Die Spezialkommission - Geheime Mordermittlung in der DDR

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05.03.2017 13:44 (zuletzt bearbeitet: 28.10.2017 14:22)
#1
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Veröffentlicht am 30.01.2017
Die Dokumentation stellt erstmals die Arbeit der sogenannten Spezialkommission vor. Diese Sondereinheit des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR hatte die Aufgabe, vermeintlich staatsgefährdende Schwerverbrechen aufzuklären und deren Hintergründe vor der Öffentlichkeit zu vertuschen.


PS: jetzt geht der Link wieder


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05.03.2017 14:02 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 14:08)
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#2
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Ich möchte kurz einen Beitrag zur Differenzierung dieses Themas leisten. Der Film spricht über die Spezialkommssion des MfS nicht zu verwechseln mit der Spezialkommission (Speziko) der Transportpolizei.
Die Speziko untersuchte alle größeren bzw. schweren Unfälle auf dem Gebiet der Deutschen Reichsbahn, Zuggefährdungen, Straßenverkehrsunfälle an Gleisanlagen und Bahnübergängen, schwere Abeitsunfälle (personen- oder Sachschäden), größere Brände auf den Strecken, in Fahrzeugen und stätionären Anlagen der DR ,alle unnatürlichen Todesfälle auf dem Gelände der DR und alle Angriffe auf das Verkehrswesen, einschließlich Vorsatzhandlungen auf Reichsbahngebiet.

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
Weisheit hat Grenzen, Dummheit nicht. Stefan Rogal


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05.03.2017 15:08 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 19:29)
#3
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@Schlutup ,

Untersuchungskommissionen der Strafermittlungsbehörden der DDR oblag der der Staatsanwaltschaft.

Zitiere hier aus dem Buch: "Morduntersuchung in der DDR"

Der Staatsanwalt ist berechtigt :

1. Weisungen zu erteilen, einzelner Ermittlungshandlungen, der Fahndung sowie der Einleitung und Durchführung des Ermittlungsverfahrens, einzelner Ermitlungshandlungen, der Fahndung sowie zur Weiterleitung oder Einstellung der Sache.

2. Von den Untersuchungsorganen Unterlagen und andere Angaben über Ermittlungsverfahren anzufordern.

3. Strafsachen mit schriftlichen Weisungen zur Nachermittlung an das Untersuchungsorgan zurückzugeben.

4. ungesetzliche Verfügungen des Untersuchungsorgans aufzuheben oder abzuändern.

Für die Untersuchungsorgane des MfS galten keine Sonderregelungen oder Ausnahmerechte, und es existierten auch keine MfS-internen Vorschriften, die im Wiederspruch zu den geltenden Rechtsnormen gestanden hätten.

Die Zuständigkeit der Untersuchungsorgane des MfS erstreckte sich vorrangig auf die Untersuchung von Straftaten nach den Kapiteln 1 und 2 im Besonderen Teil des Strafgesetzbuches der DDR.

-Planung und Durchführung von Aggressionskriegen, Anwerbung von Bürgern der DDR für kriegerische Handlungen, Kriegshetze, völkerrechtswiedrige Verfolgung von DDR-Bürgern, verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen,faschistische Propaganda, Völker - und Rassenhetze.

-Hochverrat, Spionage, Landesverräterische Agententätigkeit, Terror, Diversion, Sabotage, staatsfeindlicher Menschenhandel und staatsfeindliche Hetze sowie Militärstraftaten, soweit sie von sicherheitspolitischer Relevanz waren.

-Straftaten der allgemeinen Kriminalität (beispielweise Straftaten gegen die staatliche Ordnung gemäß 8. Kapitel des StGB), die durch ihre Umstände oder Auswirkungen Fragen der staatlichen Sicherheit tangierten. Mit Genehmigung des Staatsanwaltes konnten Ermittlungsverfahren solcher Art von Untersuchungsorganen der Kriminalpolizei oder von der Zollverwaltung übernommen bzw. an diese übergeben werden.


Die Referate dieser Spezialkommissionen bestanden auch aus Experten zur Aufklärung von Tötungsdelikte, Suizide, Havarien und Brände.

Wer mehr Wissen sich über diese Thema aneignen möchte sollt das o.g. Buch lesen. Auf den Seiten 160 bis 206 werden die Spezialkommissionen, ihre Arbeit, Tätigkeit, Untersuchungen und Fallbeispiele. Insbesondere die Zuständigkeit und Zusammenarbeit mit der MUK des MdI.
Auch im Buch "Transitleichen" wird die Tätigkeit dieser Spezialkommissinen excellent dargelegt.

Die im Film wiedergegebenen "Tatsachen" entsprechen so nicht den tatsächlichen Verhältnissen bei der Verbrechensbekämpfung. Das damals nur, wenn es als nötig erachtet wurde, im eng begrenzten Rahmen bei der Aufklärung Täterbilder, deren Werkzeuge bzw. Fund - oder Beweisstücke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden lag daran das man keine unnötige Unruhe in der Bevölkerung herbei führen wollte. Erinnert sei an den "Kreuzworträtsel-Fall" von Halle.


passport


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05.03.2017 16:03 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 16:24)
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#4
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Ein sehr naher Verwandter war zu DDR-Zeiten Leiter einer MUK, laut seiner Aussage fühlte er sich vom anderen Organ in seiner Arbeit eher behindert wegen ständig Rapport und permanenter Einmischung.
Nach der Wende wäre, abgesehen von der Traurigkeit der Aufgabe, das nun selbstständige kriminalistische Arbeiten eine Freude gewesen.
Der Stempelmann als Oberfachmann wird das aber wieder besser wissen befürchte ich mal und ehe wieder der rethorische Reisswolf angeschmissen wird, einer bezieht seine unumstößlichen Argumente aus Gesprächen mit Herrn Grossmann und ich halt aus Gesprächen mit einem ehemaligen Major der DVP.


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05.03.2017 16:27 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 16:27)
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#5
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Major der K war er @Hanum


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05.03.2017 16:30 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 16:35)
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#6
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Zitat von Merkur im Beitrag #5
Major der K war er @Hanum

War aber wohl VP, oder gab es noch mehr Organe
Obwohl, beim völligem Organversagen...


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05.03.2017 16:38
#7
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Wenn die Kripoarbeit vor der Wende keine Freude war frage ich mich warum er trotzdem weitergemacht hat. MdI und MfS waren 2 unabhängige Ministerien. Natürlich gab zwecks Zusammenarbeit entsprechende Befehle und Weisungen (sh. o.g. Bücher). Aber jeder hatte seine Vorgesetzten wo man auf dienstliche Ebene Probleme regeln konnte. Bei uns auf der Güst wurden diese auch auf Leiterebene geregelt nach entsprechenden Infos durch die MA.. Keiner hat Schaden genommen und es diente letztendlich der Verbesserung der gestellten Aufgaben.

Wenn dein Bekannter bei der Kriminalpolizei arbeitete hiess der Zusatz zum Dienstgrad immer .....der K.


passport


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05.03.2017 16:46 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 16:48)
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#8
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Zitat von passport im Beitrag #7
Wenn die Kripoarbeit vor der Wende keine Freude war frage ich mich warum er trotzdem weitergemacht hat. MdI und MfS waren 2 unabhängige Ministerien. Natürlich gab zwecks Zusammenarbeit entsprechende Befehle und Weisungen (sh. o.g. Bücher). Aber jeder hatte seine Vorgesetzten wo man auf dienstliche Ebene Probleme regeln konnte. Bei uns auf der Güst wurden diese auch auf Leiterebene geregelt nach entsprechenden Infos durch die MA.. Keiner hat Schaden genommen und es diente letztendlich der Verbesserung der gestellten Aufgaben.

Wenn dein Bekannter bei der Kriminalpolizei arbeitete hiess der Zusatz zum Dienstgrad immer .....der K.passport


Er wird das gemacht haben weil Mörder immer Schei... sind, egal in welchem System, nehme ich mal stark an, er hat sie ja auch noch in der neuen Zeit zur Strecke bringen dürfen als Fachmann, wo ihr Fachmänner auf dem großen Berg wart, zurecht.


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05.03.2017 17:13
#9
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als Fachmann, wo ihr Fachmänner auf dem großen Berg wart, zurecht.


Wenn diese Experten und Fachmänner mit ihren Wissen, Können und Kenntnisse nach der Wende hätten weiterarbeiten dürfen wären viele K-Fälle schneller, besser und umfangreicher gelöst worden. Alleine schon durch ihre umfangreiche K-Ausbildung z.B. an der Humboldt-Uni als Diplom-Kriminalisten.


BDK Mecklenburg-Vorpommern
Kriminalist – nur ein Fortbildungsberuf?
09.07.2012 14:50

Seit Jahren und Jahrzehnten setzt sich der BUND DEUTSCHER KRIMINALBEAMTER dafür ein, dass sowohl der Kriminalist als auch die Kriminalwissenschaften die Anerkennung als Beruf bzw. Wissenschaft finden, die ihnen zustehen. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Situation nach unserer Meinung besonders prekär.
Bis zur Wende wurden angehende Kriminalisten in Kriminalistik-Klassen an der Polizeischule in Aschersleben unterrichtet oder sie studierten vier Jahre das Fach Kriminalistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend nahmen sie als kriminalistische und polizeiliche Fachleute ihren Dienst auf. Eine vergleichbare Kriminalausbildung gibt es heute in unserem Bundesland nicht mehr.



Die superschlauen Wessis haben ja dieses Fach an der Humboldt-Uni glaube 1992 auslaufen lassen. War ja was spezifisches aus dem Osten, also schlecht, musste weg. Heute fehlen solche Experten. Man merkt es ja an der Kriminalistikstatistik.


passport


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05.03.2017 17:16 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 20:01)
avatar  Merkur
#10
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Meine Sicht auf die Doku:
Der Titel der Dokumentation von Filmemacherin Gabi Schlag klingt für Interessierte an DDR-Kriminalfällen spannend und vielversprechend. Aber allein schon die mediale Ankündigung „In der DDR gab es Verbrechen, die es nicht geben durfte“ oder „die Kommission wurde zu einer jenseits der Rechtsstaatlichkeit agierenden geheimen Polizei neben und über der eigentlichen Kriminalpolizei“ ließ die Tendenz des Filmes unmissverständlich erkennen.
Dazu wanderte ein Bild durch die Gazetten, welches wie folgt bezeichnet wird:„Bei der Arbeit: Mitarbeiter der Spezialkommission der Staatssicherheit an einem Tatort(…)“, als Quelle wird „WTS-MIXEDMEDIA“ angegeben. Richtig ist, dass es sich bei dem abgedruckten und im Film gezeigten aber damals lediglich gestellten Foto um Kriminalisten der Diensthabenden Gruppe der Kriminalpolizei des Präsidiums der Volkspolizei Berlin mit ihrem Einsatzfahrzeug B 1000 sowie einen Berliner Schutzpolizisten handelt. Die richtige Quelle wäre übrigens Film- und Bildstelle des MdI gewesen.
Allein der Titel der Doku ist irreführend. Es gab nicht DIE Spezialkommission (SK) sondern für die Untersuchung unnatürlicher Todesfälle existierten im MfS die Hauptabteilung IX/7, Referat 1 (vormals Mord- und Brandkommission) sowie in allen Bezirksverwaltungen des MfS eine Spezialkommission der Linie IX. Die Aufstellung der SK in den Bezirken begann 1967 und war 1970 abgeschlossen.
Im Film wird der Zuschauer dann darüber aufgeklärt, dass die „Spezialkommission Verbrechen nicht nur aufklären sondern vor der Bevölkerung geheim halten“ sollten. Korrekt ist, dass die Spezialkommissionen Verbrechen ausschließlich untersuchen und aufklären sollten. Die Leiter und Mitarbeiter der SK hatten nicht den Auftrag, die Bevölkerung zu unterhalten und zudem keine Befugnis, medial über die zu untersuchenden Verbrechen berichten zu lassen. Die Entscheidung, wann und wo über einen Fall in der Presse berichtet wurde, lag in keinem Fall bei den Spezialkommissionen. Übrigens war die Verfahrensweise bei den Morduntersuchungskommissionen (MUK) der Kriminalpolizei analog. Die Entscheidung über die angemessene Einbeziehung der Bevölkerung setzte ein entsprechendes Verantwortungsbewusstsein voraus. Unter Beachtung der Geheimhaltung, vorrangig hinsichtlich des Täterwissens, kriminaltaktischer Erwägungen sowie möglicher Erfolgserwartungen war die Notwendigkeit sorgfältig zu prüfen und dann zu entscheiden. Zudem sollte innerhalb der Bevölkerung keine unbegründete Kriminalitätsangst hervorgerufen werden.
Im Film kommt auch die bessere und modernere Ausstattung der SK zur Sprache. Ja, die SK waren besser und moderner ausgestattet. Allerdings wurde nicht darüber berichtet, dass die SK in vielen Fällen die MUK mit ihrer Technik unterstützten. Aber führten ein besseres Schallaufzeichnungsgerät oder eine Polaroid-Kamera zum Täter? Wohl kaum. Immer war letztlich der Mensch entscheidend an der Aufklärung der Verbrechen beteiligt. Und der Mensch war es auch, der die Zusammenarbeit zwischen den SK und den MUK gestaltete und prägte. Dass es hier bezirkliche Unterschiede gab, liegt in der Natur der Menschen.
Und natürlich wurden auch andere Klischees im Film voll und ganz erfüllt. So durften die medial überstrapazierten Szenen zur konspirativen Wohnungsdurchsuchung aus dem allseits bekannten MfS-Lehrfilm nicht fehlen. Leider wurde in der Doku nicht darüber berichtet, dass eine solche konspirative Wohnungsdurchsuchung bei den Film-Fällen nicht stattfand. Die Wohnungsdurchsuchungen bei den beiden Serienmördern in der Doku erfolgten im Rahmen eines eingeleiteten Ermittlungsverfahrens, als sich beide bereits in Untersuchungshaft befanden und führten zum Auffinden wichtiger Beweismittel in Form von Aufzeichnungen, die beide Täter zu den Taten fertigten.
In der Doku von Frau Schlag erfährt der Zuschauer hinsichtlich der Krankenschwester und Serienmörderin, im Film Sybille D. genannt, dass der Chefarzt der Frauenklinik Prof. Springer hinsichtlich seiner Feststellungen den Leiter der Bezirksverwaltung des MfS, Generalmajor Hummitzsch anruft und dieser dem Mediziner rät, Anzeige zu erstatten. Klar, der Arzt ruft mal einfach unkompliziert beim General des MfS an. Klingt komisch und ist es letztlich auch. In der Realität war der Auslöser für die Ermittlungen der Leipziger SK an der Städtischen Frauenklinik die Mitteilung des Kreisarztes Leipzig an die Kreisdienststelle für Staatssicherheit Leipzig-Stadt. Der Kreisarzt informierte am 10.04.1986 die zuständige Kreisdienststelle über Unregelmäßigkeiten bei der Muttermilchversorgung Neugeborener und damit auftretender medizinischer Komplikationen. Leider bleibt unbekannt, wessen Hirn der Anruf des Chefarztes bei Generalmajor Hummitzsch entsprang. Manfred Hummitzsch selbst kann dazu keine Auskunft mehr geben.
Und natürlich darf auch der bekannteste DDR-Serienmörder Erwin Hagedorn nicht fehlen. Zum Fall Hagedorn heißt es in der Doku: „Schon einmal hatte die Spezialkommission Kindermorde falsch eingeordnet“ bzw. „tippte die Spezialkommission auf eine Beziehungstat“ oder der Täter wurde „mit Hilfe von Polizeipsychologen gefasst.“ Richtig ist, dass die an der Untersuchung beteiligten Kriminalisten des MfS (HA IX/7 des MfS und SK der BV Frankfurt/Oder) bereits nach dem Doppelmord an den beiden Jungen 1969 davon ausgingen, dass es sich bei dem Täter um einen „Sexualpsychopathen mit sadistischer Prägung, also um einen in der Triebsphäre gestörten Mann, um einen Pädophilen handelt.“ Wie es zu den o.g. Aussagen in der Doku kommt, lässt sich leider nicht verifizieren. Korrekt dagegen ist, dass der Täter mit zielführender Unterstützung durch forensische Psychiater ermittelt werden konnte. Allerdings verzichtet die Doku auch hier auf die Benennung der konkreten Umstände. So waren es die Angehörigen der HA IX/7 des MfS, Py. und Lü., die zuerst den international bekannten Gerichtspsychiater Prof. Schipkowensky in Sofia konsultierten und dann den Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik der Carite´ Dr. Dr. Szewczyk hinsichtlich der Erstellung eines Gutachtens auf der Grundlage aller verwertbaren Ausgangsdaten des Falles beauftragten, was letztendlich zum Erfolg führte.
Im Fall des getöteten Hauptwachtmeisters der VP La. vom 21.09.1982 kommen zwei ehemalige Mitarbeiter der Berliner MUK zu Wort. Die beiden dargestellten Kriminalisten beklagen, dass die SK die Befragung abrupt unterbrochen und den Verdächtigen mitgenommen habe. Das ist insofern korrekt, als dass die SK den Fall letztlich übernommen hat. Aber auch hier lohnt sich die konkrete Darstellung der Ereignisse. Richtig ist, dass der Verdächtige R. am 25. und 26.09.1982 von der Berliner MUK überprüft und vernommen worden ist. Es ist also nicht so, dass der Verdächtige bereits kurz nach seiner Zuführung durch die SK übernommen wurde, denn bereits am Tag der Zuführung informierte MUK-Leiter den SK-Leiter über den Sachverhalt. Die Übernahme durch die SK der BV Berlin erfolgte erst am 27.09.1982, nachdem R. sich bereits zwei Tage bei der Berliner MUK befand und am 26.09.1982 sein Geständnis schriftlich fixiert hatte. Auch wurde die Übergabe des Verdächtigen an das MfS durch den verantwortlichen Dezernatsleiter mitgeteilt. Vernommen durch zwei andere MUK-Kriminalisten und nicht durch die Interviewten, machte R. in allgemeiner Form Aussagen darüber, den Schutzpolizisten durch Messerstiche getötet und dessen Dienstwaffe an sich genommen zu haben. Außerdem machte R. bei seiner Vernehmung durch die MUK Aussagen zu Spionen, zu denen er Kontakt gehabt haben will. Bei R. handelte es sich um eine „erheblich fehlentwickelte Person mit einer manifestierten abnormen Lügensucht“, was allerdings bei der Übernahme des Verfahrens durch das MfS noch nicht bekannt war und erst durch eine spätere Exploration bekannt wurde. Vor seiner Übergabe an das MfS äußerte der Tatverdächtige gegenüber dem MUK-Leiter, dass er die Tat nicht begangen habe und sein Geständnis den Zweck hatte dem MfS übergeben zu werden. Letztlich musste der aus Görlitz stammende Tatverdächtige vom MfS entlassen werden, da die geführten Untersuchungen keinerlei Beweistatsachen für seine Täterschaft ergeben hatten. Auch mit den kriminaltechnischen Untersuchungsergebnissen war der Tatbeweis nicht zu führen. Zur Wahrheit gehört auch, dass der Fall der Kriminalpolizei nicht entzogen war, wie im Film suggeriert. Er wurde in Zusammenarbeit Linie IX des MfS und Hauptabteilung Kriminalpolizei, Referat 3, bearbeitet. Leider gilt der Fall bis heute als ungeklärt.
Nach den bisher geschilderten Inhalten des Filmes überrascht es nur noch wenig, dass man aus dem Serienmörder im Film Martin S. genannt, einen Leutnant der NVA machte. Da musste man schon ein wenig dicker auftragen und der korrekte Dienstgrad von S., Unterfeldwebel, erschien der Filmemacherin wohl zu klein, denn ein Offizier musste es schon sein. Natürlich hat das MfS auch in diesem Fall zusammen mit der Kriminalpolizei auf zentraler und territorialer Ebene ermittelt. Nach dem der Täter durch die VP bei einer weiteren versuchten Tat festgenommen worden war, erfolgte seine Übergabe an das MfS. Dies war insofern nicht ungewöhnlich, da die HA IX/6 explizit für die Untersuchung von schweren Straftaten durch NVA-Angehörige fachlich zuständig war. Dieser Fakt wurde dem unbedarften Zuschauer selbstverständlich nicht mitgeteilt.

Zusammenfassend lässt sich über den Film sagen:Durch die geschickte Auswahl von Fakten und deren Mischung mit nicht nachvollziehbaren Behauptungen sowie dem Weglassen von Tatsachen, ist es dem unbedarften Zuschauer faktisch nicht möglich, Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden. Dabei ignoriert die Filmemacherin völlig, dass bestimmte Verbrechen ohne das Wirken der Kriminalisten des MfS nicht hätten aufgeklärt werden können. Und das hatte wenig mit der moderneren Technik zu tun. Beispiele dafür gibt es zur Genüge. Frau Schlag hat sich auf ein Terrain begeben, dessen Inhalt und Umfang sie nicht überblicken konnte oder wollte, dies gilt ebenso für einen Teil der interviewten Personen. Für das Zusammenleben der Menschen war die Aufklärung der Verbrechen sowie die Verurteilung des Täters wichtig. Da interessierte es den DDR-Bürger wenig, ob der Mörder durch die Kriminalpolizei oder die Staatssicherheit überführt wurde. Letztlich zählte der Erfolg. Müssen sich die Kriminalisten der Spezialkommissionen dafür entschuldigen?


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05.03.2017 17:21 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 17:25)
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Zitat von passport im Beitrag #9
als Fachmann, wo ihr Fachmänner auf dem großen Berg wart, zurecht.


Wenn diese Experten und Fachmänner mit ihren Wissen, Können und Kenntnisse nach der Wende hätten weiterarbeiten dürfen wären viele K-Fälle schneller, besser und umfangreicher gelöst worden. Alleine schon durch ihre umfangreiche K-Ausbildung z.B. an der Humboldt-Uni als Diplom-Kriminalisten.


BDK Mecklenburg-Vorpommern
Kriminalist – nur ein Fortbildungsberuf?
09.07.2012 14:50

Seit Jahren und Jahrzehnten setzt sich der BUND DEUTSCHER KRIMINALBEAMTER dafür ein, dass sowohl der Kriminalist als auch die Kriminalwissenschaften die Anerkennung als Beruf bzw. Wissenschaft finden, die ihnen zustehen. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Situation nach unserer Meinung besonders prekär.
Bis zur Wende wurden angehende Kriminalisten in Kriminalistik-Klassen an der Polizeischule in Aschersleben unterrichtet oder sie studierten vier Jahre das Fach Kriminalistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend nahmen sie als kriminalistische und polizeiliche Fachleute ihren Dienst auf. Eine vergleichbare Kriminalausbildung gibt es heute in unserem Bundesland nicht mehr.




Die superschlauen Wessis haben ja dieses Fach an der Humboldt-Uni glaube 1992 auslaufen lassen. War ja was spezifisches aus dem Osten, also schlecht, musste weg. Heute fehlen solche Experten. Man merkt es ja an der Kriminalistikstatistik.


passport


Deine von dir angeführten Experten hätten doch ihr auf der Humboldt-Uni erworbenes Wissen gleich im MdI-Ministerium anwenden können.
Falsche Ministerienwahl halt, historisch, Mörder fängt nun mal traditionell die Polizei, historisch.
Gut, in der DDR wurde gerne der Esel von hinten aufgezäunt, dann aber halt wieder von vorne.


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05.03.2017 17:25
#12
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Hanum, entweder stellst du dich unwissend oder ......

Man geht nicht zum K-Studium und danach zu den entsprechenden Ministerien. Man wird von seinem Ministerium delegiert zu diesen Studium.


passport


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05.03.2017 17:28
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Okay, da bin ich wirklich als Nicht-Organmitglied etwas unwissend, ich sinniere vom normalvernünftigen Standpunkt, wenn du weist was ich meine.


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05.03.2017 17:29 (zuletzt bearbeitet: 12.03.2017 12:08)
avatar  Merkur
#14
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Zitat
Hanum schrieb:
"Deine von dir angeführten Experten hätten doch ihr auf der Humboldt-Uni erworbenes Wissen gleich im MdI-Ministerium anwenden können.
Falsche Ministerienwahl halt, historisch, Mörder fängt nun mal traditionell die Polizei, historisch."



Es ist nicht nicht schlimm, wenn man sich in bestimmten Bereichen nicht auskennt. Schlimm wird es nur dann, wenn man sich unqualifiziert äußert


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05.03.2017 17:31
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#15
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #11
Zitat von passport im Beitrag #9
als Fachmann, wo ihr Fachmänner auf dem großen Berg wart, zurecht.


Wenn diese Experten und Fachmänner mit ihren Wissen, Können und Kenntnisse nach der Wende hätten weiterarbeiten dürfen wären viele K-Fälle schneller, besser und umfangreicher gelöst worden. Alleine schon durch ihre umfangreiche K-Ausbildung z.B. an der Humboldt-Uni als Diplom-Kriminalisten.


BDK Mecklenburg-Vorpommern


Kriminalist – nur ein Fortbildungsberuf?
09.07.2012 14:50

Seit Jahren und Jahrzehnten setzt sich der BUND DEUTSCHER KRIMINALBEAMTER dafür ein, dass sowohl der Kriminalist als auch die Kriminalwissenschaften die Anerkennung als Beruf bzw. Wissenschaft finden, die ihnen zustehen. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Situation nach unserer Meinung besonders prekär.
Bis zur Wende wurden angehende Kriminalisten in Kriminalistik-Klassen an der Polizeischule in Aschersleben unterrichtet oder sie studierten vier Jahre das Fach Kriminalistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend nahmen sie als kriminalistische und polizeiliche Fachleute ihren Dienst auf. Eine vergleichbare Kriminalausbildung gibt es heute in unserem Bundesland nicht mehr.




Die superschlauen Wessis haben ja dieses Fach an der Humboldt-Uni glaube 1992 auslaufen lassen. War ja was spezifisches aus dem Osten, also schlecht, musste weg. Heute fehlen solche Experten. Man merkt es ja an der Kriminalistikstatistik.


passport


Deine von dir angeführten Experten hätten doch ihr auf der Humboldt-Uni erworbenes Wissen gleich im MdI-Ministerium anwenden können.
Falsche Ministerienwahl halt, historisch, Mörder fängt nun mal traditionell die Polizei, historisch.
Gut, in der DDR wurde gerne der Esel von hinten aufgezäunt, dann aber halt wieder von vorne.


Den Hinterbliebenen der Mordopfer war es Scheiß - egal wer die Täter stellte. Das kannst Du mir abnehmen, da ich selbst Betroffene kenne.


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