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#21

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 13:07
von Moskwitschka | 3.709 Beiträge | 3748 Punkte
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Das "Ungeziefer" ist wohl eher auf Lenin zurück zu führen

(...) Während Lenin die unbarmherzige Niederwerfung aller anarchistischen Versuche forderte, veröffentlichte er am 7. und 10. Januar 1918 richtungweisende Artikel zur "Säube­rung der russischen Erde von allem Ungeziefer".

"Unter Ungeziefer aber verstand er nicht nur alles, was klassenfeindlich und klassenfremd war, sondern auch »Arbei­ter, die sich vor der Arbeit drückten« ..." (Alexander Solschenizyn: „Der Archipel Gulag“, Bd. I, Bern – München 1973, S. 37 f)

Ungeziefer waren natürlich die Semstwo-Leute, die Genos­senschaftler. Alle Hausbesitzer. ... Ungeziefer sang in den Kir­chenchören. " (Alexander Solschenizyn: „Der Archipel Gulag“, Bd. I, Bern – München 1973, S. 38)

Auch Gymnasialprofessoren, Kirchenräte. "Alle Geistli­che waren Ungeziefer". Gleichermaßen Eisenbahner, die den Eid zur bewaffneten Verteidigung der Sowjetmacht verwei­gerten, Telegraphisten ohne Sympathie für die neuen Herren oder unbotmäßige Gewerkschaftler.

"Die Tscheka hatte die außergerichtliche Abrechnung vor­zunehmen. Sie war in der Menschheitsgeschichte ein einmali­ges Straforgan, das in einer einzigen Instanz die Kompetenzen der Bespitzelung, der Verhaftung, der Voruntersuchung, der Anwaltschaft, des Gerichts und der Urteilsvollstreckung verei­nigte." (Alexander Solschenizyn: „Der Archipel Gulag“, Bd. I, Bern – München 1973, S. 39)



"Im Februar 1918 verlangte der Sownarkom-Vorsitzende Lenin eine Erhöhung der Zahl der Haftverbüßungsorte sowie eine Verschärfung der Strafrepressionen, und im Mai gab er bereits zur konkreten Anleitung übergehend, als Richtlinie für die Bestrafung von Korruption ein Minimum von 10 Jahren Gefängnis plus 10 Jahren Zwangsarbeit an, was insgesamt 20 Jahre ergibt..." (Alexander Solschenizyn: „Der Archipel Gulag“, Bd. II, Bern – München 1974, S. 12 f)


http://www.luebeck-kunterbunt.de/Geschi/..._Saeuberung.htm

Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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#22

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 13:19
von Cambrino | 897 Beiträge | 4950 Punkte
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Auf der Uffz. Schule in Dingelstedt 1958 war einer unter uns, der erzählte von einen Einsatz auf dem Bahnhofvorplatz am 17. Juni 1953 in Magdeburg. Saniwagen Mißbrauch von Uniformierten , mit dem Saniwagen in die Menschenmenge gefahren, diese machten auch platz dafür. Dann sprangen aus diesem Saniwagen uniformierte, bewaffnet mit dem K44 mit aufgeklapptem 4 kant Bajonett. Im Handgemenge wurde dann ein Mann mit einem Bajonett aufgespießt, er war tot.

Cambrino


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zuletzt bearbeitet 18.06.2017 13:34 | nach oben springen

#23

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 13:54
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Ich zweifle nicht daran, dass Lenin hart und brutal durchgegriffen hat, ohne Rücksicht auf Menschenleben zu nehmen. Mir gefällt nur nicht, dass hier auf Angaben aus einem Roman Bezug genommen wird.
Und der 17.Juni.
Der Putsch, die Aufwiegelung war langfristig vorbereitet und der Termin stand fest. Und da der Regierung und SED im letzten Augenblick die Verschwörung erkannte, gab sie in der Presse, ND und Tägliche Rundschau, am Vortag bekannt, daß die Normenerhöhung zurückgenommen wird. Aber der Putsch lief an und wurde bewußt von den Putschisten nicht bebremst, ging vielleicht auch nicht mehr.
Wir hatten bereits am Vortag erhöhte Alarmbereitschaft und gingen zum 12 Std.-Dienst über, ohne den Grund zu kennen. Erst am 17. selbst kamen Kameraden von der Nachtschicht zurück,und berichteten, dass sowjetische Posten im Abschnitt Helmstädter Str. und Aussicht in den Morgenstunden auftauchten. Dann kam auch ein sowjetischer Offizier zu mir in die Dienstelle und sprach den Einsatz ab. Icch bekam ein Funkgerät und meldete mich regelmäßig. Er hatte mir zu verstehen gegeben, dass ein von langer Hand vorbereiteter Putschversuch läuft und wir die Aufgabe haben eine Verstärkung aus dem Westen nicht zuzulassen und auch flüchtige Putschisten den Grenzübergang unmöglich zu machen. Alle waren froh, als nach ein paar Tagen, die sowjetischen Posten verschwanden, auch das Funkgerät und wir zum 8 Stundendienst übergehen konnten. Es gab in diesen Tagen keine Grenzübertritte, keine Festnahmen, weder Ost-West noch umgekehrt.
Das war mein Erleben am 17.Juni.
Wer die Ereignisse, soweit sie objektiv berichtet wurden, verfolgt, wird erkennen können, dass es nur einige Brennpunkte gab, wo die Lunten gezündet wurden, während z.B.in der Nachbarstadt nichts nach einem Putsch aussah. Das am Ende daraus ein "Volksaufstand" gemacht wurde, ist ja wohl auch erst hineingetragen worden. Wo sowjetische Truppen eingesetzt wurden gab es großes Wehgeschrei, wie wir es dann ja wieder an Mauer Stacheldraht und Minensperren erlebten und erleben. Das Lieblingswort der westichen Unbedarften " Zone" bezog sich auch 1953 auf einen Staat,der seit 1949 bestand.
Bitte versteht mich nicht falsch, es hat Opfer gegeben, so bedauerlich das auch ist, wer putscht, muss aber auch einkalkulieren, dass Blut fließen kann und dann auch floss. Auch hier eine deutliche Parallele zum Grenzübertritt.



Ebro, Heckenhaus, Pitti53, Rainer-Maria Rohloff, Klauspeter, Ehli, Rothaut, bürger der ddr und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#24

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 15:04
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Zitat von der 39. im Beitrag #23
Ich zweifle nicht daran, dass Lenin hart und brutal durchgegriffen hat, ohne Rücksicht auf Menschenleben zu nehmen. Mir gefällt nur nicht, dass hier auf Angaben aus einem Roman Bezug genommen wird.





Bitte schön: "Gemeinsames, einheitliches Ziel ist die Säuberung der russischen Erde von allem Ungeziefer." - 1918, Werke, Band 26, Berlin Dietz Verlag Berlin 1961, S. 412 f.

Der Archipel Gulag wird wohl eher im Bücherregal der meisten hier zu finden sein, als Lenins gesammelte Werke

Deshalb wirkt der Archipel Gulag teilweise wie ein Sachbuch, wie eine wissenschaftliche Arbeit mit dem dazugehörigen Anhang, wie einem biographischen Namensverzeichnis und einem Verzeichnis der Abkürzungen. Außerdem existieren zahlreiche „Anmerkungen“ in der Fußzeile der Seiten. Auf der anderen Seite ist das Buch ein streckenweise im zynischen Tonfall gehaltenes politisch-literarisches Manifest, ein Pamphlet und eine Anklage der Zustände in Justiz und Lagerwesen der Sowjetunion. Im Kern ist es den Opfern gewidmet, versteht sich als Erinnerung und Würdigung ihres Lebens und Leidens.

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Archipel_Gulag

Aber vielleicht hat auch noch jemand Lenin im Keller und schlägt mal nach und sagt uns ob Lenin sich auf Quellen wie z.B. Marx oder Lassalle bezieht.

Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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zuletzt bearbeitet 18.06.2017 15:11 | nach oben springen

#25

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 15:06
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Nun ja @der 39.
das ist sicherlich nur ein Blickwinkel,
der andere ist-wer hat die Ursachen und Gründe für diesen " Putsch" gestellt
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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#26

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 15:17
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Daß die DDR auch unter demokratischsten Bedingungen immer ein ideologischer Dorn im Auge des Westens gewesen wäre
ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Somit sind Unterwanderung des ungeliebten Staates in jeder Form die logische Folge.


.
.

.
Ebro, der 39. und bürger der ddr haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#27

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 16:27
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #26
Daß die DDR auch unter demokratischsten Bedingungen immer ein ideologischer Dorn im Auge des Westens gewesen wäre
ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Somit sind Unterwanderung des ungeliebten Staates in jeder Form die logische Folge.


Und die gab es zur Genüge


Ebro und der 39. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#28

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 17:43
von damals wars (gelöscht)
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Ansonsten habe ich "5 Tage im Juni und "Der Gaugler" im Bücherschrank, auch sehr lehrreich.


der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#29

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 18:15
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Zitat von Pitti53 im Beitrag #27
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #26
Daß die DDR auch unter demokratischsten Bedingungen immer ein ideologischer Dorn im Auge des Westens gewesen wäre
ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Somit sind Unterwanderung des ungeliebten Staates in jeder Form die logische Folge.


Und die gab es zur Genüge




nachzulesen in jeder Unterichtslektüre


hapedi


Mein Profil ist nach besten Wissen und Gewissen erstellt . Ehrlich


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#30

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 18:47
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Zu den Beiträgen #21 und #24

Es hat schon ein gewisses Geschmäckle wenn ein Zitat von Lenin aus einer Primärquelle als "Beweis", für was denn überhaupt, präsentiert wird.
Der Verursacher dieser Dreistigkeit beruft sich auf Solschenizyn und sein Buch "Archipel Gulag"
Soweit, so schlimm wenn der Beitragseinsteller es nicht für nötig hält seine Quelle zu überprüfen. Hauptsache ist es doch hier einen gewissen Mainstram zu bedienen.

Ein Internetauftritt mit dem Namen Lübeck-Kunterbunt klingt erstmal harmlos.
Seltsam wird es allerdings schon wenn man beim Text ganz nach unten scrollt und den Verfasser William W. Douglas genannt bekommt und das dieser Beitrag (Ausschnittsweise, 2 von 40 Seiten) der Zeitschrift "Historische Tatsachen" entnommen wurde.
Über den Autor an sich ist im Internet nichts oder sehr wenig erhellendes zu finden außer das sich der Autor bzw. die herausgebende Publikation in schöner Regelmäßigkeit auf Listen von indizierten Schriften; rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Schriften; wiederfindet.
Der zitierte Text stammt übrigens aus der Schriftenreihe "Historische Tatsachen" Heft 95 und der vollständige Titel lautet "Sowjetisch-Jüdische Tätergemeinschaft" und ist von 2005.
Die "Historischen Tatsachen" werden von Udo Walendy herausgegeben, ein Geschichtsrevisionist, welcher unter anderem die nationalsozialistische Kriegsschuld bestreitet. In vielen Publikationen seines Verlages wird zudem der Holocaust geleugnet. Er ist wegen Volksverhetzung mehrfach vorbestraft.
Das sich diese Publikation dem Geschichtsrevisionismus verschrieben hat ist bei diesem Verleger nahe liegend.
Damit sind die zitierten Aussagen doch mit einer gewissen Skepsis zu betrachten.

Das usprüngliche, Lenin zugeschriebene Zitat findet sich tatsächlich im Band 26 der gesammelten Werke von Lenin. Gut bei mir auf Seite 413 und nicht wie angegeben auf Seite 412.
Das Zitat befindet sich in dem Artikel "Wie soll man einen Wettbewerb organisieren?" aus dem Jahr 1917, veröffentlicht 1929.
In dieser Schrift macht sich Lenin in ihm eigener Argumentation unter anderem darüber Gedanken wie mit den Feinden des sozialistischen Wettbewerbs, den Kapitalisten, umgegangen werden soll.
Lenin störte sich nicht sonderlich an der differenzierten Analyse von Marx, er brauchte einen konkreten politischen Feind und fand ihn im Kapitalisten.

Er plädierte dabei ganz im Sinne rassistischer Theorien in oben genannter Schrift für dessen soziale und auch physische Vernichtung. Für diesen „Auswurf der Menschheit, diese rettungslos verfaulten und verkommenen Elemente, diese Seuche, diese Pest, diese Eiterbeule“ dürfe es keine Schonung geben, so Lenin. Vielmehr bedürfe es eines Kampfes „auf Leben und Tod“ (LW 26/409). Denn schließlich hätte man es mit „Parasiten“ (ebd.: 410) zu tun. Für den Kampf gegen diese „Parasiten“ empfahl der Führer der russischen Revolution gar mannigfaltige Strategien: „Mannigfaltigkeit ist hier eine Bürgschaft für Lebensfähigkeit, Gewähr für Erreichung des gemeinsamen, einheitlichen Ziels: der Säuberung der russischen Erde von allem Ungeziefer, von den Flöhen – den Gaunern, den Wanzen – den Reichen usw. usf. An einem Ort wird man zehn Reiche (…) ins Gefängnis stecken. An einem anderen Ort wird man sie Klosetts reinigen lassen. An einem dritten Ort wird man ihnen nach Abbüßung ihrer Freiheitsstrafe gelbe Pässe aushändigen, damit das ganze Volk sie bis zu ihrer Besserung als schädliche Elemente überwache. An einem vierten Ort wird man zehn, die sich des Parasitentums schuldig machen, auf der Stelle erschießen.“ (ebd.: 413)
[Abschnitt aus dem Block der Zeit Online "Revolutionsführer Lenin: Ein kommunistischer Klassen-Rassist?" von 2008 entnommen]

An anderer Stelle wird in genannter Schrift der Autor deutlich was er unter den Feinden versteht Für diese Feinde des Volkes, für diese Feinde des Sozialismus und der Werktätigen darf es keine Schonung geben. Kampf auf Leben und Tod gegen die Reichen und ihre Kostgänger, die bürgerlichen Intellektuellen,
gegen die Gauner, Müßiggänger und Rowdys.

Ebenda , S. 409
Interessant ist auch das dieser Artikel im Januar 1929 in der Prawda veröffentlicht wurde als in der SU im Rahmen der gewaltsamen Kollektivierung die Kulaken als neuer Feind auserkoren wurden .......

Man muß Lenin nicht im Keller haben, es genügt zu wissen wo die Gesamtausgabe im Internet zu finden ist.

Natürlich hat es mich etwas irritiert das ausgerechnet eine beherzte Kämpferin gegen die Neuen Rechten in ihrer Argumentation auf rechtsextremes Gedankengut zurückgreift und das mit aller Wahrscheinlichkeit weil es ihr in ihren eigenen ideologischen Kram passte.
Inwieweit dann Aussagen kontra AfD und undifferenziertes pro für Flüchtlingspolitik und Multikulti von ihr noch Ernst zu nehmen sind mag jeder selbst entscheiden.


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Klauspeter, exgakl, der 39. und Ehli haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#31

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 18:55
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Haste fein gemacht. Ich wusste, dass auf Dich Verlass ist. Mir war das einfach zu mühsam in diesem Forum, wo es nicht mehr so drauf ankommt.

Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 18.06.2017 18:56 | nach oben springen

#32

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 19:18
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User @der 39. schreibt, dass die Bezeichnung für den 17. Juni 1953 als "Volksaufstand" erst im Nachhinein hereingetragen wurde. Ich sehe das ganz genau so.

Den 17. Juni 1953 erlebte ich als 14-jähriger in Halle/S.
Vormittags Schule - so wie immer. Ich besuchte damals die Dr.-Kurt-Fischer-Schule (heißt heute anders), und die liegt neben dem bekannten Gefängnis "Roter Ochse".
Nach Schulschluss fiel uns Jungs auf, dass die Mauer zum "Roten Ochsen" eingefahren war. Sah aus, wie "Tag der offenen Tür", es ging aber keiner rein oder raus, Polizei war auch nicht zu sehen.
Auf dem Schul-Nachhauseweg überklebte Schilder von HO-Läden, hin und wider fuhren LKW durch die Straßen, Personen auf der Ladefläche mit Sprechchören wie"Spitzbart, Bauch und Brille ist nicht unser Wille!"
Ich warf meine Schultasche in unsere Wohnung und wollte mir im Stadtzentrum mal ansehen, was so los ist.
Auf Höhe Reileck kam mir mein Vater entgegen, viele Menschen kamen zu Fuß von ihren Arbeitsstätten, weil die Straßenbahnen nicht führen. Mein Vater sagte damals:
"Dreh um, komm mit nach Hause, das hier ist nicht unsere Sache!" Ich weiß es nicht, vielleicht hatte er Angst, mir könne etwas passieren, vielleicht hielt er aber auch wirklich nichts von dieser Sache. Ich habe ihn nie danach gefragt.
Von meinen Verwandten - fast alle aus dem Druckereigewerbe - beteiligte sich keiner an dem Putsch.

Am nächst Tag machte ich mich nach der Schule dann doch einmal in die Spur Richtung Marktplatz. Vor dem Haus der Parteikreisleitung (oder Bezirksleitung ?) sah es aus, als hätte es geschneit: Cm-hohe Papierberge, die aus dem Parteihaus geworfen wurden und in die nun der Wind hinein blies.
Auf dem Markt viel Menschen- mein damaliger Eindruck - Schaulustige. Vor dem Rathaus - etwas in der Ecke - 2 KVP-Soldaten mit Karabiner. Menschen unterhielten sich mit ihnen; sie kamen aus Torgelow.
Hin uns wider, wenn sich zu viele Menschen auf dem Markt angesammelt hatten, fuhren Sowjetsoldaten mit mehreren Molotow mit Beiwagen durch die Menge. Die Leute gingen auseinander; ich habe nicht gesehen, dass jemand angefahren wurde. Die Soldaten fuhren langsam und vorsichtig, wahrscheinlich hatten sie auch Angst um ihr Leben...

Ich habe mir viele veröffentlichte Fotos vom 17. Juni 1953 angesehen. Mich interessierten die Gesichter der Menschen. Haß habe ich in diesen Gesichtern nicht gefunden...

Mir ist es eigentlich egal, ob man diese Ereignisse nun einen Volksaufstand nennt, oder einen Putsch, oder eine organisierte Provokation. Ich finde es schlimm, dass Partei und Regierung der DDR nie konsequente Schlussfolgerungen aus dem 17. Juni 1953 gezogen haben, nämlich Schlussfolgerungen für mehr echte Demokratie.



Rothaut, Cambrino, Hanum83, Lutze, der 39., IM Kressin, josy95, bürger der ddr und Commander haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#33

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 19:37
von Lutze | 9.508 Beiträge | 7609 Punkte
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Eine Schlussfolgerung gab es sicherlich,
und zwar an die Adresse der Staatssicherheit,einen zweiten 17.Juni sollte
mit allen Mitteln verhindert werden,auch wenn Polizisten-Mörder Mielke vier Jahre
später Stasi-Chef wurde
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


der 39., IM Kressin und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#34

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 20:00
von Rainer-Maria Rohloff | 4.230 Beiträge | 12851 Punkte
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Wenn ich heute immer so über den 17. Juni 1953 in der damaligen DDR lese, da frage ich mich manchmal, also was möchte Bürger heute mit seinem texten über damals eigentlich? Etwa ne Wiederholung, so mit Mob und Fackeln und neuerdings auch Panzerfaust aus dem Internet vor die Polizeireviere? Oder wäre man doch besser mit friedlichem Miteinander bedient? Und eben nicht ner Revolution so mit Feuer, Chaos, Hetzjagd usw....weil, das könnte dann doch etwas ausarten?

Eventuell manchem Bürger sein Kaffetrinken mit Kuchen und Schlagsahne stören? Sind wir verrückt oder was, sowas Damaliges noch als irgend was Heroisches, gar als freiheitskampf hinzustellen?

Rainer-Maria also wir sind es wohl.



der 39. und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#35

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 20:05
von IM Kressin | 1.818 Beiträge | 24557 Punkte
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Zitat von Pitti53 im Beitrag #27
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #26
Daß die DDR auch unter demokratischsten Bedingungen immer ein ideologischer Dorn im Auge des Westens gewesen wäre
ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Somit sind Unterwanderung des ungeliebten Staates in jeder Form die logische Folge.


Und die gab es zur Genüge

Bemerkt man auch im Forum, aber die wurden formell "reilosse"!


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!

"Wo ein Genosse ist, da ist die Partei, wo ein Genosse und eine Genossin ist, da ist die Hurerei" geklaut bei DoreHolm
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#36

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 20:16
von Klauspeter | 1.283 Beiträge | 1880 Punkte
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Zitat von Lutze im Beitrag #33
Eine Schlussfolgerung gab es sicherlich,
und zwar an die Adresse der Staatssicherheit,einen zweiten 17.Juni sollte
mit allen Mitteln verhindert werden,auch wenn Polizisten-Mörder Mielke vier Jahre
später Stasi-Chef wurde
Lutze


Da hast Du durchaus recht.
Aber mit Befehlen kann man keine Geschichte gestalten, wenn die Ökonomie nicht stimmt und in der Politik Weltfremdheit herrscht.

Habe ich vorhin vergessen; wer sich für den 17. Juni 1953 in Halle/S. interessiert, dem empfehle ich Erik Neutsch, Der Friede im Osten



Rainer-Maria Rohloff, Lutze und der 39. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#37

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 20:17
von Ehli | 3.170 Beiträge | 17057 Punkte
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Ich stelle mal diesen Link hier ein,es wird geschildert,was sich an diesen Tag in Dresden uns dem Bezirk Dresden abspielte,aus Sicht der Stasi.
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/DDRGes...en/_inhalt.html


„Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht Bankrott gehen will.“
Marcus Tullius Cicero
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zuletzt bearbeitet 18.06.2017 20:42 | nach oben springen

#38

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 18.06.2017 20:35
von buschgespenst | 3.219 Beiträge | 11305 Punkte
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Hausarbeit von Stefan Vogler Universität Leipzig (Historisches Seminar)
Zitat:
Dieser Abschnitt der Hausarbeit wird sich hauptsächlich auf das Buch von Heidi Roth Der 17. Juni 1953 in Sachsen stützen, da eine erneute Bearbeitung der von Roth gesichteten MfS- Akten einen wesentlich größeren Aufwand bedeutet hätte. Im Hinblick darauf, dass das 1999 erschienene Werk auf breiter Ebene Anerkennung gefunden hat, erscheint mir ein direkter Bezug auf Heidi Roth legitim.
Der 17. Juni 1953 in Sachsen von Heidi Roth
...
2.1. Die Situation in Karl- Marx- Stadt

Wenn man davon ausgeht, dass die Stadt Chemnitz erst am 10. Mai des Jahres 1953 in Karl- Marx- Stadt umbenannt wurde, lässt sich daran ein gewisser Anspruch der SED- Bezirksleitung an das Verhalten der mittlerweile Karl- Marx- Städter ableiten. „Es hätte nun ganz und gar nicht in das Bild der SED- Führung gepasst, wenn nach dieser Namensverleihung die angeblichen Herren der Betriebe den Aufstand gegen die SED geprobt hätten.“[4]

Aus diesem Grund waren die Funktionäre der SED- Bezirksleitung Karl- Marx- Stadt sehr früh bemüht, jegliche Aufstände, Unruhen und Demonstrationen in Stadt und Bezirk zu verhindern. Zahlreichen Dokumenten des MfS zufolge muss es bereits 14 Tage vor den Großereignissen in Berlin verschiedene Streiks und Arbeitsniederlegungen mit einer Dauer von bis zu viereinhalb Stunden in Karl- Marx- Stadt gegeben haben.[5] Dadurch motiviert – und durch die Ereignisse in Johanngeorgenstadt[6] sensibilisiert - überlegten die leitenden Staats- und Parteifunktionäre bereits in der Nacht vom 16. zum 17. Juni 1953, wie öffentliche Proteste zu vermeiden wären. Heidi Roth stellt hier besonders heraus, dass im Gegensatz dazu die Spitzenfunktionäre in Leipzig und Dresden erst am frühen Morgen des 17. Junis durch einen Telefonanruf aus Berlin geweckt wurden.[7]

Wenn man den Schilderungen bei Roth folgt, leiteten die Verantwortlichen der Staatsorgane sowie der Partei sofort zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen ein. Neben dem Schutz ihrer eigenen Machtbasen, wie der SED- Bezirksleitung und dem Rat des Bezirkes, schickte man zu Beginn der Frühschicht am 17. Juni eigene Mitarbeiter und sogenannte „Instrukteure“ in die Schwerpunktbetriebe. Bereits in der Nacht liefen die Vorbereitungen für eine massive Machtpräsentation durch Polizei und Militär im gesamten Bezirk. Damit wollte man größeren öffentlichen Demonstrationen und Streiks von Anfang an entgegnen. So wurde am 17.06.1953 um 2.30 Uhr die Bezirksbehörde der Volkspolizei Karl- Marx- Stadt von Berlin aus fernmündlich informiert, die im Bezirk stationierten Wacheinheiten unverzüglich zu mobilisieren. Bereits 45 Minuten später kam es zur Bildung einer Einsatzleitung bei der Volkspolizei.

Nachdem diese ihre eigenen Wacheinheiten in Karl- Marx- Stadt, Aue und Plauen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt hatte, begann die Einsatzleitung ein weitreichendes Netzwerk aufzubauen. Dabei ging es der Volkspolizei, und allen voran dem Chef der Bezirksdirektion, VP- Inspekteur Paul Schwager, um eine zentrale Koordination der Einsatzkräfte sowie dem Schutz „gesellschaftlich wichtiger Einrichtungen“. Dazu gehörten seinerzeit Eisenbahnanlagen, Betriebe der Nahrungsmittelindustrie, alle Elektrizitäts-, Wasser- und Umspannwerke sowie Telegraphenämter. Um darüber hinaus noch einen zuverlässigen Schutz der eigenen Objekte und denen der SED zu erreichen, nahm die Einsatzleitung der VP schnell Kontakt mit der SED- Bezirksleitung auf. Es kam weiterhin zu einer verstärkten Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit, den sowjetischen Dienststellen, dem in der Bezirksstadt ansässigen Betriebsschutz der Wismut, der Grenzbereitschaft Karl- Marx- Stadt sowie den Dienststellen der Kasernierten Volkspolizei in Bärenstein und Frankenberg.[8]

Obwohl es in Karl- Marx- Stadt selbst – im Vergleich zu den beiden anderen sächsischen Bezirksstädten – am 17. Juni 1953 sehr ruhig blieb, scheint innerhalb der Bevölkerung jeder etwas von den Ereignissen in Berlin gehört zu haben.

Wie der Zeitzeuge Lutz Kümmerling berichtete, erlebte er damals als 14jähriger am Chemnitzer Theaterplatz die Machtdemonstration der Sowjetischen Streitkräfte. So ist er am 17. Juni, 14.00 Uhr nach der Schule mit Freunden vom Kaßberg in Richtung Hauptbahnhof gelaufen, um zu sehen, ob an den Gerüchten von Streik und Umbruch etwas Wahres sei. In Höhe des heutigen Hotels „Chemnitzer Hof“ kam ihnen ein sowjetischer Konvoi – vermutlich aus der Kaserne am Zeisigwald – mit einem Jeep sowie 12 T34- Panzern entgegen. Die Kolonne bog dann direkt in die Carolastraße, dem Sitz der sowjetischen Kommandantur, ein.[9] Menschenansammlungen oder selbst Streiks waren in der Industriestadt nicht wahrzunehmen. Überliefert sind lediglich kurzzeitige Arbeitsniederlegungen in den vier volkseigenen Betrieben VEB Vereinigte Gießereien, VEB Büromaschinenwerk I, VEB Schleifmaschinenbau sowie VEB Textima Spinnerei- und Zwirnmaschinenbau.[10]...]

Anmerkung zu Johanngeorgenstadt. Hier wurde bereits am 15. Juni gegen den geplanten Abriss der Altstadt demonstriert. Doch durch die Bedeutung der WISMUT und die Nähe zur Grenze wurde der Aufstand rasch niedergeschlagen.

http://www.grin.com/de/e-book/87128/der-...3-im-erzgebirge

....


Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.
(Edwin Bauersachs)
der 39., IM Kressin und Rainer-Maria Rohloff haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 19.06.2017 08:32
von Nostalgiker | 2.880 Beiträge | 1274 Punkte
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Die Empfehlung in #36 möchte ich etwas einschränken, die Thematik 17.Juni, wird im zweiten Band des Romanzyklus "Der Friede im Osten" von Eric Neutsch thematisiert; "Frühling der Gewalt" so der Untertitel.
Ebenfalls eine umfassendere Schilderung der Ereignisse in Halle findet man in dem Roman "Rummelplatz" von Werner Bräuning.
Nicht vergessen werden sollte der Roman "5 Tage im Juni" von Stefan Heym welcher sich ausschließlich mit den Ereignissen rund um den 17.Juni beschäftigt und zwar in Berlin.
Die beiden letztgenannten Romane sind in der DDR nicht erschienen.


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Hanum83 und Klauspeter haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#40

RE: Im Juni vor 65 Jahren

in Themen vom Tage 19.06.2017 18:03
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Mal so zum Verständnis, sollte der Thread nicht eher Im Juni vor 64 Jahren heißen?

Angefügte Bilder:
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Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 19.06.2017 18:03 | nach oben springen



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