Wer Nazi ist, bestimmen wir

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29.09.2016 12:52
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#1
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Als ich vor mehr als 50 Jahren in die Bundesrepublik kam, war natürlich meine Freude groß, einer brutalen Diktatur entronnen zu sein und nun ein freier Bürger zu sein. Zu meinem Entsetzen stellte ich aber fest, dass die sog. Propaganda der DDR, alle Nazis sind im Westen und in einflußreichen Positionen nicht nur Propaganda war , sondern stimmte Beispiele Kiesinger, Marinerichter Filbinger, Dr.Globke, in der Justiz war die braune Sauce besondern gut repräsentiert.
Später aber kam nach und nach heraus, das war eine scheinheilige Propaganda, denn die DDR und ihr Organ MfS spielten auf dieser Klaviatur ebenso gut, jedoch eine etwas abweichende Melodie.
Hier ein Link, der etwas ausführlicher mit diesem Thema umgeht:
http://www.spiegel.de/einestages/ns-taet...e-a-987462.html
Wie sagte der alte Adenauer, wenn ich schmutziges Wasser in der Schüssel habe und keine neues , sauberes Wasser , so schütte ich das schmutzige nicht weg. Also wo sollten die ganzen Nazis auch alle hin ? Konnten ja nicht alle in den Westen abhauen, oder ?


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29.09.2016 14:14
avatar  Merkur
#2
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Zitat von Gert im Beitrag #1
Später aber kam nach und nach heraus, das war eine scheinheilige Propaganda, denn die DDR und ihr Organ MfS spielten auf dieser Klaviatur ebenso gut, jedoch eine etwas abweichende Melodie.



Ich vermag da doch gewisse signifikante Unterschiede zu erkennen. Natürlich gab es auch in der DDR ehemalige Nazis und Wehrmachtsoffiziere. Ich gebe jedoch zu Bedenken, dass die Masse und vor allem die, die schwere Schuld auf sich geladen hatten, in die Westzonen flüchteten. Schon allein aufgrund ihrer Angst vor den Russen und ihrem kompromisslosen Umgang mit dieser Klientel.
Und natürlich gab es in der DDR auch ehemalige Nazis, die wieder in gewisse Positionen aufrückten oder es versuchten. Ein Großteil tat dies unter Angabe falscher biografischer Daten und wurde bei Aufdeckung dann aus der Position entfernt. Mitläufer mit bestimmter beruflicher Qualifikation oder auch Wehrmachtsoffiziere, die nicht mehr im April 45 fanatisch für den Endsieg kämpften oder zuvor als Kriegsgefangene in Antifa-Lagern oder als Mitglieder des NKFD aktiv waren, wurden natürlich am Aufbau von Staat und Armee beteiligt. Allerdings gab es im MfS und bei der VP keine ehemaligen Geheimdienstler und Polizisten aus dem NS-Staat.
Und es gab auch keine Leute im DDR-Staatsapparat, die NS-Todesurteile fällten, die KZ-Gebäude projektierten oder an den Nürnberger Rassegesetzen mitwirkten. Auch wurden Witwen ala Freisler und Heydrich keine üppigen Witwen-Pensionen auf der Grundlage der Tätigkeit ihrer "gefallenen" Männer gezahlt.
Und noch etwas: In der SBZ/DDR wurden von 1945 an insgesamt 12.890 Nazi- und Kriegsverbrecher verurteilt. In der BRD, die eine wesentlich höhere Bevölkerungszahl hatte, waren es viel weniger. Es ist natürlich löblich, dass man sich der Sache heute widmet und Telefonisten und Sanitäter der KZ verurteilt.


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29.09.2016 14:24
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#3
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Freund Gert, um den Beitrag von merkur zu bestätigen, google doch einmal nach dem Namen Heinz Barth. An dieser Sache war meine ehemalige Diensteinheit maßgeblich beteiligt und auf irgendwelchen Zetteln steht meine Unterschrift drauf.


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29.09.2016 14:26
avatar  Merkur
#4
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Zitat von Ebro im Beitrag #3
Freund Gert, um den Beitrag von merkur zu bestätigen, google doch einmal nach dem Namen Heinz Barth. An dieser Sache war meine ehemalige Diensteinheit maßgeblich beteiligt und auf irgendwelchen Zetteln steht meine Unterschrift drauf.


Darum bist Du ja heute der Täter und Barth das Opfer. Verrückte Welt.


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29.09.2016 15:39
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#5
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Zitat von Merkur im Beitrag #2
Zitat von Gert im Beitrag #1
Später aber kam nach und nach heraus, das war eine scheinheilige Propaganda, denn die DDR und ihr Organ MfS spielten auf dieser Klaviatur ebenso gut, jedoch eine etwas abweichende Melodie.



Ich vermag da doch gewisse signifikante Unterschiede zu erkennen. Natürlich gab es auch in der DDR ehemalige Nazis und Wehrmachtsoffiziere. Ich gebe jedoch zu Bedenken, dass die Masse und vor allem die, die schwere Schuld auf sich geladen hatten, in die Westzonen flüchteten. Schon allein aufgrund ihrer Angst vor den Russen und ihrem kompromisslosen Umgang mit dieser Klientel.
Und natürlich gab es in der DDR auch ehemalige Nazis, die wieder in gewisse Positionen aufrückten oder es versuchten. Ein Großteil tat dies unter Angabe falscher biografischer Daten und wurde bei Aufdeckung dann aus der Position entfernt. Mitläufer mit bestimmter beruflicher Qualifikation oder auch Wehrmachtsoffiziere, die nicht mehr im April 45 fanatisch für den Endsieg kämpften oder zuvor als Kriegsgefangene in Antifa-Lagern oder als Mitglieder des NKFD aktiv waren, wurden natürlich am Aufbau von Staat und Armee beteiligt. Allerdings gab es im MfS und bei der VP keine ehemaligen Geheimdienstler und Polizisten aus dem NS-Staat.
Und es gab auch keine Leute im DDR-Staatsapparat, die NS-Todesurteile fällten, die KZ-Gebäude projektierten oder an den Nürnberger Rassegesetzen mitwirkten. Auch wurden Witwen ala Freisler und Heydrich keine üppigen Witwen-Pensionen auf der Grundlage der Tätigkeit ihrer "gefallenen" Männer gezahlt.
Und noch etwas: In der SBZ/DDR wurden von 1945 an insgesamt 12.890 Nazi- und Kriegsverbrecher verurteilt. In der BRD, die eine wesentlich höhere Bevölkerungszahl hatte, waren es viel weniger. Es ist natürlich löblich, dass man sich der Sache heute widmet und Telefonisten und Sanitäter der KZ verurteilt.


Zitat aus dem Spiegelartikel:
"Bei Auschwitz sieht man, wie die Stasi manövriert hat: Manche wurden verurteilt, andere als Spitzel angeworben, andere blieben unbehelligt", sagt Leide. Man könne aber durchaus von einer Täterschutzpolitik der Stasi sprechen. Insgesamt gab es laut Leide zwischen 1950 und 1989 in der DDR 739 Urteile gegen NS-Täter.

@Merkur Was ist denn nun richtig, deine Zahl oder die Zahl des Spiegels ?

weiteres Zitat:
1,5 Millionen ehemalige NSDAP-Mitglieder in der DDR

Unbestritten ist, dass sich die vorgeblich antifaschistische DDR mit vielen Alt-Nazis arrangierte. 1951 ergab eine Zählung der SED, dass 174.928 ehemalige NSDAP-Leute oder Wehrmachtsoffiziere nun Parteimitglied waren. Insgesamt soll es 1,5 Millionen ehemalige NSDAP-Mitglieder in der DDR gegeben haben; eines war Ernst Melsheimer, Chefankläger der Generalstaatsanwaltschaft.

DDR-Bürger mit Nazi-Vergangenheit waren für die Stasi leicht erpressbar und wurden so zu willigen Spitzeln, etwa August Bielisch, der ab Juli 1943 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Dienst getan hatte, und damit im Oktober 1971 von der Stasi konfrontiert wurde. Bielisch sagte damals, er habe in Auschwitz lediglich Wachdienst versehen und von Verbrechen im Lager nichts bemerkt. Dennoch wusste er, dass er kooperieren musste. Schriftlich hielt er fest, ihm sei klar, dass er wegen "[…] Verschweigens meiner Angehörigkeit zur SS und der ausgeübten Tätigkeit als Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz (Birkenau) strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann. Durch meine Bereitschaft, offen und ehrlich mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammenzuarbeiten, möchte ich meine Fehler wiedergutmachen."

Die Haltung der Stasi drückte sich Leide zufolge sehr treffend in dem aus, was er 2006 auf einer Diskussionsveranstaltung hörte. Ein Mann erklärte, dass er dafür verurteilt worden sei, dass er in der DDR die Namen ehemaliger NSDAP-Mitgliedern publik gemacht habe. Stasi-Leute hätten iihm gesagt wer Nazi ist bestimmen wir


die Relativierung von dir finde ich einfach obszön, so nach dem Motto na wir hatten die etwas "besseren Nazis". Wer diese Verbrechen unterstützt hat, ist für mich Teil des Systems. Dieses Gejammere hinterher, was sollten wir denn machen ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel. Diesen Massstab lege ich auch an die 2.gescheiterte Diktatur in D an. Jedes Parteimitglied hat die Staatspolitik aktiv unterstützt, also trägt es Mitverantwortung.


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29.09.2016 15:46
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#6
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Wer Nazi ist, bestimmen wir - klingt doch demokratisch, dieses WIR ! Wir sind das Volk.


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29.09.2016 15:50
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#7
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Zitat von Gert im Beitrag #5

@Merkur Was ist denn nun richtig, deine Zahl oder die Zahl des Spiegels ?



Steht doch eindeutig da. Ich schreibe von SBZ/DDR, der Spiegel ab 1950. Es lag in der Natur der Sache, dass die Masse der Verfahren in der unmittelbaren Nachkriegszeit stattfand.


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29.09.2016 15:55
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#8
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Zitat von Merkur im Beitrag #7
Zitat von Gert im Beitrag #5

@Merkur Was ist denn nun richtig, deine Zahl oder die Zahl des Spiegels ?



Steht doch eindeutig da. Ich schreibe von SBZ/DDR, der Spiegel ab 1950. Es lag in der Natur der Sache, dass die Masse der Verfahren in der unmittelbaren Nachkriegszeit stattfand.

ich sprach von DDR und nicht von der SBZ und da begann die Uhr am 7.Oktober 1949 zu ticken. Natürlich lebten da schon viele nicht mehr die zusammen mit vielen Unschuldigen angeblichen Werwölfen und anderen bei den Russen denunzierten Deutschen in Buchenwald, Sachsenhausen, Karaganda , Workuta und anderen Lagern umgebracht wurden ohne jegliche Gerichtsverfahren. Da hast du Recht da war ein Großteil schon weggeschafft
Aber diese Drecksarbeit erledigten die Russen


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29.09.2016 15:57
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#9
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Zitat von Georg im Beitrag #6
Wer Nazi ist, bestimmen wir - klingt doch demokratisch, dieses WIR ! Wir sind das Volk.


wenn das MfS Teil der Demokratie war , OK. Aus meiner Sicht war es das nicht. Was es war, habe ich schon oft hier geschrieben.


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29.09.2016 15:58
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#10
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Zitat von Merkur im Beitrag #4
Zitat von Ebro im Beitrag #3
Freund Gert, um den Beitrag von merkur zu bestätigen, google doch einmal nach dem Namen Heinz Barth. An dieser Sache war meine ehemalige Diensteinheit maßgeblich beteiligt und auf irgendwelchen Zetteln steht meine Unterschrift drauf.


Darum bist Du ja heute der Täter und Barth das Opfer. Verrückte Welt.



jetzt kommen mir aber wirklich die Tränen


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29.09.2016 15:59
avatar  TOMMI
#11
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Wie war es eigentlich mit dem ehamaligen Gerneralstaatsanwalt der DDR, Melzheimer? Böse Zungen behaupten, er soll mit dem Volksgerichtshof zu tun gehabt haben?


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29.09.2016 16:00
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#12
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Zitat von Gert im Beitrag #9
Zitat von Georg im Beitrag #6
Wer Nazi ist, bestimmen wir - klingt doch demokratisch, dieses WIR ! Wir sind das Volk.


wenn das MfS Teil der Demokratie war , OK. Aus meiner Sicht war es das nicht. Was es war, habe ich schon oft hier geschrieben.


Der MfS war ein Organ eines demokratischen Staates......


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29.09.2016 16:01
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#13
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Zitat von TOMMI im Beitrag #11
Wie war es eigentlich mit dem ehamaligen Gerneralstaatsanwalt der DDR, Melzheimer? Böse Zungen behaupten, er soll mit dem Volksgerichtshof zu tun gehabt haben?


@Tommi
richtig, lies mal den Spiegel Link in # 1 , dort ist es erwähnt.


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29.09.2016 16:04
#14
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Zitat von Gert im Beitrag #8
Zitat von Merkur im Beitrag #7
Zitat von Gert im Beitrag #5

@Merkur Was ist denn nun richtig, deine Zahl oder die Zahl des Spiegels ?



Steht doch eindeutig da. Ich schreibe von SBZ/DDR, der Spiegel ab 1950. Es lag in der Natur der Sache, dass die Masse der Verfahren in der unmittelbaren Nachkriegszeit stattfand.

ich sprach von DDR und nicht von der SBZ und da begann die Uhr am 7.Oktober 1949 zu ticken. Natürlich lebten da schon viele nicht mehr die zusammen mit vielen Unschuldigen angeblichen Werwölfen und anderen bei den Russen denunzierten Deutschen in Buchenwald, Sachsenhausen, Karaganda , Workuta und anderen Lagern umgebracht wurden ohne jegliche Gerichtsverfahren. Da hast du Recht da war ein Großteil schon weggeschafft
Aber diese Drecksarbeit erledigten die Russen


Und was ging dem alles vorraus---wie war eigentlich die Drecksarbeit der Deutschen in Europa. Haben die Deutschen nicht Mill. von Menschen ohne Gerichtsurteil abgeschlachtet.


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29.09.2016 16:05
avatar  Ebro
#15
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Zitat von Gert im Beitrag #10
Zitat von Merkur im Beitrag #4
Zitat von Ebro im Beitrag #3
Freund Gert, um den Beitrag von merkur zu bestätigen, google doch einmal nach dem Namen Heinz Barth. An dieser Sache war meine ehemalige Diensteinheit maßgeblich beteiligt und auf irgendwelchen Zetteln steht meine Unterschrift drauf.


Darum bist Du ja heute der Täter und Barth das Opfer. Verrückte Welt.



jetzt kommen mir aber wirklich die Tränen


Es tut mir sehr leid, dass ich Dich heute traurig gemacht habe.
Die Tränen kamen mir auch, als ich erfuhr, dass der Barth irgendwann nach 1990 freigelassen wurde, weil er unter "nicht rechtsstaatlichen" Bedingungen verurteilt wurde.


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