Das Sportfest - aus meinem Leben in der DDR

21.01.2017 19:38
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Kindertag. Wie jedes Jahr …Sportfest. Turnbeutel eingepackt und ab in die Schule. Lust hatte ich überhaupt nicht. Ich war klein und unsportlich. Einzig Schach machte mir Spaß. Schöne Sportart, bei der man sich nicht umziehen musste.

Auf dem Schulhof alle ziemlich aufgeregt. Die großen Jungs zeigten den Mädels ihre Muskeln und die den Jungs ihre nicht vorhandenen …nein, ich war noch nicht so weit. Außerdem war meine Pubertät noch Dimensionen entfernt. Geschaut hab ich trotzdem auf die großen Mädels. Wieder mal egal.

Acht Uhr und der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Erste Station …Schlagball. Die Mädels waren wirklich gut. Bevor ich dran war, fragte ich meine Lehrerin, ob ich nicht doch lieber Schach spielen könnte. Die zeigte mir 'nen Vogel. Mein Wurf …achtzehn Meter. Nur Moni war schlechter. Aber der war schlecht…Frauenkrankheit. Auch gut. Evi hatte kein T-Shirt mit Westwerbung. Schade. Hätte ihr wirklich beim Umziehen geholfen und selbiges als Timurtat abgerechnet. Egal.

Zweite Station …60 meter-Lauf. Nicht meins. Wieder fragte ich wegen Schach. Jetzt wurde meine Lehrerin böse. Ich schlich die paar Meter und war der schlechteste der Jungs. Selbst der dicke Timo war schneller. Streber, dachte ich. Die großen Jungs kicherten dämlich über "hüpfende Bälle". Was die wohl damit meinten? Die Medizinbälle sicher nicht, denn die hüpften selten. Egal.

Dritte Station …Weitsprung. Ich saß abseits und kratzte den Hintern von Evi in den Sand. Ich war dran. Drei Mal übergetreten. Disqualifiziert. Na also, ging doch. Ich schmierte mir vor Glück den Rotz an den Arm. Evi schüttelte den Kopf und nebenbei noch die Dinge, an denen sonst Werbung hing. Schön war das auf alle Fälle. Peter musste zum dritten Mal auf Klo und war trotzdem der beste von uns. Eigenartig.

Vierte Station …Stangenklettern. Oben hingen Süßigkeiten. Ich versprach Simone meine Süßigkeiten, wenn sie für mich …tat sie ohne zu murren. Ich sah ihr von unten zu. Schöner Anblick. Neben mir, Christian aus der neunten. Der schien sich für Simone zu interessieren denn er schaute noch genauer hin. Ich hatte nun keine Lust mehr und ging auf Klo. Peter stand neben mir. Ich sagte ihm, dass ich Striche in mein Mathe- Heft mache, wenn er pullern geht. Der grinste, pullerte und ging. Auch mal egal.

Letzte Station …Appell mit Siegerehrung. Ich stand neben Monika und Mischa. Peter war der beste unserer Klasse, ich der schlechteste. In Schach hätte ich sie alle geschlagen, aber niemand hat mich gelassen. Nicht meine Schuld. Beim Abtreten berührte ich ausversehen Monikas Brüste. So sehen Sieger aus.

Heimweg. Alle ziemlich fertig. Zwei kleinere aus der dritten Klasse schmierten sich den Rotz an die Turnsachen. Arme Eltern, dachte ich. Peter pullerte einfach ins Gebüsch. Das war dann das sechste Mal an diesem Tag. Rekord eingestellt. Ich kam ohne Medaille nach Hause, nahm ein Löschblatt und malte Evis Werbung drauf. Der ganze Tag war mir so egal. Richtig egal.


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21.01.2017 20:01 (zuletzt bearbeitet: 21.01.2017 20:02)
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#2
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Hallo @hartmannsteffen,

Haste toll geschrieben, gefällt mir dein Stil, Jugenderinnerungen kommen auf!
Ein Frage habe ich aber trotzdem (liegt wahrscheinlich an meinem Alter), warum beendest du einen Abschnitt immer mit "egal". Ist das der Ausdruck für besondere Coolness? Hast du bestimmt von Lakomy und Mann übernommen: "Mir doch egal." Oder?

MfG

GKUS64


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21.01.2017 20:07
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Hallo GKUS64 für dein Feedback. Nein, das ist mein Schreibstil, einfach mal egal. Hab ich wirklich von niemandem abgekupfert. Ist eben mein Stil. Hab ne Menge solcher geschichten in meinem Buchg zusammengefasst. Sehr beliebt auf facebook was ich so nicht gedacht hätte. Scheint zu gefallen. Freut mich nochmal...danke an dich.


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22.01.2017 10:29
#4
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Zitat von hartmannsteffen im Beitrag #1


Acht Uhr und der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Erste Station …Schlagball. Die Mädels waren wirklich gut.



Das kann ich so nicht bestätigen.
Bei uns haben die Mädels, bis auf ganz ganz wenige Ausnahmen, den Schlagball
so ca. 2-3m vor sich im Erdreich versenkt.

Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin


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22.01.2017 10:42
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War wohl der Entwicklung der einzelnen Mädchen geschuldet. Bei uns waren die Mädels allesamt größer als wir Jungs. Natürlich dementsprechend längere Arme und eine andere Wurftechnik. Da konnte ich nicht mithalten, zudem ich sowieso lustlos an die Sache ran gegangen bin. dann doch eher Schach.


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