Grenze in Pötenitz

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22.11.2015 22:04von Markus Stüber
Frage
Grenze in Pötenitz

Hallo,
weiß jemand, wie die Grenze im Bereich Pötenitz gesichert war? Es gibt einen großen Wald zwischen Pötenitz-Ausbau und Pötenitzer Wiek, dort war bis 1945 das Luftzeugamt der Luftwaffe untergebracht. Anschließend sprengten die Sowjets die Anlage. Teile des Grenzzauns verliefen am Ufer durch die Reste der alten Anlage - dort, wo auch noch heute der BT11 steht. Das Gelände st recht unwegsam, wurde es dennoch irgendwie überwacht? Gab es Einrichtungen der Grenzer außer dem Wachturm!
Gruß Markus

23.11.2015 00:03von andyman
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Hallo.Hier findest du was zu Pötenitz Grenze Priwall Heute und gestern ansonsten mußt du mal die SUFU bemühen.
Lgandyman

25.11.2015 21:56von Markus Stüber
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Hallo andyman,
Danke, aber der Link trifft das nicht so richtig. Meine Frage geht eher dahin, ob dieses Gelände DDR-Zeiten für die Grenzer und Sperrgebietsbevölkerung zugänglich war oder aber ob es gesperrt war.
Gruß Markus

25.11.2015 23:36von Kalubke
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Der Bereich westlich von Pötenitz bis zur Grenze am Ufer des Pötenitzer Wieks (auf der Karte das Gebiet zwischen der roten und der blauen Linie) war Schutzstreifen und sicher auch für die Bewohner der Sperrzone nicht ohne weiteres zugänglich. Der Grenzsignalzaun verlief m. E. östlich des Waldstückes, so dass es auch innerhalb des Schutzstreifens lag. Nur der Schießplatz, der vlt. ebenfalls zum Luftzeugamt gehörte, lag außerhalb. Auffällig ist der schmale innerhalb des Schutzstreifens liegende Geländestreifen an der Ortsverbindungsstraße, die von Pötenitz aus nach Süden führt. Topographisch sind dort größere Dämme, Wälle oder Böschungen zu erkennen.

Gruß Kalubke

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26.11.2015 12:18von Waldersee
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Auch hier in Ergänzung zur Antwort von "Kalubke" noch einmal ein Ausschnitt meiner damaligen Grenzkarte :

Hier ist der Grenzsignalzaun (grün eingezeichnet) gut zu erkennen. Rot wieder der Metallgittelzaun.
Leider habe ich privat nicht mehr so viele Fotos, aber hier ist es einigermaßen zu erkennen:

Gruß
waldersee

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26.11.2015 17:15von Schlutup
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@Waldersee

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27.11.2015 08:13von Markus Stüber
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Zitat von Schlutup im Beitrag #6
@Waldersee

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Hallo zusammen,
dem kann ich mich nur anschließen. Davon ist ja heute nix mehr zu sehen. Außer am Ufer sind noch alte Reste von Grenzzaunmatten und uralt-Drahtverhauen zu sehen. Die Schießstände gehörten übrigens zum LZA. Verlief der Zaun damals dann teilweise unterhalb der Straße bis zu dieser "Tasche" bei der Brücke und Abzweig Pö.-Ausbau? Ich erinnere mich, dass dort vor Pötenitz ein Kontrollpunkt war - wie auch weitere in Richtung Brook und Co.
Gruß Markus

27.11.2015 12:41von Kalubke
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Zitat von Waldersee im Beitrag #5

[...]

Gruß
waldersee


Was sind das da für tonnenartige Gebilde ganz rechts im Schrägluftbild von @Waldersee? Die müssen doch unmittelbar am nördlichen Rand des LZA-Geländes gestanden haben? Oder stehen sie vieleicht noch? Waren das evt. irgendwelche alten Lagerhallen des LZA?

Aus der Karte von @Waldersee geht auch hervor, dass die Verläufe des GSZ und der Schutzstreifengrenze nicht lageidentisch sind. Der Schutzstreifen fing schon vor dem GSZ unmittelbar westlich der Straße Pötenitz-Johannstorf an und der GSZ verlief quer über das LZA-Gelände in ca. 100-200 m Entfernung zum GZ I.

Gruß Kalubke

27.11.2015 12:56von Zange
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@kalubke

Hallo,

diese "tonnenartigen" Gebilde sind Siedlungshäuser in der Ortschaft Pötenitz. Die Straße verläuft schnurgerade und liegt ziemlich dicht an der ehemaligen Grenze. Es handelt sich um Doppelhaushälften, die aus den 1930er stammen dürften Die Hauser waren von der Westseite am Ufer der Pötenitzer Wiek deutlich zu erkennen,

schöne Grüße

Zange

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27.11.2015 13:25von ( gelöscht )
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Zitat von Waldersee im Beitrag #5
Auch hier in Ergänzung zur Antwort von "Kalubke" noch einmal ein Ausschnitt meiner damaligen Grenzkarte :

Hier ist der Grenzsignalzaun (grün eingezeichnet) gut zu erkennen. Rot wieder der Metallgittelzaun.
Leider habe ich privat nicht mehr so viele Fotos, aber hier ist es einigermaßen zu erkennen:

Gruß
waldersee



östlich davon , etwa ab Barendorf bin ich damals Grenzstreife gelaufen(Grenzkompanie Brook 6.GrenzBrigade Küste) bis vor Boltenhagen war unser Abschnitt.

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27.11.2015 17:34von Kalubke
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Gabs da bei Barendorf noch Sperranlagen und lag Barendorf schon im Schutzstreifen?

Gruß Kalubke

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27.11.2015 18:05von Zange
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Noch etwas zur Grenze im Pötenitzer Bereich.

Bis in die 1970er Jahre hinein war von Westen der Zugang zum Ufer der Pötenitzer Wiek nicht möglich, da dieser Bereich bereits zur DDR gehörte.

Am Ende der Halbinsel Priwall war ein großes Hinweisschild errichtet, das den Zugang untersagte. Der Grenzzaun befand sich seinerzeit ziemlich dicht am Ufer.

Die Grenzkommission stellte fest, dass es ein altes Wasser- Landrecht, wohl aus dem Mittelalter stammend, gab. Dieses Recht besagte, wem das Wasser gehört, dem gehört auch das Land.

Da die Pötenitzer Wiek, der Dassower See und die Trave zur Bundesrepublik gehörten, musste die DDR einen ca. zwei Meter breiten Uferstreifen bis hin zum Grenzübergang Selmsdorf abtreten.

Das hatte zur Folge, dass man am Ostufer theoretisch bis nach Schlutup marschieren konnte, wenn kein Hochwasser war. Man hätte also auch bis in den Dassower Bereich gehen können.

Danach wurden die Sperranlagen im Pötenitzer Bereich ein ordentliches Stück "freundwärts" versetzt.

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27.11.2015 18:14von ( gelöscht )
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Zitat von Kalubke im Beitrag #11
Gabs da bei Barendorf noch Sperranlagen und lag Barendorf schon im Schutzstreifen?

Gruß Kalubke


ja, doppelter Stacheldrahtzaun mit K6 oben auf der Steilküste. Der ganze Abschnitt war bis Großklützhöved, einer Landspitze vor Boltenhagen so gesichert.
Es war Sperrgebiet, kein Mensch durfte an der Küste und am Strand herumlaufen außer uns . Erst ab Ende der Zäune war der Strand wieder frei zugänglich. Das war 1963/64

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( gelöscht )
27.11.2015 18:56von Zange
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Ich kann mich an einen Bericht in den Lübecker Nachrichten nach der Wende erinnern, es ging um die Bewohner von Rosenhagen. Dieser Ort liegt bei Pötenitz, unmittelbar am Strand. Der Zugang zum Strand war den Bewohnern jedoch durch den Grenzzaun verwehrt, weil die gesamte Küste in dem Bereich der Lübecker Bucht Grenz- und Sperrgebiet war..
In einem Interview sagte eine Bewohnerin: "Manchmal konnten wir das Wasser und den Strand riechen."
Das fand ich schon sehr anrührend

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27.11.2015 19:27von Waldersee
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"Die Grenzkommission stellte fest, dass es ein altes Wasser- Landrecht, wohl aus dem Mittelalter stammend, gab. Dieses Recht besagte, wem das Wasser gehört, dem gehört auch das Land.
Da die Pötenitzer Wiek, der Dassower See und die Trave zur Bundesrepublik gehörten, musste die DDR einen ca. zwei Meter breiten Uferstreifen bis hin zum Grenzübergang Selmsdorf abtreten.
Das hatte zur Folge, dass man am Ostufer theoretisch bis nach Schlutup marschieren konnte, wenn kein Hochwasser war. Man hätte also auch bis in den Dassower Bereich gehen können."

Hallo Zange,
haargenau beschrieben. Als stellv. IS der ehemaligen GSA II/7 hatte ich jedes Jahr mindestens zweimal im Jahr "die Freude", den Grenzbereich vom Priwall bis Schlutuper Wiek zu Fuß abzulaufen, die Mündundung der Stepenitz wurde mit einem Schlauchboot überquert. Die ganze Sache dauerte dann machmal bis zu einer Woche.
Ich hatte mit Kräften des technischen Zuges oder der technischen Hundetschaft Küste die Aufgabe, zu dokumentieren, welche Schäden der Winter (Eisgang / Hochwasser / Treibgut) an den Grenzzeichen angerichtet hatte.
Defekte Grenzpfähle - und Steine meldeten wir der gemeinsamen Grenzkommission, Schäden an unseren Grenzhinweispfählen wurden anschließend in teilweise sehr aufwendigen Arbeitseinsätzen wieder gerichtet.
Das war wirklich ein Schei... Job, im Februar / März oder April bei ind und Wetter den ganzen Bereich "abzulatschen". Aber ich war halt verantwortlich und hatte nur wenige Ruhepausen auf unseren Coronet-Boot.
So wurde ich über die Jahre zum Fachmann für den Dassower See.
Ich bin ehrlich, wenn Hochwasser uns den Weg versperrte, habe ich ab und zu über DDR-Gebiet abgekürzt. Ich wusste ja wo man uns sehen konnte, also ich voran und alle Pioniere mir nach.
Manchmal hatte ich mich auch "verschätzt" und dann wurde offiziell protestiert, aber mein Kommandeur meinte dann nur "Laß die mal...gut gemacht".
Also wenn irgendwelche Fragen zum Dassower see noch offen sind...ich versuch`s dann mal
Gruß
waldersee


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