Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

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08.04.2016 20:10
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#16
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ich bin in der Nacht vom 30. auf 31.3.1965 über den "Strich" gegangen.
Ich kam in Oberfladungen in Franken auf westdeutschem Gebiet heraus. Etwa morgens 5 - 6Uhr, weiss nicht mehr genau, kamen wir an ein Haus mit dem Schild "Bayerische Grenzpolizei". Dort waren wir richtig ( hatte noch 3 Kumpels dabei, also zu viert) Wir klingelten und im OG schaute eine verschlafene Frau aus dem Fenster mit der bayerische Frage "waaas woins denn "? Unsere Antwort : wir sind gerade aus der Zone geflüchtet ( man musste sich ja dem neuen Sprachmodus anpassen) Da war sie hellwach und sagte mein Mann kommt sofort runter. Kurz danach wurde uns die Tür geöffnet und ein Mann im Trainingsanzug ließ uns herein. Wir setzen uns und er zog sich inzwischen sein Uniform an. Dann ging es los mit Name, Papiere usw Er nahm alles auf, inzwischen waren auch mehrerer jungen Grenzbeamte auf der Dienststelle eingetroffen und bestaunten uns 4 "auf einen Streich". Wir wurde befragt nach der Grenzübergangsstelle und dem Fluchtweg. 1 Grenzbeamter kam nach einiger Zeit mit einem großen Teller Wurst-Brötchen und je einen halben Liter Kulmbacher Bier. Die Brötchen waren eine Spende der hiesigen Metzgersfrau, wie er sagte. Wir hatten ordentlich Hunger nach unserer "Nachtwanderung."
2 Grenzbeamte öffneten einen Panzerschrank und nahmen 2 MPi's heraus. Sie gingen nach draußen und fuhren mit einem Käfer der Polizei davon.
nach einiger Zeit kamen sie zurück und erzählten, an der Grenze ist die Hölle los. Zig Soldaten und Offz.suchten das Gelände ab auch mit Hunden.
Die Flucht wurde wohl erst am Morgen entdeckt bei der Kontrolle des K 6 ( war mit Schnee bedeckt )
Wir wurden weiter befragt nach Fluchtverlauf, - weg usw., ich hatte vom Stacheldraht zerissene Hosen und kaputte Schuhe. So fuhr ein Beamter mit mir nach Bad Neustadt a. d. Saale und wir kauften neue Klamotten für mich. Ich setzte auch gleich auf der Post ein verschlüsseltes Telegramm an meine Eltern ab, dass ich unverletzt im Westen angekommen bin. ( das kam dann auch mittags In Erfurt dort an, die Stasi hat nichts bemerkt)
Zurück in Fladungen kam vormittags ein großer Strassenkreuzer der US Army militärgrün lackiert, und Aufschrift in gelb "u.s.army"
Ein amerkanischer Zivilist lud uns zur Fahrt nach Nürnberg ein, wo wir dann abends in einer auffällig unauffälligen Villa untergebracht wurden. Hausbesitzer offenbar auch us army. Dort wurden wir 2 Tage befragt nach russischen Militärtransporten und anderem Gedöns, am Schluß mussten wir per Unterschrift beglaubigen, dass wir keine Spione sind ( bis dahin wären wir straffrei, wenn wir das offenbart hätten) Abends bekamen wir Taschengeld und haben Nürnberg erkundet. Es war gigantisch, das Lichtermeer . Z.B. kamen wir an eine Bowlingbahn vorbei und staunten nicht schlecht was da los war. Wir haben bestimmt eine Stunde nur zugeschaut. Alles war faszinierend und neu für uns.
Danach Fahrkarte nach Gießen ins Bundesnotaufnahmelager, dort war ich eine Woche und wir bekamen Papiere, Ausweise, Steuerkarte und einmalig 150 DM Startgeld. Danach ab in die freie Wildbahn, wo wir hinwollten, das war egal. Sie spendierten noch eine Fahrkarte Bundesbahn und wir waren ab sofort "Bundis".
Mein Gefühl am ersten Tag in Fladungen ? : Es war ein solches gigantisches Glücksgefühl wie ich es später nur noch bei meiner Hochzeit und der Geburt meiner Kinder erlebt habe.Es war wie ein lang anhaltender Rausch, wie ein Traum man zwickt sich immer wieder um das zu realisieren.
Ich habe diesen Schritt auch nicht eine Sekunde in meinem Leben bereut, es war ein kleines Zeitfenster diese Fluchtgelegenheit und ich habe es als große Chance erkannt und genutzt, diesem SED Regime zu entrinnen. Das wars , wenn Fragen , fragt ruhig


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08.04.2016 20:16
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#17
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Zitat von linamax im Beitrag #9
Also bei unserer Flucht 1967 da konnte man über den BGS nur den Kopf schütteln .


warum, erzähl mal !


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08.04.2016 20:22
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#18
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@Ratze @Waldersee noch ne Frage , die Klamotten von Soldaten ? Also DDR Eigentum , was passierte damit ?

Und @linamax , welcher BGS Standort war das ? Also wir Ratzeburger haben einen hervorragenden Ruf !!
B208


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08.04.2016 20:29
avatar  GKUS64
#19
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@Gert, willst du uns mit deinem neuen Avatar jetzt das Fürchten lehren? Was steckt dahinter? Ich dachte mir gerade, wenn du in diesem Aufzug damals an dem Haus geklingelt hättest, die alte Frau hätte einen Herzschlag bekommen und der BGS hätte dich wieder zurückgeführt, denn Buschmänner wurden nicht benötigt!

Mir ist ganz gruselig!

GKUS64


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08.04.2016 20:35
avatar  80er
#20
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Zitat von B208 im Beitrag #8
Hast Du das schon in einem Thema erzählt ? [...]

Ich habe meine Links im Beitrag 7 überarbeitet.
Die ganze Geschichte kannst du hier nachlesen:

Vom Paulus zum Saulus


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08.04.2016 20:35
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#21
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Oh bitte nicht wieder ein Grenzthema zerschießen . Wenn Interesse dann PN . Danke
Gert , bitte nicht antworten .

B208


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08.04.2016 21:21
avatar  Ratze
#22
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Die Uniformen und Ausrüstungen nahmen die "Hamburger" grundsätzlich mit. In Einzelfällen konnten wie die Sachen später bekommen u d nutzten sie im Inforaum oder mit den Waffen wurde mal im Hubdebusch geschossen.


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08.04.2016 22:46
avatar  Arthur
#23
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Wo sind denn die DDR-Flüchtlinge hin gegangen, die weder Verwandte noch Bekannte im Westen hatten? Wo sind die denn untergekommen? Oder besser: Wie lange "durften" die denn in Gießen bleiben?

Arthur


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09.04.2016 00:15
avatar  Kalubke
#24
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Zitat von GKUS64 im Beitrag #19
@Gert, willst du uns mit deinem neuen Avatar jetzt das Fürchten lehren? Was steckt dahinter? Ich dachte mir gerade, wenn du in diesem Aufzug damals an dem Haus geklingelt hättest, die alte Frau hätte einen Herzschlag bekommen und der BGS hätte dich wieder zurückgeführt, denn Buschmänner wurden nicht benötigt!

Mir ist ganz gruselig!

GKUS64



Ist das etwa unser Gert als Maori beim Haka-Tanzkurs auf Neuseeland? Der Tanz hat eine markante Choreographie.
Etwa so:

Gruß Kalubke (sorry, furs OT)


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09.04.2016 00:21
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#25
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Vorsicht , Themensperre !!!


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09.04.2016 01:03
avatar  Kalubke
#26
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Zitat von SET800 im Beitrag #12
Hallo,
im Raum Minden schlug ein DDR-Geflüchter nach wenigen Stunden bei seiner Westfamilie auf. Der Bestand auf einen Anruf von der Grenznähe aus und liess sich privat von dem Schwager abholen. Verzichtete auf "Begrüßeungsgeld" und alle Befragungen, Begründung ich bin Deutscher Staatsbürger und darf reisen.


Ne Frage zum Thema: Welches Minden ist gemeint? Das im Landkreis Bitburg-Prüm an der französischen Grenze? Dort kam ein DDR-Flüchtling an? Falls ja, wäre das schon sehr seltsam. Oder wohnte in Minden/Porta Westfalica seine Westverwandschaft?

Gruß Kalubke


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09.04.2016 01:54
avatar  vs1400
#27
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Zitat von Kalubke im Beitrag #26
Zitat von SET800 im Beitrag #12
Hallo,
im Raum Minden schlug ein DDR-Geflüchter nach wenigen Stunden bei seiner Westfamilie auf. Der Bestand auf einen Anruf von der Grenznähe aus und liess sich privat von dem Schwager abholen. Verzichtete auf "Begrüßeungsgeld" und alle Befragungen, Begründung ich bin Deutscher Staatsbürger und darf reisen.


Ne Frage zum Thema: Welches Minden ist gemeint? Das im Landkreis Bitburg-Prüm an der französischen Grenze? Dort kam ein DDR-Flüchtling an? Falls ja, wäre das schon sehr seltsam. Oder wohnte in Minden/Porta Westfalica seine Westverwandschaft?

Gruß Kalubke


... .

gruß vs


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09.04.2016 05:51
#28
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Sehr sinnvoller Beitrag, VS. Respekt. Führt wieder zum zerschießen eines Themas.

Gut gemacht.

Berlin


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09.04.2016 07:37
avatar  Hanum83
#29
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Interessantes Thema.
Man hat ja damals schon mal dran gedacht was wäre wenn.
Unser Rotlichtbestrahler vom Dienst war ein guter Prosaiker, der hat uns eingeredet das man als getürmter Greso erst mal bei Wasser und Brot beim CIA eingelocht würde, getreu dem Motto "Der Feind liebt den Verrat aber nicht den..., ihr wisst schon.
Schön das man mal lesen kann wie es wirklich war.


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09.04.2016 08:09
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#30
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( gelöscht )

Zitat von Kalubke im Beitrag #24
Zitat von GKUS64 im Beitrag #19
@Gert, willst du uns mit deinem neuen Avatar jetzt das Fürchten lehren? Was steckt dahinter? Ich dachte mir gerade, wenn du in diesem Aufzug damals an dem Haus geklingelt hättest, die alte Frau hätte einen Herzschlag bekommen und der BGS hätte dich wieder zurückgeführt, denn Buschmänner wurden nicht benötigt!

Mir ist ganz gruselig!

GKUS64



Ist das etwa unser Gert als Maori beim Haka-Tanzkurs auf Neuseeland? Der Tanz hat eine markante Choreographie.
Etwa so:

Gruß Kalubke (sorry, furs OT)

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sollte ne spassige Variante sein, jedenfalls von mir so gemeint. Kommt aber als solche offenbar nicht so an, also entschärfe ich die ganze Sache mal und greife auf bewährtes zurück.


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