Was würdet Ihr heute anders machen?

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21.10.2017 18:07
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#3 RE: Was würdet Ihr heute anders machen? in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien Gestern 15:53
von hundemuchtel 88 0,5 • | 2.719 Beiträge | 1386 Punkte • messageNachricht senden | profileProfil ansehen | Zitat vormerken
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Gute und sehr interessante Frage, Manfred, ich hätte, wäre die Grenze noch existent, sicher das eine oder andere Mal zur Reserve gemußt. Aus meinen Stasiakten weiß ich, dass dies so vorgesehen war.
Vielleicht hätten sie mich, wie viele andere auch bei dem Putschversuch im November 1989 mobil gemacht, um den Mauerfall und eine mögliche Wiedervereinigung zu verhindern
Anders würde ich heute so einiges machen, aber in den Grundzügen vieles ähnlich, viele Entscheidungen in meinem Leben entschied ich aus dem Bauch heraus, hatte immer das nötige Selbstvertrauen und meißt ne Riesenportion Glück. Bin eigentlich ganz zu frieden mit den Ergebnissen bis heute.

gruß h.


Hallo, das interessiert mich !
kannst du das mal mit einer Kopie der Akte der BSTU untermauern ??


Oss`n


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21.10.2017 18:09 (zuletzt bearbeitet: 21.10.2017 18:10)
avatar  Hanum83
#32
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Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #26
Bitte Hanum....nicht auch noch ausfallend werden.(so in #24) Es wäre somit nicht schlecht, wenn wir weiterhin vernünftig diskutieren.

Rainer-Maria


Die Stelle wo ich da ausfallend gewesen sein soll kann ich nicht so richtig finden.
Da du eine Verbindung zwischen Gehirn, also der Abgabe desselben und SERO konstruiert hast, ist das bei mir halt im Gehirn auch so geschehen und ich habe mir da gewisse Szenarien vorgestellt.
Ganz ohne was genommen zu haben vorher, heiliges Pionierehrenwort.

----------------------------------------------------------------------------
Wer nichts weiß muss alles glauben.

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21.10.2017 18:30
#33
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #21

Ganz einfache Antwort. Es wurde vorgegeben, was zu tun war.



Deine einfache Antwort ist wohl doch stark übertrieben.

Es gab durchaus einen Spielraum dafür, selbst zu entscheiden, was zu tun war.
2,4 Millionen DDR-Bürger waren Mitglied der SED - mir ist aus meinem Umkreis beispielsweise keiner bekannt, der gezwungen wurde, Parteimitglied zu werden. Es gab bei der Werbung Verlockungen und Versprechungen - aber entschieden hat letztlich jeder selbst.

Nur mal als ein Beispiel dafür, dass deine These nicht so ganz stimmt.

"Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Haß wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden."
( Johann Wolfgang von Goethe)


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21.10.2017 22:14
avatar  andyman
#34
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Im #21 finde ich keinen Hinweis auf SED Mitgliedschaft als Thema.Doch lassen wir @Heckenhaus antworten was er genau gemeint hat.Ich habe ihn denke ich sehr wohl verstanden.
Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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22.10.2017 21:48
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#35
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Ich würde wohl einiges in meiner Vergangenheit anders machen. das betrifft aber auch das Privatleben und hat nicht nur gesellschaftliche Hintergründe. Nur wer weiß schon wie sich so manchens entwickelt?
Für mich wichtig ist das ich für meine Entscheidungen noch heute mir selber Rechenschaft ablegen kann. Ob im späteren Rückblick alles Richtig war oder nicht, für mich zählt auch welche Ziele und Gedanken mir damals wichtig waren und das man nicht aus falscher Verbissenheit an den alten Fehlern hängt.


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23.10.2017 10:37
#36
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Zitat von andyman im Beitrag #34
Im #21 finde ich keinen Hinweis auf SED Mitgliedschaft als Thema.Doch lassen wir @Heckenhaus antworten was er genau gemeint hat.Ich habe ihn denke ich sehr wohl verstanden.
Lgandyman

Gut, dann nur soviel.
Man mußte nicht SED-Mitglied sein, um nicht frei entscheiden zu dürfen.
Dem großen Rest der Bevölkerung wurde doch der Alltag vorgegeben, das begann spätestens bei der keineswegs freien Wahl
eines Berufes, ging weiter damit, daß vom Politbüro sogar befunden wurde, daß ein Pkw Trabant vollkommen ausreichend ist
für den normalen Bürger, führte weiter über erforderliche staatliche Genehmigungen für Wohnungstausch oder gar für einen
eventuellen Umzug in einen anderen Bezirk der DDR bis hin zur "Lenkung" der Verteilung der Urlaubsreisen, oft durch die
Gewerkschaftsorganisation des Betriebes und in enger Zusammenarbeit mit der BPO.
Man war immer unbewußt unter Kontrolle, was im Alltag allerdings nicht spürbar war, in bestimmten Situationen jedoch für das Wohl
oder Weh des Einzelnen von entscheidender Bedeutung sein konnte.

Freie Entfaltung, wie es heute möglich ist, die gab es nicht. Ich erinnere mich nur an den Moment, als ich beschloß, mich selbständig zu machen.
Heute gehst du zum Amt, meldest irgend ein Gewerbe an und gehst mit der Erlaubnis raus.
Damals, im Jahre 1984, lief das anders. Erst mit dem Bürgermeister gesprochen (auf dem Dorf), dann pol. Führungszeugnis beschafft,
Anmeldung des Gewerbes beim Rat des Kreises (mit besagtem Führungszeugnis), dann mußte man bilanziert werden bezüglich Material
fürs kommende Jahr. Gäbe es dort Probleme, wäre die Genehmigung flach gefallen.
Ich habe nur ein Malerhandwerk angemeldet, hätte ich gleiches tun wollen (bei Qualifikation) als Autoschlosser, Fotograf oder gar als Steuerbüro,
es wäre wahrscheinlich unmöglich gewesen.
Der volkswirtschaftliche Nutzen stand immer im Vordergrund, nie die freie Entfaltung des Individuums.
Es wäre ganz sicher mehr rauszuholen gewesen, und das nicht im Sinne von "mitnehmen",sondern im Sinne von mehr Privatinitiativen.
Staatliche Lenkung eben, egal ob sinnvoll oder nicht, mit letztendlich fatalem Ende.

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.Die geistige Blindheit breitet sich weiter aus: Immer mehr sehen nur noch, was ihnen ins Auge springt.
.E.Ferstl

.

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23.10.2017 11:32
#37
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@Heckenhaus #34:

Ich bestreite nicht, was du hier schreibst und ich könnte die Reihe deiner Beispiele fortsetzen.
Mich störte in einem deiner Beiträge deine Verabsolutierung. Du schriebst: "Es wurde vorgegeben, was zu tun war."
Ich halte das nicht für richtig, weil es auch in der DDR einige Möglichkeiten gab, selbst zu entscheiden.
Das Beispiel, SED-Mitglied zu werden, hatte ich bereits gebracht.
Jeder konnte auch selbst entscheiden, ob er andere bespitzelt oder nicht.
Auch in der DDR konnte sich jeder seine Freunde selbst aussuchen.

Ich halte das auch nicht für Krümelkackerei. Heute verstecken sich mnache hinter der Formel "Ich musste ja, war ja alles ohnehin vorgeben!"

"Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Haß wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden."
( Johann Wolfgang von Goethe)


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23.10.2017 11:41
#38
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #36
Zitat von andyman im Beitrag #34
Im #21 finde ich keinen Hinweis auf SED Mitgliedschaft als Thema.Doch lassen wir @Heckenhaus antworten was er genau gemeint hat.Ich habe ihn denke ich sehr wohl verstanden.
Lgandyman

Gut, dann nur soviel.
Man mußte nicht SED-Mitglied sein, um nicht frei entscheiden zu dürfen.
Dem großen Rest der Bevölkerung wurde doch der Alltag vorgegeben, das begann spätestens bei der keineswegs freien Wahl
eines Berufes, ging weiter damit, daß vom Politbüro sogar befunden wurde, daß ein Pkw Trabant vollkommen ausreichend ist
für den normalen Bürger, führte weiter über erforderliche staatliche Genehmigungen für Wohnungstausch oder gar für einen
eventuellen Umzug in einen anderen Bezirk der DDR bis hin zur "Lenkung" der Verteilung der Urlaubsreisen, oft durch die
Gewerkschaftsorganisation des Betriebes und in enger Zusammenarbeit mit der BPO.

Man war immer unbewußt unter Kontrolle, was im Alltag allerdings nicht spürbar war, in bestimmten Situationen jedoch für das Wohl
oder Weh des Einzelnen von entscheidender Bedeutung sein konnte.

Freie Entfaltung, wie es heute möglich ist, die gab es nicht. Ich erinnere mich nur an den Moment, als ich beschloß, mich selbständig zu machen.
Heute gehst du zum Amt, meldest irgend ein Gewerbe an und gehst mit der Erlaubnis raus.
Damals, im Jahre 1984, lief das anders. Erst mit dem Bürgermeister gesprochen (auf dem Dorf), dann pol. Führungszeugnis beschafft,
Anmeldung des Gewerbes beim Rat des Kreises (mit besagtem Führungszeugnis), dann mußte man bilanziert werden bezüglich Material
fürs kommende Jahr. Gäbe es dort Probleme, wäre die Genehmigung flach gefallen.
Ich habe nur ein Malerhandwerk angemeldet, hätte ich gleiches tun wollen (bei Qualifikation) als Autoschlosser, Fotograf oder gar als Steuerbüro,
es wäre wahrscheinlich unmöglich gewesen.
Der volkswirtschaftliche Nutzen stand immer im Vordergrund, nie die freie Entfaltung des Individuums.
Es wäre ganz sicher mehr rauszuholen gewesen, und das nicht im Sinne von "mitnehmen",sondern im Sinne von mehr Privatinitiativen.
Staatliche Lenkung eben, egal ob sinnvoll oder nicht, mit letztendlich fatalem Ende.


Grün--Das kann ich nicht bestätigen. Brauchte keine Genehmigung , um von Rostock in den Harz zu ziehen. Hatte 4 oder 5 Urlaubsplätze vom FDGB--die habe ich mir selber dort besorgt--waren Plätze die zurückgegeben wurden.


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23.10.2017 12:00
#39
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Ich reduziere meine Beiträge nicht auf die SED. Sicher stand es Jedem theoretisch frei, Mitglied in dieser oder einer der anderen
Parteien zu werden. Nur, um letztendlich doch etwas für sich persönlich zu erreichen, beruflich z.Bsp., war es oft am Ende sogenannter
freiwilliger Zwang, diesen Schritt zu gehen.
Gleiches betrifft Spitzeldienste, die oft mit Privilegien bezahlt wurden bzw erpresst wurden.
Das ich mir meine Freunde aussuchen darf, das sollte selbstverständlich sein und nicht mit Selbstbestimmung vermischt werden.

Ja, es gab Selbstbestimmung in der DDR, aber eben nur in ganz eng gefaßtem Rahmen. Alles, was außerhalb des ganz persönlichen
Rahmens geschah oder geplant wurde, war irgendwie, oft für den Einen oder Anderen unbemerkt, ferngesteuert.

In einem gebe ich dir Recht, @Klauspeter , niemand mußte unbedingt. Doch wer vorankommen wollte, der mußte eben sehr oft.
Ich weiß nicht, ob ich es hier schon irgendwo erwähnt hatte, mein Vater hat es Jahrzehnte abgelehnt, in die SED zu gehen, er hatte sich vom
Handwerker, der er Anfang der 1950-er Jahre war, über den Meister hochgearbeitet zum Produktionsabteilungssleiter, und immer
wieder das Gepiesacke mit der Partei und den Bemerkungen "Du willst dir wohl den Rücken freihalten" !
Dann, so um 1986/87, kam die Ansage, endweder er tritt ein oder der Posten werde anders besetzt. Was sollt er dann mit Mitte 50 tun ?
Eine quasi Degradierung hinnehmen ? Zähneknirschend akzeptierte er und wurde SED-Mitglied, aber war das eine wirklich freie Entscheidung ?

Und so erging es nich wenigen Menschen damals, Karriere plus Partei oder eben nichts, Studium plus Partei oder eben nichts, oder vorher schon
3 Jahre NVA oder eben kein Studienplatz.
Was haben dann auch Leute mit Intelligenz dann gemacht ? Sie haben ja gesagt, Und das zum Glück, sonst wären noch mehr von denen "nach oben" gekommen,
die immer das Fähnlein in den Wind gehängt haben, egal, woher er weht, die typischen Ja-Sager und Mitläufer. Denn die schafften es auch ohne Hirn.

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.Die geistige Blindheit breitet sich weiter aus: Immer mehr sehen nur noch, was ihnen ins Auge springt.
.E.Ferstl

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23.10.2017 12:07
#40
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Zitat von Rostocker im Beitrag #38

Grün--Das kann ich nicht bestätigen. Brauchte keine Genehmigung , um von Rostock in den Harz zu ziehen. Hatte 4 oder 5 Urlaubsplätze vom FDGB--die habe ich mir selber dort besorgt--waren Plätze die zurückgegeben wurden.


Ich habe das durch mit Wohnungstausch bei der staatlichen Wohnungskommission, damals 1971.
Gleiches mit Ferienplätzen, die beantragt werden mußten, dann beschied die Ferienkommission des Betriebes nach Betriebszugehörigkeit,
verheiratet/ledig, Kinder, Partei, Kampfgruppe usw.
Klar, im April hatte ich freie Wahl, aber zu angenehmeren Jahreszeiten eben nicht.
Nachdem ich das einmal durch hatte, suchte ich mir zukünftig privat Urlaubsunterkünfte, oft "unter der Hand" vermittelt.
Das war dann meine persönliche Freiheit.

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23.10.2017 12:46
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#41
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Heckenhaus in #40 mit diesem:

"Nachdem ich das einmal durch hatte, suchte ich mir zukünftig privat Urlaubsunterkünfte, oft "unter der Hand" vermittelt.
Das war dann meine persönliche Freiheit. "
textauszug ende

Und bitte Hh nicht gleich wieder persönlich nehmen aber genau das in deinem Text sagte mir gerade: "Unser Hhaus wurde doch in dieser DDR irgendwann selbstständig, handelte somit selbstständig. Er suchte sich was selber, eigener Kopfeinsatz eben"

Genau das hatte der Rainer nämlich sinngemäß gemeint, in den Vortexten. DDR-Bürger musste sein Gehirn nicht abgeben, nur weil eine SED vorgab(so deine Formulierung) was denn nun der Einzelne zu tun und zu lassen hätte. Nein, er entschied selber. Und....hast doch dann selber entschieden, und das war gut so.

Rainer-Maria

Und einen guten Tag allen ins Forum


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23.10.2017 13:23 (zuletzt bearbeitet: 23.10.2017 13:25)
#42
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@Rainer-Maria Rohloff , bitte auch das nicht persönlich nehmen, aber du hast keine Ahnung.
Selbständigkeit in der DDR, was war denn das schon. Wieviel weißt du denn davon ?
Kennst du die Schwierigkeiten und Probleme ?
Sieh zu, woher das Material kommt ! Sieh zu, woher du ein Fahrzeug nimmst ! usw.
Selbst Malerleitern mußten ein Jahr vorher bilanziert werden !
Ja gut, man mußte nicht arbeiten, aber man tat es, weil man Geld brauchte, im VEB lief das manchmal anders.

Ja, für mich war das ok, weil ich mich so wenigstens ein klein wenig verwirklichen konnte. Aber damit war auch die Grenze erreicht.
Selbständigkeit wurde auch nur zugelassen, damit der Bedarf der Bevölkerung nach Dienstleistungen/Reparaturen wenigstens
teilweise befriedigt werden konnte, also wieder Selbstzweck der Partei, mehr nicht.
Ob du das hinbekommst und wie du durch alle Klippen der Knappheit schipperst, dein Problem.
Es war nicht so wie heute, bestellst und bekommst vor die Tür geliefert.
Manchmal mußtest du sogar die Farbdosen im Einzelhandel kaufen, damit es weitergehen konnte.
Oder es stand beim VEB Chemiehandel ein 150 l.- Faß mit Weißlack, sieh zu, wie du es wegbekommst.
Kleinere Abpackungen-Fehlanzeige.
Ja, man hatte die Freiheit, sich im ganz kleinen Maßstab zu verwirklichen, aber mit Tonnen von Steinen im Weg.
Im Grunde war man dann schon Kapitalist, und das wollte man ja gerade nicht haben im Staate.
Dafür mußte dann auch regelmäßig Rechenschaft abgelegt werden, bei der Innungsversammlung oder auf dem Riesenbogen für die
Abt. Statistik beim Kreis alle Vierteljahre.
Und eine weitere Beschneidung deiner Freiheit : Die Preise waren vorgegeben, also im Grunde war es keine richtige Selbständigkeit.
Man war eine nur kleine Filiale der sozialistischen Planwirtschaft.

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.Die geistige Blindheit breitet sich weiter aus: Immer mehr sehen nur noch, was ihnen ins Auge springt.
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23.10.2017 18:47
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Na Heckenhaus, da sind wir ja fast "Blutsbrüder im DDR-Handwerk".Aus dem Fred"Selbstständigkeit in der DDR"

"Die schöne Geschichte passt hier rein. Weil, sie beschreibt die tollen Zeiten mit meinem alten Chef(damals jungen) so wunderbar, so paar Jahre bevor die DDR ihren Geist aufgab.Gut, am Ende waren wir nur noch Hund und Katze, das machte aber nix, war halt gelebtes Leben im DDR-Arbeitsalltag.

Ich nenne sie" Kumpanei ist Lumperrei "von Rainer-Maria Rohloff

Rudi kam zu uns, da war ich schon eine Weile in diesem Privatbetrieb beschäftigt, über den ich hier schon einmal oder mehrmals geschrieben habe. Er war ein „ Ungelernter“, das hieß einer, der sich aus irgendwelchen Gründen in den Bereich der Privatwirtschaft zurück gezogen hatte. Derer Gründe gab es in den 70 / 80er Jahren in der DDR viele, eventuell aktuelle Ausreiseanträge, Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehova, ehemalige Konfirmanden, Politikverweigerer ohne oder mit Hang zu Oppositionsgedanken, Einzelkämpfer so wie mich, Leute vom anderen Ufer und Krankheiten wie leichte und schwere Alkoholsucht, wohl bemerkt, damals war das noch keine anerkannte Krankheit, eher ein Laster und noch X andere Gründe mehr. Es war eine Nische im Arbeiter und Bauernstaat, in der sich gut leben ließ, gehe ich einmal von mir aus.

Rudi gehörte zu den leichten Laster- Fällen und was er früher einmal gearbeitet hatte weiß ich heute nicht mehr, nur Eines weis ich noch, sein ehemaliger Chef war ein „ Kleiner alter Krauter“. So nannte man die, die schon immer private Betriebe in Erbfolge betrieben, so ab 18. Jahrhundert bis mitten in die DDR hinein. Die, die nach 1945 blieben, ich nenne Sie die Bodenständigen. Man ließ sie Werkeln oder Schaffen, die Republik war auf sie angewiesen. Ob gut oder schlecht lag wohl an jedem selbst, an seinem diplomatischen Draht zu den „ Obersten Zehntausend“ und den Kombinaten. Die Großen mit bis zu 100 Beschäftigten verstaatlichte man ab Anfang der 70er Jahre oder besser ausgedrückt auf den Stuhl des Direktor kam ein geschulter Leiter mit Bonbon am Revers, für die Schüler als Erklärung, das war das Parteiabzeichen der SED. Der Alteigentümer konnte bleiben aber ohne Funktion weiter mitschaffen.. So im Nachhinein betrachtet war es ein Fehler, diese ganze Verstaatlichungsaktion, meine ich. Aber Fehler sind menschlich.

Unsere Auftragslage im Kleinstbetrieb war gut, mehr wie gut und so wurde für die Helfertätigkeiten jede Hand gebraucht. Am Anfang merkte ich nichts, ach so, ich vergaß noch zu schreiben, mir oblag die Funktion des Brigadier. So hieß das eigentlich im Volkseigenen Betrieb, beim Privatmann eher Vorarbeiter, der Westen sagt Polier dazu. Ist auch egal, es ist der, der sich mit dem Kunden, seinem Chef und mit seinen eigenen Kollegen herumärgert, es gehört jedenfalls eine gewisse Diplomatie dazu und ich dachte, die hätte ich. Wie gesagt, ich dachte….

Es passierte schon mal, das Rudi früh zu spät auf die Baustellen kam. Seine Ausreden waren immer sehr akkurat, und mein Chef Harald, der kam sowieso etwas später. Bei seiner jungen Frau war das menschlich, sie war eine studierte Ingenieurin, er übrigens auch und zwar für Automatisierung, und hatte den VEB satt, wollte mal etwas Anderes machen, aber was, das wusste sie auch nicht so richtig. Sie probierte noch und Harald brachte die Kohle, das Geld nach Hause. Wir waren immerhin stellenweise so bis zu acht Mann. Wenn man es so will, waren sie Beide „Ungelernte“, stürzten sich da auf ein völlig neues Feld aber sie hatten ja mich und meine Kollegen, wir waren die Fachleute, in der DDR sagte man Facharbeiter dazu.
Was wollten sie mehr, Harald hatte zwei linke Hände aber war ein guter Kaufmann, Bruni führte die Bücher, sie führte sie gut. Mein Lohn stimmte, und der, der Anderen auch..

Mein Chef, damals noch mein Freund sagte einmal zu mir: „ Eigentlich sind wir schön blöd, das wir so mühevoll produktiv Schaffen, Handel bringt doch viel mehr ein“. Am Wochenende, wenn ich zum Pfuschen fuhr, holte er vom Großhandel drei Fässer rote Limonade, stellte sich bei Veranstaltungen vor das Zentralstation in Leipzig und verkaufte das Brausewasser mit sehr gutem Gewinn, er hatte wohl damals schon leichte Aldi-Gene im Blut. Keine Behörde wollte eine Standgebühr von ihm haben ,und wenn, waren es nur Pfennige.

„Schlechte Zahlungsmoral“, diese zwei Worte gehörten in meinem Land zu den Fremdwörtern, aber das hatte ich meinem Handwerksfreund Transitfahrer schon einmal geschrieben. Natürlich, Peter, in deinem Westdeutschland auch, zumindest vor1989 , erst danach fing der Ärger mit den säumigen Zahlern an. Jedenfalls war ich froh, das Rudi kam, wenn auch verspätet kam, manchmal schon mit leichter Alkoholfahne aber egal, auf Arbeit trank er selten, eher viel Kaffee..

Jetzt werden manche sagen, ja, ja der Alkohol und die DDR. Dazu ein kleines Gegenbeispiel. Nach der Wende, nach 1990 war ich im Zuge meines Berufes mehrere Jahre in Brauereien der alten Bundesländer unterwegs, dort standen die Bierkästen im Frühstücks und Mittagsraum gestapelt zum Zugreifen herum und……Lange Rede, kurzer Sinn. Gesoffen wurde hüben und drüben während der Arbeit und das nicht zu knapp. Das war doch das mit dem „ an die eigene Nase fassen“, Peter, mein Freund, aber ich schweife ab.

Es kam der Tag, da kam Rudi früh nicht, nicht später, nicht Mittag, überhaupt nicht. Mein Chef Harald gab mir die Adresse, es lag auf meinem Weg und so fuhr ich nach der Arbeit vorbei. Wieder eine Episode aus meinem vorherigen VEB- Betrieb. Langschläfer, die früh nicht aus dem Bett kamen wurden in der DDR geholt, auf Arbeit geholt! Müller, Meier, Schulze bekamen den Auftrag und sofern Derjenige nicht sehr weit weg wohnte standen sie bei ihm auf der Matte und er musste mit! So einfach war das, dieser Paragraph für die „ Arbeitsscheuen“ war für die Harten Fälle. Man nannte das auch „ Hilfe zur Selbsthilfe“. Und meistens half es. Ich nenne es eine gute erzieherische Maßnahme so leicht an der individuellen Freiheit vorbei. Was bringt mir die individuelle Freiheit, wenn ich durch mein eigenes Versagen arbeitslos werde, rausgeworfen werde, also wurde sie mal kurz ignoriert, die persönliche Freiheit, dieser Kaugummi mit Fruchtgeschmack. Natürlich wurde man in der DDR nicht vor das Werkstor gesetzt wie im Westen, es wurden Aussprachen geführt mit der Gewerkschaftsleitung, dem Meister, der Parteileitung……Bis die Sache fruchtete oder kleine Erfolgesblüten zeigte oder eine Alternative gefunden wurde. Bei Totalverweigerung gab es ja noch den Paragraphen, das Arbeitshaus und einige Sachen mehr.
Zu Rudi zurück, in dem Neubaugebiet im Leipziger Westen öffnete eine nicht mehr ganz so junge Frau , Rudi war damals so Mitte 40, sie war wohl etwas älter.

Rudi, nein, der war schon drei Wochen nicht mehr hier, von einer anderen Frau war die Rede. Meine Frage nach der Adresse, sie nannte mir die Kneipe, wo er zu finden war.
Da klingelte es noch nicht bei mir, das Rudi ein Freund der Frauen war. Sie liebten ihn, er liebte sie, konnte reden wie ein Buch, war ein Charmeur und er hatte die gewisse Lebenserfahrung und keine feste Adresse.

Post von der Behörde so wie bei Monika in der schönen Westgeschichte, die kam wohl nie bei ihm an, die Wahlen und noch vieles Andere mehr konnte ihm gestohlen bleiben. Rudi war ein freier Mann, verpflichtet nur sich selbst, einem kleinen Unterhaltsanspruch, den die Chefin für ihn regelte und der da oben konnte ihn auch. Er blieb immer so lange als Logiergast bei seinen Frauen, bis der mit dem Hausbuch auftauchte zwecks eintragen. Da war Rudi weg. Meistens fuhr ich seine Umzüge, sein Habe, acht Beutel und ein alter Koffer passten in den Trabbikofferraum. Einige Wohnungen sah ich, darauf konnte der entwickelte sozialistische Staat wahrlich nicht besonders stolz sein. Aber schlampige Menschen mit dem Hang zur Unordnung hatten Ost und West und haben sie auch heute noch. Jedes Mal litt ich mehr wie er, wenn ich die verweinten Augen von Erika, Petra, Helga, Doris und Angelika sah. Ich war der Seelentröster an der Wohnungstür, da war Rudi schon mit dem packen des Kofferraum beschäftigt
Seine Gastspiele auf Arbeit wurden selten und seltener aber Harald brauchte jeden Mann und biß in den sauren Apfel, Arbeitskräfte in der Privatwirtschaft wurden mit Gold aufgewogen, auch die, die wenig anwesend waren und so behielt er ihn.

Nur Rudi hatte permanenten Geldbedarf durch die Frauen, die wenigen Gastspiele und das viele Bier, die Zigaretten und den Schnaps, mein Chef kannte das Wort „ Vorschuss“ nicht und so kam er zu mir. Der mit dem großen Herzen gab ihm und ich hatte Glück, dauerte es auch öfters Monate so stand Rudi irgendwann Abends auf der Matte und brachte das geborgte Geld zurück.
Von wem er sich neu borgte, das war mir völlig egal.

Ich vergaß, er war Kettenraucher und konnte von fünf Mark der DDR und weniger am Tag incl. Glimmstengel und Essen leben aber damals haben die Brötchen noch fünf Pfennige gekostet und das Bier so um die vierzig Pfennige.

Immer war Rudi auf der Suche, von einer Schönen zur nächsten Gaststättenschönheit, lag dem Staat nicht auf der Tasche so wie die Sozialhilfefälle des goldenen Westen sondern eher mir und seinen einsamen Mädels, kam zurecht oder auch nicht und einmal, als ich ihn in einer seiner vielen Gaststätten besuchte, sagte er schon nicht mehr ganz nüchtern zu mir: Merke Dir eines, mein Junge, den ich war so um die fünfzehn Jahre jünger wie er „ Kumpanei ist Lumperrei“ Erst dachte ich, Erich. Honecker und seine Milliarden- Kreditfreunde im Westen waren gemeint,. weit gefehlt, er meinte seinen alten Krauter vom Anfang damit. und es war wohl auf mich und meinen Chef gemünzt weil wir am Anfang sehr dicke Freunde waren. Mein Freund Rudi behielt Recht, die Freundschaft mit Harald hielt nur bis 1990, dann trennten wir uns. .Ich zog von Leipzig weg und wie gesagt, Rudi sah ich nie wieder, den alten Casanova und Lebenskünstler. Meinen ehemaligen Chef übrigens in den ganzen Jahren nur einmal, da waren wir wieder für den Zeitraum eines Kaffee dicke Freunde.

Namen wurden mit Rücksicht auf die handelnden Personen geändert.
.
Rainer-Maria


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23.10.2017 22:06 (zuletzt bearbeitet: 23.10.2017 23:00)
#44
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23.10.2017 23:07 (zuletzt bearbeitet: 04.12.2017 21:45)
#45
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Zitat von der sturmbahn könig im Beitrag #7
Guten Abend ins Forum,...ja ich ärgere mich schon die ganzen Jahre,warum ich damals 1971 ..nicht nach Berlin gegangen bin zum Flughafen Zoll,die sind mir hier die Bude eingerannt aber ich wollte damals keine Uniform mehr anziehen,, ,ich Blödmann ging in den Tiefbau..war mein größter Fehler im Leben..Heute alle Knochen kaputt,,,,das wäre mir bestimmt erspart geblieben hätte ich die Chance genutzt...so ist das halt im Leben....mfg.


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