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#61

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 14.10.2016 22:20
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Zitat von Thüringer1970 im Beitrag #57
Zitat von Alfred im Beitrag #49
ABV,
Vor einigen Jahren gab es ein zwischen Angehörigen der Königlichen Holl.Marine, dem Leiter des HA I des MfS , Generaloberst Streletz und einigen anderen. ich war auch dabei. Anwesend war auch ein Herr der Freien Universität Berlin, der sich mit dem "geplanten Einmarsch der NVA in die VR Polen " beschäftigte. Nach einigen Minuten war das Gespräch zwischen dem Herren und Streletz beendet, weil der Herr der Uni einsehen musste, dass er doch mit seinen Behauptungen ganz schwer falsch lag.



Das klingt mir eher danach, "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten".


Darum habe ich auf die Antwort von Alfred erst gar nicht reagiert. Das Gespräch zwischen dem Vertreter der " FU" und den " verstockten Opas", dürfte eher wegen erkannter Sinnlosigleit ein jähes Ende gefunden haben.

Gruß an alle
Uwe


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#62

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 14.10.2016 22:25
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Die trifft Einschätzungen zu Gesprächen an denen Du nicht mal teilgenommen hast, auch eine Leistung, aber eine sehr schwache.

Hier BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst (4) beziehst DU DICH selbst auf ein Telefonat mit einen 90 ig jährigen. Du machst dir die Geschichte anscheinend wie es gerade passt.



zuletzt bearbeitet 14.10.2016 22:28 | nach oben springen

#63

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 14.10.2016 22:27
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Zitat von Alfred im Beitrag #62
Die trifft Einschätzungen zu Gesprächen an denen Du nicht mal teilgenommen hast, auch eine Leistung, aber eine sehr schwache.


@Alfred
Ich wusste es, dass Du prompt darauf reagierst

Gruß Uwe


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#64

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 14.10.2016 23:09
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Zitat von Gert im Beitrag #59
Zitat von vs1400 im Beitrag #56
gibt es einen wirklichen unterschied zu damaligen volkskorrespondenten und zb. heutigen bürgerreportern?

gruß vs




ich würde sagen ja. Volkskorrespondenten waren parteipolitisch festgezurrt, Bürgerreporter kümmern sich weniger um eine Partei, sondern um das tatsächlich Geschehene.


ich kann nur bedingt deiner aussage zustimmen, Gert,
zumal wir ja nun alle (deutschen) in einem kapitalistischen system leben und dieses wohl eben auch nur das zulässt, was als genehm erscheint.

beide freizeitjournalisten waren, sind ehrenamtliche und dieses "modell" war keine erfindung der ddr, nur um es dir vorwegzunehmen.
jenes ehrenamt wurde damals wie heute entlohnt, bei veröffentlichung.


gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#65

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 14.10.2016 23:10
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Zitat von vs1400 im Beitrag #56
gibt es einen wirklichen unterschied zu damaligen volkskorrespondenten und zb. heutigen bürgerreportern?

gruß vs



Also, der Begriff Volkskorrespondenten ist mir ja bekannt, aber was um Himmels willen sind denn Bürgerreporter? Das einzige, was mir zu dem zweiten Begriff einfällt, sind die Blödzeitungs-Bildlieferanten, die ihr Handy nutzen, um möglichst blutrünstige Bilder von Unfällen etc. an die Zeitung zu liefern. An geschlachtete Kinder kommen sie ja zu ihren Bedauern nicht ran, müssen sich also auf Unfälle beschränken und noch besten Kräften die Rettungskräfte bei der Arbeit behindern.
Oder was sind sonst Bürgereporter? In meiner Zeitung gibt es die zumindest nicht.

Gruss

icke



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#66

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 15.10.2016 00:12
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bürgerreporter oder korrespondent einer tageszeitung, icke46,
es gibt diverse bezeichnungen für derartige freie mitarbeiter.
die bürgerreporter findest du in mitteldeutschland, gibt es auch "einen" aus dem "harz".

deine zeitung ist mir nicht bekannt,
doch sie wäre wohl sehr hinterher, wenn sie nicht auch ehrenamtliche mitarbeiter pflegen würde.

gruß vs


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#67

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 15.10.2016 00:25
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Zitat von vs1400 im Beitrag #66

deine zeitung ist mir nicht bekannt,


gruß vs


Blödzeitung - keiner liest sie - aber jeder weiss, was drin stand.

Ich lese das Ding auch nur am Sonntag, scheue mich aber nicht, das zuzugeben.

Gruss

icke



vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#68

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 15.10.2016 00:53
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auch die sucht freie mitarbeieiter.

gruß vs


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#69

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 15.10.2016 19:55
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Zitat von Alfred im Beitrag #62
Die trifft Einschätzungen zu Gesprächen an denen Du nicht mal teilgenommen hast, auch eine Leistung, aber eine sehr schwache.

Hier BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst (4) beziehst DU DICH selbst auf ein Telefonat mit einen 90 ig jährigen. Du machst dir die Geschichte anscheinend wie es gerade passt.


Das ist Quatsch Alfred und ich bin überzeugt, dass du das auch weißt. Wenn man, wie die Herren Kessler, Streletz oder Dietze, früher an vorderster, verantwortlicher Position stand, sieht man die Dinge ohnehin anders. Aber nicht unbedingt objektiv. Erstens neigt der Mensch, egal ob " General" oder " Soldat" dazu, die eigene Verantwortung nach " verlorenen Kriegen" möglichst klein zu reden. Zum anderen würden die Herren, wenn sie öffentlich bekunden von dem Plan, von mir auch von dem Wunsch Honeckers in Polen einzumarschieren, gewusst zu haben, unter Umständen selbst in die Schusslinie geraten. Da es ist es doch völlig verständlich, wenn sie diese Pläne generell bestreiten.
Möglicherweise haben sie die Kenntnis darüber verdrängt? Oder die Herren waren tatsächlich nie in die besagten Pläne eingebunden.
Fakt ist, dass sich die Historiker den Plan Honeckers in Polen einzumarschieren " um mit der Konterrevolution aufzuräumen", nicht aus den Fingern gesogen haben!
Aus Sicht der DDR wäre solch ein Plan sogar verständlich gewesen. Polen galt, in SED-Kreisen, schon immer als " unsicherer Kantonist". Außerdem fürchtete Honecker, aus seiner Sicht nicht ohne Grund. ein Übergreifen des " Solidarnocz-Virus". Ein " kapitalistisches" Polen, zwischen der DDR und der Sowjetunion, wäre undenkbar gewesen. Das gehandelt werden musste, lag auf der Hand.
Honecker war offenbar bereits derart weltfremd, dass er partout nicht einsehen wollte, dass ein Eingreifen der NVA auf polnischem Hoheitsgebiet bei der dortigen Bevölkerung Assoziationen auf den 01. September 1939 ausgelöst hätte. Nach seiner " Denke" verkörperten die NVA-Soldaten den Typus des " neuen Deutschen", der mit der faschistischen Wehrmacht nichts mehr zu tun hatte. Und natürlich glaubte er, dass alle Welt seine naive Sicht der Dinge teilt.
Die Sowjetunion schätzte die Situation wesentlich realer ein, so dass man in Moskau Honeckers Plänen eine Abfuhr erteilte.
Was meinen neunzigjährigen Zeitzeugen angeht: Er hat die Zeit bei der KVP in Küstrin-Kietz als Soldat erlebt. Aus diesem Grund braucht er auch nichts zu beschönigen, oder im nachhinein aufzubauschen. Das es solche Offiziere wie den besagten Oberst gegeben hat, zweifele ich nicht an.
Wahrscheinlich wollte der Kerl wieder " Pulverdampf riechen", egal unter welchem Oberbefehlshaber. Hauptsache, er darf kommandieren.
"Mein" Zeitzeuge hat diese Eigenschaft übrigens als " typisch deutsch" tituliert.

Viele Grüße
Uwe


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lhsecurity und Pit 59 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#70

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 15.10.2016 20:12
von Alfred | 7.355 Beiträge | 1435 Punkte
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ABV,

es ist einfach SINNLOS sich mit dir auszutauschen.

Du bringst Sachen ohne jeden Beweis.

Keßler habe ich zum Beispiel überhaupt nicht erwähnt, weil damals Armeegeneral Hoffmann der Verteidigungsminister war . Den - Hoffmann - kann man nun aber nicht mehr fragen. Streletz als Chef des Hauptstabes und Stellvertreter des Oberkommandierenden des Warschauer Vertrages schon. Und dann gibt es ja noch die ganzen Dokumente in Freiburg. Keßler und Streletz haben immer zu ihrer Verantwortung gestanden und machen dies auch heute noch. Du machst ja so als hätte Honecker entsprechende Pläne ausgearbeitet. ABV, das wäre Sache des Hauptstabes gewesen und ich habe doch schon geschrieben, dass es Übungspläne gab, aber nie Pläne für einen scharfen Einmarsch. Allen war bekannt, die Polen sind keine Schwejks.



ABV und Georg haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#71

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 19.10.2016 20:26
von Georg | 1.146 Beiträge
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Im Thema:

Die braune Vergangenheit des BND

# 12 Zitat:
" Denn immerhin waren dem SPIEGEL oder Gehlen (aus dessen Nachlass das Negativ ja stammt) diese Person offenbar so wichtig, dass man sich zu einer Retusche, zur Zensur, veranlasst sah. Dann aber MUSS der Name dieses Mannes bekannt gewesen sein und damit auch dem BND und/oder dem Bundesarchiv.

Denn - wie oben bereits gesagt - man retuschiert keine Person auf einem Foto weg, wenn man angeblich nicht weiß, um wen es sich dabei handelt. Somit kann dann auch die N.N.-Behauptung des Bundesarchivs von 2009 nur eine Lüge sein.

Wenn das Bundesarchiv noch 2009 behauptet, die Identität dieser Person sei nicht bekannt, ließe sich vermuten, dass die Preisgabe des Namens dieses Mannes ganz offensichtlich immer noch als Staatsgeheimnis behandelt wird - 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs! Dann kann es sich eigentlich nur um einen schwerwiegenden Fall handeln, den man noch heute zu verheimlichen sucht.

Wer bei der Lösung dieses Rätsels helfen kann, wird um Hinweise gebeten. "

Das Rätsel wird wohl nicht gelöst werden. Ich traue den Zeitungsarchiven und den Staatsarchiven der DDR. Die hatten kein Interesse an diesen Machenschaften. Man kann da wirklich nichts neu erleben oder verstehen. Nur hinein interpretieren in Kleinigkeiten und ablenken.
Einiges ist jedoch sehr wohl lustig - aus heutiger Sicht. Aber darum geht es ja nicht.....


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#72

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 27.01.2017 21:37
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Hallo Freunde!
Hier mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Wie bereits am Anfang dieses Threads geschrieben, beschäftige ich mich derzeit intensiv mit der DDR-Vergangenheit meines Wohnortes Küstrin-Kietz. Heute ein langsam aussterbendes Nest, bis 1990 ein für die DDR strategisch wichtiger Ort an der polnischen Grenze, mit einem großen Grenzbahnhof über den unzählige Militärtransporte liefen, für die sich verschiedene Geheimdienste interessierten. Und so weiter und so weiter, dass habe ich ja alles schon erzählt.
Vor einigen Tagen saß ich wieder einmal im Lesesaal der BSTU-Außenstelle Frankfurt (Oder). Vor mir auf dem Tisch lagen etliche dicke Ordner, vorwiegend mit IM-Berichten. Dazu die Personalakten einiger IM, inklusive der Klarnamen und der Verpflichtungserklärungen.
Zwei von ihnen kannte ich persönlich. Mit dem einen hatte ich mich unlängst über meine Forschungen unterhalten. Er zeigte sich auch sehr interessiert, da er früher auch in leitender Stellung auf dem Bahnhof Kietz tätig war. Der jetzt seine Rente genießende ehemalige Eisenbahner äußerte sich in abfälliger Form über das Gebaren der MfS-Mitarbeiter, die ihm damals " immer schwer auf den Sack gegangen sind".
Irgendwie kam ich in dem Gespräch auch auf den " FIM Marina Meyer" und dessen Berichte zu sprechen. " Marina Meyer" hatte des Öfteren Personen regelrecht "auflaufen" lassen, und dieses dann in genüsslicher Form seinem Führungsoffizier mitgeteilt. Mein Gesprächspartner schüttelte den Kopf. Ich meinte dann noch, dass es " Marina Meyer" auch nicht leicht gehabt haben muss, schließlich musste er unter anderem das Einkaufsverhalten polnischer Eisenbahner in unserem Dorfkonsum analysieren. Was für eine spannende geheimdienstliche Aufgabe.
Wir haben beide herzlich gelacht, anschließend war das Gespräch beendet.
Ja, und was mussten meine müden Augen in der BSTU sehen: Ich oller Dussel hatte mich ausgerechnet mit dem ehemaligen " FIM Marina Meyer" über den ehemaligen " FIM Marina Meyer" unterhalten. Reife Leistung! Sicher, die leichte Nervosität meines Gesprächspartners war mir nicht entgangen. Das " Marina Meyer" eine leitende Position auf dem Grenzbahnhof inne hatte, ging aus dessen Berichten unzweifelhaft hervor. Aber wer denkt denn gleich an so was? Zumal es bei dem " Wasserkopp" in der Verwaltung dort mehrere leitende Angestellte, die nicht alle beim MfS waren, gab.
Das war natürlich ein Hammer! Sollte ich diesen Mann, der übrigens sehr nett ist, verurteilen? Nein, dass steht mir nicht zu. Beim genauen Hinschauen zeichnet sich in den Akten das Bild eines Menschen ab, der vom Aufbau des Sozialismus und der DDR und der Notwendigkeit beides zu schützen, von ganzem Herzen überzeugt war. Genau wie ich, zu jener Zeit.
Ich bin mir sicher, sehr sicher sogar, dass er viele Dinge heute völlig anders sieht, sich für vieles schämt. Auch wenn ihm der Mut fehlt, offen darüber zu sprechen. Er gehörte wohl zu der Kategorie die man heute als " Überzeugungstäter" bezeichnet.
Dann gab es da noch einen, den ich, vom Sehen her, ebenfalls kenne. Wie es eben in einem 800-Seelen-Nest so ist.
Dieser Mann, ebenfalls ein früherer Eisenbahner, wurde vom MfS folgendermaßen eingeschätzt: Der IM ist Mitglied der SED, erzählt jedoch offen, dass er nur in die SED eingetreten ist, " um auch ein paar Krümel vom großen Kuchen zu bekommen." Nach außen hin nahm er zunehmend eine negative Haltung gegen die DDR und ihre Vertreter ein. Was sich unter anderem darin zeigte, dass er ständig Zöllner und PKE-Kräfte mit abfälligen Bemerkungen über deren " faule Tätigkeiten" überzog. Des Weiteren hatte sich als VP-Helfer beim örtlichen ABV angedient, jedoch nur, um ungestört Diebstahlshandlungen begehen zu können. Neben der negativen Einstellung zur DDR, unterhielt er rege verwandtschaftliche Kontakte in die Bundesrepublik und schaute Zuhause, ausschließlich, wem wundert es, " Westfernsehen".
Und doch diente er dem MfS als " IM". Aber nicht nur als kleiner unbedeutender Informant. Nein, er sprudelte geradezu über. Zum Beispiel, als ihm eine polnische Kollegin auf dem Grenzbahnhof anvertraute, in die Bundesrepublik übersiedeln zu wollen. Oder von einer Geburtstagsfeier im Hinterzimmer des Dorfkonsums, an den neben Bürgern aus der Bundesrepublik, auch ein Zöllner teilgenommen hatte. Bei dem Umtrunk suggerierte er den Bundesbürgern, mit ihnen Briefmarken tauschen zu wollen, worauf er deren komplette Adresse erhielt. Die er sofort, inklusive des Kfz-Kennzeichens, an das MfS weiterleitete. Er war sich nicht einmal zu schade, einen eigenen Verwandten aus der Bundesrepublik auszunutzen, um über diesem, im Auftrag der HVA, einen Bonner Ministerialbeamten aufzuklären.
Wer jetzt sagt oder denkt, dass sich der Kerl einfach eine clevere Tarnung zugelegt hatte, der irrt sich gewaltig! DDR und Sozialismus gingen ihm gewaltig, wie es so unschön heißt, " am Arsch vorbei". Wäre es nach ihm gegangen, dann hätte die DDR schon viel früher im Orkus verschwinden können. Die Tätigkeit als IM brachte ihm jedoch, wie die Mitgliedschaft in der SED und die Streifengänge als VP-Helfer, Vorteile.
Solche Leute gab es auch. Traurig oder wohl eher bezeichnend, dass sich das MfS nicht von dem " faulen Fisch" trennte, vielmehr dessen charakterliche Schwächen für eigene Zwecke ausnutzte.
Ich bin aber auch noch auf andere IM-Berichte gestoßen. Zum Beispiel solche, die drastisch und unverblümt, die desolate Versorgungslage in unserem Dorf-Konsum schilderten. Oder von immensen Diebstählen auf dem Grenzbahnhof, die ausgerechnet von Mitgliedern einer Brigade begangen wurde, die als " Sozialistische Brigade" ausgezeichnet wurde.
Haben diese Berichte etwa positives gebracht? Wohl kaum-im Konsum gab es nach wie vor kaum Wurst, Fleisch oder Gemüse und auf dem Bahnhof wurde nach wie vor geklaut wie auf einem orientalischen Basar.
Gebracht hat das ganze wohl nur eines: unzählige zerbrochene Biographien, Freundschaften und Menschen. Von dem immensen Vertrauensverlust einmal ganz abgesehen. Am Ende ihres Bestehens hatte sich die DDR um Lichtjahre von den eigenen Ansprüchen entfernt.
Gründlicher kann der Versuch einer besseren Welt wohl nicht gegen die Wand gefahren werden!

Viele Grüße an alle
Uwe


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Harzwanderer und Pit 59 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#73

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 27.01.2017 21:46
von thomas 48 | 4.058 Beiträge | 1708 Punkte
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Du schreibst, der eine IM hat Westfernsehen gesehen.
Ging das technisch überhaupt?


ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#74

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 27.01.2017 21:52
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Zitat von thomas 48 im Beitrag #73
Du schreibst, der eine IM hat Westfernsehen gesehen.
Ging das technisch überhaupt?


Natürlich Thomas. Das Oderbruch liegt doch in Brandenburg und nicht in Sachsen. ARD, ZDF, später das " 3. Programm", konnten problemlos empfangen werden. Berlin ist doch nur gute achtzig Kilometer entfernt.

Gruß Uwe


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thomas 48 und Pit 59 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#75

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 27.01.2017 23:56
von icke46 | 2.715 Beiträge | 520 Punkte
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Da muss ich doch auch glatt mal zwei Fragen stellen:

1. - was ist ein FIM??? IM und IMB etc sind ja klar, aber mit FIM kann ich nichts anfangen, bzw. mit dem ersten Buchstaben - IM ist schon klar.

2. - ich finde das ja recht ungewöhnlich, dass sich ein Mann einen weiblichen Decknamen zulegt. Nun stecke ich ja nicht so in der Materie drin, nichtsdestotrotz ist mir so eine Konstellation noch nirgendwo begegnet.

UAwg - übersetzt: um Aufklärung wird gebeten.

Gruss

icke



vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.01.2017 00:09 | nach oben springen

#76

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 28.01.2017 00:25
von vs1400 | 3.070 Beiträge | 2963 Punkte
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Zitat von ABV im Beitrag #72
Hallo Freunde!
Hier mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Wie bereits am Anfang dieses Threads geschrieben, beschäftige ich mich derzeit intensiv mit der DDR-Vergangenheit meines Wohnortes Küstrin-Kietz. Heute ein langsam aussterbendes Nest, bis 1990 ein für die DDR strategisch wichtiger Ort an der polnischen Grenze, mit einem großen Grenzbahnhof über den unzählige Militärtransporte liefen, für die sich verschiedene Geheimdienste interessierten. Und so weiter und so weiter, dass habe ich ja alles schon erzählt.
Vor einigen Tagen saß ich wieder einmal im Lesesaal der BSTU-Außenstelle Frankfurt (Oder). Vor mir auf dem Tisch lagen etliche dicke Ordner, vorwiegend mit IM-Berichten. Dazu die Personalakten einiger IM, inklusive der Klarnamen und der Verpflichtungserklärungen.
Zwei von ihnen kannte ich persönlich. Mit dem einen hatte ich mich unlängst über meine Forschungen unterhalten. Er zeigte sich auch sehr interessiert, da er früher auch in leitender Stellung auf dem Bahnhof Kietz tätig war. Der jetzt seine Rente genießende ehemalige Eisenbahner äußerte sich in abfälliger Form über das Gebaren der MfS-Mitarbeiter, die ihm damals " immer schwer auf den Sack gegangen sind".
Irgendwie kam ich in dem Gespräch auch auf den " FIM Marina Meyer" und dessen Berichte zu sprechen. " Marina Meyer" hatte des Öfteren Personen regelrecht "auflaufen" lassen, und dieses dann in genüsslicher Form seinem Führungsoffizier mitgeteilt. Mein Gesprächspartner schüttelte den Kopf. Ich meinte dann noch, dass es " Marina Meyer" auch nicht leicht gehabt haben muss, schließlich musste er unter anderem das Einkaufsverhalten polnischer Eisenbahner in unserem Dorfkonsum analysieren. Was für eine spannende geheimdienstliche Aufgabe.
Wir haben beide herzlich gelacht, anschließend war das Gespräch beendet.
Ja, und was mussten meine müden Augen in der BSTU sehen: Ich oller Dussel hatte mich ausgerechnet mit dem ehemaligen " FIM Marina Meyer" über den ehemaligen " FIM Marina Meyer" unterhalten. Reife Leistung! Sicher, die leichte Nervosität meines Gesprächspartners war mir nicht entgangen. Das " Marina Meyer" eine leitende Position auf dem Grenzbahnhof inne hatte, ging aus dessen Berichten unzweifelhaft hervor. Aber wer denkt denn gleich an so was? Zumal es bei dem " Wasserkopp" in der Verwaltung dort mehrere leitende Angestellte, die nicht alle beim MfS waren, gab.
Das war natürlich ein Hammer! Sollte ich diesen Mann, der übrigens sehr nett ist, verurteilen? Nein, dass steht mir nicht zu. Beim genauen Hinschauen zeichnet sich in den Akten das Bild eines Menschen ab, der vom Aufbau des Sozialismus und der DDR und der Notwendigkeit beides zu schützen, von ganzem Herzen überzeugt war. Genau wie ich, zu jener Zeit.
Ich bin mir sicher, sehr sicher sogar, dass er viele Dinge heute völlig anders sieht, sich für vieles schämt. Auch wenn ihm der Mut fehlt, offen darüber zu sprechen. Er gehörte wohl zu der Kategorie die man heute als " Überzeugungstäter" bezeichnet.
Dann gab es da noch einen, den ich, vom Sehen her, ebenfalls kenne. Wie es eben in einem 800-Seelen-Nest so ist.
Dieser Mann, ebenfalls ein früherer Eisenbahner, wurde vom MfS folgendermaßen eingeschätzt: Der IM ist Mitglied der SED, erzählt jedoch offen, dass er nur in die SED eingetreten ist, " um auch ein paar Krümel vom großen Kuchen zu bekommen." Nach außen hin nahm er zunehmend eine negative Haltung gegen die DDR und ihre Vertreter ein. Was sich unter anderem darin zeigte, dass er ständig Zöllner und PKE-Kräfte mit abfälligen Bemerkungen über deren " faule Tätigkeiten" überzog. Des Weiteren hatte sich als VP-Helfer beim örtlichen ABV angedient, jedoch nur, um ungestört Diebstahlshandlungen begehen zu können. Neben der negativen Einstellung zur DDR, unterhielt er rege verwandtschaftliche Kontakte in die Bundesrepublik und schaute Zuhause, ausschließlich, wem wundert es, " Westfernsehen".
Und doch diente er dem MfS als " IM". Aber nicht nur als kleiner unbedeutender Informant. Nein, er sprudelte geradezu über. Zum Beispiel, als ihm eine polnische Kollegin auf dem Grenzbahnhof anvertraute, in die Bundesrepublik übersiedeln zu wollen. Oder von einer Geburtstagsfeier im Hinterzimmer des Dorfkonsums, an den neben Bürgern aus der Bundesrepublik, auch ein Zöllner teilgenommen hatte. Bei dem Umtrunk suggerierte er den Bundesbürgern, mit ihnen Briefmarken tauschen zu wollen, worauf er deren komplette Adresse erhielt. Die er sofort, inklusive des Kfz-Kennzeichens, an das MfS weiterleitete. Er war sich nicht einmal zu schade, einen eigenen Verwandten aus der Bundesrepublik auszunutzen, um über diesem, im Auftrag der HVA, einen Bonner Ministerialbeamten aufzuklären.
Wer jetzt sagt oder denkt, dass sich der Kerl einfach eine clevere Tarnung zugelegt hatte, der irrt sich gewaltig! DDR und Sozialismus gingen ihm gewaltig, wie es so unschön heißt, " am Arsch vorbei". Wäre es nach ihm gegangen, dann hätte die DDR schon viel früher im Orkus verschwinden können. Die Tätigkeit als IM brachte ihm jedoch, wie die Mitgliedschaft in der SED und die Streifengänge als VP-Helfer, Vorteile.
Solche Leute gab es auch. Traurig oder wohl eher bezeichnend, dass sich das MfS nicht von dem " faulen Fisch" trennte, vielmehr dessen charakterliche Schwächen für eigene Zwecke ausnutzte.
Ich bin aber auch noch auf andere IM-Berichte gestoßen. Zum Beispiel solche, die drastisch und unverblümt, die desolate Versorgungslage in unserem Dorf-Konsum schilderten. Oder von immensen Diebstählen auf dem Grenzbahnhof, die ausgerechnet von Mitgliedern einer Brigade begangen wurde, die als " Sozialistische Brigade" ausgezeichnet wurde.
Haben diese Berichte etwa positives gebracht? Wohl kaum-im Konsum gab es nach wie vor kaum Wurst, Fleisch oder Gemüse und auf dem Bahnhof wurde nach wie vor geklaut wie auf einem orientalischen Basar.
Gebracht hat das ganze wohl nur eines: unzählige zerbrochene Biographien, Freundschaften und Menschen. Von dem immensen Vertrauensverlust einmal ganz abgesehen. Am Ende ihres Bestehens hatte sich die DDR um Lichtjahre von den eigenen Ansprüchen entfernt.
Gründlicher kann der Versuch einer besseren Welt wohl nicht gegen die Wand gefahren werden!

Viele Grüße an alle
Uwe



hm @ABV ,
schämst du dich für deine vergangenheit auch?

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#77

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 28.01.2017 00:33
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Zitat von icke46 im Beitrag #75
Da muss ich doch auch glatt mal zwei Fragen stellen:

1. - was ist ein FIM??? IM und IMB etc sind ja klar, aber mit FIM kann ich nichts anfangen, bzw. mit dem ersten Buchstaben - IM ist schon klar.

2. - ich finde das ja recht ungewöhnlich, dass sich ein Mann einen weiblichen Decknamen zulegt. Nun stecke ich ja nicht so in der Materie drin, nichtsdestotrotz ist mir so eine Konstellation noch nirgendwo begegnet.

UAwg - übersetzt: um Aufklärung wird gebeten.

Gruss

icke



Ein Führungs-IM führte, wie der Name schon sagte, ein eigenes IM-Netz. Um auf diese Stufe zu gelangen, musste sich der IM zunächst über längere Zeit bewähren. Als günstig erwies sich, zumindest im konkreten Fall, dass der " FIM" auch im echten Leben der Vorgesetzte der anderen IM war. Für die Tätigkeit erhielt dieser FIM eine monatliche Zuwendung von 100 Mark, laut Akten.
Bislang glaubte ich immer, dass die IM von einander nichts wussten. Ganz so kann es ja nicht gewesen sein, denn die IM kannten wenigstens ihren FIM.
An dieser Stelle eine Frage an die Experten: Was passierte eigentlich, wenn ein von einem FIM geführter IM, aus welchen Gründen auch immer, "ausstieg"? Stellte die Kenntnis über die Person des FIM, der ja als solcher im privaten und beruflichen Umfeld eben nicht bekannt war und wohl auch nicht bekannt werden wollte, nicht ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko dar?

Gruß an alle
Uwe


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#78

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 28.01.2017 00:41
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Zitat von vs1400 im Beitrag #76
Zitat von ABV im Beitrag #72
Hallo Freunde!
Hier mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Wie bereits am Anfang dieses Threads geschrieben, beschäftige ich mich derzeit intensiv mit der DDR-Vergangenheit meines Wohnortes Küstrin-Kietz. Heute ein langsam aussterbendes Nest, bis 1990 ein für die DDR strategisch wichtiger Ort an der polnischen Grenze, mit einem großen Grenzbahnhof über den unzählige Militärtransporte liefen, für die sich verschiedene Geheimdienste interessierten. Und so weiter und so weiter, dass habe ich ja alles schon erzählt.
Vor einigen Tagen saß ich wieder einmal im Lesesaal der BSTU-Außenstelle Frankfurt (Oder). Vor mir auf dem Tisch lagen etliche dicke Ordner, vorwiegend mit IM-Berichten. Dazu die Personalakten einiger IM, inklusive der Klarnamen und der Verpflichtungserklärungen.
Zwei von ihnen kannte ich persönlich. Mit dem einen hatte ich mich unlängst über meine Forschungen unterhalten. Er zeigte sich auch sehr interessiert, da er früher auch in leitender Stellung auf dem Bahnhof Kietz tätig war. Der jetzt seine Rente genießende ehemalige Eisenbahner äußerte sich in abfälliger Form über das Gebaren der MfS-Mitarbeiter, die ihm damals " immer schwer auf den Sack gegangen sind".
Irgendwie kam ich in dem Gespräch auch auf den " FIM Marina Meyer" und dessen Berichte zu sprechen. " Marina Meyer" hatte des Öfteren Personen regelrecht "auflaufen" lassen, und dieses dann in genüsslicher Form seinem Führungsoffizier mitgeteilt. Mein Gesprächspartner schüttelte den Kopf. Ich meinte dann noch, dass es " Marina Meyer" auch nicht leicht gehabt haben muss, schließlich musste er unter anderem das Einkaufsverhalten polnischer Eisenbahner in unserem Dorfkonsum analysieren. Was für eine spannende geheimdienstliche Aufgabe.
Wir haben beide herzlich gelacht, anschließend war das Gespräch beendet.
Ja, und was mussten meine müden Augen in der BSTU sehen: Ich oller Dussel hatte mich ausgerechnet mit dem ehemaligen " FIM Marina Meyer" über den ehemaligen " FIM Marina Meyer" unterhalten. Reife Leistung! Sicher, die leichte Nervosität meines Gesprächspartners war mir nicht entgangen. Das " Marina Meyer" eine leitende Position auf dem Grenzbahnhof inne hatte, ging aus dessen Berichten unzweifelhaft hervor. Aber wer denkt denn gleich an so was? Zumal es bei dem " Wasserkopp" in der Verwaltung dort mehrere leitende Angestellte, die nicht alle beim MfS waren, gab.
Das war natürlich ein Hammer! Sollte ich diesen Mann, der übrigens sehr nett ist, verurteilen? Nein, dass steht mir nicht zu. Beim genauen Hinschauen zeichnet sich in den Akten das Bild eines Menschen ab, der vom Aufbau des Sozialismus und der DDR und der Notwendigkeit beides zu schützen, von ganzem Herzen überzeugt war. Genau wie ich, zu jener Zeit.
Ich bin mir sicher, sehr sicher sogar, dass er viele Dinge heute völlig anders sieht, sich für vieles schämt. Auch wenn ihm der Mut fehlt, offen darüber zu sprechen. Er gehörte wohl zu der Kategorie die man heute als " Überzeugungstäter" bezeichnet.
Dann gab es da noch einen, den ich, vom Sehen her, ebenfalls kenne. Wie es eben in einem 800-Seelen-Nest so ist.
Dieser Mann, ebenfalls ein früherer Eisenbahner, wurde vom MfS folgendermaßen eingeschätzt: Der IM ist Mitglied der SED, erzählt jedoch offen, dass er nur in die SED eingetreten ist, " um auch ein paar Krümel vom großen Kuchen zu bekommen." Nach außen hin nahm er zunehmend eine negative Haltung gegen die DDR und ihre Vertreter ein. Was sich unter anderem darin zeigte, dass er ständig Zöllner und PKE-Kräfte mit abfälligen Bemerkungen über deren " faule Tätigkeiten" überzog. Des Weiteren hatte sich als VP-Helfer beim örtlichen ABV angedient, jedoch nur, um ungestört Diebstahlshandlungen begehen zu können. Neben der negativen Einstellung zur DDR, unterhielt er rege verwandtschaftliche Kontakte in die Bundesrepublik und schaute Zuhause, ausschließlich, wem wundert es, " Westfernsehen".
Und doch diente er dem MfS als " IM". Aber nicht nur als kleiner unbedeutender Informant. Nein, er sprudelte geradezu über. Zum Beispiel, als ihm eine polnische Kollegin auf dem Grenzbahnhof anvertraute, in die Bundesrepublik übersiedeln zu wollen. Oder von einer Geburtstagsfeier im Hinterzimmer des Dorfkonsums, an den neben Bürgern aus der Bundesrepublik, auch ein Zöllner teilgenommen hatte. Bei dem Umtrunk suggerierte er den Bundesbürgern, mit ihnen Briefmarken tauschen zu wollen, worauf er deren komplette Adresse erhielt. Die er sofort, inklusive des Kfz-Kennzeichens, an das MfS weiterleitete. Er war sich nicht einmal zu schade, einen eigenen Verwandten aus der Bundesrepublik auszunutzen, um über diesem, im Auftrag der HVA, einen Bonner Ministerialbeamten aufzuklären.
Wer jetzt sagt oder denkt, dass sich der Kerl einfach eine clevere Tarnung zugelegt hatte, der irrt sich gewaltig! DDR und Sozialismus gingen ihm gewaltig, wie es so unschön heißt, " am Arsch vorbei". Wäre es nach ihm gegangen, dann hätte die DDR schon viel früher im Orkus verschwinden können. Die Tätigkeit als IM brachte ihm jedoch, wie die Mitgliedschaft in der SED und die Streifengänge als VP-Helfer, Vorteile.
Solche Leute gab es auch. Traurig oder wohl eher bezeichnend, dass sich das MfS nicht von dem " faulen Fisch" trennte, vielmehr dessen charakterliche Schwächen für eigene Zwecke ausnutzte.
Ich bin aber auch noch auf andere IM-Berichte gestoßen. Zum Beispiel solche, die drastisch und unverblümt, die desolate Versorgungslage in unserem Dorf-Konsum schilderten. Oder von immensen Diebstählen auf dem Grenzbahnhof, die ausgerechnet von Mitgliedern einer Brigade begangen wurde, die als " Sozialistische Brigade" ausgezeichnet wurde.
Haben diese Berichte etwa positives gebracht? Wohl kaum-im Konsum gab es nach wie vor kaum Wurst, Fleisch oder Gemüse und auf dem Bahnhof wurde nach wie vor geklaut wie auf einem orientalischen Basar.
Gebracht hat das ganze wohl nur eines: unzählige zerbrochene Biographien, Freundschaften und Menschen. Von dem immensen Vertrauensverlust einmal ganz abgesehen. Am Ende ihres Bestehens hatte sich die DDR um Lichtjahre von den eigenen Ansprüchen entfernt.
Gründlicher kann der Versuch einer besseren Welt wohl nicht gegen die Wand gefahren werden!

Viele Grüße an alle
Uwe



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Für manche Dinge schon. 1988 hatte ich in Seelow, einen alten Herrn aus der Bundesrepublik erwischt, weil er keine Parkuhr im PKW hatte. Ich habe ihn zwar nicht " Gebührenpflichtig verwarnt", dafür war es mir ein Bedürfnis dem Mann darauf hinzuweisen, " dass die Straßenverkehrsordnung der DDR auch für Ausländer gilt". Bei dem Wort Ausländer ist der übrigens in Seelow geborene Herr kreidebleich geworden. Der Satz entsprach meiner damaligen Überzeugung. Ich schäme mich auch dafür, dass ich lange nicht erkannt hatte, oder erkennen wollte, dass trifft es eher, warum die vielen Menschen im Sommer 1989 aus der DDR weg wollten. Für mich waren das nur aufgehetzte unreife Zeitgenossen.

Gruß Uwe


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vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#79

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 28.01.2017 00:44
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Velleicht können ja auch mal die Leute "vom Fach" (ich sags mal so) zur Aufhellung beitragen. Mir persönlich kommt es irgendwie unlogisch vor, dass man - in diesem speziellen Fall - in Kietz ich sag mal einfach 10 IMs hatte - und die kannten dann (jetzt logisch kombiniert) alle ihren FIM?

Wie gesagt, ich habe von der Materie null Ahnung - finde es aber allemal interessant.

Gruss

icke



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#80

RE: In den Archiven die DDR neu erlebt und verstanden

in DDR Staat und Regime 28.01.2017 01:04
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Zitat von ABV im Beitrag #78


Für manche Dinge schon. 1988 hatte ich in Seelow, einen alten Herrn aus der Bundesrepublik erwischt, weil er keine Parkuhr im PKW hatte. Ich habe ihn zwar nicht " Gebührenpflichtig verwarnt", dafür war es mir ein Bedürfnis dem Mann darauf hinzuweisen, " dass die Straßenverkehrsordnung der DDR auch für Ausländer gilt". Bei dem Wort Ausländer ist der übrigens in Seelow geborene Herr kreidebleich geworden. Der Satz entsprach meiner damaligen Überzeugung. Ich schäme mich auch dafür, dass ich lange nicht erkannt hatte, oder erkennen wollte, dass trifft es eher, warum die vielen Menschen im Sommer 1989 aus der DDR weg wollten. Für mich waren das nur aufgehetzte unreife Zeitgenossen.

Gruß Uwe



wow @ABV,
sehr angepasst in der meinung,
was hättest du denn erkennen können, damals?

gruß vs


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