Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

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08.04.2016 16:52
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#1
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Was erwartete einen Grenzverletzer , einen erfolgreichen Flüchtling in den ersten Stunden , Tagen im Westen ?
Welche Behörden , Institutionen kümmerten sich um diese Personen ?
Gab es festgelegte Abläufe ?
Gab es Fragenkataloge ?
In wessen Zuständigkeit fielen die ersten Stunden und an wen wurden die Personen übergeben ?
Welche gewonnenen Erkenntnisse wurden unter den Behörden ausgetauscht ?

Dazu können @Ratze , @Waldersee und @exDieter1945 sicherlich einiges schreiben .

B208


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08.04.2016 17:08
avatar  Ratze
#2
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Moin,
ersteinmal wurde er unbewaffnet in die BGS Kaserne gefahren. Die Waffen hatten die Masse der uniformierten Flüchtlinge auf DDR Gebiet abgelegt, sonst Übernahme diese der Streifenführer.
Bei uns in Ratzeburg wurden sie in den Aufenthaltsraum des Stabes gebracht. In der Regel trafen der Sachbearbeiter und der Soldat dort zeitgleich ein. Dann gabs erst mal einen Kaffee, an Tee dachte damnals noch keiner. Schnaps gab es bei uns nicht, wäre sicher ganz gut gewesen.
Dann wurde andere Bekleidung besorgt und ein lockeres Gespräch begonnen. Je nach Tageszeit Verpflegung organisiert. Nach einem lockeren Gespräch als "Auflockerung" wurde dann befragt
Fluchtweg
Sperranlagen im KP Abschnitt
Infos zur Kompanie
Vorlage von Bildern von GAK und Offizieren zur Identifizierung
Fluchtgründe
Kenntnis zu anderen ,Vorkommnissen
Dann wurden die Soldaten in der Regel bereits abgeholt und nach HH gefahren und dort von der Hauptstelle für Befragungswesen weiter befragt, untergebracht etc.
Der BGS schrieb dann Berichte
Mehr gab es eigentlich nicht. Sollte HH kein Interesse gehabt habe, wurden sie am Folgetag in den Zug gesetzt und reisten nach Giessen.
Tschüss Ratze


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08.04.2016 17:16 (zuletzt bearbeitet: 08.04.2016 17:20)
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#3
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Er wurde also innerhalb eines Tages schon weitergeleitet . Zu welcher Behörde gehörte diese Befragungsstelle ?
Was passierte mit dem staatlichen Eigentum der DDR , Uniform , Stiefen , evtl. Fernglas und Bewaffnung ?
B208


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08.04.2016 17:19 (zuletzt bearbeitet: 08.04.2016 17:19)
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#4
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Und wenn die Lapo oder der Zoll die erste Anlaufstelle war , wurde der Flüchtling auch zum BGS gebracht ?

B208


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08.04.2016 17:39
avatar  Ratze
#5
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Ja


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08.04.2016 17:52
#6
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Flüchtende Soldaten waren eine Minderheit. Bei Zivilisten konnte der militärische Teil ja nur entfallen....


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08.04.2016 17:58 (zuletzt bearbeitet: 08.04.2016 20:31)
avatar  80er
#7
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Wenn es zur Beantwortung deiner Frage beiträgt:

Meine Aufnahme durch den ZGD (unmöglich), Polizei (in sehr guter Erinnerung), BGS,
Geheimdienste, Giessen (nüchtern, sachlich, korreckt)::

Vom Paulus zum Saulus (9)
Vom Paulus zum Saulus (9)
Vom Paulus zum Saulus (9)


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08.04.2016 18:14
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#8
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Hast Du das schon in einem Thema erzählt ? Kann ich da was genaueres lesen oder könntest Du hier noch weiter ins Detail gehen . Zum Beispiel welcher BGS Standort es war , halt so einen Kurzbericht über den Ablauf . Danke B208


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08.04.2016 18:32
avatar  linamax
#9
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Also bei unserer Flucht 1967 da konnte man über den BGS nur den Kopf schütteln .


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08.04.2016 18:37
avatar  Ratze
#10
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Bei Zivilisten war in der Regel, wegen der Unkenntnis der Grenze, die Bekleidung defekt oder verdreckt, die bekamen am Werktag nach der Flucht neue Bekleidung. Dafür lagen entsprechende Geldmittel bereit. Die schliefen oder ruhten auch die erste Nacht in derKaserne. Da ging es bei der Befragung nur um den Fluchtweg und die überwundenen Sperren. Das ging sehr zügig. Die fuhren dann auch mit denn Zug nach Giessen.


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08.04.2016 18:41 (zuletzt bearbeitet: 08.04.2016 18:41)
#11
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Besser gehts nicht und nach einer geglückten Flucht in Hochstimmung, gibts sicherlich nichts zu Meckern.


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08.04.2016 19:07
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#12
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( gelöscht )

Hallo,
im Raum Minden schlug ein DDR-Geflüchter nach wenigen Stunden bei seiner Westfamilie auf. Der Bestand auf einen Anruf von der Grenznähe aus und liess sich privat von dem Schwager abholen. Verzichtete auf "Begrüßeungsgeld" und alle Befragungen, Begründung ich bin Deutscher Staatsbürger und darf reisen.


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08.04.2016 19:12 (zuletzt bearbeitet: 08.04.2016 19:17)
avatar  Kalubke
#13
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Der wollte vlt. aus bestimmten Gründen nicht befragt werden. G. Guillaume hat auch den Weg durch das Notaufnahmelager umgangen, indem er direkt bei Verwandten untergekommen ist.

Gruß Kalubke


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08.04.2016 19:20 (zuletzt bearbeitet: 08.04.2016 19:20)
#14
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Eine Befragung ist legitim, solange eine anständige Behandlung stattfindet.

Wer auf neue Klamotten und andere Ersthilfen verzichten kann, ist privilegiert.


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08.04.2016 19:48
#15
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Zitat von B208 im Beitrag #1
Was erwartete einen Grenzverletzer , einen erfolgreichen Flüchtling in den ersten Stunden , Tagen im Westen ?
Dazu können @Ratze , @Waldersee und @exDieter1945 sicherlich einiges schreiben .
B208


Hallo B 208,
ich kann die Angaben von Ratze nur bestätigen. In der Regel waren alle Flüchtlinge aufgrund der erlebten Eereignisse sehr stark "aufgewühlt". Ich gebe zu, dass wir diesen Zustand auch genutzt haben...denn da waren alle bereit, viel zu erzählen. Wir hatten dann viele Fragen über Fluchtwege, Sperranlagen usw.

Ansonsten die gleiche Prozedur: Verschmutzte Sache ablegen, BGS-Trainingsanzug anziehen, Essen, Trinken, Befragung, dann, wenn erforderlich, Ruhe/Schlafen.
Ich war dann nächsten Tag mit den Flüchtlingen immer unterwegs beim Sozialamt (es gab einen
Geldbetrag für Flüchtlinge) und zum Einkleiden bei Karstadt...die kannten mich schon.
Wenn wir (oder der Verfassungsschutz / Bundesnachrichtendienst) keine weiteren Fragen hatten, Fahrkkarte am Bahnhof kaufen und in den Zug zum Aufnamelage Friedland setzen.
Ich lege hier viel wert darauf, dass noch einmal zu betonen: Zivile DDR-Flüchtlinge waren dann wirklich frei und auf sich selbst gestellt. Sie wurden nicht weiter kontrolliert oder beaufsichtigt. Jeder Deutsche ist in Deutschland ein freier Bürger gewesen!!
Ich gebe aber auch zu, dass diese Freiheit manchen etwas überfordert hat.
Uniformierte waren meistens für unsere "befreundeten" Dienste von Interesse und wurden von denen übernommen. Aber auch hier konnte der Flüchtling konnten zu jedem Zeitpunkt seines Aufenthaltes in der Bundesrepublik entscheiden, ob sie was "erzählen" oder nicht, oder ob er- wie auch geschen- wieder zurück wollte.
Die einzige Ausnahme waren Flüchtlinge der russischen Armee ( SEHR selten). Diese wurden erstversorgt und dann sofort dem BND übergeben. Ich habe nur einmal die Situation erlebt, dass ich zu Hause alamiert wurde und nach Eintreffen in der Unterkunft saß dann ein VÖLLIG verschreckter Sergant der russ. Armee in unserem Wachgebäude. Er war als Führer eines Trupp in der Nähe auf der Mülldeponie Schönberg / MV tätig und ist dann auf einen Westdeutschen LKW geklettert. Keinerlei Verständigung möglich! Ich hab´s dann mit einer Tasse Tee und Schokolade versucht. Aber ich habe auch mit Gesten keinen "Zugang" gefunden. Der dachte, wir bringen ihn um.....
Ich habe ihm immer wieder versucht zu sagen, dass ihm nichts passiert
Der von mit verständigte Kollege des BND hat ihn dann übernommen.
Ich weiß nicht was daraus geworden ist....


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