Ausreise für Bürger anderer Länder

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15.09.2017 03:48 (zuletzt bearbeitet: 15.09.2017 03:48)
#1
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Es gab ja bekanntlich zu DDR-Zeiten Länder, in welchen die Bürger frei reisen konnten und andere, in welchen die Bürger bestimmten Restriktionen unterworfen waren. Wie wurde das damals an den DDR-Grenzübergängen gehandhabt? Sagen wir mal, da kam jemand mit einem Pass von Mosambique in Friedrichstrasse an und wollte nach West-Berlin. Gab es eine Liste von Ländern, welche frei reisen konnten, musste da jedesmal nachgeschaut werden oder wussten die Passkontrolleure bei jedem Land, ob hier Reisefreiheit vorlag?

Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.

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15.09.2017 08:58 (zuletzt bearbeitet: 15.09.2017 08:59)
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#2
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( gelöscht )

Mein Schwager war Bürger der DDR mit Algerischer Nationalität, der bekam problemlos ein Visum für Algerien, meine Schwester musste aber zu Hause bleiben, also die Auslands-DDR-Bürger waren wohl nicht automatisch Volkseigentum.


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15.09.2017 09:15
#3
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Da gab es schon mal etwas hier
GÜST Horst - Lauenburg (2)
und hier
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/MfS-Do...llen/_node.html
Vereinfacht kann man sagen, dass man als Ausländer einen Pass mit Visum brauchte. Die DDR hatte aber mit vielen Staaten Abkommen über den visafreien Verkehr. Mit Ausnahme des Reiseverkehrs DDR CSSR und anfangs auch Polen benötigte man dann eine Reiseanlage für den visafreien Verkehr, die vom Heimatstaat ausgegeben. wurde.
http://www.dhm.de/datenbank/img.php?img=d2a09295&format=1
Für Personen, die sich länger oder häufiger in DDR aufhielten (Flug- und Bahnverkehr, Servicetechniker, Vertragsarbeiter) wurden Anlagen mit längeren Fristen ausgestellt, mit der Möglichkeit mehrmals in DDR ein- und auszureisen.
Die Passkontrolleure kontrollierten WIMRE die Pässe, die Aufenhaltsberechtigung und die Anlage, und prüften alles auf Echtheit.

https://de.wikipedia.org/wiki/Reiseanlag...en_Reiseverkehr
Theo


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15.09.2017 12:15
#4
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Zwei Bespiele, die ich kenne:

Chinesen durften frei ausreisen - Vietnamesen nicht.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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15.09.2017 12:42
avatar  icke46
#5
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Ich glaube, mache Antworten gehen ein bisschen an der Fragestellung vorbei.
Die Frage war ja nicht, wer aus welchem Land ausreisen durfte oder eben nicht, sondern wie das Verfahren war - sprich, hatten die Leute bei der PKE die Ausreisebestimmungen aller seinerzeit wohl etwa 170 Staaten der Erde im Kopf oder mussten sie im Fall des Falles irgendwo nachsehen.

Das da jeder dort Tätige alle Visabestimmungen im Kopf hatte, ist extrem unwahrscheinlich, denke ich mal. Also ist es wohl eher so, wie Theo schrieb: Massgeblich ist, was im Pass vermerkt ist. Vermutlich kann man dass eh nicht generalisieren. Mal angenommen, es wäre ein Bürger Nordkoreas in Friedrichstraße aufgetaucht - im Normalfall wäre er dort sicher hängengeblieben. Wenn er nun aber womöglich der Neffe von der Freundin einer Schulfreundin von Kim Il Sung gewesen wäre, könnte in seinem Pass was ganz anderes stehen.


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15.09.2017 12:55 (zuletzt bearbeitet: 15.09.2017 12:58)
#6
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Vermutlich war das meiste Routine. Wenn nicht, wurde selbstverständlich nachgefragt.

Einfacher war es sicherlich zu wissen, wer nicht ausreisen durfte. Und das bestimmte logischerweise dessen Heimatland.
Infrage kamen sicherlich nur die wenigen Länder des Sozialistischen Lagers.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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15.09.2017 13:32
#7
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Ja es stand im Pass, wohin man durfte oder nicht.
"Bibel" für die Passkontrolle
(...)Aus- bzw. Weiterreisen von Bürgern der DDR mit ständigem Wohnsitz in der CSSR, VR Polen, UdSSR, Ungarischen VR, SR Rumänien, VR Bulgarien und der Mongolischen VR nach anderen als diesen Staaten und nach Westberlin sind zu gestatten, wenn der früher in diesen Pässen eingetragene Geltungsbereich "Gültig für die VR Bulgarien, CSSR, Mongo­lische VR, VR Polen, SR Rumänien, UdSSR und Ungarische VR" in "Gültig für alle Staaten und Westberlin" geändert wurde bzw. wenn bzw. wenn in neu ausgestellten Pässen der Geltungsbereich "Gültig für alle Staaten und Westberlin" eingetragen ist(...).
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/MfS-Do...publicationFile
Seite 419/420


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15.09.2017 13:35 (zuletzt bearbeitet: 15.09.2017 15:46)
#8
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O.K.
Es geht aber Hauptsächlich um Ausländer in der DDR.

Aber daß die zusätzlich noch eine Bestimmung brauchen, wenn im Paß "gültig für Westberlin" usw. steht, das finde ich seltsam.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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15.09.2017 14:03
#9
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Ganz richtig. Werde mich bei Gelegenheit nochmals durch die über 700 Seiten quälen. Hier könnte auch noch etwas sein
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/MfS-Do...publicationFile
ab Seite 4 (400 Blatt; kann also etwas dauern)
ab Seite 343, es ist recht umfangreich!!


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15.09.2017 15:32
#10
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #8
(...)
Aber daß die zusätzlich noch eine Bestimmung brauchen, wenn im Paß "gültig für Westberlin" usw. steht, das finde ich seltsam.

"Westberlin ist kein Staat, sondern eine "Selbständige politische Einheit", die sich auf dem Territorium der DDR befindet und derzeit von den westlichen Weltriegsallierten besetzt ist." Das war in etwa die politische Sicht der DDR.


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15.09.2017 15:46 (zuletzt bearbeitet: 15.09.2017 15:49)
#11
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Ja, klar. war ja nur ein Beispiel für "Westen".

Normalerweise müßte doch der Eintrag im Paß reichen. Wozu noch eine Vorschrift, welche bestätigt, daß der Eintrag gilt?

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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15.09.2017 16:05
avatar  Mike59
#12
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Zitat von icke46 im Beitrag #5
Ich glaube, mache Antworten gehen ein bisschen an der Fragestellung vorbei.
Die Frage war ja nicht, wer aus welchem Land ausreisen durfte oder eben nicht, sondern wie das Verfahren war - sprich, hatten die Leute bei der PKE die Ausreisebestimmungen aller seinerzeit wohl etwa 170 Staaten der Erde im Kopf oder mussten sie im Fall des Falles irgendwo nachsehen.

Das da jeder dort Tätige alle Visabestimmungen im Kopf hatte, ist extrem unwahrscheinlich, denke ich mal. Also ist es wohl eher so, wie Theo schrieb: Massgeblich ist, was im Pass vermerkt ist. Vermutlich kann man dass eh nicht generalisieren. Mal angenommen, es wäre ein Bürger Nordkoreas in Friedrichstraße aufgetaucht - im Normalfall wäre er dort sicher hängengeblieben. Wenn er nun aber womöglich der Neffe von der Freundin einer Schulfreundin von Kim Il Sung gewesen wäre, könnte in seinem Pass was ganz anderes stehen.

Das wird damals nicht anders als heute gewesen sein. Für immer wiederkehrende gleiche Staatsangehörigen Gruppen hat man die Bestimmungen für die Ein- und Ausreise schnell drauf. Für alle anderen seltener auftretende Gruppen gibt es den s.g. TIM http://www.iata.org/publications/timatic/Pages/tim.aspx ich gehe davon aus, das es auch in der ehem. davon das eine und auch andere Exemplar gab. Dazu gab es bestimmt auch eine Kurzform für Visapflichtige und Visabefreite Staaten bzw. welche Passarten ein Visa benötigen und welche nicht. Das ist dann wohl eher eine Nationale Aufstellung. Z.Zt. sind das 3 - 4 DIN A4 Seiten mit Arial 5 Schrift (oder noch kleiner) welche meistens wie auch bei mir in der Dienstmütze transportiert werden und bei Unklarheiten wird da eben nachgesehen.

Alle anderen Unregelmäßigkeiten wie falsche oder gefälschte Pässe oder Personen in Fahndung steht auf einen ganz anderen Blatt.


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15.09.2017 18:28 (zuletzt bearbeitet: 15.09.2017 18:36)
#13
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Zitat von icke46 im Beitrag #5

Das da jeder dort Tätige alle Visabestimmungen im Kopf hatte, ist extrem unwahrscheinlich, denke ich mal. Also ist es wohl eher so, wie Theo schrieb: Massgeblich ist, was im Pass vermerkt ist. Vermutlich kann man dass eh nicht generalisieren. Mal angenommen, es wäre ein Bürger Nordkoreas in Friedrichstraße aufgetaucht - im Normalfall wäre er dort sicher hängengeblieben. Wenn er nun aber womöglich der Neffe von der Freundin einer Schulfreundin von Kim Il Sung gewesen wäre, könnte in seinem Pass was ganz anderes stehen.


Zitat von Mike59 im Beitrag #12

Das wird damals nicht anders als heute gewesen sein.


Heute ist das weniger kompliziert, als es für DDR-Grenzbedienstete war. Denn wie man da in den
Bestimmungen lesen kann, gab es auch bei Inhabern gleicher Staatsangehörigkeiten unterschiedliche
Berechtigungen bei der Erlaubnis zum Grenzübertritt Richtung Westen. Da musste der DDR-Grenzbeamte
sicher öfters mal in das schlaue Buch gucken, diese komplizierten Vorschriften und unterschiedlichen
Bestimmungen konnte doch kaum jemand alle im Kopf haben.

Ich habe es an vielen Grenzen schon häufig erlebt, dass bei der Ausreise überhaupt
nicht kontrolliert wurde, nur bei der Einreise, raus durfte jeder. Inzwischen hat sich das in den
Zeiten des grenzüberschreitenden Terrorismus verständlicherweise auch geändert.

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst.


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17.09.2017 09:12 (zuletzt bearbeitet: 17.09.2017 09:33)
avatar  KARNAK
#14
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Ein ausländischer Staatsbürger mit ständigen Wohnsitz in der DDR hatte immer ein Visum zur ständigen Aus und Wiedereinreise in die DDR im Pass. Ein ausländischer Staatsbürger der ansonsten in die DDR einreisen wollte musste das vorher beantragen und erhielt entweder an der DDR Botschaft seines Heimatlandes das Visum, dass dann an der Güst mittels eines PKS gültig gemacht wurde oder er konnte einen Berechtigungsschein zum Empfang eines Visums vorlegen, dann wurde es an der Güst entsprechend der Vorgaben des Berechtigungsscheines erteilt. Bekam er ein Visum zur Ein- und Ausreise mehrmalig oder einmalig wurde in der weiteren Reisetätigkeit der Person entsprechend verfahren. Hatte er ein Visum zur einmaligen Ein und Ausreise wurde es bei Einreise mittels PKS gültig gemacht und bei Ausreise ungültig. Bei einem Visum zur mehrmaligen Azs und Einreise wurde es gültig gemacht und nach Ablauf des Gültigkeitszeitraumes ungültig. Während dieser Zeit wurde im Reisepass die Reisetätigkeit mittels PKS dokunentiert.
Eine unterschiedliche Verfahrensweise zum Verlassen der DDR nach WB oder in andere Länder des NSW gab es nicht.
Eine extra ausgeworfene Gültigkeit eines Passes für WB ist mir nie untergekommen. Für Pässe aus soz. Staaten war das eh sinnlos, mit einem Pass ohne Ausreisevisum des jeweiligen Staates war nicht viel anzufangen und in den Pässen der Rest der Welt stand maximal für welche "unsympathischen" Länder der Pass nicht gelten sollte. Die Innhaber solcher Pässe die trotzdem dort hin wollten und mit ihrem Heimatland kein Theater haben wollten, ob der Eintragung in ihrem Pass, bekamen von uns ihr Visum auf Anlage.

"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."


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17.09.2017 10:26 (zuletzt bearbeitet: 17.09.2017 10:30)
#15
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So habe ich es mitbekommen.
Westberlin war meinerseits nur ein konkretes Beispiel, weil es zufällig das vorrangige Ziel für Ausreisen in den "Westen" war. Andere Verwandte in den Niederlanden wurden genauso, aber seltener besucht.

Nach meiner Erfahrung hatten Bürger sozialistischer "Bruderländer", d.h. Studenten und Vertragsarbeiter, in der Regel während ihres Aufenthalts hier einen speziellen Ausweis der DDR, aber keinen Reisepaß ihres Heimatlandes "am Mann".
Damit baute man sicherlich gegen jegliche Versuche einer Ausreise vor, seitens dieses Heimatlandes.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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