Volkes Stimmen: »Ehrlich, aber deutlich« - Privatbriefe an die DDR-Regierung

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18.02.2016 12:58
#1
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http://www.amazon.de/dp/3423280840/ref=n...wwwspiegelde-21

Der Spiegel schreibt dazu:

Ärgert sich der Deutsche, schreibt er Briefe. Die meisten Protestschreiben in und aus der DDR landeten bei der Stasi - ein Mosaik des Alltagsfrustes. Der Politologe Siegfried Suckut sucht die Absender

http://www.spiegel.de/einestages/was-ddr...-a-1077617.html

Moskwitschka


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18.02.2016 18:11
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#2
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@Moskwitschka, das wäre ein sehr schönes Thema wenn ,ja wenn es da nicht Jemanden gäbe der Aussagen aus Beiträgen herausklaubt, aus
dem Zusammenhang reißt. Anschließend diesen umformuliert und ins Gegenteil verkehrt.
Egal. Es stellt sich doch die Frage wie wurden die Briefe an ganz Oben behandelt und da behaupte ich mal, die sind nie angekommen. Das wäre der
Schock gewesen für die Altherrenriege.
Das MfS lass ich mal raus.
Diese Post wurde doch schon beim 5.Radierer abgefangen. Meine Eingabe ans ZK ergab folgendes.
Antwort vom Stadtbezirksbürgermeister Leipzig Süd mit so allerlei gefasel.
Im nächsten Schritt, ein Brieflein an den damaligen OBM Leipzig (Seidel)
Eine Antwort kam dann auch wieder von einem "Radierer". Den habe ich dann angerufen und wollte einen Termin beim OBM.
Den gab es natürlich nicht, aber plötzlich war mein Wohnungsproblem gelöst. Die alten Herren wollten doch garnicht geweckt werden, die wurden
doch förmlich abgeschottet vom Alltag.
Gerd


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18.02.2016 18:38
#3
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Soweit ich das gestern verstanden habe, waren es meist Briefe ohne Absender, in denen sich die Menschen Luft gemacht haben. Und keine Eingaben. Was soll daran radiert worden sein?

Wenn Du Dir de Abbildungen im Spiegel anschaust, dann sind sie eher wegen der Handschrift schwer zu lesen. Es sind auch keine Zeitzeugenaussagen, sondern reine Zeitdokumente.

Ich bin gestern in der Berliner Abendschau darauf aufmerksam geworden, wo der Herausgeber das Buch vorgstellt hat:

Anonyme Kritik zu DDR-Zeiten

In Tausenden Briefen an die Staatsspitze, Parteifunktionäre und Medien äußerten DDR-Bürger kritisch ihre Meinung – häufig anonym. Dass die Schreiben ihre Adressaten nicht erreichten, dafür sorgte die Staatssicherheit. Der Politologe Siegfried Suckut hat die Briefe nun gesichtet und zu einer teilweise absurd anmutenden Lektüre zusammengestellt.

Die Briefe enthalten Gedanken, Alltagssorgen und die zunehmende Wut der Bevölkerung – sowie Sprüche wie "SED = selten etwas da!" Politisch reichen die Stimmen der DDR-Gesellschaft vom Neonazi bis zum Altkommunisten, und noch öfter identifizierten sich die Absender grundsätzlich mit dem Sozialismus-Projekt, verzweifelten aber an der Art und Weisem wie es zu verwirklichen versucht wurde.


https://www.rbb-online.de/rbbaktuell/arc...timmen-ddr.html

Moskwitschka


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18.02.2016 18:52
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#4
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #3
Soweit ich das gestern verstanden habe, waren es meist Briefe ohne Absender, in denen sich die Menschen Luft gemacht haben. Und keine Eingaben. Was soll daran radiert worden sein?

Wenn Du Dir de Abbildungen im Spiegel anschaust, dann sind sie eher wegen der Handschrift schwer zu lesen. Es sind auch keine Zeitzeugenaussagen, sondern reine Zeitdokumente.

Ich bin gestern in der Berliner Abendschau darauf aufmerksam geworden, wo der Herausgeber das Buch vorgstellt hat:

Anonyme Kritik zu DDR-Zeiten

In Tausenden Briefen an die Staatsspitze, Parteifunktionäre und Medien äußerten DDR-Bürger kritisch ihre Meinung – häufig anonym. Dass die Schreiben ihre Adressaten nicht erreichten, dafür sorgte die Staatssicherheit. Der Politologe Siegfried Suckut hat die Briefe nun gesichtet und zu einer teilweise absurd anmutenden Lektüre zusammengestellt.

Die Briefe enthalten Gedanken, Alltagssorgen und die zunehmende Wut der Bevölkerung – sowie Sprüche wie "SED = selten etwas da!" Politisch reichen die Stimmen der DDR-Gesellschaft vom Neonazi bis zum Altkommunisten, und noch öfter identifizierten sich die Absender grundsätzlich mit dem Sozialismus-Projekt, verzweifelten aber an der Art und Weisem wie es zu verwirklichen versucht wurde.


https://www.rbb-online.de/rbbaktuell/arc...timmen-ddr.html

Moskwitschka


Ja, da hassde was falsch verstanden, Anonyme Briefe? was soll denn das? Da kann es logischer Weise keine Reaktion geben, odär?
Bei meinen Schreiben gab es immer eine genaue Absenderadresse.
Kleiner Denkanstoß? Auf dem AB blinkert etwas, Knäbbertzschen gedrückt und gelauscht.bla,bla " Erbitte Rückruf "
Ach da war noch was, ruf doch mal zurück auf die unterdrückte Nummer.
Gerd


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18.02.2016 19:24
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#5
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ohne Worte - dafür zum hören

http://www.dw.com/de/wenn-honecker-das-g...4tte/a-19054693

bissel scrollen - Audio sind unten !


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18.02.2016 21:15
avatar  Hanum83
#6
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Ich hab offizielle Eingaben gemacht, viele


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19.02.2016 11:22
#7
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Zitat
In Tausenden Briefen an die Staatsspitze, Parteifunktionäre und Medien äußerten DDR-Bürger kritisch ihre Meinung – häufig anonym. Dass die Schreiben ihre Adressaten nicht erreichten, dafür sorgte die Staatssicherheit. Der Politologe Siegfried Suckut hat die Briefe nun gesichtet und zu einer teilweise absurd anmutenden Lektüre zusammengestellt.



Warum denn anonym ? Niemandem wurde der Kopf abgerissen, wenn in normaler Kommunikation auf Mißstände hingewiesen
oder Sorgen formuliert wurde/n.
Soviel Arsch in der Hose sollte jeder DDR-Bürger schon gezeigt haben.

Das kein System der Erde auf jeden Einwand und jede Beschwerde reagiert, wen wundert das. Ist heute in einer angeblich wahren
Demokratie ebenso.
Nur grantiges Rumbrubbeln und Schimpfen, möglichst pauschal auf alles, und dann noch anonym, kennt man das nicht auch heute noch ?

P.S.: ...ihre Adressaten nie erreichten...
War mir persönlich egal damals, mir reichte es, eine möglichst erschöpfende Antwort zu erhalten, was auch immer geschah.
Daß nicht Walter, Erich oder irgend ein Minister diese Briefe las, ist das denn heute anders ?
Hat die Kanzlerin einen persönlichen Kummerkasten ?


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19.02.2016 11:50
avatar  TOMMI
#8
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Das ganze zeigt doch, dass ein großer Teil der DDR-Bürger irgendwie zum System loyal war. Die offiziellen Verlautbarungen
darüber, wie schön doch der Sozialismus ist, waren nicht ganz wirkungslos geblieben.
Nun erlebte man am eigenen Leibe, dass in unmittelbarer Nähe von dem Sozialismus, der immer propagiert wurde, nichts zu merken war.
Wer kennt sie noch, Sprüche, wie solche: "Wenn das der Erich wüsste, wie es hier zugeht! " ; oder die Drohung: "Ich schreibe an Erich, der
kann ja gar nicht wissen, was los ist..." ?
Ich denke mal, so und so ähnlich waren die Motive für diese Briefschreibungen.
Dann, gegen Ende, so 1988 / 89, wenn nicht schon gar seit Gorbatschow 1985 setzte die große Desillusionierung ein.....


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19.02.2016 12:25
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#9
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Hallo,
anonym aber sehr konkrete Hinweise auf Ungesetzlichkeit besonders private Bereicheurng, sammlete das MFS nur oder wurde duchaus konkret und gründlich nachgeschaut bis hin zu Verfahrenseröffnung?

War dieser Weg nicht sogar der gewünschte betreff Kritik, nie offiziell so erklärt aber genutzt. Einerseits eben berechtigte Hinweise, andenrseits keine öffentliche Demontage von Partei, Staat und Funktionsträgern.

Was gab es für Rückkopplungen betreff namentlicher Hinweise?

Denkbares Beispiel:


Chemiedreck um Bitterfeld, Hinweis eines Mediziners, Chemikers usw. auf aktuell gesundheitsgefährdende Belastungen, welche Reaktionen?

Wir wollen das nicht wissen, oder
die nächsten 15 Jahre sind wir wirtschaftlich gezwungen so weiterzumachen, behalten sie das Wissen für sich und erzeugen bitte keine Panik bei der Bevölkerung. Ärger erst wenn der Chemiker die Informationen streute....


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19.02.2016 12:41
#10
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Zitat von SET800 im Beitrag #9

Was gab es für Rückkopplungen betreff namentlicher Hinweise?



In dem thread Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe hatte ich mal einige Beispiele von Eingaben einschließlich der Antworten verlinkt.

Moskwitschka


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19.02.2016 12:41
#11
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #7

Niemandem wurde der Kopf abgerissen, wenn in normaler Kommunikation auf Mißstände hingewiesen
oder Sorgen formuliert wurde/n.
Soviel Arsch in der Hose sollte jeder DDR-Bürger schon gezeigt haben.





Ich hatte Arsch in der Hose...........ich dokumentierte eine Woche lang die massiven Gülle-Einleitungen in die
Elbe. Als ich versuchte es öffentlich zu machen bekam ich Besuch.
**Ich bedanke mich heute noch für die Zusammenarbeit der Sächsischen Zeitung mit der *Firma* die mir damals
meine Wohnung verwüstete.**

Da ich weiß das ehemalige Angehörige eben dieser Firma hier im Forum sind, sagt mir doch mal.......warum
war ich den so gefährlich für diesen Staat, zumal ich bis dahin eine sehr loyale Einstellung und Vergangenheit hatte.

Schön wenn ich eine Antwort bekäme.


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19.02.2016 13:00
avatar  Ebro
#12
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Es durfte nicht sein, was nicht sein darf!

Dieses gespaltene Verhältnis zur Umwelt war allgemeine Praxis. Warum das so war-keine Ahnung. Vielleicht wieder Angst davor, im Westen im schlechten Licht zu stehen?
Praktische Notwendigkeit, gewisse Sachen in Kauf zu nehmen? (ich kenne einen Fall, da wurden Filteranlagen von Absauganlagen entfernt, um die Produktion zu erhöhen-die Dinger wirkten wie Drosseln).
Und es stimmt schon, Bürger, die sich damit aktiv beschäftigten, wurden von uns "schief" angesehen, als Unruhestifter bezeichnet.


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19.02.2016 13:05
#13
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Problem war doch weniger das Melden eines Mißstandes, einer Sache, die mich und andere störte, sondern vielmehr

die Verantwortlichen in der Informationskette.

Kamen in den Betrieben Beschwerden, nahm sie der Meister zur Kenntnis und gab sie weiter, der Abteilungsleiter nahm
sie zur Kenntnis, formulierte um (beschwichtigend), die BPO (Betriebsparteiorganisation) nahm die letzten negativen
Passagen vor und formulierte um, die Kreisleitung bewahrte erst einmal auf, und wenn das corpus delicti dann am Ziel ankam
war es eine Lobeshymne auf Partei und Arbeiterklasse.
Kaum jemand oberhalb der Produktion gab gern nach oben zu, daß in seinem Bereich Klagen vorhanden sind.
Jedem war das Hemd näher als der Rock, es könnte den Posten kosten, die Beförderung, oder auch gewisse Privilegien.
Man log sich die Republik von unten nach oben immer schöner.

Das ging aber alles nur im Betrieb, betraf nicht private Dinge.

Private Anliegen erreichten vielleicht nicht die erwünschte Person, dafür jedoch meist
für das jeweilige Problem zuständige Ressort, das genügte dann auch.
Und es gab eine Antwort in angemessener Frist, oft mit positivem Ergebnis.
Jedenfalls ist das meine Erfahrung.


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19.02.2016 13:14
#14
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Zitat von Ebro im Beitrag #12
Es durfte nicht sein, was nicht sein darf!

Dieses gespaltene Verhältnis zur Umwelt war allgemeine Praxis. Warum das so war-keine Ahnung. Vielleicht wieder Angst davor, im Westen im schlechten Licht zu stehen?
Praktische Notwendigkeit, gewisse Sachen in Kauf zu nehmen? (ich kenne einen Fall, da wurden Filteranlagen von Absauganlagen entfernt, um die Produktion zu erhöhen-die Dinger wirkten wie Drosseln).
Und es stimmt schon, Bürger, die sich damit aktiv beschäftigten, wurden von uns "schief" angesehen, als Unruhestifter bezeichnet.

Wenn bei uns die Entstaubungsanlage ausgefallen ist , stand die Produktion.

gg


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19.02.2016 13:23
#15
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Es gab gerade im Umweltbereich eine Vielzahl von Initiativen außerhalb von Betrieben, die über ein privates Anliegen hinausgingen. Und genau aus diesen Gruppe wuchs unter anderem in den 80-ern, weil sie nicht nur an Grenzen stießen und nicht nur "schief" angeguckt wurden, die DDR - Oppostion:

Zu den häufigsten Aktionsformen der Gruppen gehören Demonstrationen, Fahrradkorsos, Ökologie-Seminare, Informationsveranstaltungen und nicht zuletzt der aktive Einsatz vor Ort, zum Beispiel bei einer Baumpflanzaktion. Immer ist das Hauptziel, so viele Menschen wie möglich zu mobilisieren.

Eine für die Verhältnisse beachtliche Resonanz erreicht der Einsatz dreier 17-jähriger Schüler aus Schwerin, die 1979 die erste Baumpflanzaktion starten. Jörn Mothes, Nikolaus Voss und Olaf Naasner organisieren in der Evangelischen Jugendarbeit ein Umwelt-Wochenende mit Vorträgen und einer Aktion, bei der 50 Jugendliche etwa 5.000 Bäume entlang einer Straßenbahnlinie in Schwerin pflanzen. (Wie Christian Halbrock im Zeitzeugen-Interview berichtet, wollen die Jugendlichen aktiv sein, auf die Straße gehen und nicht nur Eingaben verfassen.) Der Kontakt zur Bevölkerung ist gut, und es bietet den Aktivisten einen gewissen Schutz, wenn die Bürger auf Verhaftungen mit Empörung reagieren. Warum führt man junge Leute ab, die etwas für die Umwelt tun?


http://www.jugendopposition.de/index.php?id=201

Christian Halbrock

DDR-Opposition

geb. am 24.10.1963 in Crivitz bei Schwerin

Er wächst in einer Pfarrersfamilie in Mecklenburg auf.

1980
wird ihm die Zulassung zum Abitur verweigert. Er beginnt deshalb eine Ausbildung zum Elektromonteur im Volkseigenen Betrieb Schiffselektronik in Rostock. Weil er sich weigert, den „Schwerter zu Pflugscharen“-Aufnäher von seinem Parka zu entfernen, wird ihm Berufsschulverbot erteilt. So kann er zunächst nur den praktischen Teil seiner Ausbildung fortsetzen, die anstehenden Theorieprüfungen bleiben ihm verwehrt, da er nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen. Erst als das Ministerium für Staatssicherheit bei einer Befragung den Parker samt Aufnäher beschlagnahmt, wird das Berufsschulverbot aufgehoben. Nach Abschluss seiner Lehre bekommt er keinen Arbeitsplatz. Er wird zunächst in einer kirchlichen Einrichtung in Lobetal bei Berlin als Hilfspfleger tätig.

1982
knüpft er erste Kontakte zu kirchlichen Umweltkreisen. Er ist unter anderem an Aktionen gegen den Bau einer Autobahn bei Schwerin und gegen die Umweltverschmutzung durch die Chemiewerke in Wolfen und Bitterfeld beteiligt. Dafür wird er mehrere Male verhaftet.

1983
zieht er nach Berlin Prenzlauer Berg in ein besetztes Haus. Er arbeitet auf einem Friedhof, bei der Volkssolidarität und schließlich in einem kirchlichen Buchladen.

1986
gründet er den Friedens- und Umweltkreis der Pfarr- und Glaubenskirche in Berlin-Lichtenberg mit, ein Vorläufer der im September zusammen mit Wolfgang Rüddenklau und Carlo Jordan gegründeten Umwelt-Bibliothek (UB). Bis zum Herbst 1989 ist er in der UB aktiv und Mitglied im Gemeindekirchenrat der Zionsgemeinde.


Moskwitschka


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