.



passport

21.03.2018 19:48von Pitti53
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Unser KP war NICHT immer besetzt! Ich versuche meine Quelle mal zu befragen. Kann ein paar Tage dauern

21.03.2018 19:53von der alte Grenzgänger
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Zitat von passport im Beitrag #81
... Selbst bei Kennwort "Lenker absolut" ..

passport


.. das klingt geheimnisvoll .. was heißt das im Klartext ?..

Siggi

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21.03.2018 19:59von passport
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Hallo @Pitti53 ,

Der KP-GT am Güsteinlass bzw. Richtung Harbke - Marienborn war nicht ständig besetzt ? Sorry, das habe ich aber anders in Erinnerung.



passport

22.03.2018 06:00von berlin3321
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Ok, los geht´s. Möglicherweise habe ich das schon mal irgendwo geschrieben und man findet es in den Tiefen des Forums, weiß ich nicht genau.

Wir waren mit dem Womo (VW LT Kastenwagen Bj 1981) im Transit von Berlin Richtung Hamburg unterwegs. Auf der ersten Raststätte der A 24 raus, Kind wollte, musste spielen. Sie war damals so 3, 4 Jahre alt. Müsste Stolpe gewesen sein?

So nach 15, 20 min ging es dann zu dritt in den Intershop. Der war wimre direkt oder fast unmittelbar am "Anfang" der Rastanlage in einem separatem Gebäude untergebracht.

Auf dem Rückweg zum Parklplatz fiel mir dann ein Geländewagen auf, wohl ein Gaz 69, allem Anschein nach zivil zugelassen weil weder ein NVA oder VP Kennzeichen dran war. Haube auf, es wurde gebastelt. War ja nicht ungewöhnlich, es bastelten ja einige auf Rastplätzen an Ihren Trabbi´s oder Wartburgs. Eine Leute standen drum rum, schon die typischen Gaffer?

Nun ja, dass musste ich sehen. Kamen mir diese Auto´s doch immer wie Oldtimer vor. Also dazu gestellt und geschaut, zugehört.

Es war wohl die Kopfdichtung durch. Nichts geht mehr. Es waren da 2 Leute am Auto, am basteln, ob beide Insassen des PKW waren, weiß ich nicht mehr. Den einen sehe ich noch förmlich vor mir, wie er mich bettelnd (?) ansieht, Schraubendreher und Putzlappen in der Hand.

Es entwickelt sich ein Gespräch zwischen diesen 2 Personen, den genauen Worlaut weiß ich nicht mehr, aber so in diese Richtung: Ich muss nach Hamburg, das Flugzeug erreichen. Wie soll ich das jetzt schaffen (der mit dem Kfz- Schaden). Der andere dann, frag ihn doch ob er Dich abschleppt (Blick zu mir). Oder ob er Dich mit nimmt und Dich in Hamburg absetzen kann.

Es ist mir nicht mehr erinnerlich ob ich etwas zum Kfz- Schaden gesagt habe, ich meine nein. In jedem Fall bekam ich mächtig Dampf von meiner damaligen Partnerin. Flüsternd wurde mir mitgeteilt, dass wir den weder abschleppen noch mitnehmen, ob ich verrückt geworden wäre, daran auch nur entfernt zu denken, mit Kind, undundund...

Wir sind dann weiter geschlendert, nochmal zum Spielplatz. Entspannt in der Sonne gesessen und den Kindern zugesehen. Die hatten keine Probleme mit feindlichem Verbindungsaufbau. Da waren die DDR Bürger doch deutlich vorsichtiger. Mehr als ein Blick, ein lächeln war da meist nicht.

Erinnern kann ich mich auch an div. andere Transitfahrten von und nach Berlin über die B5, F5, über die Güsten Staaken und Horst/ Boizenburg. Mit und ohne Vorkommnisse. Aber insgesamt war das der damaligen Zeit geschuldet und ok.

Genervt hat immer diese Überkorrektheit der Güst Leute, obb nun PKE oder Zoll. Es gab eine Ausnahme, von der ich hier schon mal geschrieben hatte.

Bei Fragen gern mehr (bei Berndk5 geliehen). Gilt auch für die Geschichte zum positiven Erlebnis).

MfG Berlin

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24.03.2018 15:44von sentry
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Zitat von passport im Beitrag #84

Der KP-GT am Güsteinlass bzw. Richtung Harbke - Marienborn war nicht ständig besetzt ? Sorry, das habe ich aber anders in Erinnerung

Wenn hier mit "KP" der Postenpunkt A5 gemeint ist, der den Eingang in die GÜSt Autobahn sicherte, so war dieser zumindest zu meiner Zeit (87/88) rund um die Uhr besetzt.
Lediglich sein Gegenstück auf der Eisenbahn (PP B5) war nachts unbesetzt. Dann waren aber auch die Tore verschlossen und gesichert, so dass die GÜSt Eisenbahn nachts auf diesem Weg nicht zugänglich war.

24.03.2018 19:06von KARNAK
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Die Geschichte, dass sich auf der Güst Marienborn ein Stützpunkt der VIII befand ist sicher entstanden weil bei den Führungen heute von der Garage in der sich die Westautos zum Zwecke der Abwehr eventueller Terrorangriffe befanden berichtet wird, dort waren PKW westlicher Produktion untergebracht um im Fall der Fälle die Verfolgung von Bundesbürgern aufzunehmen. Wie man zu dieser Erklärung kommt, keine Ahnung, wahrscheinlich hat man es sich einfach zusammengereimt wie so manches andere auch.

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25.03.2018 20:11von ( gelöscht )
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@Eren2001

Aus meinen Transiterfahrungen kann ich berichten, daß z.B. Feld und Waldarbeiten bis direkt an die Transitstrecke durchgeführt wurden. Auch die Autobahnmeistereien waren auf der Transitstrecke im Einsatz. Es gab also sehr oft die Situation, daß sich Zivilisten unmittelbar an der Autobahn aufhilten.

Es gab auch eine Transitverbindung über eine Landstrasse von Lauenburg nach Staaken, die F5 .
Da bist du durch Städte und Dörfer gefahren, zusammen mit DDR Bürgern im Stau gestanden.
Im Bereich Ludwigslust kam es oft dazu, wenn Posten der Roten Armee die Strasse zum Zwecke von Truppenbewegungen sperrten.
Oder an einem Bahnübergang auf halber Strecke, da stand man sehr sehr lange.

Im Bereich vor Berlin, bei Döberitz lag eine große sowjetische Garnison, da bist du direkt durch den Kasernenbereich gefahren, links und rechts die Kasernenmauer, hunderte von sowj. Soldaten waren dort aktiv, auch auf der Strasse.

Von der Transitstrecke Berlin - Helmstedt ist mir ein Fall persönlich bekannt, eine Frau ist auf der Autobahn von einem fahrenden Wagen in den anderen umgestiegen und in den Westen geflüchtet. Ist heute die Nachbarin meiner Schwester.

Grüße Hubsi

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25.03.2018 20:26von DoreHolm
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[blau]RE: Waren die Transitautobahnen zugänglich? • Absender: Hubsi, vor 11 Minuten [/blau]

Zitat hubsi: ....Aus meinen Transiterfahrungen kann ich berichten, daß z.B. Feld und Waldarbeiten bis direkt an die Transitstrecke durchgeführt wurden. Auch die Autobahnmeistereien waren auf der Transitstrecke im Einsatz. Es gab also sehr oft die Situation, daß sich Zivilisten unmittelbar an der Autobahn aufhilten.

Warum auch nicht ? Es war für DDR-Bürger, zumindest sehe ich das so, eine DDR-Autobahn wie jede andere. Wanderer, Radfahrer, Pilzsammler, alle solche kamen in Waldstücken oder auf Wegen direkt bis zur AB. Das war nicht verboten, warum auch ? Nur weil da auch Westautos langfuhren `?
Wenn wir die A ohne Einschränkung benutzen konnten, bis eben zum Grenzgebiet, konnten wir uns auch ihr von außen nähern.

25.03.2018 20:55von berlin3321
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Ich bin ja auch einige Male von Lauenburg/ Horst nach Berlin und zurück gefahren.

In LULU gab´s jede Menge GSSD Begegnungen. Z. T. nachts LKW mit Anhänger ohne Licht, ohne Posten auf der Str. Alles erlebt.

Auch in Staaken fuhren die quer über die F5/ B5. Direkt gegenüber gab es ein Übungsgelände. Panzer ohne Licht war da fast normal.

Stau, hmm, kann ich micht nicht dran einnern, wobei es den Bahnübergang in Boizenburg Bahnhof gab und einen zwischen Goldenitz und Lübtheen.

Halten durfte man ja auch nicht überall, so z.B. an der Tankstelle Boizenburg- Bahnhof, an der Tankstelle LULU. Die Raststätte mit Gasthaus, hmm, könnte hinter Kyritz gewesen sein, bei Heinrichsfelde?

Kontakte gab´s da eigentlich nie. Wenn, dann mit der VP. Weil man 81 gefahren war statt 80, So habe ich noch un Erinnerung.

MfG Berlin

Edit: Geschwindigkeit in 80 berichtigt.

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