Hallo, guten Abend!

20.09.2009 20:48
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#1
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Hallo,
da Angelo mir "angedroht" hat, mich bald als Karteileiche zu entsorgen, wenn ich mich nicht bald vorstelle, hier etwas von mir / über mich:

... weit im Westen, in Rheinland-Pfalz geboren, hatte ich den ersten DDR-Grenzkontakt 1975 bei einer der unvermeidlichen, vom Staat bezahlten Abiturfahrten nach Berlin. Ein gemütlicher, in einer etwas unkleidsamen Uniform steckender Herr wollte unsere Pässe sehen und wissen, ob wir irgendweche "Dohndrächer" dabei hätten. Unser Lehrer hatte uns schon vorbereitet, daß damit Musikkassetten gemeint sein könnten. Hatten wir natürlich nicht dabei. Ansonsten war die DDR einfach Ausland für uns und die Mädchen allemal interessanter als Politik. Der junge Helmut Kohl war Ministerpräsident von RLP.
Unsere Kleinstadt war damals voll-militarisiert. 12.000 Amerikaner in der Kaserne, etliche Bundewehrstandorte, in den Wäldern die Atomraketen-Silos eingegraben. Das größte Lager der US-Army in Europa versorgte alles rings umher. Ein riesiger Übungsplatz, jede Nacht Artillerieschießen, Tiefflieger,man glaubt es kaum noch. Der Flughafen Hahn war noch ausschließlich militärisch genutzt. Die Amis waren damals sicherheitsmäßig noch ziemlich locker drauf. Man konnte abends beim Taxifahrer Dollars wechseln und für wenig Geld im Unteroffiziersheim eine gute Pizza essen. Billigen Whisky konnte man im PX-Laden kaufen, in Gallonenflaschen. Unser Modellboot ließen wir in einer Panzerwaschanlage auf dem Teich umherfahren. Der Nachbar hatte sein Haus an eine Offiziersfamilie vermietet, die alle Nachbarn zum Bohnenessen einlud. Sonst konnte sie wohl nichts kochen, aber es war lustig, zusammenzusitzen. Seit der Terrorismushysterie ist das alles nicht mehr möglich. Es sind ja auch sehr viel abgezogen worden. Folge: massive Arbeitslosigkeit. Heute sieht es in der verbliebenen kleinen US-Garnison aus, wie damals an der DDR-Grenze: Stacheldraht, Scheinwerfer, Wachen usw.
Noch was zur DDR-Grenze: wahrscheinlich war es damals gar nicht anders möglich, als die DDR abzudichten. Die Blöcke standen festgefügt, die Sowjetunion und wahrscheinlich auch USA, England, Frankreich ganz besonders hätten keine Aufweichung zugestanden. Wir haben alle sehr viel Glück gehabt daß es keinen Krieg gegeben hat.
Die DDR-Bürger als solche hatte ich ja bis zur Grenzöffnung hautsächlich mit der Fistelstimme des Herrn Ulbricht verbunden. Erich war ja auch nicht so der Sympathieträger. Dann tauchten plötzlich die ersten Trabbis bei uns auf: Schauen ja ganz normal aus die Leute...Dann (ich war inzwischen nach München verzogen): S-Bahnfahrer reden am Mikrofon in der Münchner S-Bahn sächsisch. "Nächster Halt Marienplatz". Der klassische Münchner Grantler reagierte mit "jetza sans do aa scho! Nirgens hot ma sei Ruah!" Und im Urlaub traf man dann mal ein überaus nettes Ehepaar aus Pirna. Und wir sind jetzt die besten Freunde und waren auch schon im Elbsandsteingebirge und in den bayerischen Alpen gemeinsam Wandern. Ist doch schön, oder?
Viele Grüße:
Euer Handschweiß


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20.09.2009 20:52
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#2
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LICH WILLKOMMEN

Zum Glück dem Teufel (Angelo) gerade noch mal von der Schippe gehüpft


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20.09.2009 20:57
#3
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Hallo Handschweiß,

sorry, aber bei dem Nick möchte man zunächst erstmal nur winken.


Nun also herzlich willkommen unter den Schreibenden. Gut, dass Angelo Druck gemacht hat. Lernt man mal ein paar Leute kennen. Danke auch für die Geschichte. Eine Frage habe ich dann aber noch: Worin lag/liegt Dein spezielles Interesse an diesem Forum?

Na denne bis neulich!
ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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20.09.2009 21:08
#4
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Willkommen im Forum--HandweißInteressanter Beitrag


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20.09.2009 21:21
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#5
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Auch von mir ein "Herzliches Willkommen" an die reanimierte Karteileiche Handschweiß (wie kommt man denn auf so nen Nick?)
Deine Vorstellung klingt ja schon recht interessant...


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20.09.2009 21:47
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#6
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Hallo Handschweiß, ein guter Text,so richtig aus dem Leben ich liebe gute Texte aus dem...
Als Willkommensgruß eine kleine Geschichtevon mir.
Anfang 2000 und, ach, ich weiß nicht mehr, hatte ich einmal in München beruflich zu tun.
Ein Riesenbürohaus und wir sitzen alle so schön gemütlich bei der " Brotzeit" am Tisch.
Davon Zwei, ihr Gespräch drehte sich nur um die 8000er, Extrembergsteigen und...sie waren wohl schon öfters...dort...vom Rest am Tisch,keine Sau konnte mithalten...im Gespräch...weil...wir waren ja noch nichtdort.
Ich sage so: "Wart ihr Beiden den schon einmal im schönen Elbsandsteingebirge, mit dem Rucksack, und ...?
Dumme Blicke so nach dem Motto: " Ist das nicht der Neue aus dem Osten"
Na da hatte ich was gesagt.

Gruß Rainer- Maria


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20.09.2009 23:13
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#7
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Hallo Handschweiß,
Danke für Deine Vorstellung und Willkommen . Gruß Peter(turtle)


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21.09.2009 14:28
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#8
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Hallo Handschweiß,

schön, dass du dich dazu aufraffen konntest, in die Tasten zu haun.

Viele Grüße
Micha


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22.09.2009 22:00
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Zitat von Rainman2

... Eine Frage habe ich dann aber noch: Worin lag/liegt Dein spezielles Interesse an diesem Forum?...



Erstmal herzlichen Dank für die zahlreichen Willkommensgrüße.

Ja das spezielle Interesse am Forum? Garnicht so einfach... Irgendwie bin ich an "Grenzerfahrungen" interessiert. Geographische und geschichtliche Übergänge finde ich faszinierend. Die Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkriegs war so ein Übergang, die Desertion eines Soldaten, Kontekte zwischen Geheimdiensten, die Grenze zu einem anderen politischen System, eine Wanderung in ein anderes Sprachgebiet usw, immer wenn sich irgendwas "verändert". Klingt etwas eigenartig gell? Meine erste Frage stelle ich dann im Forum. Bis gleich...


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22.09.2009 22:34
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#10
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Tolle Geschichte, hat bisschen was von unserem Rainer-Maria. Sehr schön erzählt.
Sei willkommen, ich freu mich auf Deine nächsten "Ergüsse" (*räusper ... keine Kommentare dazu, wenn ich bitten darf)

Wir lesen uns,
Thomas.


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