Das plattmachen der Dörfer und Gebäude a.d. Ehem. Grenze

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29.12.2017 16:51
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#1
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Ich habe oft darüber nach gedacht, ganze Dörfer und andere Gebäude im ehemaligen Grenzgebiet zu zerstören, dem Erdboden gleich zu machen und die Einwohner in das innere des Landes um zu siedeln, hatte zwar den Sinn, dort Platz zu machen für die dann errichteten Sperranlagen und um freies Schußfeld zu schaffen. Hier frage ich mich aber immer wieder, wer war der Auftraggeber ? wer von der Obrigkeit hatte diesen wahnsinnigen Gedanken für diese Maßnahme und wer von den Verantwortlichen hat die Anweisungen zur durchführung solcher Maßnahmen überhaupt gegeben ?
Wer hat eigendlich diese " Abrißarbeiten " gemacht ? War es eine VEB-Firma ? oder haben es die Grenztruppen selbst gemacht ?
Ich hoffe, es sind hier im Forum einige der Ehemaligen, die darüber der Öffentlichkeit etwas sagen können.

Cambrino


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29.12.2017 17:47
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#2
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Das Wohnhaus vom Keudelgut hat eine örtliche Baufirma abgerissen. Dafür gab es sogar einen Kostenvoranschlag. Das war aber schon in den 50 iger oder Anfang der 60 iger Jahre.
Wimre wurde das gut Kleintöpfer wurde im Winter 76/77 nach der FF durch GT Pioniere abgerissen.

KS


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29.12.2017 18:00
avatar  mibau83
#3
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ich hatte in der lehre einen arbeitskollegen, der 1975 als beschäftigter des veb landbaukombinat suhl/sitz sonneberg am abriss des dorfes liebau beteiligt war.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfstelle_Liebau

die anordnungen für solche maßnahmen kamen damals wohl, offiziell, vom rat des bezirkes bzw. rat des kreises.


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29.12.2017 20:16
avatar  der 39.
#4
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Ich habe diese Phase an der Grenze ja selbst miterlebt, aber das Abreissen war wohl nicht das Vorrangige. Es wurde ja ganz offiziell erklärt, dass es für die Grenzsicherheit erforderlich sei, dass unzuverlässige Personen und/oder Familien aus dem Grenzgebiet umgesiedelt werden müssen. Intern sprach man von "Ungeziefer" Die Grenzdienststelle, ich war zu der Zeit Polit im Grenzkommando Beendorf, war nicht einbezogen. Die von Nachtstreife kommenden Posten meldeten nur, dass im Ort was los sei.
Natürlich wurden danach auch solche Objekte abgerissen, die die unmittelbare Grenzsicherung "störten", aber die meisten Objekte der "Ausgesiedelten" wurden weiter genutzt oder standen leer. Ich bekam zB. das letzte Haus vor der Grenze auf der Helmstedter Str. als Wohnung zugewiesen und habe dort einige Jahre mit Familie gewohnt, bis ich eine Wohnung in Oschersleben bekam.
In Hötensleben konnte ich einige Jahre später feststellen, dass dort wesentlich mehr Häuser leer standen in unmittelbarer Grenznähe, sie wurden zum Teil auch abgerissen, als dort eine Hundelaufanlage gebaut wurde.
In Harbke war sogar der Kommandostab in so einem Haus untergebracht.


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29.12.2017 20:28 (zuletzt bearbeitet: 29.12.2017 20:34)
avatar  Ehli
#5
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Ich kann nur über Berlin-Mitte sprechen und das von alten Grenzern erzählt wurde..
Es wurden etliche Gräber auf Friedhöfen beseitigt.Die Gräber wurden geöffnet und die Toten wurden dann an andere Stelle beigesetzt.
Durch geführt von den Pionieren der Grenzeinheit.
Wer die Häuser an der Grenze beseitigt hat,null Ahnung.
Am Nordbahnhof/Gartenstr. befand sich der "Postenturm" in so einer Ruine.
1968 gab es noch einige Häuser in der Nähe der Mauer,diese konnten nur mit einen Sonderausweis betreten werden,auch gab es Firmen,welche im Grenzgebiet lagen.
Damals.

Ehli
Ich habe es mir nicht ausgesucht, ein Ossi zu sein....
Ich hatte einfach Glück!

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29.12.2017 21:19
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#6
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https://de.wikipedia.org/wiki/Bardowiek

Das letzte Gebäude wurde noch 1989 abgerissen.
Ich war dabei....wir mussten damals nach dem Schulunterricht ( ich glaube ein bis zwei Tage die Woche ) ein halbes Schuljahr in einer LPG arbeiten und das andere halbe Jahr in einer "Baubrigade".
Ich war gerade in dieser "Baubrigade" als dieses Bauernhaus abgerissen wurde. Kann mich noch erinnern..das wir beim Abriss eine Pistole 08 gefunden hatten. Diese war in einem Dachbalken versteckt.

Gruß Rothaut


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29.12.2017 21:36
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#7
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Und ich schreibe mal hier etwas Generelles, es gab damals in Ost und West Deutsche, die in vorauseilendem Gehorsam die Teilung Deutschlands vorangetrieben und über 40 Jahre "gepflegt" haben.

VG Huf3


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29.12.2017 22:26 (zuletzt bearbeitet: 29.12.2017 23:16)
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#8
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In Hötensleben 1960/61 auf der Nordseite von dem alten Bahndam, worauf auch der Holz-BT stand, wurde damals wohl eine der ersten Hundelaufanlagen dort angelegt. Dort waren doch die Gebäude von der LPG oder Bauernhof sehr nahe am K 10. In diesem Bereich hatte die Gr. Komp. Hötensleben in den Jahren zuvor häufiger mit unerlaubten Grenzübertritten zu tun, besonders bevor das Minenfeld dort angelegt wurde. Frage hierzu, wurden diese Gebäude dort auch abgerissen ?

Cambrino


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29.12.2017 22:53 (zuletzt bearbeitet: 29.12.2017 22:57)
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#9
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Ja Camino die ehemaligen LPG Gebäude die unmittelbar am Kanten standen wurden abgerissen. Die Einfamilienhäuser die im Süden von Hötensleben am Bahndamm standen wurden verschont sie stehen heute noch. Es wurden ca. Mitte der 70er die beiden Gutshäuser samt Höfe platt gemacht.
In diesem Jahr wurde die Gaststätte westwärts in Richtung Schöningen abgerissen und damit auch ein Teil der Grenzgeschichte von Hötensleben.

Ach so, den Holzbeturm welcher auf dem Bahndamm bei den Einfamilienhäuer stand kenne ich noch persönlich.

Gruß oelprinz50


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30.12.2017 00:09
avatar  vs1400
#10
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Zitat von Cambrino im Beitrag #1
Ich habe oft darüber nach gedacht, ganze Dörfer und andere Gebäude im ehemaligen Grenzgebiet zu zerstören, dem Erdboden gleich zu machen und die Einwohner in das innere des Landes um zu siedeln, hatte zwar den Sinn, dort Platz zu machen für die dann errichteten Sperranlagen und um freies Schußfeld zu schaffen. Hier frage ich mich aber immer wieder, wer war der Auftraggeber ? wer von der Obrigkeit hatte diesen wahnsinnigen Gedanken für diese Maßnahme und wer von den Verantwortlichen hat die Anweisungen zur durchführung solcher Maßnahmen überhaupt gegeben ?
Wer hat eigendlich diese " Abrißarbeiten " gemacht ? War es eine VEB-Firma ? oder haben es die Grenztruppen selbst gemacht ?
Ich hoffe, es sind hier im Forum einige der Ehemaligen, die darüber der Öffentlichkeit etwas sagen können.

Cambrino


ab wann, @Cambrino ,
dass würde mich schon interessieren.

gruß vs

04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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30.12.2017 00:48
avatar  andyman
#11
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Zitat von Ehli im Beitrag #5
Ich kann nur über Berlin-Mitte sprechen und das von alten Grenzern erzählt wurde..
Es wurden etliche Gräber auf Friedhöfen beseitigt.Die Gräber wurden geöffnet und die Toten wurden dann an andere Stelle beigesetzt.
Durch geführt von den Pionieren der Grenzeinheit.
Wer die Häuser an der Grenze beseitigt hat,null Ahnung.


Es wurden ganze Häuserzeilen in der Bernauer Straße in Berlin abgerissen,stehengelassen wurde nur ein Teil der Vorderfront als Grenzmauer I,sogar die Versöhnungskirche wurde 1985 noch gesprengt weil es zu viele Zwischenfälle in ihrem Zusammenhang gegeben hat Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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30.12.2017 01:10 (zuletzt bearbeitet: 30.12.2017 01:15)
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#12
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Zu #10 Hallo vs1400, danke deiner Nachfrage. Wie du ja bestimmt schon hier gelesen hast, endete mein Dienst damals 11/62. Bis zu diesem Zeitpunkt waren mir solche Aktionen nicht bekannt geworden, also konnte ich damals noch nicht darüber nach gedacht haben. Man hat ja in der DDR damals keine Reklame zu diesen Aktionen gemacht. In der Zeit danach in all den Jahren hatte ich an diesem Thema überhaupt kein Interesse mehr. Als ich aber vor einigen Jahren rein zufällig dieses Forum hier fand, mich angemeldet habe und erst längere Zeit hier mit gelesen habe, habe ich mich ja auch erst später vorgestellt. Mein Interesse war, was ist nach meiner Zeit aus dem NVA Kommando Grenze geworden ? Man hörte zwar immer wieder mal was von " Grenztruppen der DDR ", aber was war dieses für eine Truppe geworden ?
Ja und durch das viele lesen hier im Forum habe ich von diesen Aktionen erfahren, habe mir darüber Gedanken gemacht, darüber nach gedacht und habe mich gefragt, mußte das denn wirklich sein ? Nein es mußte nicht sein wenn die Oberen eine andere Politik ( einschließlich der Wirtschaft )zum Wohle der Bevölkerung gemacht hätten. So vs 1400, ich glaube diese Antwort genügt dir. Oder etwa nicht ?

Cambrino


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30.12.2017 16:14 (zuletzt bearbeitet: 30.12.2017 16:15)
avatar  Lutze
#13
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In Mödlareuth gelang 1973 eine Flucht,
mehr dazu www.littleberlin/?PID=static,NureinmaldelangdieFlucht_de
das Gebäude dicht an der Grenzmauer wurde nach dieser Flucht abgerissen,
die Fundamente sind heute noch zu sehen
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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30.12.2017 18:04
avatar  der 39.
#14
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Diese Aktion "Ungeziefer" ( auch Aktion Grenze oder Aktion G bezeichnet) war auf eine Weisung des MfS zurückzuführen und von der Volkspolizei realisiert worden. Grenzpolizei war nicht einbezogen. Zeitraum war Mai-Juni 1952


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30.12.2017 18:10 (zuletzt bearbeitet: 30.12.2017 18:14)
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#15
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Egal wie oder wann, für die Betroffenen schlimm und für diejenigen die so etwas angestellt haben auch, für ersteres menschlich, für zweitere moralisch.
Zum Glück hat dieses sonderbare Land was ja nur eine Kolonie war, mit Hängen und Würgen wirklich nur die 40 geschafft und das war schon viel zu lang.


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