Volkes Stimmen: »Ehrlich, aber deutlich« - Privatbriefe an die DDR-Regierung

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19.02.2016 13:25
avatar  Ebro
#16
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Siehste, @Heckenhaus, und genau diesen Werdegang kannst Du auch auf die Tätigkeit des MfS übertragen.
Der kleine Mitarbeiter an der Basis, der genau wußte was Phase in seinem Verantwortungsbereich ist,(Industrie, Bildungswesen, Gesundheitswesen, Landwirtschaft....) zeigte die Mißstände in seinem monatlichen Bericht auf. Jeder dieser Berichte kam zu einem Auswerter, der die Informationen für den Leiter der Dienseinheit aufbereitete. Da wurde schon das erste Mal geschönt. Der Leiter liest dann, was so los ist. (das können wir nicht so schreiben, das überprüf nochmal....) und dann genau so weiter zur SED-Kreisleitung, zur Bezirksleitung und was weiß ich noch wohin.
Nun kann sich jeder ausmalen, was dann ganz oben ankam, -zig mal geschönt. Und der kleine Mitarbeiter(der ja seit der Wende der Angeschissene ist) wunderte sich, dass keine Reaktionen auf seine Informationen kamen.
Deshalb gebe ich übrigens nicht unbedingt unser obersten Riege der DDR die größte Schuld an allem-sie wußten es nicht besser, weil Vieles sie gar nicht erreicht hat.
Schuldiger sind in meinen Augen diese vielen "Filter" in der Infokette.

Endlich als geistig primitiv erkannt worden, hat ja lange gedauert......!
Mitglied in einem Forum, indem man nur wegen der Vita regelmäßig dumm angemacht wird von Ahnungslosen und Dünnbrettbohrern

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19.02.2016 14:03
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#17
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Ich denke mal, daß weitere Briefe aus dem Buch im Netz zu lesen sind. Ohne das gesamte Buch kaufen zu müssen und den Autor zum " reichen Mann " zu machen. Warum als Privatmann die Veröffentlichung ? Ist dies denn Recht und Gesetz im Umgang mit den Akten ?
Nun, 250 ausgewählte Briefe ! Mich würde echt interessieren, was in den anderen Briefen steht, die durch die Roste der Auswahl gefallen sind. Beleidigungen, Hetze, Drohungen oder auch echte personenbezogene Hinweise, von nicht IM, zu Feinden der DDR, Warnungen vor ungesetzlichen Aktionen ? Für mich ist es nicht verwunderlich, daß vom MfS versucht wurde die Schreiber zu ermitteln. Anonyme Briefe erreichen die etwa ihre Adressaten in der BRD? Lachhaft an sowas zu glauben.
Zu anonymen Briefen: Was ist der Sinn ? Wer anonyme Briefe schreibt, der legt offensichtlich keinen Wert auf eine Kommunikation mit dem Empfänger des Briefes. Also wozu ? Um auf gesellschaftliche, wirtschaftliche Probleme aufmerksam zu machen ? Die waren hinreichend bekannt, auch den sogenannten hohen Häusern. Staatsrat und ZK. Die Eingaben wurden auf der Grundlage des entsprechenden Gesetzes bearbeitet. Nun braucht mir niemand damit zu kommen, daß in der DDR die Gesetze unrecht waren. Alter Schmarrn.
Und bei den mfs - insidern kann man nachlesen:
" Den Diensteinheiten des MfS gingen z.B. jährlich 3.500 bis 4.000 schriftliche Eingaben von Bürgern zu, die nur zu 15 % die Arbeit des MfS, überwiegend Entscheidungen örtlicher Staatsorgane, betrafen. In allen Fällen erfolgte eine gewissenhafte Prüfung und wo immer möglich, wurde unbürokratisch Abhilfe geschaffen. Die Zahl der Eingaben an zentrale Staatsorgane, insbesondere an den Staatsrat der DDR, dürfte ein Vielfaches dieser Eingaben betragen haben und auch hier wurden sie mit großer Sorgfalt und zügig bearbeitet.

1988 wurde in der DDR begonnnen eine Verwaltungsgerichtsbarkeit aufzubauen, so dass Bürger gegen staatliche Entscheidungen auch vor Gericht klagen konnten. "
Also was solls......


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19.02.2016 14:31 (zuletzt bearbeitet: 19.02.2016 14:32)
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#18
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Die Bürger der DDR waren fleißig im Briefe schreiben und Mißstände anprangern,
Ein Adressat war die https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-u...ktion_%28DDR%29.
die wäre zum Beispiel bei einem Massenhaften Abverkauf von Backwaren an Private durch die Hintertür tätig geworden.
Melder, die Mißstände anprangerten, gab es immer zu Genüge.

Auch im meiner Archivarbeit im Umweltbereich sind mir entsprechende Briefe zu Kenntnis gekommen.
Probleme waren zum Beispiel illegale Müllablagerungen in ehemaligen Tongruben, Einhaltung der Trinkwasserschutzgebiete,
Müll in Gewässern, besonders in Uferbereichen.
Dafür war die staatliche Gewässeraufsicht zuständig, die auch Ordnungsgelder verhängte.


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19.02.2016 14:36
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#19
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19.02.2016 15:02
#20
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Ja @damals wars und beim DFD konnte man sich bei Kaffee und Kuchen über die neuesten Strick-und Häckelanleitungen austauschen https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratis...nd_Deutschlands

Moskwitschka

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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19.02.2016 15:24
avatar  Alfred
#21
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Zitat von Ebro im Beitrag #16
Siehste, @Heckenhaus, und genau diesen Werdegang kannst Du auch auf die Tätigkeit des MfS übertragen.
Der kleine Mitarbeiter an der Basis, der genau wußte was Phase in seinem Verantwortungsbereich ist,(Industrie, Bildungswesen, Gesundheitswesen, Landwirtschaft....) zeigte die Mißstände in seinem monatlichen Bericht auf. Jeder dieser Berichte kam zu einem Auswerter, der die Informationen für den Leiter der Dienseinheit aufbereitete. Da wurde schon das erste Mal geschönt. Der Leiter liest dann, was so los ist. (das können wir nicht so schreiben, das überprüf nochmal....) und dann genau so weiter zur SED-Kreisleitung, zur Bezirksleitung und was weiß ich noch wohin.
Nun kann sich jeder ausmalen, was dann ganz oben ankam, -zig mal geschönt. Und der kleine Mitarbeiter(der ja seit der Wende der Angeschissene ist) wunderte sich, dass keine Reaktionen auf seine Informationen kamen.
Deshalb gebe ich übrigens nicht unbedingt unser obersten Riege der DDR die größte Schuld an allem-sie wußten es nicht besser, weil Vieles sie gar nicht erreicht hat.
Schuldiger sind in meinen Augen diese vielen "Filter" in der Infokette.



Das die Berichte im MfS auf diese Art geschönt wurden, kann ich so nicht bestätigen.

Da gehe ich nicht mit, auch weil ich da einiges gelesen habe.


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19.02.2016 16:42 (zuletzt bearbeitet: 19.02.2016 16:44)
avatar  Ebro
#22
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Also 3 mal geschönt bis Ebene Kreisleitung habe ich selbst erlebt, mehrmals.
Und ich meine nicht die Parteiinformationen, sondern die allgemeinen monatlichen Auskunftsberichte.

Endlich als geistig primitiv erkannt worden, hat ja lange gedauert......!
Mitglied in einem Forum, indem man nur wegen der Vita regelmäßig dumm angemacht wird von Ahnungslosen und Dünnbrettbohrern

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19.02.2016 17:09
#23
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Zitat von Ebro im Beitrag #22
Also 3 mal geschönt bis Ebene Kreisleitung habe ich selbst erlebt, mehrmals.
Und ich meine nicht die Parteiinformationen, sondern die allgemeinen monatlichen Auskunftsberichte.


Ich kenne das so aus meiner damaligen Funktion so: Die einzelnen monatlichen Berichte zu "Stimmung und Meinungen" in den Grundorganisationen wurden sozusagen "verdichtet". Abgesehen davon, daß nicht wenige "Alte Hasen" sich selbst dabei zensierten, um ihre Ruhe vor dem übergeordneten Organ und nicht dauernd eine Kommission im Haus zu haben, wurde geprüft, ob es sich um Kritiken nur in wenigen einzelnen Berichten bzw. nur einem handelte, oder ob sich die Kritiken zu bestimmten Sachverhalten häuften und in relativ vielen Berichten immer wiederkehrten. Dann war nichts mehr unter den Tisch zu kehren, denn diese Kritiken und Fragen wurden auch auf den monatlichen Kreisberatungen durch die Mitglieder angesprochen und da saß i.d.R. auch ein Vertreter der nächsthöheren Ebene mit dabei.


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19.02.2016 17:46 (zuletzt bearbeitet: 19.02.2016 17:46)
#24
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Das Buch wurde in der Leipziger Presse vorgestellt.

Zum ersten wurden Schreiben nicht beantwortet und erreichten den Adressaten tatsächlich nicht. Eine Familie hat es mehrfach vergeblich versucht.

Und die Anonymen haben nur ihren Frust verbal losgelassen. Vermutlich war das aber nicht der heute übliche "Shitstorm".

Daß jetzt eine Auswahl getroffen werden mußte, ist eigentlich klar.

Der "gelernte" DDR-Bürger kann sich vorstellen, was da drin steht. Interessant ist das Buch sicherlich für Alt-Bundesbürger, welche die in den Schreiben dokumentierte inoffizielle Stimmung nicht kennen.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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19.02.2016 18:16
avatar  furry
#25
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #24


Der "gelernte" DDR-Bürger kann sich vorstellen, was da drin steht. Interessant ist das Buch sicherlich für Alt-Bundesbürger, welche die in den Schreiben dokumentierte inoffizielle Stimmung nicht kennen.


Zur Auflockerung: Interessant für den ehemaligen DDR-Bürger wären Eingaben der damaligen Bundesbürger.
Hier ein Beispiel aus 1972 (Quelle: Es fängt damit an, daß am Ende der Punkt fehlt, Deutscher Taschenbuchverlag)

"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)


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19.02.2016 18:17 (zuletzt bearbeitet: 19.02.2016 18:17)
#26
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Na, die Wessis hatten "Sorgen"....

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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19.02.2016 18:19
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#27
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( gelöscht )

Zu #15 @Moskwitschka , auch aus der anderen Richtung wurde ein Schuh daraus....
Man bediente sich der Umweltaktivisten in der DDR (auch von Seite der Kirche) um sie in die Opposition zu integrieren. So machte man die Umweltsünden zum Thema um damit auch Politik gegen die DDr zu machen.
Ein Beispiel im "kleinen", in Eisenach wurde von der Kirche eine sog. "Umweltbibliothek" eröffnet (in der Nähe Jakobsplan), dort wurden Druckschriften "wie wasche ich mit Zirone" usw. verteilt und so ganz nebenbei gab es auch abendliche Treffen, wo die Umweltsünden des Staates thematisiert wurden......

Nur seltsam, kurz nach der "Wende" wurde diese "Umweltbibliothek" geschlossen, die böööse DDR war tot und nun ist uns die Umwelt auch wieder egal....
Was kam danach in diese Räume? Der CVJM


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19.02.2016 23:51 (zuletzt bearbeitet: 19.02.2016 23:54)
#28
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Volkes Stimme @bürger der ddr

Moskwitschka

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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20.02.2016 12:17
#29
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@Ebro schrieb;
"Deshalb gebe ich übrigens nicht unbedingt unser obersten Riege der DDR die größte Schuld an allem-sie wußten es nicht besser, weil Vieles sie gar nicht erreicht hat.
Schuldiger sind in meinen Augen diese vielen "Filter" in der Infokette."
___________________________________________

Ein Problem, mit dem ich bis jetzt nicht klar komme: "Wussten die DDR-Oberen nichts von den Problemen, oder wollten sie es nicht wissen?"

Hin und wider waren sie ja zu Besuch in Betrieben und staatlichen Einrichtungen und sprachen mit DDR-Bürgern.
Natürlich wurden die Personen ausgesucht und auch die jeweiligen Arbeitsbereiche würden ausgewählt und vorbereitet.
Warum wichen sie nicht einfach mal von der Protokollstrecke ab, um sich mit "Otto-Normalverbraucher" zu unterhalten?
Wer hätte sie daran hindern können?
Wollten sie den Aufbau Potemkinscher Dörfer oder merkten sie das schon gar nicht mehr?
War es ihnen verboten, mal auf der Dienstfahrt unterwegs anzuhalten, um sich einmal in einem Dorfkonsum umzusehen und sich mit der Verkäuferin zu unterhalten?
Waren sie dazu zu überheblich, oder waren sie zu unsicher und gutgläubig oder fürchteten sie die Realität?

Natürlich haben viele Ebenen geschönt und gelogen.
Ich neige aber dazu, dass unsere Oberen sich das letztlich indirekt so wünschten.

Klaus

"Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Haß wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden."
( Johann Wolfgang von Goethe)


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20.02.2016 12:29
#30
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Hallo Mitarbeiter vom ehemaligen MfS ich würde mich freuen wenn mir mal einer eine Antwort
auf meine Frage im Beitrag #11 geben würde.

Jene, die ihre Schwerter zu Pflugscharen schmiedeten, pflügen heute für diejenigen die ihre Schwerter behielten.

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