Gesamtdeutscher Kamerad meldet sich zum Dienst!

  • Seite 1 von 5
19.01.2016 23:28
avatar  ( gelöscht )
#1
avatar
( gelöscht )

Hallo allerseits!

Als Militärhistoriker nimmt für mich die Grenze eine besondere Rolle ein. Gleichwohl habe ich auch mit Stolz als Soldat gedient - und werde mich tatsächlich zurückmelden, wenn ich meinen Doktor gemacht habe (ja, wir Irren sterben nie aus... ).

Die innerdeutsche Grenze zu erforschen ist in diesem Sinne nicht einfach, bedenkt man die Stimmen, die sich meistens dazu äußern. Auf der einen Seite hört man die Totalrevisionisten, die nichts lieber haben, als zu sagen, dass alles exakt so sein musste, die BRD samt Bundeswehr sowieso der Teufel ist & die DDR immer der bessere Staat sein wird, und wer 'draufgeht, tja, Pech gehabt.
Auf der anderen Seite gibt es die rastlosen Gift-und-Galle-Spucker, die sich gar nicht darin überbieten können, den durchschnittlichen DDR-Grenzer, aber auch die Bewaffneten Organe der DDR überhaupt, als mordlüsterne Faschistenimitate darzustellen, die es gar nicht erwarten konnten, einen "Grenzverletzer" zu "vernichten".

Diese politisierte Debatte - die sich ab einem gewissen Punkt nur noch dreht um "Unrechtsstaat ja/nein" (dümmlicher Begriff, den kein ernstzunehmender Historiker je in den Mund nehmen würde) - hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Zum Einen habe ich in Bundeswehr wie in Zivilleben einige ehemalige NVA-ler kennengelernt, und das waren interessante Menschen, die ich heute zum Teil auch zu meinen Freunden zählen darf. Zum Anderen begegne ich "politisierter Geschichte" grundsätzlich mit Skepsis - egal, ob ein Parteipolitiker, der Punkte bei der Wählerschaft gutmachen will, oder ein Verschwörungstheoretiker, für den mal wieder die Rothschilds an allem Schuld sind, sie alle haben eine Agenda. Meine Aufgabe als Historiker ist es aber, hinter die Agenda zu blicken und treu zu davon berichten, was ich beweisen kann, und mich nicht von dem beeinflussen zu lassen, was die Leute gern hören wollen. Das ist manchmal schmerzhaft, und man macht sich schnell Feinde - aber seine Integrität darf man nicht opfern.

Dann fand ich dieses Forum - und wie hier selbstkritisch und offen erzählt wird, ohne sich in den revanchistischen Tönen mancher Ewiggestriger zu verlieren, hat mich beeindruckt. Dafür ein dickes Lob von mir!
Vielleicht wird es mir eines Tages zufallen, über Euer Wirken in Form einer wissenschaftlichen Arbeit zu berichten - und wenn Euch der Gedanke gefällt, würde mich das freuen.

Abschließend möchte ich sagen:

Ich freue mich, hier zu sein - UND EIN DREIFACHES HOCH DARAUF, DASS WIR NICHT AUFEINANDER SCHIESSEN MUSSTEN!


 Antworten

 Beitrag melden
19.01.2016 23:32
avatar  ( gelöscht )
#2
avatar
( gelöscht )

Na dann mal willkommen.
Gesamtdeutscher Kamerad, auch keine schlechte Wortschöpfung


 Antworten

 Beitrag melden
19.01.2016 23:39 (zuletzt bearbeitet: 19.01.2016 23:40)
avatar  ( gelöscht )
#3
avatar
( gelöscht )

Ich bin eben eine Wendekind. Als die Mauer fiel, war ich gerade ein paar Jahre alt. Somit kenne ich nur das eine Deutschland. Ich habe es nie gelernt, zwischen "Ossi" und "Wessi" zu unterscheiden, und habe auch nie den Sinn darin gesehen.

Es war nur immer gruselig zu beobachten, wie mühevoll die Menschen um mich herum daran arbeiten mussten, ihre Feindbilder zumindest zurückzufahren. Die Nachwendezeit war echt ein Kapitel für sich.

Und danke! Man muss schon etwas kreativ werden, wenn man einen noch nicht vergebenen Usernamen möchte...


 Antworten

 Beitrag melden
19.01.2016 23:41
avatar  Pitti53
#4
avatar

Na denn. Wieder mal ein Forscher bei uns. Hab dich grad freigeschaltet und dir damit mehr Stoff zum Forschen gegeben


 Antworten

 Beitrag melden
19.01.2016 23:43
avatar  ( gelöscht )
#5
avatar
( gelöscht )

Es gibt eine Historikerweisheit: "Der Zeitzeuge ist der beste Freund und schlimmste Feind des Historikers". Soll heißen, Zeitzeugen sind eine wichtige Informationsquelle - aber wehe dem, der Aussagen unkritisch übernimmt und nicht prüft.

Dann werde ich mal einiges zu tun haben...


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2016 01:00
avatar  andyman
#6
avatar

Hallo und willkommen im Forum.
Gruß aus Südschweden
andyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2016 08:12
avatar  ( gelöscht )
#7
avatar
( gelöscht )

Hallo und Willkommen ! Dann hau uns mal nich zu dolle in die Geschichtspfanne !

MfG Fritze


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2016 12:06
#8
avatar

Hallo Gesamtdeutscher Kamerad;

schön, dass du hier mitmachst.
Ein interessanter Eingangsbeitrag von dir.

Hast du eigentlich schon gemerkt, wie schwer es als Historiker ist, neuere Geschichte zu behandeln? Irgend wo und bei irgendwem eckt man immer an, auch wenn man objektiv sein will.

Was hälst du eigentlich von dem häufig zitierten Satz, dass Geschichte immer die Geschichte der Sieger ist ?

Klaus


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2016 13:33
#9
avatar

Hallo gesamtdeutscher Kamerad,
ich denke mal, wenn das, was du schreibst auch ehrlich gemeint ist( objektive Aufarbeitung ) dann könntest du eine Bereicherung des Forums sein.
Hier prallen immer noch Meinungen hart aufeinander, weil es einige nicht verstehen,daß bestimmte Geschehnisse in bestimmten Zeiträumen einfach der jeweiligen politischen Situation geschuldet sind, dem sich einige natürliche oder juristische Personen unbeschadet gar nicht entziehen konnten.
Du tätigst eine Aussage unter #1 Unrechtsstaat ja-nein,( dümmlicher Begriff,den kein ernstzunehmender Historiker je in den Mund nehmen würde)
Herr Dr. Hubertus Knabe ist ebenfalls Historiker, für mich und viele andere zwar auch kein ernstzunehmender Historiker, andere wiederum, die alles verteufeln,. was mit DDR, Sozialismus und MfS zu tun hat,glauben an das, was er äußert.Herr Knabe versucht ja nun wirklich alles um die DDR als Unrechtsstaat hinzustellen.
Für mich ein sehr widersprüchlicher Mensch,der objektive Fakten,immer mit seiner subjektiven politischen Einstellung interpretiert und keine andere Auslegung zuläßt.
Was ich ihm positiv zugute halte, ist, daß er die Akten der Gauck,Birthler,Jahn Behörde in das Bundesarchiv überstellen will, um sie einer besseren allgemeinen Forschung zuzuführen.Mit dem jetzigen einschlägig vorbelastetem Personalbestand der Behörde wird es nie eine objektive Aufarbeitung geben
Nun würde mich mal deine fachliche Meinung , zu deinem Berufskollegen und auch zu dem Fortbestand dieser Behörde interessieren.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2016 14:03
avatar  ( gelöscht )
#10
avatar
( gelöscht )

Hallo, solltest Du zum Wüstenfuchs forschen, stelle ich Dir gern das Buch "Der Unterführer der Flakatillerie" aus dem Jahr 1937 leihweise zur Verfügung. Und siehe da, er hat den Einsatz der Flak gegen Panzerwagen nicht erfunden, sondern das war Bestandteil der normalen Ausbildung.


 Antworten

 Beitrag melden
20.01.2016 17:04
#11
avatar

Moin @Gesamtdeutscher Kamerad, sei willkommen und begrüßt, auch wenn ich es hier schon mal las, Dein Nickname ist sehr speziell aber nicht schlecht.
In diesem Sinne wünsche ich Dir maximale Kampferfolge bei Deinen Forschungen.

Danke für den letzten Satz in Deiner Vorstellung.

gruß h.


 Antworten

 Beitrag melden
21.01.2016 00:13
avatar  ( gelöscht )
#12
avatar
( gelöscht )

Zitat von Klauspeter im Beitrag #8

Hast du eigentlich schon gemerkt, wie schwer es als Historiker ist, neuere Geschichte zu behandeln? Irgend wo und bei irgendwem eckt man immer an, auch wenn man objektiv sein will.

Was hälst du eigentlich von dem häufig zitierten Satz, dass Geschichte immer die Geschichte der Sieger ist ?

Klaus


1. Ohja. Gerade die Geschichte nützt noch wem. Sehr viele brauchen sie zur Selbstdarstellung. Gerade die Geheimdienstforschung ist ein verdammtes Minenfeld, und objektive Arbeit sehr, sehr schwierig. Besonders schlimm ist es, dass politische Randgruppen einen schnell zu "kaufen" suchen, wenn man in der Öffentlichkeit nicht die erwünschte Resonanz findet. Da findet man sich mit seinen Publikationen schnell im rechts- oder linksextremen Apologetenmilieu wieder, wenn man nicht aufpasst.

2. Hmmmm... Nee. Gerade viele Verlierer waren erfolgreich darin, ihre eigene Version der Geschichte zu vertreten, und daraus politisches Kapital zu schlagen. Man denke nur an die Dolchstoßlegende.

Aber danke für die Fragen! Sapere aude muss nun mal als Dauerzustand gewahrt bleiben, und da tut es auch mir gut, auf Grundsätze zu reflektieren.


 Antworten

 Beitrag melden
21.01.2016 00:34
avatar  ( gelöscht )
#13
avatar
( gelöscht )

Zitat von Signalobermaat im Beitrag #9

Herr Dr. Hubertus Knabe ist ebenfalls Historiker, für mich und viele andere zwar auch kein ernstzunehmender Historiker, andere wiederum, die alles verteufeln,. was mit DDR, Sozialismus und MfS zu tun hat,glauben an das, was er äußert.Herr Knabe versucht ja nun wirklich alles um die DDR als Unrechtsstaat hinzustellen.
Für mich ein sehr widersprüchlicher Mensch,der objektive Fakten,immer mit seiner subjektiven politischen Einstellung interpretiert und keine andere Auslegung zuläßt.
Was ich ihm positiv zugute halte, ist, daß er die Akten der Gauck,Birthler,Jahn Behörde in das Bundesarchiv überstellen will, um sie einer besseren allgemeinen Forschung zuzuführen.Mit dem jetzigen einschlägig vorbelastetem Personalbestand der Behörde wird es nie eine objektive Aufarbeitung geben
Nun würde mich mal deine fachliche Meinung , zu deinem Berufskollegen und auch zu dem Fortbestand dieser Behörde interessieren.


Hubertus Knabe ist ein schwieriger Charakter. Intelligent ist er, ohne Frage, aber er hasst die DDR, und das merkt man auch, weil er dann fachlich unsauber wird. Seine permanenten Quasi-Gleichsetzungen der DDR mit dem NS-Regime sind ziemlich hanebüchen. Er kann gut Fakten verarbeiten, aber politisiert bei seinen Schlüssen wirklich jedes Mal. Und genau das darf ein Historiker m. E. nicht. Er wandelt sich vom Fachmann zu sehr zum Agitprop-West, wenn er ständig das Verbot von DDR-Symbolen fordert (nichts sagt "Freiheitlichkeit" so sehr wie verbieten, verbieten, verbieten, um meine persönliche Meinung anzubringen).
Er ist fachlich sehr kompetent. Die Idee mit dem Bundesarchiv ist gut; in den MfS-Unterlagen schlummert sicher noch so manches, das einige Lücken der Erforschung schließt, und momentan ist die Erschließung noch nicht optimal. Das ist eben die richtige fachliche Schlussfolgerung für jemanden, der sein Handwerkszeug versteht. Nur leider hat er sich ein Themengebiet ausgesucht, das ihn richtig auf die Palme bringt.

Ich muss klarstellen, dass ich in der DDR wahrscheinlich eingegangen wäre, wie eine Kellerprimel. Dafür ist meine Klappe einfach zu groß. Irgendwann, so werde ich den Verdacht nicht los, hätte ich zum falschen Zeitpunkt das Falsche zur falschen Person gesagt und wäre in Schwedt und/oder Bautzen gelandet. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich deswegen aus einer Perspektive der Angst schreiben würde. Ich muss schreiben, was ich beweisen kann, beziehungsweise was ich in fundierter Weise annehmen kann. Das ist das Einzige, was zählt.


 Antworten

 Beitrag melden
21.01.2016 00:43
avatar  ( gelöscht )
#14
avatar
( gelöscht )

Zitat von damals wars im Beitrag #10
Hallo, solltest Du zum Wüstenfuchs forschen, stelle ich Dir gern das Buch "Der Unterführer der Flakatillerie" aus dem Jahr 1937 leihweise zur Verfügung. Und siehe da, er hat den Einsatz der Flak gegen Panzerwagen nicht erfunden, sondern das war Bestandteil der normalen Ausbildung.


Danke für das Angebot! Und nein, das überrascht mich nicht. Rommel war ein gutaussehender Strahlemann, und als Charakter derart eminent harmlos und blauäugig, dass der Kerl über einer Gaskammer hätte wohnen können, und er hätte nichts Schlimmes mitbekommen. Als Militär war er hingegen, sagen wir mal, gut, aber nicht so gut, wie es immer heißt. Die Belagerung von Tobruk war eine sehr einfallslose Angelegenheit mit viel zu hohen Verlusten bei gleichzeitig nicht proportionalem strategischen Gewinn. Aber, wie gesagt, fotogen, beliebt, und charmant - da wird man schon mal hochgejubelt.

Solche behelfsmäßigen Abwehrmethoden klingen hingegen sehr nach dem überarbeiteten Ausbildungsreglement der Reichswehr, bei denen kreative Improvisation besonders hoch im Kurs stand (ging wegen Versailles nicht viel anders). Eine bemerkenswerte Armee, über die viel zu wenig geforscht wird - Wehrmachtskram schreiben kann doch nun wirklich jeder.


 Antworten

 Beitrag melden
21.01.2016 06:55
avatar  ( gelöscht )
#15
avatar
( gelöscht )

Selten, dass das jemand so realistisch sieht!
Und ich kann es mir nicht verkneifen, eine Armee der Unteroffiziere.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!