Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

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09.04.2016 16:03 (zuletzt bearbeitet: 09.04.2016 16:06)
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#61
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #59
Hat man beim Zoll oder BGS damals auch von "Grenzverletzern" gesprochen?

Moskwitschka




nein, man redete mich weder mit Bürger Gert G. an noch mit Grenzverletzer Gert G., sie waren sehr höflich wie @linamax schon schrieb, wir waren ab sofort Herr Gert G.


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09.04.2016 16:11
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#62
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Zu den letzten 3 Anmerkungen:
Es wurden keine Fotos gemacht, wozu auch! Denn nach Abfahrt der Flüchtlinge waren sie weg und nicht mehr verfügbar. Ich bin auch damals davon ausgegangen niemanden wieder zu treffen. Bis auf 2 ist das auch nie wieder passiert.
Die Flüchtlinge liefen im Ratzeburger Abschnitt auch bei Landwirten/Anwohnern auf und von denen wurde die Landespolizei oder der Zoll gerufen. In ganz seltenen Fällen der BGS. Deshalb wurden extra Aufkleber mit den Telefonnummern des BGS gedruckt, die imGrenzraum verteilt wurden. Das führte dann wieder zu Stress mit dem Zoll, weil die Nummern nicht drauf standen. Dann rüsteten die ihre Schaukästen wieder u.a. mit Fotos aus der Quelle BGS auf. Aber Zuständig für die Befragung war der BGS. Ab 88 war der Zollkommisar immer dabei. Unser war gut befreundet mit dem damals noch unbekannten Stasi IM Harald Wallis. die Stasiakte des Zollkommissars möchte ich g gern mal sehen. Konnte interessant sein.


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09.04.2016 16:13
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Nee, Grenzverletzer nannte man die nicht. Es waren Flüchtlinge aus der DDR


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09.04.2016 16:15
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #59
Hat man beim Zoll oder BGS damals auch von "Grenzverletzern" gesprochen?

Moskwitschka



Den Begriff Grenzverletzer für Flüchtling hab ich das erste Mal hier gelesen .

B208


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09.04.2016 16:21
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#65
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Ratze , kannst Du Dich noch an den Moment erinnern , als in Deiner Verantwortung als I/S das erste Mal das Telefon klingelte und Du über eine Flucht informiert wurdest ?

Grüße nach RZ


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09.04.2016 16:56
avatar  Ratze
#66
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Nicht wirklich. Aber ich meine es war ein Gefreiter der 5./_KP Utrecht, der vom BT 11 Neuhof kam. Es lief in derRegel so ab:
Telefon nachts
Kurz ins Bad
Frau machte Brote
Ins Auto und zur Kaserne, dauerte in RZ damals insges. Keine30 Minuten
Was weiter geschah habe ich schon beschrieben.
War immer spannend, die Geschichten der Flucht zu hören, zum Feierabend war dann bereits beinah alles erledigt, der Flüchtling duhr am Tag darauf spätestens weg.


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09.04.2016 16:56 (zuletzt bearbeitet: 09.04.2016 16:59)
#67
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Das ist jetzt OT Aber ich will jetzt zum BGS keine neues Thema aufmachen.

Auf einer HP Erinnerungen an die Zeit beim Bundesgrenzschutz habe ich von einer Zonengrenzfahrt gelesen, die 1961 vom Bundesgrenzschutz mit einer Jugendgruppe durchgeführt wurde. War das eine einmalige Geschichte, von der ein Zeitzeuge berichtet? Oder gehörte das zur Öffentlichkeitsarbeit des BGS?

Moskwitschka

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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09.04.2016 17:31
avatar  Ratze
#68
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Moin, der BGS hat im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit viele Gruppen betreut. In der Regel 45 Vortrag in einem Informations Raum in ,der Kaserne und dann bei den Ratzeburgern 2 - 3 Punkte an der Grenze aufgesucht und da erklärt was man sehen konnte und was verdeckt war. In Lübeck war durch die Besucher der Stadt mehr los als im beschaulichen Ratzeburg. Aber es gab viele Interessierte, man muss allerdings auch sagen, dass es für diese Fahrten einen Zuschuss aus der Bundeskasse gab und das Mittagessen in der Kaserne preiswert und reichhaltig war.


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09.04.2016 19:20
#69
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Hier sind jetzt mehrere Fragen zu beantworten:
Zu den Grenzinformationsbesuchen:
Diese waren bei uns in Lübeck in den Sommermonaten der Hauptbestandteil der Arbeit. JEDEN TAG hatten wir bis zu sieben / acht Gruppen, die im 60 Minuten Takt das Standardprogramm
- 45 Min Vortrag
- 90 Min Grenzfahrt
- eventl. noch Mittagessen
bekamen. Nachmittags fingen die Gruppen mit dem Essen an.
Wir von I/S übernahmen nur noch Militär und VIP Gruppen.
Ein Kollege nahm am Telefon die Anmeldungen an und verteilte dann an die Hundertschaften vorgedruckte Auftragzettel. Aus allen Hundertschaften hatten wir einen Pool von ausgebildeten Grenzführern.
Schlimm wurde es bei Verspätungen der Gruppen, dann musste ein Kollege "Krisenmanagenment" machen. An manchenTagen waren wir fix und fertig.
Wohlgemerkt: Das alles lief NEBEN dem Tagesgeschäft.:-)
In den letzten Jahren vor Grenzöffnung hatten wir bis zu 20000 (!) Besuchern pro Jahr.

Zu den Fotos von Flüchtlingen:
Ratze hat es richtig gesagt...Es wurde NICHT fotografiert!

Zu dem Wort Grenzverletzer:
Bei uns unbekannt und nicht imGebrauch
So, ich glaube jetzt habe ich zu allen Fragen geantwortet.


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09.04.2016 19:31
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#70
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Ja, so kenne ich das auch , meist ein Reisebus , vorab eine Einweisung im Inforaum , Bilder , Modell Grenzaufbau , Waffen , Fragen beantworten und oftmals Falschwissen korrigieren , dann zur Grenze , meist B208 oder Schlagbaum Dutzow/Rosenhagen , dabei der Einweisende vom BGS , der im Bus mit an die Grenze für , in der Regel ein stellv. Zugführer , im Dienstkfz meist 3 Beamte mit normaler Bewaffnung . An der Grenze dann Einweisung , Fragen beantworten und Falschwissen korrigieren , z.B. Niemandsland , Zaun ist die Grenze usw .
B208


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09.04.2016 19:35
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@Waldersee und Deine Erinnerungen über Deine Gefühle beim ersten Anruf " Flüchtling" ?

Gruß B208


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09.04.2016 19:39
avatar  furry
#72
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Mal schnell und kurz eingeschoben.
Möchte mich bei den Usern des BGS und des Zolls für die sachlichen Berichte bedanken.

"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)

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09.04.2016 19:56 (zuletzt bearbeitet: 09.04.2016 20:01)
avatar  Mike59
#73
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Zitat von Waldersee im Beitrag #51
Zitat von damals wars im Beitrag #49
Wozu wurden den die Waffen behalten?
Gab es beim BGS eine Spezialeineit nach dem Vorbild der https://de.wikipedia.org/wiki/Brandenbur...zialeinheit%29?
GSG 10 oder so?

Hallo damals wars,
nein, eine GSG 10 gabs nicht. Die GSG 9 war die letzte Grenzschutzgruppe die so benannt wurde.
Zu den Waffen. Jede Grenzschutzabteilung an der innerdeutschen Grenze hatte ihren eigenen Grenzeinweisungsraum. Unser Lübecker Raum war - weil wir in Sachen Grenzinformationsbesuchen - bundesweit mit an der zahlenmäßigen Spitze lagen, bis ca. 100 Personen Platz. Durch Mittel des Bundes und insbesondere auch durch das Förderprogramms des Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen hatten wir den Raum im ersten Stock des Stabgebäudes mit treppenartig ansteigenden Podesten und perfekter Bestuhlung (wie eine Uni-Hörsaal) ausgestattet. Fest eingebaute Dia- und Filmtechnik, große, verschiebbare Karten und Projektionswände und ein - eine ganze Wand einnehmendes - Reliefmodell der Grenze vom Priwall bis zum Ratzeburger See.
Und so ein "Schmuckstück" musste mit Artefakten ausgestattet werden. Das waren eben auch Schaufensterpuppen mit Originaluniformen und Waffen.
Wir hatten ein alte russische MPi 41 mit Trommelmagazin, ein Karabiner Simonov, eine AK 47 und eine AK 47 lmG.
Ende der 80ziger Jahre mussten leider alle Waffen zu Dekowaffen umgbaut werden, da sie zwar angschlossen, aber eben öffentlich ausgestellt wurden.


Russische MP 41 mit Trommelmagazin - meinen allergrößten Respekt. Immer gut wenn man mit Profis arbeiten kann. Du warst beim I/S?
PPSch 41und MP 41 sind zwei verschiedene Waffen.


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09.04.2016 20:12 (zuletzt bearbeitet: 09.04.2016 20:18)
#74
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Jup, vergessen!
Ich bin Ende 1975 als 22jähriger Oberwachtmeister in das I/S Büro in der damaligen GSA II/7 gekommen. Den ersten Flüchtling hatte ich dann Anfang 1976. Mein Chef Oberstabsmeister i. BGS Sch. war in Sachen Grenschutzhauptpersonalrat in Bonn.
Lief dann genauso ab wie Ratze es erzählt hat:
Anruf in der Nacht durch den OvD, Puls hoch und sich einreden: Du machchst das schon.
Frischmachen, meine Verlobte machte Kaffee. Runter zum Auto und im Tiefflug zur Abteilung. Kurze Einweisung durch den OvD und dann erster Kontakt.
Ich möchte hier noch mal kurz was klarstellen, dass grundsätzlich auch beim BGS eine Hierarchie bestand und ich selbstverständlich dem OvD und dem später eintreffenden EO (Erreichbarer Offizier) nachgeordnet war. Aber...immer waren diese Beamten "froh" wenn I/S kam und die Sache übernahm oder zumindestens Tipps geben konnte.
Mir gegenüber hat in 15 Jahren Grenzschutzabteilung nie einer den "Vorgesezten" raushängen lassen. Wir hatten immer ein sehr sachliches, manchmal freundschaftliches und immer faires Verhältnis.

Alles andere mit den Flüchlingen lief dann wie bereits beschrieben ab.


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09.04.2016 21:18
#75
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Zitat von furry im Beitrag #72
Mal schnell und kurz eingeschoben.
Möchte mich bei den Usern des BGS und des Zolls für die sachlichen Berichte bedanken.


Ich schliesse mich dem an, ein interessanter Thread mal zu erfahren wie der Ablauf war.

Eine Frage hätte ich, bischen Psychologie.
Wie waren die innerlichen Gefühle, was habt ihr über die Ankommenden gedacht?
Insbesondere bei Fahnenflüchtigen, wie fühlte man sich, hattet ihr Angst?
Ich frage deshalb, weil der Geflüchtet ja auch bewaffnet sein konnte und nicht in Fluchtabsicht kommen.
Hattet ihr bei der ersten Begegnung ein unsicheres Gefühl, oder war es eher eine Art Lampenfieber?

Verloren ist der Tag, an dem man nicht gelacht hat.


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