Sprüche, Zitate

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17.10.2016 22:51
avatar  der 39.
#31
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Hallo Freienhangener, das ist doch etwas ganz anderes. Hast Du es Dir nicht zugetraut, hattest Du das Gefühl überfordert zu werden oder gab es moralische, weltanschauliche Vorbehalte bzw. Bedenken?Bei Petervermeidung geht es doch um das vorausschauende Erkennen eigener Leistungsgrenzen.
Gruß vom 39


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18.10.2016 00:12 (zuletzt bearbeitet: 18.10.2016 17:28)
avatar  vs1400
#32
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mal noch eins vom volker braun ( " tumulus")...


... Lagerfeld

Rom: offene Stadt Ein Feldlager
Auf dem Laufsteg defiliert die Mode
Der Jahrtausendwende Panzerhemden
Für den Beischlaf Zwei Gladiatoren
Kämpfen um den Arbeitsplatz mit Würgegriffen
Eine alte Übung, die Beifall findet
Dafür haben sie die Schule besucht ER ODER ICH
Der Gestank der Angst In seinem Imperium
Erfüllt sich Lagerfeld einen Traum EIN RUDEL
FRAUEN AUSGESUCHTE SCHÖNHEITEN
Die Winterkollektion für die Daker-Kriege
Hat ihn reich gemacht ZUM ABGEWÖHNEN
Sie tragen meine Ideen, es sind Sommerkleider
In die verwöhnte Welt Ein Fest der Schönheit
Helena Christensen im Abendkleid Die beiden
Handwerker lassen indessen nicht locker
Der eine ist Commodus, der ausgelassene Sohn
Eines gelassenen Vaters und Fehltritt der Mutter
Wenn er verröchelt steht der Thron leer
Und Septimius Severus der Afrikaner
Marschiert mit der XIV. aus der Wildnis Wien
Auf die Hauptstadt ARMES ROM Ein Barbar
Imperator An seinen Fersen der Rest der Welt
Lagerfeld schaut nicht hin Er hat ein Problem
Er kann sie schöner machen, aber nicht besser
Immer noch schöner Das Outfit der Bestien
ARM UND REICH Eine geteilte Kundschaft
ES IST GRAUENHAFT Bezahlen und stehlen
Ich genieße das ungeteilte Interesse Aber
Er weiß was vor sich geht, er ist ja nicht blind
Der fünfzehnjährige Killer aus Springfield
EIN LEICHENBERG IN DER CAFETERIA DER HIGH SCHOOL
Er hat gelernt Hand anzulegen
Sitzt in Papierkleidern in Gewahrsam
Auch eine Mode Aus Amerika Kinderbanden
Durchkämmen Nordrhein-Westfalen Lehrlinge
Auf der Nahrungssuche bei Woolworth und Hertie
Ein fingerfertiger Völkerstamm aus der Zukunft
In den Arbeitsämtern wartet das Aas
Auf die Wiederverwendung Es kann lange warten
Wer Arbeit hat wartet die Automaten
Sie warten darauf, etwas warten zu dürfen
Legionen Während die Welt schwarz wird
Wie Afrika MAN DARF GEWALT NICHT NUR ANKÜNDIGEN
MAN MUSS SIE AUCH AUSÜBEN Das auswärtige Amt
Erklärt sich mit inwendigem Grinsen
Zu Bosnien Man wird euch zeigen was Arbeit ist
Eine Maschine mit Gliedmaßen geschlechtsneutral
Das Mannequin für die Arbeit von morgen
AM ENDE DES TAGES BIST DU EIN PRODUKT
Das Denken ist genau das was ich vermeide
Das täglich bedruckte Papier
Der Gewahrsam gegen den Selbstmord der Gattung
Ich lese es nicht, ich schaue nicht hin
Ein Theater gefüllt mit Gleichmut
DER EINZIGE ORT WO ES WOHLTUT
VERZWEIFELN Der ausgelassene Kleist
In Stimmings Krug MEINE GANZE JAUCHZENDE SORGE
EINEN ABGRUND TIEF GENUG ZU FINDEN legt Hand an
Ein Doppelpunkt bei Potsdam Das Warten auf nichts
Das ist das Drama: es gibt keine Handlung
Wir wissen es anders und handeln nicht Nein
Wir können nicht anders Das Kleid
Ist angewachsen MAN ARBEITET HEUT ZU TAGE
ALLES IN MENSCHENFLEISCH Aber sie dauert
Sehen Sie Commodus, ein Tod von der Stange /
Lagerfeld oder Die Gelassenheit Er
Liebt nicht die Schönen, die er haben kann Sein Herz
Sucht die Schönheit überall Die Schönheit
Ist ein Sohn der Gosse Sie ist vorbestraft
Sehn Sie den Steckbrief, schwarze Haut
Ich genieße den Luxus, ausgestoßen zu sein
Ein Idiot im 3. Jahrtausend Ein Bürger der Welt
Helena Christensen verläßt den Laufsteg
Warum soll ich Mode werden
In der Wegwerfgesellschaft
Das Stadion voll letzter Schreie Ideen
Roms letzte Epoche des Unernsts
Sehn sie nun das Finale ICH ODER ICH
Salute, Barbaren

gruß vs

04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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18.10.2016 12:34
avatar  der 39.
#33
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Das ist schwere Mitternachtskost und ehrlich, die Aussage bleibt mir unklar. Aber das bin ich, andere verstehen den Sinn vielleicht besser, wenn es ihn denn gibt.
der 39.


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18.10.2016 14:50
#34
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Zitat von der 39. im Beitrag #29
Die Lehre aus dem Peterschen Prinzip sagt ja, wenn Du ein erfülltes Arbeitsleben haben willst, so setze alles daran, wehre Dich mit allen Dir zu Verfügung stehenden Mitteln, die Stufe der Unfähigkeit, der Überforderung je zu erreichen. Doch es geht ja um Menschen. Wer hat die Kraft, nein zu sagen, wie oft sagt man, ich krieg das schon hin. Es geschieht doch wohl öfter, daß man sich in ein Unterfangen stürzt ohne auch nur im geringsten zu ahnen, was da so auf einen zustürmt.
Außerdem glaube ich, dass man in bestimmten Situationen keinerlei Entscheidungsmöglichkeiten hat.
Seneca geht davon aus, dass es schwer ist, nicht dass es überfordert. In meinen Augen ist das was anderes.
der 39.


Möglicherweise haben die vier menschlichen Temperamentsvarianten
-Choleriker
-Melancholiker
-Sanguiniker und
-Phlegmatiker
auch vier verschiedene Perspektiven auf Senecas Spruch, wobei man selbst eine 100%ige Einordnung kaum vornehmen kann.
Ich selbst komme wohl mit Abstrichen dem Sanguiniker am nächsten und meine, daß man von einer Überforderung erst Kenntnis bekommt, wenn man abschließend gescheitert ist.
Wie eng das da mitunter zugehen kann habe ich kürzlich erst am Angelsee erfahren dürfen als wir 8-9 h saßen und eine jämmerliche Bilanz drohte, fast 3/4 der Angler waren bereits 1-2 h vorm Schlußpfiff am Forellensee schon verschwunden als ich in der letzten halben Stunde noch zwei prächtige Karpfen zog und solche Ereignisse passieren auch im totalen Chaos auf Arbeit, wenn der Knoten dann doch noch aufgelöst wird, eben weil man aus der Erfahrung heraus weiß, daß (fast) alles Alltägliche irgendwie lösbar ist und man mit der Anzahl der gelösten Probleme einfallsreicher und unkonventioneller wird, die Negativkriterien im Einordnungstest erwähne ich hier besser nicht, bitte bei Interesse selber lesen (http://www.mensch-und-psyche.de/typenmod...eramentenlehre/).
Die Flucht nach vorn ("keinerlei Entscheidungsmöglichkeiten") ist ein zusätzlicher Antrieb zur "Frisch-ans-Werk-Strategie".
Schade, daß man fast nie erfahren kann, in welchem Zusammenhang solche Zitate entstanden sind, mit Angeln und Eisenbahn hatte der Philosoph wohl noch nicht zu tun.


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18.10.2016 15:43 (zuletzt bearbeitet: 18.10.2016 18:31)
avatar  GKUS64
#35
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Siehe in #32:

....In Stimmings Krug MEINE GANZE JAUCHZENDE SORGE
EINEN ABGRUND TIEF GENUG ZU FINDEN legt Hand an
Ein Doppelpunkt bei Potsdam Das Warten auf nichts
Das ist das Drama: es gibt keine Handlung
Wir wissen es anders und handeln nicht Nein
Wir können nicht anders Das Kleid
Ist angewachsen MAN ARBEITET HEUT ZU TAGE...., ein Ausschnitt von "Lagerfeld".

Für mich sinnlose Aneinanderreihung von Gedankenschnipseln. Ich will hier auch garnicht verstehen auch nicht den Versuch zu unternehmen etwas zu verstehen. Wer braucht so etwas? Für mich verschwendete Zeit! Es erinnert mich an HaPe Kerkelings herrlichen Auftritt (verkleidet als Musikinterpret) bei einem Konzert mit intellektuellen Musikexperten moderner Richtung. Sein Vortrag der Musikschöpfung "Hurz" wurde dabei von den Experten tatsächlich ernst genommen und interpretiert, köstlich. Vielleicht testet auch Volker Braun seine Leser in dieser Richtung?

@vs1400 bietet dir der "Lagerfeld" etwas?

MfG

GKUS64


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18.10.2016 17:43 (zuletzt bearbeitet: 18.10.2016 17:52)
avatar  vs1400
#36
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hallo GKUS64,
sonst würde ich sie nicht einstellen
natürlich sind sie nicht einfach zu lesen und zu verstehen, mir macht es jedoch spaß und lässt eigene gedanken zu.


Der 9. November


Das Brackwasser stachellippig, aufgeschnittene Drähte
Lautlos, wie im Traum, driften die Tellerminen
Zurück in den Geschirrschrank. Ein surrealer Moment:
Mit spitzem Fuß auf dem Weltriß, und kein Schuß fällt.
Die gehetzte Vernunft, unendlich müde, greift
Nach dem erstbesten Irrtum ... Der Dreckverband platzt.
Leuchtschriften wandern okkupantenhaft bis Mitte.
BERLIN
NUN FREUE DICH, zu früh. Wehe, harter Nordost.
( volker braun)


gruß vs

04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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18.10.2016 18:14
#37
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„Je mehr Leute es sind, die eine Sache glauben, desto größer ist die
Wahrscheinlichkeit, daß die Ansicht falsch ist. Menschen, die recht
haben, stehen meistens allein.“

(Soren Aabye Kierkegaard, dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller, 1813-1855)

"Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Haß wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden."
( Johann Wolfgang von Goethe)


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18.10.2016 18:37
avatar  GKUS64
#38
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@vs1400 bietet dir der "Lagerfeld" etwas?

Haste nun auch gemerkt und schnell korrigiert, dass der von Volker Braun ist! Meine Meinung bleibt aber bestehen, kann nicht so schnell umschalten!!


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18.10.2016 21:17
avatar  vs1400
#39
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ich hab es korrigiert, GKUS64,
weil ich es bemerkt hatte und weil es falsch war, dass ist richtig. auf deine frage antwortete ich bereits in #34, was kalendersprüche (ist nicht abwertend gemeint) betrifft. ich finde sie auch unterhaltsam.

gruß vs

04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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18.10.2016 21:52
avatar  Pit 59
#40
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Alle Parteisekretäre der DDR

"Mit Übererfüllten Plänen zum nächsten Parteitag"


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18.10.2016 22:55
avatar  der 39.
#41
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Klauspeter, das geht so in die Richtung, wie "Bertrand Russell" sagte:
Auch wenn alle einer Meinung sind, können doch alle Unrecht haben"
der 39.


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18.10.2016 23:06 (zuletzt bearbeitet: 18.10.2016 23:15)
#42
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Zitat von der 39. im Beitrag #31
Hallo Freienhangener, das ist doch etwas ganz anderes. Hast Du es Dir nicht zugetraut, hattest Du das Gefühl überfordert zu werden oder gab es moralische, weltanschauliche Vorbehalte bzw. Bedenken?Bei Petervermeidung geht es doch um das vorausschauende Erkennen eigener Leistungsgrenzen.
Gruß vom 39


Nein. Ich schrieb ja "wahrscheinlich nicht" (meine Grenze erreicht). Daß ich nicht wollte, hatte andere Gründe, die mit dem Peterprinzip nichts zu tun hatten. Ich habe es einfach vermieden, mich an eine Partei zu binden. Viele Bewerber um Führungspositionen sind bekanntlich nur wegen der Karriere in die SED eingetreten. Opportunismus kommt für mich erst recht nicht in Frage. Mein Chef meinte zu mir, ich könnte sein Nachfolger werden, wenn ich in die Partei eintrete. Mir war bekannt, daß er den Auftrag hatte, Mitglieder zu gewinnen. Die Genossen in seinem Umfeld waren auch ein Grund, nicht mitzutun.
Das Postengerangel der nach 1989 gewendeten Kader war mir ebenso zuwider.

Und Offizier? Erst recht nicht. Ich bin ganz zivil und konnte Leute nicht verstehen, die ihr gerade erst begonnenes Jugendleben (das muß ich nicht näher erklären) aufgaben.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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19.10.2016 10:11
avatar  der 39.
#43
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Guten Morgen Freienhagener,
Du hast mich ganz schön ins Grübeln gebracht und ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich etwa auch Karriere machen wollte. Aber urteile selber:
Was für eine Karriere könnte ein Fünfzehnjähriger vor Augen haben, wenn er sich 1945 der Antifa-Jugend anschließt und den Antrag in die KPD einzutreten, unterschreibt.?
Was könnte einen Achtzehnjährigen dazu treiben, in die Volkspolizei freiwillig einzutreten?
Meinst Du, um Karriere zu machen?
Ich habe den Krieg,den Faschismus erlebt bis in die eigene Familie und ich war am Tage der Befreiung des KZ Dachau vor Ort.. Ich war und bin ein überzeugter Antifaschist und als 1949 der Ruf der Partei kam nach jungen Menschen, die die Grenze schützen sollen, bin ich gegaangen und Offizier geworden.
Ich habe später schon mal den Buckel krumm gemacht, wie man so sagt, jedoch an Karriere habe ich nie gedacht.
Fazit meines heutigen Grübelns.: Ich hätte es nicht anders machen können und um mich ging es eigentlich immer erst zweitrangig.
Für etwas einstehen, für das man begeistert und überzeugt ist, können Außenstehende vielleicht wirklich nicht nachempfinden.
Aber ich akzeptiere natürlich Deine Auffassung, bzw Erfahrung., zumal ich weiß, dass es genug Menschen gab und gibt, die nur auf ihren Vorteil bedacht sind und anders herum, die ihre Auffassung nicht verleugnet haben.
Mach sowas nicht wieder und raube mir den Morgen.
Grüße vom 39.
PS. Auf meinem Kalender sagt W.Churchill gerade:
"Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen. Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er auch verdaue kann."


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19.10.2016 12:25 (zuletzt bearbeitet: 20.10.2016 12:05)
#44
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Mein Beitrag war keine Anspielung auf Deine Person. Mir ist längst klar, daß dies bei Dir anders war.

Aber diese Opportunisten wurden im Laufe der Jahre bekanntlich immer zahlreicher. Wobei man auch bei denen differenzieren sollte. Einem guten Fachmann mit Führungsqualitäten blieb der Eintritt in die SED bei vielen Führungsstellen nicht erspart. Deshalb mußte er aber kein Karrierist und politischer Eiferer sein. Mir war aber der Preis zu hoch. Bei mir ging es nicht um Opposition, sondern um die maximale Freiheit, auch in der DDR. Dem standen Parteimitgliedschaft und erst recht der Soldatenrock entgegen.
Du teilst Diese Ansicht offensichtlich nicht, kannst sie aber bei Anderen vielleicht verstehen.

War es so selbstverständlich, unmittelbar nach Kriegsende eine Uniform anzuziehen und in eine Kaserne einzuziehen? Gerade als es wieder möglich war, das Jugendleben zu beginnen bzw. nachzuholen (das hat mit Egoismus nichts zu tun, ist gutes Recht der Jugend)? Es ist ja natürlich, daß die Jugend eigene Wege gehen will, im Konflikt mit der älteren Generation und mit dem Drang nach Unabhängigkeit. Das war schon immer so, unabhängig von Weltanschauung und Politik. Der Gegensatz zu alten Autoritäten, neues Denken, das ist ja auch ein Garant des Fortschritts.

Dachau ist von den Amis befreit worden und das faschistische Regime war erledigt. Die Wiederbewaffnung war Teil des beginnenden "Kalten Krieges".

Die Ablehnung der Wiederbewaffnung war ja in den ersten Jahren offizielle Politik in Ostdeutschland und dann der DDR. Deshalb gab es lange keine Wehrpflicht.
Meine Eltern bekannten sich aus eigener Kriegserfahrung zu dieser offiziellen Politik und lehnten Waffen grundsätzlich ab. Die Haltung war damals verbreitet. In dem Umfeld bin ich groß geworden.
Dahinter steckte kein religiöses Dogma. Deshalb habe ich meine Wehrpflicht absolviert, allerdings ohne Überzeugung und Begeisterung am (Übungs)schießen.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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20.10.2016 19:00
#45
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Die Beiträge in diesem Strang lese ich mit großem Interesse.
Ich gehöre zu denen, die ein Alter erreicht haben, um über das eigene Leben nachzudenken.
Was habe ich in meinem Leben richtig gemacht? Was war offensichtlich falsch? Wann war ich feige und wann mutig? Warum habe ich manchmal geschwiegen, statt den Mund aufzumachen und warum habe ich hin und wider Dinge gesagt, die mir Ärger einbrachten?

Natürlich hat jeder von uns anders gelebt und ich staune manchmal über alle diejenigen, die scheinbar alles in ihrem Leben richtig gemacht haben. Ich gehöre nicht zu denen.

Als Oberschüler wurde ich mit 17 Jahren Kandidat der SED. Mein Ideal war eine friedliche und gerechte Welt. Die sollte nach dem Ende des Krieges neu errichtet werden. Mit einem anderen Schüler, dessen Vater das KZ überlebte, wurde ich Kandidat der SED.
Zu den Idealen – Frieden und Gerechtigkeit – stehe ich auch heute noch. Die Kompliziertheit und die Schwierigkeiten, diese Ideale umzusetzen, konnte ich damals nicht überblicken.

Heute denke ich oft darüber nach, warum die Realisierung dieser Ideale so fürchterlich gescheitert ist. Mein Suchen nach den Ursachen mag manchem als Verrat an meinen damaligen Idealen und an der DDR erscheinen. Das ist aber nicht so. Ich achte, was gut an der DDR war und mich machen die vielen Fehler wütend, die wir gemacht haben und die zum Scheitern des Versuches führten.

An der Oberschule hatten wir einen Kunstgeschichtslehrer, der mich für dieses Unterrichtsfach begeisterte. Er gab mir den Roman von Irving Stone „Vincent van Gogh. Ein Leben in Leidenschaft“ zu lesen. Seitdem interessiere ich mich für den großen niederländischen Maler Vincent van Gogh.
Ich glaube, in einem seiner Briefe an seinen Bruder Theo fand ich die folgende Aussage:

„Auf welche Art wird man mittelmäßig?
Dadurch, dass man heute das und morgen jenes
so dreht und wendet, wie die Welt es haben will,
dass man der Welt nur ja nicht widerspricht und
nur der allgemeinen Meinung beipflichtet.“

Ich denke viel über diese Aussage nach.
Vincent van Gogh war ein starker Charakter. Er nahm sich die Freiheit, nach diesen Maßstäben zu leben. Er lebte in Armut, mochte die einfachen Menschen, er verkaufte zu Lebzeiten kaum ein Bild, er blieb seinen Idealen treu. Er ist heute einer der bekanntesten Maler.

Sicher ist ein Vergleich mehr als vermessen. Und dennoch – als Offizier der NVA – vielleicht auch jeder anderen Armee – ist es nicht möglich nach diesen Maßstäben zu leben. Als Offizier muss man sich einordnen, unterordnen, befehlen und gehorchen. Da sind die Maßstäbe dann doch etwas andere. Was aber gilt, ist ehrlich zu sein gegenüber sich und anderen, die Menschen zu achten und versuchen, gerecht zu sein.

Wir sollten versuchen, uns gegenseitig besser zu verstehen und uns – trotz unterschiedlicher Biographien – etwas Achtung entgenzubringen.

Gruß Klaus

"Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Haß wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden."
( Johann Wolfgang von Goethe)


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