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#21

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.09.2009 22:04
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Hackel39
Hallo Julie,

die Züge, von denen ich sprach waren Interzonenzüge, die von DDR- Lokführern der Deutschen Reichsbahn (die hieß noch so wie aus Vorkriegszeiten, weil man sich so die devisenträchtige Betriebsführung in Westberlin sichern konnte) bis zu den genannten Grenzbahnhöfen gebracht wurden und die Chance abzuhauen oder krumme Geschäfte zu machen, z. B. Warentausch mit Fahrgästen u.ä. wäre mit einer gewissen kriminellen Energie durchaus denkbar gewesen, da die abzufertigenden Züge nicht in Drahtkäfigen standen und sie auch im Dunkeln fuhren bzw. noch nach Kleidungswechsel des Lokführers nach der Zollkontrolle hätten bestiegen werden können und eben diesem Risiko wollte man mit einer linientreuen Besatzung vorbeugen.
Die Stasi war hier notwendig, um schon vorab herauszufinden, ob es eventuell Ambitionen zur Flucht einzelner Personale geben könnte.
In Berlin hat sogar schon mal ein ganzer Zug den Grenzdurchbruch geschafft, wobei die Initiatoren die durchgehende Zugbremse außer Betrieb gesetzt hatten, so daß die Notbremse vom Wagen aus nicht mehr wirksam war.
Vor solchen Aktionen hatte die Staatsführung natürlich eine Höllenangst und man kann auch nicht unbedingt darauf bauen, daß Flüchtlinge auf Unbeteiligte Rücksicht nehmen.
Ach so, meine schönste Erinnerung an die Wende.
Ich kann CD´s von den Kinks, Byrds, Jefferson Airplane...kaufen und die Häuser sind nicht mehr so grau.
Gruß Hackel.



:.........................................................................................

Ja Hackel, der Zug mit dem Lokführer Harry Deterling im Dezember 1961. Ich hatte übrigens das Vergnügen im Januar 1962 seinen Heizer Hartmut Lichy im Notaufnahmelager Gießen kennen und schätzen zu lernen. Tolle Kerle, diese Beiden!!!


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#22

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.09.2009 22:33
von maja64 (gelöscht)
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Hallo Julie

Entschuldige bitte,habe deinen Beitrag von gestern Abend erst jetzt gelesen.
Aber ich weis nicht richtig was du meist,meintest du unsere PilZgeschichte oder doch ehr unsere PilSgeschichte.


Grüße vom Rennsteig,maja


zuletzt bearbeitet 22.09.2009 22:34 | nach oben springen

#23

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.09.2009 02:45
von Rainman2 | 5.851 Beiträge | 811 Punkte
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Hallo Julie,

auf Deine Fragen, so wie Du sie stellst, kann ich Dir leider nicht antworten. Aber lass mich Dir die Geschichte eines Satzes erzählen, den ich von meiner Großmutter gehört habe. Ich muss diese Geschichte schnell erzählen, da ich ins Bett muss. Deshalb kommt zunächst der jahrzehnteschwere Überbau durch quasi einen Off-Erzähler:

- Oma wurde 1901 in Leipzig geboren
- Ihr späterer Mann, mein Opa, war im Ersten Weltkrieg auf einem Kleinen Kreuzer
- Am 20.01.1918 versank dieser Kreuzer in der Ägäis, nachdem er auf fünf englischen Minen gelaufen war (ca. zwei Drittel der Besatzung kam ums Leben)
- Winter 1945-1946 - meine Oma nimmt in einem seltenen Moment der Schwäche ihre jüngste Tochter, meine Mutter, in den Arm und schluchzt: Ich weiß nicht mehr, wie ich Euch zu Essen geben soll.
- 1946 - Oma geht für 10 Mark am Tag bei Leuten waschen und "Aufwartung machen", um Geld zu verdienen, um einen kranken Mann und 3 Kinder zu ernähren.
- 1946 - Oma geht auf den Schwarzmarkt und kauft ein Stück Butter, damit ihr Mann einmal etwas gutes zu essen bekommt - es kostet 250 Mark.
- Am 02.07.1950, mehr als 10 Jahr vor meiner Geburt, verreckte Opa jämmerlich an den Spätfolgen des Aufenthalts im kalten Wasser der Ägäis. Oma ist wieder bei Leuten zur "Aufwartung" und kommt gerade noch rechtzeitig, um seinen letzten Seufzer zu hören.

Diese Frau sitzt eines Tages vor mir in der Küche und scheinbar ohne Grund sagt sie zu mir: "Junge, es mag kommen was will, bloß kein Krieg mehr."

Glaubst Du, ich brauchte irgend einen Parteitag, irgendeinen Agitator? Der erste, der mir vom Frieden erzählt hat, konnte mich haben. Und eines Tages stand ich da mit einer Waffe in der Hand, hab den Frieden gesichert. Und eines späteren Tags stand ich da, ohne Waffe in der Hand und wurde gefragt, warum ich diese Waffe in der Hand hielt, ob ich nicht gesehen hätte, wem ich da diene. Hätte ich von Oma erzählen sollen? Hätte ich von Oma erzählen können?

Inzwischen bin ich alt genug, auch darüber zu erzählen. Und ich stelle mich vor allem meinen eigenen Entscheidungen. Aber, Julie, glaub mir, manchmal fehlen mir die einfachen Sätze von Oma sehr.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#24

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.09.2009 07:19
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 38 Punkte
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Zitat von Rainman2
Hallo Julie,

auf Deine Fragen, so wie Du sie stellst, kann ich Dir leider nicht antworten. Aber lass mich Dir die Geschichte eines Satzes erzählen, den ich von meiner Großmutter gehört habe. Ich muss diese Geschichte schnell erzählen, da ich ins Bett muss. Deshalb kommt zunächst der jahrzehnteschwere Überbau durch quasi einen Off-Erzähler:

- Oma wurde 1901 in Leipzig geboren
- Ihr späterer Mann, mein Opa, war im Ersten Weltkrieg auf einem Kleinen Kreuzer
- Am 20.01.1918 versank dieser Kreuzer in der Ägäis, nachdem er auf fünf englischen Minen gelaufen war (ca. zwei Drittel der Besatzung kam ums Leben)
- Winter 1945-1946 - meine Oma nimmt in einem seltenen Moment der Schwäche ihre jüngste Tochter, meine Mutter, in den Arm und schluchzt: Ich weiß nicht mehr, wie ich Euch zu Essen geben soll.
- 1946 - Oma geht für 10 Mark am Tag bei Leuten waschen und "Aufwartung machen", um Geld zu verdienen, um einen kranken Mann und 3 Kinder zu ernähren.
- 1946 - Oma geht auf den Schwarzmarkt und kauft ein Stück Butter, damit ihr Mann einmal etwas gutes zu essen bekommt - es kostet 250 Mark.
- Am 02.07.1950, mehr als 10 Jahr vor meiner Geburt, verreckte Opa jämmerlich an den Spätfolgen des Aufenthalts im kalten Wasser der Ägäis. Oma ist wieder bei Leuten zur "Aufwartung" und kommt gerade noch rechtzeitig, um seinen letzten Seufzer zu hören.

Diese Frau sitzt eines Tages vor mir in der Küche und scheinbar ohne Grund sagt sie zu mir: "Junge, es mag kommen was will, bloß kein Krieg mehr."

Glaubst Du, ich brauchte irgend einen Parteitag, irgendeinen Agitator? Der erste, der mir vom Frieden erzählt hat, konnte mich haben. Und eines Tages stand ich da mit einer Waffe in der Hand, hab den Frieden gesichert. Und eines späteren Tags stand ich da, ohne Waffe in der Hand und wurde gefragt, warum ich diese Waffe in der Hand hielt, ob ich nicht gesehen hätte, wem ich da diene. Hätte ich von Oma erzählen sollen? Hätte ich von Oma erzählen können?

Inzwischen bin ich alt genug, auch darüber zu erzählen. Und ich stelle mich vor allem meinen eigenen Entscheidungen. Aber, Julie, glaub mir, manchmal fehlen mir die einfachen Sätze von Oma sehr.

ciao Rainman




WOOOOOOW

Hätte nie gedacht, dass mich ein Text so bewegen könnte. Du hast die Geschichte einer ganzen Generation perfekt in Worte gefaßt, das mir fast das Wasser in den Augen steht.

Dieser Text sollte in keiner Reportage, Doku utc. über DDR, NVA, GT, MfS usw. fehlen.

Leider tut sie das.

Hochachtungsvoll und tief bewegt

der ich


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
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#25

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.09.2009 09:03
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.

Zitat von Rainman2
Hallo Julie,

auf Deine Fragen, so wie Du sie stellst, kann ich Dir leider nicht antworten. Aber lass mich Dir die Geschichte eines Satzes erzählen, den ich von meiner Großmutter gehört habe. Ich muss diese Geschichte schnell erzählen, da ich ins Bett muss. Deshalb kommt zunächst der jahrzehnteschwere Überbau durch quasi einen Off-Erzähler:

- Oma wurde 1901 in Leipzig geboren
- Ihr späterer Mann, mein Opa, war im Ersten Weltkrieg auf einem Kleinen Kreuzer
- Am 20.01.1918 versank dieser Kreuzer in der Ägäis, nachdem er auf fünf englischen Minen gelaufen war (ca. zwei Drittel der Besatzung kam ums Leben)
- Winter 1945-1946 - meine Oma nimmt in einem seltenen Moment der Schwäche ihre jüngste Tochter, meine Mutter, in den Arm und schluchzt: Ich weiß nicht mehr, wie ich Euch zu Essen geben soll.
- 1946 - Oma geht für 10 Mark am Tag bei Leuten waschen und "Aufwartung machen", um Geld zu verdienen, um einen kranken Mann und 3 Kinder zu ernähren.
- 1946 - Oma geht auf den Schwarzmarkt und kauft ein Stück Butter, damit ihr Mann einmal etwas gutes zu essen bekommt - es kostet 250 Mark.
- Am 02.07.1950, mehr als 10 Jahr vor meiner Geburt, verreckte Opa jämmerlich an den Spätfolgen des Aufenthalts im kalten Wasser der Ägäis. Oma ist wieder bei Leuten zur "Aufwartung" und kommt gerade noch rechtzeitig, um seinen letzten Seufzer zu hören.

Diese Frau sitzt eines Tages vor mir in der Küche und scheinbar ohne Grund sagt sie zu mir: "Junge, es mag kommen was will, bloß kein Krieg mehr."

Glaubst Du, ich brauchte irgend einen Parteitag, irgendeinen Agitator? Der erste, der mir vom Frieden erzählt hat, konnte mich haben. Und eines Tages stand ich da mit einer Waffe in der Hand, hab den Frieden gesichert. Und eines späteren Tags stand ich da, ohne Waffe in der Hand und wurde gefragt, warum ich diese Waffe in der Hand hielt, ob ich nicht gesehen hätte, wem ich da diene. Hätte ich von Oma erzählen sollen? Hätte ich von Oma erzählen können?

Inzwischen bin ich alt genug, auch darüber zu erzählen. Und ich stelle mich vor allem meinen eigenen Entscheidungen. Aber, Julie, glaub mir, manchmal fehlen mir die einfachen Sätze von Oma sehr.

ciao Rainman




WOOOOOOW

Hätte nie gedacht, dass mich ein Text so bewegen könnte. Du hast die Geschichte einer ganzen Generation perfekt in Worte gefaßt, das mir fast das Wasser in den Augen steht.

Dieser Text sollte in keiner Reportage, Doku utc. über DDR, NVA, GT, MfS usw. fehlen.

Leider tut sie das.

Hochachtungsvoll und tief bewegt

der ich




Schließe mich beiden Vorrednern uneingeschränkt an.


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#26

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.09.2009 10:27
von Luchs (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
Hallo Julie,

auf Deine Fragen, so wie Du sie stellst, kann ich Dir leider nicht antworten. Aber lass mich Dir die Geschichte eines Satzes erzählen, den ich von meiner Großmutter gehört habe. Ich muss diese Geschichte schnell erzählen, da ich ins Bett muss. Deshalb kommt zunächst der jahrzehnteschwere Überbau durch quasi einen Off-Erzähler:

- Oma wurde 1901 in Leipzig geboren
- Ihr späterer Mann, mein Opa, war im Ersten Weltkrieg auf einem Kleinen Kreuzer
- Am 20.01.1918 versank dieser Kreuzer in der Ägäis, nachdem er auf fünf englischen Minen gelaufen war (ca. zwei Drittel der Besatzung kam ums Leben)
- Winter 1945-1946 - meine Oma nimmt in einem seltenen Moment der Schwäche ihre jüngste Tochter, meine Mutter, in den Arm und schluchzt: Ich weiß nicht mehr, wie ich Euch zu Essen geben soll.
- 1946 - Oma geht für 10 Mark am Tag bei Leuten waschen und "Aufwartung machen", um Geld zu verdienen, um einen kranken Mann und 3 Kinder zu ernähren.
- 1946 - Oma geht auf den Schwarzmarkt und kauft ein Stück Butter, damit ihr Mann einmal etwas gutes zu essen bekommt - es kostet 250 Mark.
- Am 02.07.1950, mehr als 10 Jahr vor meiner Geburt, verreckte Opa jämmerlich an den Spätfolgen des Aufenthalts im kalten Wasser der Ägäis. Oma ist wieder bei Leuten zur "Aufwartung" und kommt gerade noch rechtzeitig, um seinen letzten Seufzer zu hören.

Diese Frau sitzt eines Tages vor mir in der Küche und scheinbar ohne Grund sagt sie zu mir: "Junge, es mag kommen was will, bloß kein Krieg mehr."

Glaubst Du, ich brauchte irgend einen Parteitag, irgendeinen Agitator? Der erste, der mir vom Frieden erzählt hat, konnte mich haben. Und eines Tages stand ich da mit einer Waffe in der Hand, hab den Frieden gesichert. Und eines späteren Tags stand ich da, ohne Waffe in der Hand und wurde gefragt, warum ich diese Waffe in der Hand hielt, ob ich nicht gesehen hätte, wem ich da diene. Hätte ich von Oma erzählen sollen? Hätte ich von Oma erzählen können?

Inzwischen bin ich alt genug, auch darüber zu erzählen. Und ich stelle mich vor allem meinen eigenen Entscheidungen. Aber, Julie, glaub mir, manchmal fehlen mir die einfachen Sätze von Oma sehr.

ciao Rainman



Hallo Rainman2,

dass du schreiben kannst, habe ich schon oft gelesen, aber mit diesem Artikel hast du dich übertroffen.

Viele Grüße
Micha


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#27

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.09.2009 18:12
von Julie (gelöscht)
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Hallo Rainman,

Auch von mir einen angemessenen Applaus und ein Dankeschön. Gestern Nacht noch gelesen und im Bett noch die Übersetzung formuliert. Ich danke dir sehr.
Daß ich bei dir gute und beeindruckende Geschichten finden kann, habe ich schon gemerkt und darauf auch gehofft, aber diese ist in ihrer Knappheit und Klarheit wirklich ein Meisterstück. Obwohl Geschichte in diesem Fall nicht ganz zutrifft.
Also ein herzliches Danke nochmal.

Später mehr, hab auch anderes von euch gelesen :-)


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#28

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.09.2009 09:14
von Rainman2 | 5.851 Beiträge | 811 Punkte
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Zitat von Julie
-die Zeit vor 89 - da haben wir irgendwie ein Loch im Skript. Wir haben die geschichtlichen Daten und so, aber wie war das bei euch? Hab ihr gedacht, so geht das nicht mehr lange weiter? Wart ihr auf Demos? Oder das genaue Gegenteil? Wenn ich es richtig verstanden habe, haben die wenigsten damit gerechnet, daß so schnell so viel Veränderung eintritt.



Hallo Julie,

zunächst: Verbeugung und demütiger Dank. Mir ist zu Deiner Frage nun doch noch etwas eingefallen, auch wenn die Geschichte denn nicht ganz so dicht und druckreif ist. Der Beginn von Glasnost und Perestroika schaffte für mich zwei sehr unterschiedliche Bewegungen. Solange ich (1986-1988) noch in der Truppe war, riss es mich hin und her. Auf der einen Seite saugte ich vieles auf, was da aus der Sowjetunion kam. Meine Mutter war langjährige Abonentin des "Sputnik". Hätte ich gewusst, dass der verboten wird, hätte ich natürlich intensiver drin gelesen. Aber einige Artikel setzten mich auch ohne diese Vorahnung in Erstaunen. Da wurden Dinge einfach ausgesprochen, die vielen klar schienen, die man aber nicht diskutierte, da es ja immer die zugespitzte Klassensituation gab, die einen zwang, nicht dem Klassenfeind in die Hand zu spielen. An solchen ideologischen Bollwerken begann nun der frische Wind aus dem Osten zu zerren. Aber wenn ich als Politstellvertreter zurück in die Kompanie kam, musste ich mich wieder in die Spur setzen. Ich war hauptamtlicher Parteiarbeiter, so wurden wir offiziell bezeichnet. Die neuen Gedanken sprangen nicht über diese Barriere. Ich zwang mich, die Abgrenzung der SED gegenüber der Sowjetunion zu verstehen und zu begründen. Irgendwie kam in diese Argentation immer wieder die "besondere Lage" der DDR an dieser Grenze des Warschauer Vertrages und die kulturelle Besonderheit eines Feindes, der dieselbe Sprache spricht. Dennoch konnte man fast verzweifeln. Ein Gespräch mit unserem Offizier für Agitation und Propaganda in der Politabteilung endete nach übermittelten Rückfragen meiner Soldaten mit den Worten: "Ach die Freunde immer mit ihren Zeug!" Damit stand man da und konnte nichts anfangen. Dennoch überwog in dieser Zeit für mich der Zwang zu funktionieren.

1988 ging ich zum Studium. Der Funktionszwang wich langsam der Notwendigkeit, über bestimmte Dinge nachzudenken. Man ließ plötzlich Fragestellungen zu, die man davor nicht an sich ranlassen konnte, um nicht zwischen Dienstpflicht und Zweifel zerrieben zu werden. Das war wie sehen lernen. Die Formen um mich nahmen Konturen an. Allerdings war die Militäpolitische Hochschule nicht ganz der geeigenete Ort, die Auseinandersetzung öffentlich zu führen. Berlin mit seiner Kultur- und für mich besonders mit seiner Liedermacherszene waren gute Fluchtburgen. Aber dort wurde kaum Klartext gesprochen. Es herrschte eine Art Sklavensprache. Sie war ein Schritt vorwärts. Sie wurde bereits als Befreiung empfunden. Man stieß sich die Ellenbogen in die Seite und zwinkerte sich zu. Und plötzlich sagte eine: "Und warum sagen wir das nicht offen?" Ich bin heute noch erstaunt, dass mich diese Frage hoffnungslos überforderte. Es war bereits 1989, die Zeiten deuteten Veränderungen an, aber keine Wende - zumindest nicht für mich.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#29

RE: Hallo allerseits,

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 25.09.2009 14:14
von Julie (gelöscht)
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Hallolo...
Ich weiß schon, ich bin noch ein paar Antworten schuldig - bin ganz gemeinerweise krank geworden

Deshalb nur ganz kurz DANKESCHÖN (oder TAK, wie der Däne sagen würde :-) Rainman! Werde mich noch ausführlicher äußern. (Aber eine Frage brennt mir doch auf der Zunge: Ich hab ja schon von dem PilZgespräch mit Maja gesprochen; ich hab mich die ganze Zeit gefragt, war das nicht schwierig, eine Spur zu finden und zu wissen, jetzt muß ich jemanden anzeigen, oder neben einem Minenfeld langzulaufen, in das (vermutlich? Da kann ich nur spekulieren!) auch ab und zu jemand reingelaufen ist? Ect. Ich meine einfach, war das Feindbild stark genug, um ein evetuelles schlechtes Gewissen zu verdrängen? Wie bist du damit umgegangen?
Und natürlich auch ihr anderen, wenn ihr sowas erlebt habt?)

Sorry. Meine eigentliche Frage ist diese: Weiß jemand, wo Honeckers Verteidigungsrede zu finden ist, die aus den neunzigern meine ich?

Gruß Julie

P.S. Schön blöd... hab die Rede schon gefunden. Danke trotzdem :-)


zuletzt bearbeitet 25.09.2009 14:22 | nach oben springen



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