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22.09.2009 22:03von ( gelöscht )
Frage
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Rotes Telefon?

Hallo,
gab es zwischen den Grenztruppen der DDR und dem BGS ein "Rotes Telefon" Wer durfte es bedienen? Wie lief es danach ab? z.B. bei entlaufenen Kühen oder bei Waldbrand?
Habt Ihr Stories über solche Vorkommnisse? Was taten die Offiziere, hatten sie einen freien Handlungsspielraum?
Danke!
Euer Handschweiß

22.09.2009 22:46von Thunderhorse
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GIP = Grenzinformationspunkt.

Es gab von Nord nach Süd-Ost insgesamt 14 GIP.
Ergebniss einer Regierungsvereinbarung vom 20. September 1973.
Auslöser waren die Grenzkommissionen.
An den meisten Grenzübergangsstellen wurden daraufhin Fernsprech-Standleitungen eingerichtet, über diese wurden dringliche Informationen übermittelt.

Zum Beispiel Schadensereignisse (Gewässerverunreinigungen, Wald- und Flächenbrände), Hochwasser, Seuchen, Sprengungen, Ölschäden.
In dringenden Fällen kann dieser Austausch unmittelbar vor Ort erfolgen, z.B. im Bereich von Baustellen.
Der Regelfall war jedoch die Information über GIP.
Im November 1978 wurden diese Informationsmöglichkeiten erheblich ausgeweitet und auf alle Belange im Rahmen der Zuständigkeit der Grenzkommisionen ausgedehnt.
Dies umfaßte unter anderem Markierungsarbeiten, Absprache von Arbeiten (Forst-, Wasserwirtschaftliche und sonstige), Absprache von Terminen (Übergabe von Gegenständen, z.B. Wettersonden, vergessenene Dokumenten, Besprechungen vor Ort).
Grenzpolizeiliche Fälle (Grenzzwischenfälle, etc).
Schwerpunkt bis 1985 und auch ab und an danach waren seitens der DDR die Anmeldung von Sprengungen (Minenräumung).

Zur Sicherstellung der Funktion wurde im täglichen Wechsel eine Funktionsprüfung durchgeführt. Hier war ein entsprechender Text vorgegeben. Später versuchte man westlicherseits das ganze durch gewisse Formen der Höflichkeit aufzulockern.

22.09.2009 22:50von ( gelöscht )
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In Bezug auf das Rote Telefon und dessen administrativem Handlungsspielraum bei den Grenztruppen kann ich Dir nicht viel sagen, da ich bei der anderen Feldpostnummer war.

Die roten Telefone aber sind kein Klischeé, es gab sie auch bei mir im Bunker. Der Bunkerkommandant z.B. hatte ein solches, und im Wohn- und Arbeitsbereich des Leiters BV (Bezirksverwaltung für Staatssicherheit) befand es sich ebenfalls.
Beide Leitungen gingen offensichtlich direkt zum Minister (Armeegeneral Erich Mielke). Diese Telefone haben eine stärkere Leitung (uff deutsch: die Strippe - welche da rauskommt - ist dicker als ne normale Telefonstrippe). Es handelt sich um eine abhörsichere Leitung, die zusätzlich mit einem Mantel aus Gas gefüllt war. Sollte diese Leitung an irgendeinem Punkt angezapft worden sein, merkte man dies am verändertem Gasdruck in der Leitung und man konnte auf einen anderen Strang umschalten. Ich bin auch keine Techniker für diese Art der abhörsicheren Leitungen und erhebe keinen Anspruch auf technische exakte Darstellung. Das können Gilbert oder Alfred oder andere vielleicht besser erklären, ich weiß es nicht.

Vielleicht ein Anfang auf Deine Frage, aber villeicht melden sich noch einige Grenzer.

Wir lesen uns,
Thomas.

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23.09.2009 00:12von 254Spielregel
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Da iss'es, das rote Telefon!

Gruß,254

23.09.2009 00:35von ( gelöscht )
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Zitat von 254Spielregel
Da iss'es, das rote Telefon!
Gruß,254


Sehr schoen! Wo ist (war?) denn das?
-Th

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23.09.2009 08:09von ( gelöscht )
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Auch auf der Güst Marienborn gab es diese Direktverbindung nach Helmstedt. Der Apparat befand sich im "Tower" der Güst im Übergabezimmer des DHO/A. Es wurde täglich zu festgelegter Zeit eine sehr förmliche, jedoch nicht unfreundliche (kam auf den jeweiligen Genossen DHO an) Verbindungsüberprüfung durchgeführt.
Das Gespräch wurde immer auf Tonband mitgeschnitten, sobald man den Hörer abnahm. Ich konnte mitunter mithören, da der Raum nur eine Etage unter dem "Ausguck-Zimmer" lag und die Tür häufig offen stand. Unsereiner hatte da allerdings nichts zu suchen!

Gruß Klaus

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23.09.2009 08:10von ( gelöscht )
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Zitat von Thunderhorse


Zur Sicherstellung der Funktion wurde im täglichen Wechsel eine Funktionsprüfung durchgeführt. Hier war ein entsprechender Text vorgegeben. Später versuchte man westlicherseits das ganze durch gewisse Formen der Höflichkeit aufzulockern.



@th, wie darf/ kann ich mir das vorstellen ?

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23.09.2009 08:15von ( gelöscht )
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Zitat von Bunkerkommandant
Diese Telefone haben eine stärkere Leitung (uff deutsch: die Strippe - welche da rauskommt - ist dicker als ne normale Telefonstrippe). Es handelt sich um eine abhörsichere Leitung, die zusätzlich mit einem Mantel aus Gas gefüllt war. Sollte diese Leitung an irgendeinem Punkt angezapft worden sein, merkte man dies am verändertem Gasdruck in der Leitung und man konnte auf einen anderen Strang umschalten. Ich bin auch keine Techniker für diese Art der abhörsicheren Leitungen und erhebe keinen Anspruch auf technische exakte Darstellung. Das können Gilbert oder Alfred oder andere vielleicht besser erklären, ich weiß es nicht.



@bk, so wie du es beschreibst, kann es nur wtsch gewesen sein. dieses galt durch ständige ver- und entzerrer als abhörsicher. auch durch das innenliegende gas konnte sofort bei druckabfall der versuch des "anzapfens" bzw. des schadens bemerkt werden. auch die schaltpunkte wurden so ähnlich gesichert.
meine frage mal dazu: habt ihr in der afüst auch einen schaltkasten für das wtsch ?

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23.09.2009 08:18von sentry
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Zitat von CaptnDelta
Sehr schoen! Wo ist (war?) denn das?



Das ist der Turm des DHO auf der Autobahn-GÜSt Marienborn.

23.09.2009 08:47von ( gelöscht )
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@sentry,
in 1980/81 sah die Ausstattung auf dem Turm etwas anders aus. Diese große Fernsprechanlagen, die auf dem Bild zu sehen sind, gab es damals noch nicht. Das Foto stammt ja, schon auf Grund der sichtbaren Verkehrsführung, aus einer Zeit lange nach der Wende. Dort steht zwar das Telefon mit dem roten Gehäuse, aber ich könnte mir vorstellen, das ist für die Besucher dort hingestellt worden, um dem Klischee des "roten Telefons" gerecht zu werden, zumal der Übergaberaum des DHO normalerweise nicht gezeigt wird. Der Turm zählt ja zum Grenzmuseum und es ist im Nachhinein sicher nicht einfach, alles möglichst authentisch darzustellen. Das Museum ist auf Hilfe und Unterstützung angewiesen, aber da gibt es wahrscheinlich entweder Ängste oder Desinteresse bei denjenigen, die wirklich vor Ort bis zum Schluß Dienst getan haben.

Gruß Klaus

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23.09.2009 09:20von sentry
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Zitat von Mechaniker
...aber ich könnte mir vorstellen, das ist für die Besucher dort hingestellt worden, um dem Klischee des "roten Telefons" gerecht zu werden,.. Das Museum ist auf Hilfe und Unterstützung angewiesen, aber da gibt es wahrscheinlich entweder Ängste oder Desinteresse bei denjenigen, die wirklich vor Ort bis zum Schluß Dienst getan haben.



Da hast du ganz sicher recht. Das ist alles neu arrangiert worden.
Mit der Zeitzeugengeschichte haben wir beide ganz unterschiedliche Erfahrungen. Du hattest an anderer Stelle schon einmal geschrieben, dass Du da Kontakt hattest.
Ich hatte mich im Zusammenhang mit einem anderen Projekt dort auch einmal angeboten, allerdings ist ein Kontakt nicht wirklich zustande gekommen. Ich hatte einige Vorab-Telefonate, aber so richtig Interesse schien damals in der Gedenkstätte keiner zu haben, so dass aus mir da noch keiner etwas rausgeholt hat.
Nun gut, letztendlich bin ich für die Thematik der Gedenkstätte auch die falsche Seite. in Abhängigkeit von den Personen die im jeweiligen Zeitraum das Sagen haben, werden Opfergeschichten udn sensationelle Ereignisse gegenüber einer realisitschen Darstellung der damaligen GÜSt stark übergewichtet. Das ist noch nicht einmal ein Vorwurf, so ist eben die allgemeine Sicht auf die Geschichte heute - ist ja auch kein Technik- oder Armeemuseum sondern eine Gedenkstätte...deren Entscheidung, was sie integrieren wollen und was nicht.

23.09.2009 20:55von ( gelöscht )
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Zitat von Mechaniker
... Der Turm zählt ja zum Grenzmuseum und es ist im Nachhinein sicher nicht einfach, alles möglichst authentisch darzustellen. Das Museum ist auf Hilfe und Unterstützung angewiesen, aber da gibt es wahrscheinlich entweder Ängste oder Desinteresse bei denjenigen, die wirklich vor Ort bis zum Schluß Dienst getan haben.

Gruß Klaus




Vielleicht handelt es sich auch um eine Gedenkstätte, dann wäre die historische genaue Darstellung sowieso sch...egal!! Wie ja schon in anderen Thread festgestellt.

Gruß Stefan

PS: Meine Antwort bezieht sich auf das Zitat, unabhängig von dem nachfolgenden Kommentar.

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23.09.2009 21:00von ( gelöscht )
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Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Thunderhorse


Zur Sicherstellung der Funktion wurde im täglichen Wechsel eine Funktionsprüfung durchgeführt. Hier war ein entsprechender Text vorgegeben. Später versuchte man westlicherseits das ganze durch gewisse Formen der Höflichkeit aufzulockern.



@th, wie darf/ kann ich mir das vorstellen ?




Anfang der 80er gab es mal einen kurzen, aber netten Bericht in der Fuldaer Zeitung (damals hieß sie noch irgendwie anders):
"...nach 34 Monaten wurde erstmals, während der Funktionsprüfung, das "Guten Morgen" von ostdeutscher Seite erwidert"

Hat mir mal ehem. Redakteur erzählt - der Schnippsel liegt im Fuldaer Stadtarchiv.

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23.09.2009 21:27von Thunderhorse
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Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Thunderhorse

Zur Sicherstellung der Funktion wurde im täglichen Wechsel eine Funktionsprüfung durchgeführt. Hier war ein entsprechender Text vorgegeben. Später versuchte man westlicherseits das ganze durch gewisse Formen der Höflichkeit aufzulockern.


@th, wie darf/ kann ich mir das vorstellen ?





In der Anfangszeit hielten sich beide Seiten an den Text, der beim täglichen Kontrollanruf zur Funktionsfähigkeit der GIP-Verbindung vereinbarte wurde.

Westlicherseits wurde vor diesem Text schon frühzeitig (ab wann an welchem GIP, kann ich nicht mehr sagen) durch die Grußformel:
Guten Tag/Guten Morgen oder in Bayern, Grüß Gott begonnen und meist mit Auf Wiederhören beendet.
Zu bestimmten Feiertagen kam es vor, dass z.B.: Weihnachten/Neujahr:
Frohe Festtage oder Ein Gutes Neues Jahr gewünscht wurde.

Es dauerte längere Zeit, bis seitens der DDR hier eine entsprechende Reaktion erfolgte und der Tagesgruß ebenfalls erwiderte wurde.

Es waren kleine Schritte!

Über GIP wurden die täglichen Kotnrollanrufe zur Leitungsprüfung und die Durchsagen gem. der gemeinsamen Vereinbarungen (Schadensfälle, Brände, Hochwasser, Windbruch, Minensprengungen, etc.) getätigt.
Anfragen darüber hinaus wurden seitens der DDR nicht beantwortet bzw. der Satz:
Ihre Mitteilung entspricht nicht den Vereinbarungen, wenden Sie sich an die DDR auf dem dafür vorgesehenen Weg.

Dies konnte wieder bei den Treffen der gemeinsamen Grenzkommission zu einem Protest, hier seitens der DDR führen.


23.09.2009 23:09von ( gelöscht )
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Zitat von GilbertWolzow
meine frage mal dazu: habt ihr in der afüst auch einen schaltkasten für das wtsch ?



Du, ich weeß nich mal, was wtsch bedeutet und ich habe im Stollen mit der Fernsprechzentrale jede Menge Schaltschränke und MSN 70 oder so'n Zeugs. Keine Ahnung.
Alles dort gehört zum S1.

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( gelöscht )
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