Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

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08.10.2016 18:25
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#61
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ABV

Zitat von Telamon im Beitrag #55
Hallo Uwe,

wenn Du noch Fragen an mich hast gerne.

Leider wohne ich ziemlich weit weg, in Leverkusen (800 km), sonst würde ich mir gerne alles noch einmal ansehen.

Gibt es das Kulturhaus am Bahnhof noch?

Gruß Winfried


@Telamon
Das Kulturhaus gibt es noch. Es heißt zwar nicht mehr Kulturhaus der Eisenbahner, hat aber die Nachwendewirren überlebt.


Obwohl es zunächst nicht so aussah. Nach jahrelangem Leerstand und etlichen Plünderungen, wurde das Objekt um das Jahr 2000 aufwendig renoviert.
Wegen der Fragen wirst du in den nächsten Tagen eine PM bekommen.

Gruß
Uwe

08.10.2016 19:50
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#62
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Hallo Uwe,

vielen, vielen Dank.

Jetzt kommen auch wieder die alten Erinnerungen. Wir hatten oben ein Zimmer im Kulturhaus und genau gegenüber waren die Zimmer der jungen Zugführerinnen.
Das war die schönste Zeit in 46 Jahren bei der Eisenbahn. Im übrigen, die ganzen Jahre auf der "Kietzschiene" hatte ich nie eine Verspätung oder Unregelmäßigkeit an der ich Schuld hatte. Ich bin lieber nach Kietz gefahren als einen Schnellzug nach Rostock, Magdeburg oder Dresden.
Man hatte im Osten als Lokführer auch einen guten Ruf und eine anerkannte soziale Stellung. Die Ausbildung ging auch über mehrere Jahre, heute wird es in 7 oder 9 Monaten abgewickelt. Jetzt aber Schluss, ich wollte nicht vom Thema abkommen.

Gruß Winfried


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09.10.2016 09:36
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#63
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Zitat von ABV im Beitrag #44
Man kann sich über die Notwendigkeit von Spionageabwehrmaßnahmen streiten.
Aber diese Unterlagen sprechen wohl für sich:
Uwe


Hallo Uwe,

mich interessiert, ob Du Erkenntnisse darüber hast, was von diesen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt worden ist. Der Maßnahmeplan ist eine (theoretische) Seite, die Umsetzung die Andere, für die historische Bewertung allerdings sehr bedeutsam. Es nützt nach meiner Auffassung wenig, einen ganzen Ort anhand theoretischer Dokumente nachträglich in Panik zu versetzen ohne die reale Unsetzung aufzuzeigen.


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09.10.2016 14:42 (zuletzt bearbeitet: 09.10.2016 14:44)
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#64
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ABV

Zitat von Merkur im Beitrag #63
Zitat von ABV im Beitrag #44
Man kann sich über die Notwendigkeit von Spionageabwehrmaßnahmen streiten.
Aber diese Unterlagen sprechen wohl für sich:
Uwe


Hallo Uwe,

mich interessiert, ob Du Erkenntnisse darüber hast, was von diesen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt worden ist. Der Maßnahmeplan ist eine (theoretische) Seite, die Umsetzung die Andere, für die historische Bewertung allerdings sehr bedeutsam. Es nützt nach meiner Auffassung wenig, einen ganzen Ort anhand theoretischer Dokumente nachträglich in Panik zu versetzen ohne die reale Unsetzung aufzuzeigen.


Nein. Ich bin, wie gesagt, erst ganz am Anfang der Forschung. Zumal das Kapitel " MfS" nur einen Bruchteil aller Forschungen rund um die DDR-Geschichte von Küstrin-Kietz darstellt. Ich bin nicht nur in der BSTU, sondern auch in anderen Archiven auf der Suche nach Material unterwegs.
Das die Ausstellung in dieser Form, vor allem zu diesem Zeitpunkt, überhaupt stattfand, hat einen ganzen profanen Hintergrund: Konkurrenzkampf zwischen einzelnen, an der "Ostbahn" gelegenen Dörfern. Besonders zwischen Küstrin-Kietz und Golzow. Beide Dörfer wollen ihren Bahnhof ausbauen und dafür Fördermittel abgreifen. Die Feierlichkeiten zum 150. Jubiläums der Strecke Gusow-Küstrin wurden in erster Linie genutzt, um sich gegenseitig auszustechen. Obwohl natürlich offiziell von " Zusammenarbeit" gesprochen wurde.
Um ausreichend Besucher anzulocken, musste man sich eben etwas ganz besonderes ausdenken. Meine Ausstellung war etwas besonderes, wie das durchaus vorhandene Interesse auch zeigte.
Ich gehe nicht davon aus, dass der Maßnahmeplan nicht auch, zumindest in großen Teilen, in die Praxis umgesetzt wurde. Zumal es genügend Berichte von älteren Einwohnern über entsprechende Maßnahmen / Sanktionen gibt. Deshalb gerät aber heute bestimmt niemand mehr in Panik!
Zumal die Namen der meisten, wenn nicht sogar von allen IM aus dem Dorf und aus den Reihen der Eisenbahner, seit langem bekannt sind.
Genauer gesagt, seit 1993. Damals hatte jemand Einsicht in seine Stasi-Akte genommen und anschließend die Klarnamen sämtlicher IM aufschlüsseln lassen. Kurz darauf hingen die Namen im Schaukasten der Gemeinde. Passiert ist deshalb keinem etwas.
Auf dem Bahnhof gab Anfang der Achtzigerjahre es noch einen sehr kuriosen Fall, der noch heute die Gemüter, zumindest bei einigen Eisenbahnern erhitzt:
Ein leitender Mitarbeiter nutzte seine Stellung als Vorgesetzter, um einen ihm unterstehenden Eisenbahner zum Diebstahl mehrerer PKW-Reifen aus einem Waggon anzustiften.
Der Kriminalpolizei der Transportpolizei gelang es jedoch den Diebstahl in kurzer Zeit aufzuklären. Der zur Tat angestiftete Eisenbahner war bereits wegen diverser Eigentumsdelikte aktenkundig geworden, so dass er in den engeren Kreis der Verdächtigen geriet. Bei der Vernehmung gab er seinen Vorgesetzten als " Spiritus rector" des Diebstahls an.
Wenige Monate später fand im " Kulturhaus der Eisenbahner" in Kietz, die öffentliche Verhandlung des zuständigen Kreisgerichtes Seelow statt. Der Vorgesetzte bereute seine Tat unter Tränen. Was ihm, zur Überraschung aller, eine relativ milde Bewährungsstrafe einbrachte. Während sein vorbestrafter Kompagnon für drei Jahre "einfuhr".
Und nicht nur das- trotz seines Vergehens stieg der Vorgesetzte, zur Überraschung aller, darauf die Karriereleiter weiter empor.
Nach der Wiedervereinigung wurde bekannt, dass er bereits zum Zeitpunkt der Straftat im Dienst des MfS stand. Einige behaupten, dass er " Oibe" gewesen ist. Andere meinen, dass er ein " IM" war. Auf jeden Fall wird " Stein und Bein" behauptet, dass das MfS schützend seine Hände über ihn gehalten und großen Anteil an dem milden Urteil, sowie dem späteren, angesichts einer solchen Straftat im Zusammenhang mit dem Missbrauch seiner Funktion als Vorgesetzter nun wirklich mehr als sonderbarem Umgang der Reichsbahn mit dem Mann hat.
Anfang / Mitte der Neunzigerjahre kam seine Vergangenheit ans Licht. Er wurde entlassen, wobei ihm später lediglich vier Jahre bei der Reichsbahn anerkannt wurden. Die restliche Zeit stand er im Dienst des MfS.
Ein merkwürdiger Fall! Mich wundert allerdings, dass das MfS die von zahlreichen Eisenbahnern und Einwohnern verfolgte Verhandlung überhaupt zugelassen hat? Vielleicht findet sich ja darüber noch etwas in den Akten.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe

09.10.2016 15:10 (zuletzt bearbeitet: 09.10.2016 15:15)
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#65
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Zitat von ABV im Beitrag #64


Nein. Ich bin, wie gesagt, erst ganz am Anfang der Forschung. Zumal das Kapitel " MfS" nur einen Bruchteil aller Forschungen rund um die DDR-Geschichte von Küstrin-Kietz darstellt. Ich bin nicht nur in der BSTU, sondern auch in anderen Archiven auf der Suche nach Material unterwegs.
Das die Ausstellung in dieser Form, vor allem zu diesem Zeitpunkt, überhaupt stattfand, hat einen ganzen profanen Hintergrund: Konkurrenzkampf zwischen einzelnen, an der "Ostbahn" gelegenen Dörfern. Besonders zwischen Küstrin-Kietz und Golzow. Beide Dörfer wollen ihren Bahnhof ausbauen und dafür Fördermittel abgreifen. Die Feierlichkeiten zum 150. Jubiläums der Strecke Gusow-Küstrin wurden in erster Linie genutzt, um sich gegenseitig auszustechen. Obwohl natürlich offiziell von " Zusammenarbeit" gesprochen wurde.
Um ausreichend Besucher anzulocken, musste man sich eben etwas ganz besonderes ausdenken. Meine Ausstellung war etwas besonderes, wie das durchaus vorhandene Interesse auch zeigte.
Uwe



Nun bin ich in der Tat perplex. So eine Ausstellung, wenn man sie denn durchführt, muss doch Hand und Fuß haben und ausrecherchiert sein. Und sie kann doch nicht dazu dienen, auf der Basis halbfertiger Recherchen möglichst viele Besucher anzulocken. Versteh mich nicht falsch, ich finde die Idee grundsätzlich gut, doch muss die Ausstellung doch auf einer soliden, objektiven und möglichst umfassenden Grundlage bestehen. Und wenn man Sachen präsentiert, die lediglich auf der Basis erster Rechercheergebnisse basieren, läuft man Gefahr, ein unscharfes und im ungüstigsten Fall ein unzutreffendes Bild aufzuzeigen. Und schon gar nicht würde ich mich drängen lassen und zwischen zwei Konkurrenten begeben. Gerade zum Thema MfS haben sich schon zu viele etwas ganz besonderes ausgedacht.


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09.10.2016 15:31
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#66
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ABV

Es ging ja nicht allein um das Thema IM. Das war nur ein Randthema. Außerdem lassen sich mit über hundert Seiten an verschiedenem Aktenmaterial schon einiges bewerkstelligen. Zumal für das kommende Jahr mehr geplant ist.

Gruß Uwe

09.10.2016 15:34
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#67
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ABV

Hier noch ein paar Filmberichte zum Thema Grenzbahnhof Kietz:





Gruß an alle
Uwe

09.10.2016 15:40
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#68
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( gelöscht )

Gab es den eine "sicherheitspolitische" Zusammenarbeit mit der sowjetischen oder polnischen Seite?
Es wäre für die westliche Seite doch vielleicht leichter gewesen, in Polen entsprechende Zuträger zu finden?


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09.10.2016 16:46
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#69
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ABV

Zitat von damals wars im Beitrag #68
Gab es den eine "sicherheitspolitische" Zusammenarbeit mit der sowjetischen oder polnischen Seite?
Es wäre für die westliche Seite doch vielleicht leichter gewesen, in Polen entsprechende Zuträger zu finden?


Da kann Merkur möglicherweise mehr sagen. Ich kenne nur ein Dokument aus dem hervorgeht, dass die polnischen Eisenbahner des Grenzbahnhofs eines Tages vom polnischen Geheimdienst einbestellt und "vergattert" wurden. Was wiederum vom MfS mit großem Misstrauen betrachtet wurde.
Es gab auf jeden Fall eine Zusammenarbeit zwischen der " Operativ-Gruppe" der sowjetischen Militärabwehr und dem MfS.
Interessant ist aber auch, dass das MfS 1988 der sowjetischen Seite die Übergabe einer Namensliste von auf dem Grenzbahnhof tätigen Eisenbahnern verweigerte!!! 1967 wäre das wohl undenkbar gewesen.
Im selben Jahr erachtete die Kreisdienststelle für Staatssicherheit Seelow, eine Überwachung einer im Raum Kietz durchgeführten Übung der sowjetischen Streitkräfte als " unnötig". Das sah jedoch die Bezirksverwaltung in Frankfurt ganz anders.

Gruß an alle
Uwe

31.03.2017 12:35 (zuletzt bearbeitet: 31.03.2017 12:39)
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#70
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Hallo Uwe,
interessant ist, dass der Leiter des Zollamtes Küstrin-Kiez, Fritz Krüger, und seine Ehefrau 1953 für die Organisation Gehlen tätig waren. Erfasst waren sie bei der OG als V-9592,17 und V-9592,18. Ein interessanter Vorgang in Sachen sowjetische Truppentransporte usw. Der Fall ist Dir bestimmt bei Deinen Recherchen begegnet, war es doch der OG hier gelungen, einen V-Mann in Schlüsselposition zu werben.


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31.03.2017 13:16
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#71
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ABV

Hallo Merkur!
Von diesem Vorgang habe ich in den Akten gelesen. Allerdings nicht in denen des MfS, da wäre der Name ohnehin geschwärzt gewesen, sondern in denen der SED-Kreisleitung Seelow. Dort hatte jemand aus dem Ort Einschätzungen gegenüber verschiedenen, ebenfalls im Ort lebenden SED-Mitgliedern gegenüber der SED-Kreisleitung abgegeben. Dabei fiel, im Zusammenhang mit einem früheren Zöllner, auch der Name Krüger. Erwähnt wurde auch der Umstand, dass der Zollvorsteher Krüger ein " führender Agent der OG" gewesen ist.
Interessant ist auch, dass laut dem Papier der SED-Kreisleitung Seelow, seinerzeit auf Grund des Vorfalls, der gesamte Personalbestand des Zollamtes Küstrin-Kietz entlassen wurde. Wahrscheinlich traute man danach keinem Zöllner mehr in Kietz. Falls du näheres über die Sache sagen kannst, bin ich natürlich sehr daran interessiert. Von mir aus auch per PN.

Viele Grüße
Uwe

12.02.2018 17:54
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#72
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ABV

Hallo an alle!

An dieser Stelle mal ein kleiner Hinweis: Am 20.Januar dieses Jahres haben ein paar Enthusiasten, zu denen auch ein polnischer und zwei deutsche Historiker, wohlgemerkt richtige Historiker, gehören, in Küstrin-Kietz einen Verein gegründet. Zweck dieses Vereins ist es, das Gebäude des früheren Grenzbahnhofs Kietz ( heute Küstrin-Kietz), für den Tourismus und die geschichtliche Aufarbeitung zu nutzen. Ich gehöre dem Verein ebenfalls an.
Ob alle Pläne aufgehen werden, steht wie immer noch in den berühmten Sternen. Vieles, fast alles, hängt vom Wohl und Wehe der etwaiger Geldgeber ab.
Am Donnerstag den 10. Mai 2018, möchte unser Verein jedenfalls im Grenzbahnhof eine Ausstellung mit Fotos von Harald Hauswald, über den Alltag in der DDR, durchführen. Mit dieser Ausstellung wollen wir uns quasi der Öffentlichkeit vorstellen. Geplant ist aber auch eine Ausstellung über die Geschichte des ehemaligen Grenzbahnhofes Kietz sowie des Ortes selbst. Wobei der absolute Schwerpunkt auf die DDR-Zeit gelegt wird.

Wer also am 10. Mai 2018 noch nichts vor hat, der ist recht herzlich nach Küstrin-Kietz eingeladen. Unseren Ort erreicht man ganz bequem vom Bahnhof Berlin-Lichtenberg aus.


Viele Grüße an alle
Uwe

07.05.2021 15:52
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#73
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ABV

Hallo an alle!

Vor einigen Tagen lief im Radiosender SWR 2 eine Reportage des freien Journalisten Robert Dobe. Thema dieser Reportage waren die im Mai 1986 über den damaligen Grenzbahnhof Kietz aus der ehemaligen Sowjetunion, aus dem Gebiet Tschernobyl, in der DDR ankommenden , teilweise radioaktiv verseuchten Güterzüge. Und dem Umgang mit diesen Zügen.
Zu Wort kommen, neben ehemaligen Eisenbahnern, auch Angehörige der Zivilverteidigung der und der Transportpolizei.
https://www.swr.de/swr2/doku-und-feature...-kietz-100.html

Gruß an alle
Uwe

07.05.2021 20:14
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#74
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Zitat von ABV im Beitrag #73
Hallo an alle!

Gruß an alle
Uwe


Hallo Uwe,

unabhängig von Tschernobyl freue ich mich, dass Du Dich nach sooo langer Pause wieder meldest!

Ein frohes Wochenende wünscht

Bernd


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10.05.2021 17:55
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ABV

Hallo Bernd und alle anderen auch!
Ja, ich habe mich in der letzten Zeit sehr rar gemacht. Mir fehlt einfach die Zeit für das Forum. Wobei ich allerdings regelmäßig als " stiller Leser" vorbei schaue. Ganz ohne Forum wird es in Zukunft auch nicht gehen. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch mal wieder einen richtigen Beitrag von mir?

Bis dahin

Viele Grüße an alle
Uwe

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