Die Zeit danach

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17.02.2016 10:56
avatar  TOMMI
#1
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Hallo Leute, vor allem an die, welche bei den GT gedient haben. Am Tag der Entlassung haben sich viele geschworen "Nie wieder".
Manche riefen das auch lautstark heraus. Zumindest auf das deinstliche Nimmerwiedersehen dürfte dieser Schwur in Erfüllung gegangen
sein. Aber wie war es nun tatsächlich, nachdem Ihr ins Zivilleben zurück gekehrt seid? Wann überkam Euch das erste Mal die Neugier,
die alten "Wirkungsstätten" wieder zu sehen und wann setztet Ihr diesen Wunsch um? Gab es auch einige, die sich eisern an das "Nie wieder"
hielten. Wegen der Problematik der Sperrgebiete dürften eh die wenigsten zeitnah diese Orte wieder gesehen haben, außer denen, die kurz vor der Wende entlassen wurden oder deren Dienstzeit genau in diese Zeit fiel.
Also, Leute, wann und wie habt Ihr das danach erlebt an den Originalschauplätzen?

EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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17.02.2016 11:10
#2
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Also ich war an diesen ganzen Wirkungsstätten,wo ich mal war-- nie wieder-- gewesen bis heute. Das fängt an--Glöwen,dann am Kanten,Zarrentin und als Resi in Palingen und dann noch mal in Beelitz. Naja,ein Besuch in Zarrentin und Umland am Schaalsee wurde mich schon mal reizen,aber dann gleich mit einigen Tagen Urlaub dort.


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17.02.2016 11:12
avatar  Udo
#3
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Udo

Da ich noch Freunde in der Kaserne hatte, bin ich im nächsten Halbjahr noch öfters hingefahren. Dann erst wieder nach der Wende, um meinen ehemaligen KC und den Chef Technik und Bewaffnung in Schwarzkombi anzutreffen.


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17.02.2016 11:25
avatar  Zange
#4
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Ich war zwar nicht bei den GT, befand mich jedoch in einer ähnlichen Situation, als ich den BGS nach 9jähriger Zugehörigkeit verließ.

Ich hatte kein Bedürfnis, die Kaserne nochmals zu betreten und habe es auch nicht getan.

Ich habe noch lange Jahre Kontakte zu ehem. Kameraden gepflegt, das jedoch ausschließlich in privatem Umfeld.

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (Helmut Schmidt)


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17.02.2016 11:54 (zuletzt bearbeitet: 17.02.2016 11:56)
avatar  TOMMI
#5
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Ich wurde im April '88 entlassen. Bis zum Ende dieser Grenze war es dann nicht mehr weit.
Ich hätte theoretisch die Möglichkeit gehabt, nach der Grenzöffnung, Teistungen zu besuchen,
aber die bekannten chaotische Zustände hielten mich damals davon ab. Zudem hätte ich dorthin
mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen müssen, fast unmöglich, dies in einer zumutbaren Zeit
zu schaffen. Mein einziges KfZ war ein Schönwetterfahrzeug, eine S50, dies fiel zu der Jahreszeit
damals aus.
Aber Anfang Mai 1990 war es dann soweit. Mit meiner S50, meinen Neffen auf dem Rücksitz fuhren wir
die 100km und zurück nach Teistungen. War ja alles noch zeitnah, Kaserne, Türme und Zäune kaum verändert.
Als wir uns der Kaserne näherten, wurde diese gerade mit einem W50 mit der Wachablösung für die GÜSt verlassen.
Auffällig war, die Soldaten trugen im Gegensatz zu meiner Dienstzeit, als sie Felddienst an hatten, Ausgangsuniform.
Dem Grenzübergang genähert gab es keine Hindernisse durch Schlagbäume und etc. mehr. Nur an einer kleinen Baracke
wurden pro forma die Personalausweise angeschaut. ( auf dem Rückweg erfolgte keine Kontrolle mehr)
Wir hielten auf dem ersten Parkplatz hinter der Grenze, stiegen aus und liefen ein Stück zum sogenannten "Kindergarteneck",
unsere ehemalige RTL (rechte Trennungslinie), allerdings nun von der anderen Seite. War schon ein komisches Gefühl.
Ich kannte noch die Stelle, an der wir uns damals bevorzugt auffielten, wenn wir an dieser Stelle Dienst schieben mussten.
Irgenwie bildete ich mir immer noch ein, genau dort Posten zu sehen, was natürlich nicht so war, zumal es zu dem Zeitpunkt keine
Geländestreifen der alten Art mehr gab. Meinen Neffen, der am Streichholzpfahl und dem Grenzstein herumturnte, ermahnte ich,
den Fuß aus "der DDR heraus zu nehmen". Dass dieser ganze Zauber vorbei wahr, hatte man damals noch nicht so richtig verinnerlicht.
Dann besuchten wir die Stadt Duderstadt, die mir gar nicht mehr so fremd vorkam, hatte ich doch 2 1/2 Jahre Gelegnheit, sie im Fernglas zu studieren. Wir kauften dort leichtsinnigerweise eine Tiefkühlpackung "Dickmanns". Wegen des warmen Wetters und dem beginnenden Auftauprozess, beschlossen wir, diese aufzuessen. Dann fuhren wir zum Pferdeberg, der direkt gegenüber der Führungsstelle lag. In der Gaststaätte zur "Schönen Aussicht" konnte ich erstmal die hübschen Kellnerinnen, die wir jahrelang mit dem Fernglas beobachtet hatten, aus der Nähe sehen. Die eine hatte ihre langen blonden Haare inzwischen kurzgeschnitten. "Schade", dachte ich damals. Die Führungsstelle war damals offen, aber die Inneneinrichtung durch Wandalismus zerstört. Das war das erste Wiedersehen mit "alten Wirkungsstätten" nach etwa 2 Jahren.

EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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17.02.2016 13:38
avatar  ( gelöscht )
#6
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( gelöscht )

Mir war das emotional ziemlich egal.
Das halbe Jahr Johanngeorgenstadt im Winter 1968/69 hat bei mir sogar bewirkt, daß ich das Erzgebirge noch heute als eine
mir sehr vertraute und liebgewordene Landschaft empfinde, wo ich einige Male Urlaub machte und gern Rast einlege.
Und das ganz besonders in der Umgebung des Auersberges.
Im ehemaligen Grenzabschnitt Juchhöh war ich bald nach dem Mauerfall währen der Durchreise in Richtung Alpen
wieder zu Gast. Ohne negative Erinnerungen, einfach aus Neugier. Mittlerweile gab es schon mehrere Male Unterwegshalt
in Mödlareuth.


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17.02.2016 15:54 (zuletzt bearbeitet: 17.02.2016 16:26)
#7
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Eine Leipziger Kaserne hätte ich wohl bis heute links liegengelassen.
So aber veränderte sich das "nie wieder" der Entlassung nach einiger Zeit von "ich will nie wieder " in "ich darf nie wieder". Letzteres machte die Sache plötzlich interessant, wie alle verbotenen Dinge. Aber mein geheimer Wunsch bezog sich auf einen unverbindlichen Besuch. Ein Reservistendienst hätte sofort wieder zum ursprünglichen "nie wieder" geführt (is eigentlich klar).
Als das Grenzgebiet keines mehr war, kannte meine angestaute Neugierde kein Halten mehr. Ich suchte den Rest von Authentizität vor Ort - ganz undienstlich.
Aber so ging es wohl Vielen hier. Die Mitgliedschaft in einem Grenzerforum kann die gleichen Gründe haben.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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17.02.2016 23:25 (zuletzt bearbeitet: 17.02.2016 23:27)
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#8
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Ich war erst vor zwei Jahren noch einmal in Hanum, die Natur hat sich den Schutzstreifen wiedergeholt.
Ärgere mich das ich nicht gleich nach der Wende noch einmal zurückgekehrt bin wo alles noch gut erhalten war.
Jetzt erahnt man nur noch den alten Grenzverlauf.


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18.02.2016 07:59
#9
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Nach der Wende hatte ich keine Zeit, Arbeit zum Lebensunterhalt war wichtiger.
Erst durch Forenmitglieder, die auch in meinen GK´s gedient hatten, habe ich mich entschlossen diesen Schritt zu gehen.
Mittlerweile ist es eine gute Angewohnheit geworden, jedes Jahr eine Grenzwanderung mit mittlerweile zu Freunden gewordenen ehemaligen Grenzern zu machen.

=============================================================================================
Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!


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18.02.2016 09:41 (zuletzt bearbeitet: 18.02.2016 09:42)
#10
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Da ich schon 68 entlassen wurde, vergingen über 20 jahre, bis ich die Gelegenheit hatte, meinen alten Abschnitt aufzusuchen. Das dauerte dann aber noch mal drei Jahre und muß etwa gegen 93/94 gewesen sein. Ich war im Außendienst und nach der Unterstellung unter unsere westdeutsche Konzerntochter 1993 bekam ich auch die Kunden in Westberlin. So fuhr ich eines Tages zum alten Objekt. Die baracke im Wald war, wimre, eingefallen, nur das Massivgebäude der Uffze stand noch. Der mehrstöckige Bau der Bootskompanie, in der wir ab April 68 lagen, stand noch, war aber unkrautumwuchert. Ich wollte auch die Westseite sehen. Auch was mußte ich sehen ? Die bedauernswerten Westberliner ! Die Waldwege, die Richtung Grenze führten, überall Schilder: Privatweg ! Privatweg! Privatweg! Leider hatte ich nicht genug Zeit und hätte mir gern noch das Stück der ehemaligen Exklaven Erlengrund und Fichtewiese angeschaut.
Rückblickend muß ich sagen: Während meiner Grenzerzeit hätte ich noch viel mehr illegale Fotos von den Örtlichkeiten im Abschnitt und im Objekt machen sollen und nach der Wende mir mal richtig Zeit nehmen und so viel wie möglich fotographieren.


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18.02.2016 10:18
#11
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Also in den Abschnitten wo ich diente,wäre ich zu DDR Zeit sowieso nicht mehr hingekommen. Und nach der Wende--da musste ein Besuch dort nicht stattfinden.Da war man genug auf Achse-durch die Montagetätigkeit--also für mich kommt so ein Besuch an den alten Wirkungsstätten nur in betracht --wenn es der Zufall mal will und ich mal in der Nähe bin.Oder wie ich mal schrieb--dort ein paar Tage Urlaub mache.


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18.02.2016 11:40
avatar  der 39.
#12
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Natürlich war ich neugierig, wie es nach der Wende wohl in den Stätten meines Wirkens aussehen wird.. Wenn ich zu meiner Schwester nach Wolfsburg führ, habe ich mich in Beendorf, Hötensleben und Hessen umgesehen. Aber ehrlich, ich war enttäuscht. Die Ortschaften hatten sich verändert, teils gravierend. Ich fand keinen inneren Kontakt, es waren nicht mehr meine Orte, meine Dienststellen, in denen ich doch so viel erlebt hatte. Jetzt würde es mich ohnehin nicht mehr dahin ziehen, es ist vorbei.
Der 39.


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18.02.2016 11:52
avatar  VNRut
#13
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Nach meiner Entlassung 10/1983 haben wir ganz laut geschrien "Nie wieder", dies konnte ich bis zur Wende durchziehen. Bei jeden Reservisten-Einberufungsbefehl lehnte ich ab, mit der Begründung meines Dienstunfalles welcher erst spät anerkannt wurde. Leider habe ich heute auch nichts mehr davon.

Die zweite Situation war als ich Ende November 1989 das erste Mal mit den Zug über die Grenze bei Marienborn gefahren bin und mir Gedanken mit Tränen in den Augen durch den Kopf gingen über die verlorene Jugendzeit, mein Dienst (Drill) in Berlin/Oranienburg/Groß-Glienicke, ein Gefühlschaos von Trauer und Glück und was wird jetzt aus deiner Heimat. Am GÜST traf ich zufällig meinen Schwager der mir über die Chaos-Tage der Grenzöffnung erzählte, über ständige wechselnde Befehlsanweisungen und Waffenanwendungen. (AK oder Pistole oder doch nichts). Im Braunschweig fand ich mich zum ersten Mal als "Bettler" wieder, weil unbekannte Menschen unseren Jungen Geld in die Tasche steckten. Ich brauchte erst mal Ruhe um Gedanken zu fassen und verließ das Kaufhaus fluchtartig. Gedanken über Klassenfeinde und Gut-menschen gingen durch den Kopf.

Ich war bis heute nicht in Oranienburg (Schloss Schleifen-stein und Sachsenhausen - Vereidigung) und Groß-Glienicke (Staaken/Falkensee/Eiskeller), ich wollte auch nie wieder zurück, aber eines Tages werde ich doch mal nachschauen was draus geworden ist, zumal ich mich für Architektur und Baudenkmäler interessiere und ich mir die Glienicker Brücke und die Heilandskirche am Port von Sacrow ansehen möchte, die ich damals nur von weiten sehen dürfte.

Gruß Wolle

GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle

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18.02.2016 17:17
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#14
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( gelöscht )

Danke für eure Beiträge. Sehr berührt hat mich der Beitrag von Wolle.

MfG Berlin


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18.02.2016 17:44
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#15
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Ich habe noch Anfang 1990 meine alte Wirkungstätte besucht, war alles sehr ungewöhnlich.
Kann ich auch zeitlich kaum eingrenzen, es fuhr im Abschnitt 2 noch ein Trabbi Streife.
Der sich aber für den Fußgänger nicht interresierte.
Im Abschnitt 1 fand ich den Lagerplatz der GAkl.
War leicht zu erkennen, es lag da eine schon leicht verrostete Büchse der beliebten Halberstädter Wiener Würstchen.
Die Straße zwischen Zehlendorf und Kleinmachnow, an der ich zum ersten mal begriff, das tatsächlich eine Stadt zerschnitten worden
war, war offen. Viele Türme waren schon umgeworfen.
Am meisten beeindruckt war ich dann in Babelsberg, der THW sicherte das Wasserschloss, das man im Geiste längs abgeschrieben hatte,
War mir nur als ödes Gebäude im Grenzgebiet in Erinnerung, Fenster vermauert, halb eingefallen?
Später dann fuhr mich dann mal ein Kumpel durch damals noch offene Brandenburger Tor.
War schon ein tolles Gefühl.
Später gings es dann über die Brücke der Einheit. Kannte ich nur durch das DF.
Eine Rundfahrt durchs damals offene stehende Objekt schloss sich an.


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