Flucht über die Demarkationslinie

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12.12.2017 15:53
avatar  Viehler
#1
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Mit der Einführung der Polizeiverordnung zur besonderen Ordnung an der Demarkationslinie wurde für viele Fluchtwillige der Weg
über grüne Grenze immer schwieriger, denn eine 5Km breite Sperrzone riegelte das Hinterland von der Grenze ab. Offensichtlich war es jedoch in der Stadt Berlin schwierig, die dortige Demarkationslinie so einzurichten, dass Alliierte Interessen nicht betroffen waren.
Flüchtlinge gingen nun in Berlin über die Grenze und meldeten sich in den Notaufnahmelagern als Flüchtling.

Ich würde gern wissen, wie so eine Flucht organisiert wurde. Gab es z.B. in der damaligen SBZ und in Berlin ein Netzwerk von Fluchthelfern, wie wurden die Informationen über Fluchmöglichkeiten bekannt, konnte man nur vom sowjetischen Sektor in einen westlichen Sektor flüchten oder auch von der SBZ in die Sektoren der anderen Alliierten, wurde auf den Zugangswegen nach Berlin kontrolliert, mußten z.B. Gründe für eine Reise nach Berlin angegeben werden, was passierte nach einer Flucht mit dem zurückgelassenen Besitz, gab es eine polizeiliche Untersuchung und evtl. die Eröffnung eines Strafverfahrens usw. usw.

Vielleicht schreibt einer von Ihnen dazu etwas, ich würde mich freuen

Viehler


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12.12.2017 17:02
avatar  andyman
#2
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Hallo @Viehler
Eine Menge Fragen hast du da in den Raum gestellt.Einiges ist in der Öffentlichkeit bekannt(z.B.Reisen nach Berlin wurden an den Zufahrtswegen kontrolliert,Berlinverbot für bestimmte Personen,Kontrollen in der S-Bahn usw.)
Über die Fluchthelferszene(einige bezeichnen es als Menschenhandel)gibt es Dokumentationen,hier ein Link http://www.christoph-links-verlag.de/ind...=3&titel_nr=855 zu einem Buch von Burkhart Veigel,wo die Problematik detailliert beschrieben wird.
Lgandyman


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12.12.2017 17:23
avatar  Viehler
#3
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Hallo andyman,

Dank für den Beitrag.
Es geht um die Zeit ab etwa Mitte 1952. Schon kurz nach der Polizeiverordnung im Mai 1952 wussten offensichtlich viele, wie man
flüchtet und welche Wege zu gehen sind.
Was passierte aber auf diesen Wegen, gab es ein Mitwirken z.B. der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit oder ähnlicher "halbstaatlicher" Organisationen, die halfen, die entsprechenden Gründe für eine Reise nach Berlin bei einer eventuellen Kontrolle zu nennen, dort die richtige S-Bahn in der richtigen Richtung zu nehmen, sich am zuständigen Aufnahmelager zu melden usw
Wie hat eine einfache Hausfrau das gemacht ?

LG Viehler


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12.12.2017 17:33
avatar  GKUS64
#4
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Leider verheimlichst du dein Alter, damit kann auch keine zeitliche Zuordnung zu deinen Fragen erfolgen.
Bis zum 12.August 1961 konnte fast jeder einfach mit der S-Bahn nach Westberlin fahren und auch eventuell dort bleiben. Ab 13. August war es damit dann vorbei und eine Flucht war ab dann nur unter Lebensgefahr aufgrund der streng bewachten Grenze möglich. Fluchthelfer agierten meist vom Westen aus, mit entsprechenden Beziehungen,mit viel Geld, viel Glück und großer Risikobereitschaft haben die Flucht dann nur einige Wenige geschafft.


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12.12.2017 17:45
avatar  ( gelöscht )
#5
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( gelöscht )

Entschuldigt aber um 1952 herum, so nehme ich mal an konnte doch Jeder einigermaßen findige DDR-Bürger über diese "provisorische Grenze" latschen, eventuell bei Nacht und Nebel ohne irgendwie großes Risiko? Oder liege ich da so falsch? Was war da eigentlich....so von die Befestigungen her, bissel Stacheldraht ...oder mehr war doch da nicht?

Rainer-Maria


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12.12.2017 18:49
#6
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Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #5
Entschuldigt aber um 1952 herum, so nehme ich mal an konnte doch Jeder einigermaßen findige DDR-Bürger über diese "provisorische Grenze" latschen, eventuell bei Nacht und Nebel ohne irgendwie großes Risiko? Oder liege ich da so falsch? Was war da eigentlich....so von die Befestigungen her, bissel Stacheldraht ...oder mehr war doch da nicht?

Rainer-Maria


Entlang der Grenze zu Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern bestand seit der Anordnung von 1954 auf dem Gebiet der DDR offiziell ein Sperrgebiet. Dieses setzte sich aus einer vorgelagerten 5-km-Sperrzone, gefolgt vom 500 Meter breiten Schutzstreifen und dem Kontrollstreifen unmittelbar vor dem Grenzzaun zusammen...erklärt die Wiki

Aus Berichten kann man sagen, ein gewisses Risiko soll bestanden haben, also an der Innerdeutschen Grenze

...


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12.12.2017 18:57
avatar  Viehler
#7
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Hallo GKUS64,

meine Fragen beziehen sich auf den Zeitraum unmittelbar vor und nach der Polizeiverordnung vom Mai 1952.
Mit dieser PVO wurde das Grenzregime deutlich strickter. In Berlin z.B. wurden in einigen Straßen Fahrbahnverschwenkungen zur Kfz-Kontrolle errichtet, an den grünen Grenzen entstanden "unter dem Einsatz aller verfügbaren Kräfte" 10Meter breite Kontrollstreifen, die bestandsbefreit ständig geeggt wurden, damit Fussspuren erkannt werden konnten. Parallel zur Grenze entstand für die Grenzpolizei freies Schussfeld, in Richtung BRD war der Schusswaffengebrauch verboten.
Ende Oktober 1952 bestand der Kontrollstreifen fast vollständig entlang der 1400km langen Demarkationslinie.
Zusammenfassend kann also auch ein enges Kontrollnetz auf den Zugängen zur Grenze vermutet werden, ganz besonders aber nach Berlin.
Dort war es vermutlich einfacher, die Demarkationsgrenze ( hieß die auch in Berlin so ?) zu überschreiten.
Über alles das etwas zu erfahren ist der Hintergrund meines Beitrags

Freundliche Grüße
Viehler


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12.12.2017 19:08
avatar  Zkom IV
#8
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@Viehler

Soweit mir bekannt, nannte man die Grenze in Berlin entweder Sektorengrenze (zwischen den beiden Stadthälften) oder Zonengrenze, Grenze zwischen Berlin (West) und dem Umland.
Ein leider schon verstorbener Kollege von mir stammt ursprünglich aus dem thüringschen Probstzella.
Er sagte mal zu mir, dass die alten Einwohner auch nach den Massnahmen von 1952 "problemlos" hätten in den Westen gehen können, wenn sie es denn gewollt hätten.
Schwieriger sei es dann erst ab 1961 geworden, da dann die Grenzanlagen nochmals ausgebaut wurden.

Gruß Frank


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12.12.2017 19:24
avatar  Viehler
#9
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Hallo ZKomIV, Moin Frank ,

genau, das habe ich auch gehört, aber wenn jemand aus Weitweg auf der Flucht in Berlin ankommt, kann er doch nicht jemanden fragen, in welcher Richtung und mit was er nun weiterflüchten soll. Da hat es bestimmt "Leute" gegeben, die halfen--, oder ?
Du hast wohl recht, die Demarkationslinie in Berlin war die Sektorengrenze.
Gruß
Viehler


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12.12.2017 19:47
avatar  Zkom IV
#10
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Also bis 1961 war eine Flucht vom Ost- in den Westsektor sicherlich nicht sonderlich schwer.

Auch Zugereiste aus der tiefsten Ostzone, welche vielleicht noch nie in Berlin waren, brauchten einfach nur auf den S-Bahn Streckenplan zu schauen und schon wusste man wo Westen ist und mit welcher Linie man da hin kommt.
Natürlich gab es an den Übergängen Kontrollen.
Aber wenn man nicht gerade seinen ganzen Hausstand mitführte, stand einem Grenzübertritt eigentlich nichts im Wege.
Bei viel Gepäck wurden die Kontrollorgane natürlich aufmerksam, da hier u.U. eine "Republikflucht" stattfand und nicht nur eine reine "Ausflugsfahrt".

So sind mir die Kontrollprozeduren überliefert, ich selbst habe das nicht erlebt (Jahrgang 1964).

Was mir nicht so bekannt ist, wie das bei einer Einreise aus dem Umland, also aus der Ostzone, nicht aus dem Ostsektor, gehandhabt wurde.
Ich denke jedoch das wird ähnlich abgelaufen sein.
Seit 1952 war es Westberlinern verboten ohne Genehmigung in die Zone einzureisen. An der Stadtgrenze von Groß- Berlin war für Westberliner dann eigentlich
Schluß.

Frage an die Gemeinde:
Wann wurden denn eigentlich die Kontrollen zwischen Ostberlin und er Zone aufgehoben?
Ich denke mal ab 1961, dann ab da war ja für Westberliner absolut Feierabend, was besuche im Osten angeht, bis zum ersten Passierscheinabkommen (Weihnachten 1963 ??)

Gruß Frank


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13.12.2017 00:52
#11
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Bis 1961 war die S-Bahn völlig problemlos, wenn man nicht mit auffälligem Gepäck unterwegs war.
Man darf nicht vergessen, dass die meisten S-Bahn Linien nicht nur nach Westberlin reingefahren sind,
sie sind durchgefahren. Beide Endhaltestellen lagen im Osten. Wenn ich mir die Netzpläne aus der Zeit ansehe, lagen wohl fast alle Endhaltestellen in der Sowjetzone und nicht in Berlin. Die Linie von Bernau z.B. ging nach Teltow. Wenn Potsdamer nach Ostberlin wollten, sind sie durch Westberlin gefahren, weil das die deutlich schnellste Verbindung war. Und auch wer eigentlich nur von Ost nach Ost fahren wollte, konnte auf jedem Westberliner Bahnhof aussteigen.
Die Einschränkungen betrafen eher die Westberliner. Auf den S-Bahnhöfen außerhalb der vier Berliner Sektoren gab es beim Aussteigen Ausweiskontrollen, nur flüchtig mit Hochhalten, aber dauernd. Damit sollte verhindert werden, dass Westberliner verbotenerweise in die Zone kommen konnten. Analog zu den Bahnhofskontrollen gab es auch Straßenkontrollen mit Schlagbaum an den meisten Straßen, die aus dem Sowjetsektor in die Sowjetzone führten.
Ein Flüchtling aus dem Osten, der Westberlin erreicht hatte, konnte dort jeden Polizisten nach dem Weg ins Notaufnahmelager fragen.
Viel Fluchthilfe brauchte es damals nicht.

Gruss Wolfgang


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13.12.2017 01:00
avatar  Hanum83
#12
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Ab 11. September 89 war die Grenze zwischen Ungarn und Österreich vollkommen offen.
Das wars eigentlich für die DDR egal wie sie noch zappelte.
Schlimm das eine weit entfernte Grenzöffnung das Ende eines Landes bedeutet hat, kann man sich gar nicht mehr vorstellen heutzutage.


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13.12.2017 14:31
#13
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Es gab rund um Berlin über 100 Kontrollpassierpunkte; dort wurden verdächtige Personen angehalten, vor allem Personen mit viel Gepäck. In Berlin selber ging man einfach durch die Strassen: "Späterer Checkpoint Charlie"
Friedrichstrasse sector border (Later Checkpoint Charlie), Berlin, c. 31 July 1960


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13.12.2017 15:36
avatar  ( gelöscht )
#14
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( gelöscht )

Der geht aber nur Butter holen!


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13.12.2017 16:22
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#15
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( gelöscht )

Es gab in Berlin, nahe der Sektorengrenzen in den Westsektoren oft regelrechte Budenstädte und Einkaufszentren für Ostler, die -vor dem Mauerbau- nur mal schnell zum Kino oder Einkaufen in den Westen kamen. Zum Beispiel in Zehlendorf Mitte am S-Bahnhof, am Potsdamer Platz und in Spandau.
Meine Mutter ist da als Kind oft aus Falkensee hingependelt. Die Reste dieser charakteristischen, einstöckigen Gebäude, oft aus Ruinenbruchsteinen oder als Ladenzeile wieder aufgebaute Sockelgeschosse von Ruinen, kenne ich auch noch.


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