Zeitzeuge, naja

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25.04.2016 19:32
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#1
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Hallo zusammen,

ich bin ein relativ junger Westdeutscher und habe die innerdeutsche Grenze an sich erst nach der Wende überschritten, als es sie quasi schon nicht mehr im eigentlichen Sinn gab. Aber die Eindrücke waren für mich irgendwie stark: Wartburgs und Trabis zogen blaue Fahnen, auf Straßen aus Betonplatten oder Kopfsteinpflaster. Für mich war das die Reise in ein anderes Land, in eine andere Welt. Es fuhren sogar noch Dampfloks, es gab richtige Speisewagen usw.

Die Leute sprachen Deutsch, aber alles kam mir anders vor, vor allem die Menschen, die Landschaft. Man sah viel Rauch, es roch anders, das Essen war ein wenig anders. Jedenfalls, es haben mich einige Reisen in den frühen 90ern und auch später immer wieder in den Osten geführt, bis sich Vieles, aber nicht alles angeglichen hatte. Ich bin immer wieder gern dahin gereist und tue es noch heute, irgendwie ist, warum auch immer, die Mentalität der Leute eine andere.

Heute ist ja gerne die Rede vom "Unrechtsstaat", da ist sicher im Kern was dran, aber mir ist der Begriff zu plakativ und hat in meinen Augen was von plumper Siegerjustiz. Wie auch immer, ich bin hier, um mich ein bisschen zu informieren. Meinen letzten quasi "DDR-Eindruck" hatte ich vor ein paar Jahren, als ich in die Slowakei fuhr, da gab es sie noch, diese, ich würde sagen, Ost-Atmosphäre. Ich bin also in diesem Forum quasi ein Tourist. Zeitzeuge bin ich im Grunde nicht und auch kein Grenzer oder Ähnliches.

Gruß, Josef


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25.04.2016 21:40
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#2
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Hallo, willkommen!
Es ist bestimmt interessant die DDR aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.


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25.04.2016 22:03
#3
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Willkommen, Josef,

gerade vor einigen Stunden hatten wir, ich glaube im Stasi-Thema, schon Überlegungen angestellt, wie unsere Nachkommen über die DDR, die Wende und Nachwende denken, wie sie informiert werden, was in den Schulen gelehrt wird und was allgemeiner Historiker-Konsens zur Sicht auf diesen Zeitraum ist. Ich weiß nicht, wie alt Du bist, aber wenn Du dich als junger Mensch betrachteste, schätze ich Dich unter 30. Liege ich da richtig ? Dann geht es nämlich schon los mit dem fehlenden eigenen Erleben und der Abhängigkeit in der Meinungsbildung von Dritten, die meinen, daß ihre Geschichtsdarstellung die Wahreste ist.
Als Außendienster für eine westdeutsche Firma hatte ich Kunden in ganz Deutschland und wurde mehr als einmal gefragt, was denn die Ostdeutschen zur Wende sagen. Ich konnte da immer nur anworten, daß sie hundert Ostdeutsche befragen können und hundert verschiedene Antworten erhalten werden. Das wirst Du auch hier im Forum erleben. Also scheue Dich nicht, Fragen zu stellen, gehe aber immer davon aus, daß die Antworten subjektiv gefärbt sein können, einer bestimmten Zeit entsprechen (50er, 60er, 70er oder der 80er Jahre), für bestimmte Regionen oder Betriebsgrößen charakteristisch sind u.s.w.


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25.04.2016 22:11
#4
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Zitat von Josef im Beitrag #1

, es gab richtige Speisewagen usw.


Gab es die im Westen nicht?
Dann frage ich mich, wo ich da die ganze Zeit gearbeitet habe?

Oder Du müsstest mir mal erklären, was "ein richtiger Speisewagen" nach Deiner Auffassung ist?


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25.04.2016 22:15
#5
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Sei gegrüßt @Josef und ein herzliches Willkommen hier im Forum.

Habe nach der Wende 3. Jahre in München und Ismaning gelebt und gearbeitet. War für mich damals auch eine Reise in ein anderes Land und in eine andere Welt. Von der Walachei im Osten in die Weltstadt mit Herz nach München. Da ich zum damaligen Zeitpunkt auch noch ein ziemlich junger Kerl war und mit der Mentalität der Bayern nicht so richtig klar gekommen bin, habe ich meine Zelte wieder abgebrochen und bin in meine Heimat zurück gegangen.

War aber troztdem eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich kann nur sagen, München ist immer eine Reise wert.

Viele Grüße nach Bayern
von Niederlausitzer


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25.04.2016 22:23
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#6
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Hallo und danke für Eure Willkommensgrüße!

Zu meiner Schulzeit wurde über die DDR nur äußerst Negatives berichtet, Stichwort Unrechtsstaat. Der Sozialismus wäre als System besiegt worden und hätte sich geschichtlich als völlig unterlegen erwiesen. Materiell war das wohl so.

Ich frage mich zB heute: Wieviele Leute sind an der Mauer gestorben? Wieviele Soldaten sind in Afghanistan und anderswo gefallen? Ein Unrecht wiegt ein anderes nicht auf.

Gruß, Josef


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26.04.2016 08:20
avatar  Zange
#7
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Hallo und willkommen.

Endlich mal wieder ein neuer Wessie. Wir sind in diesem Forum endeutig in der Unterzahl.

Das macht es aus meiner Sicht aber sehr interessant.

Viel Spaß hier.


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26.04.2016 08:23
avatar  Alfred
#8
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Zitat von Josef im Beitrag #6
Hallo und danke für Eure Willkommensgrüße!

Zu meiner Schulzeit wurde über die DDR nur äußerst Negatives berichtet, Stichwort Unrechtsstaat.

Gruß, Josef



Dies hat man doch bis heute so beibehalten.


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26.04.2016 12:53
avatar  B Man
#9
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #3
. Ich konnte da immer nur anworten, daß sie hundert Ostdeutsche befragen können und hundert verschiedene Antworten erhalten werden.


Moin

Ich habe die Erfahrung gemacht das es sehr darauf ankommt wie alt die Leute zur Zeit der Wende waren und ob sie z.B. den Militärdienst in der DDR abgeleistet haben.

Sehr Junge Leute die die DDR nur noch als Kinder oder Jugendliche erlebt haben und welche die schon zur Wende im Rentenalter waren haben doch einen sehr verklärten Blick auf die gute alte Zeit.


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26.04.2016 19:50
#10
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Zitat von B Man im Beitrag #9

Moin

Ich habe die Erfahrung gemacht das es sehr darauf ankommt wie alt die Leute zur Zeit der Wende waren und ob sie z.B. den Militärdienst in der DDR abgeleistet haben.

Sehr Junge Leute die die DDR nur noch als Kinder oder Jugendliche erlebt haben und welche die schon zur Wende im Rentenalter waren haben doch einen sehr verklärten Blick auf die gute alte Zeit.



Ein richtig gutes "Totschlag-Argument".
Mit so einem Argument braucht man nicht mehr viel zu diskutieren: Die ganz jungen sind doof und die Alten verkalkt bzw. verklärt!

Klaus


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26.04.2016 22:12
avatar  B Man
#11
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Zitat von Klauspeter im Beitrag #10
[quote=B Man|p538336]
Die ganz jungen sind doof und die Alten verkalkt bzw. verklärt!



Keine Ahnung wie du darauf kommst ?
Aber wenn du meinst


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27.04.2016 06:33
#12
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Zitat von Klauspeter im Beitrag #10

Ein richtig gutes "Totschlag-Argument".
Mit so einem Argument braucht man nicht mehr viel zu diskutieren: Die ganz jungen sind doof und die Alten verkalkt bzw. verklärt!

Klaus



Moin.....

Das ist doch völliger Quatsch, Klaus. Das mag bei einigen zutreffen aber alle über einen Kamm scheren? Geht gar nicht....

Ich als "Wessi" sehe die Ex- DDR unvoreingenommen. Im Gegensatz zu einigen Usern hier im Forum (einer aus dieser Fraktion hatte gerade Urlaub) die "´rüber jemacht" haben und alles was den Hauch von DDR hat schlecht machen....

Es gab im Sozialismus einige sehr gute Dinge für die Gesellschaft aber auch viele negative Dinge und Entwicklungen. Die negativen Entwicklungen brachten die Ex- DDR zu Fall.

Das ist eine Tatsache die wohl kaum zu leugnen ist.

Ach so, Tach Josef....

MfG Berlin

Edit: Hat in hatte geändert


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27.04.2016 11:35
#13
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Zitat von B Man im Beitrag #11

Keine Ahnung wie du darauf kommst ?
Aber wenn du meinst


Du solltest deine eigenen Beiträge etwas gründlicher lesen.
Ich zitiere noch einmal aus deinem Beitrag #9: ..."und welche die schon zur Wende im Rentenalter waren haben doch einen sehr verklärten Blick auf die gute alte Zeit."
Also wenn das keine Verallgemeinerung ist ?

Klaus


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27.04.2016 11:46
avatar  B Man
#14
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Zitat von Klauspeter im Beitrag #13

Also wenn das keine Verallgemeinerung ist ?




Ja, vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt.
Ich bin aber auch kein Literat und wenn man das unbedingt herauslesen will....


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27.04.2016 11:56
#15
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Zitat von B Man im Beitrag #14
Zitat von Klauspeter im Beitrag #13

Also wenn das keine Verallgemeinerung ist ?




Ja, vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt.
Ich bin aber auch kein Literat und wenn man das unbedingt herauslesen will....

Ja, es war etwas unglücklich ausgedrückt.
Ich bin auch kein Literat, ich kenne aber viele aus meiner Altersgruppe, die zur Wende Rentner waren und die es sich nicht einfach machen mit der kritischen Aufarbeitung ihrer Geschichte und der Geschichte des Staates, in dem sie gelebt haben.

Klaus


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